31 Juli 2014

Frank Wegener | 31. Juli, 2014   



Die Offseason ist im vollen Gange und hat uns schon viele unerwartete und für den ein oder anderen schockierende Überraschungen beschert. Im Big Easy hingegen, wo man weit entfernt von jeglichem LeBron, Melo und Love Gebrüll in aller Ruhe am Kader tüftelt, herrscht geradezu stoische Gelassenheit. Dabei hatten die Pelicans eigentlich recht furios begonnen und sich mit Ömer Asik einen dicken Fisch für den eigenen Erstrundenpick 2015 geangelt. 

Doch die verhältnismäßig absurd hohe Payroll der Pelicans (knapp 71 Mio. $) verhinderte ein Wettbieten um einen der hochkarätigen Free Agents. Selbst solide, gestandene Veteranen waren bei den finanziellen Möglichkeiten dieser Franchise nicht wirklich drin.

Stattdessen wurde Greg Stiemsma aus seinem Vertrag entlassen und die fehlende Lücke auf Gross mit Luke Babbitt ausgefüllt. Anthony Morrow entschied sich, künftig für die Oklahoma City Thunder die Schuhe zu schnüren und heuerte in OKC als Free Agent an. Als Ersatz für den Scharfschützen wurde postwendend Jimmer Fredette geholt. Die beiden Rookies Patric Young und Russ Smith, die für die Pelicans in der Summer League aufspielten, komplettieren die Reihe der Neuzugänge. Small Forward Al-Farouq Aminu wurde von den Dallas Mavericks unter Vertrag genommen, während Brian Roberts die Charlotte Hornets verstärkt und Jason Smith sich den New York Knicks angeschlossen hat.

Zugänge 
Omer Asik (Rockets), Luke Babbit (Blazers), Jimmer Fredette (Bulls), Patric Young, Russ Smith (Rookies)

Abgänge
Anthony Morrow (OKC), Brian Roberts (Hornets), Jason Smith (Knicks), Al-Farouq Aminu (Mavericks), Greg Stiemsma (Vereinslos)

Mit der Aqkuisition von Omer Asik und den steigenden Gehältern von Anthony Davis und Austin Rivers hat der finanzielle Spielraum mittlerweile den Siedepunkt erreicht. Die aktuelle Gehaltsstruktur des Teams schreit förmlich nach einer Playoff-Teilnahme. Ist das realistisch? 

Schaut man sich den Kader an, könnte man vielleicht sogar dazu neigen, den Pelicans den Schritt in die K.O.-Runden durchaus zuzutrauen. Qualität ist definitiv vorhanden, und vieles hängt wie so oft mit der Gesundheit der Protagonisten zusammen. Möchte man jedoch langfristig einen Platz unter den ersten Acht erreichen, muss man den Vertrag von Eric Gordon schnellstmöglich einem anderen Klub ans Bein binden. Ob sich allerdings jemand finden wird, der den hoch dotierten Vertrag des einstigen Hoffnungsträgers übernehmen möchte, gilt als mehr als fraglich. 

Das Front Office in New Orleans rennt mit seiner aktuellen Strategie einem mittelgroßen Unglück entgegen. Allein vier Spieler verdienen zweistellige Millionenbeträge (siehe Grafik), wobei Ryan Anderson auch noch satte 8,5 Millionen Dollar verdient und Anthony Davis sich mit Riesenschritten in Richtung Maximal-Vertrag bewegt. Bis dahin werden die Verträge von Gordon und Asik zwar ausgelaufen sein, aber Asik wird als Big Man weiterhin überdurchschnittlich kassieren. Es besteht also dringender Handlungsbedarf, um die Perspektive der Franchise nachhaltig zu verbessern.   



Die Verpflichtung von Omer Asik dürfte den Pelicans zumindest in der kommenden Saison einem defensiven Quantensprung gleichen. Die teilweise katastrophale Interior-Defense der letzten Spielzeit wird man in 2014/15 so auf keinen Fall mehr sehen. Dank Asik und seinen Fähigkeiten als Rebounder und Ringbeschützer kann Head Coach Monty Williams seine gesamte Spielphilosophie endlich mehr auf die Defensive ausrichten. Das wollte er schon lange.


Die Kombo Davis/Asik dürfte zu den besseren Power-Forward/Center Tandems der Liga gehören. Mit dem Abgang von Aminu fehlt jetzt natürlich die athletische Komponente auf der Drei, die für zusätzliches Rebounding, besonders am offensiven Brett, sorgte. Die Problematik der schwach besetzten Small Forward Position ist im Vergleich zum Vorjahr also sogar noch größer geworden.

Tyreke Evans hat zwar gezeigt, dass er als Energizer von der Bank hervorragend geeignet ist, jedoch liegt ihm die kleinere Shooting Guard Position deutlich besser als Einsatzminuten auf der Drei. Darius Miller könnte die Rolle von Aminu in der Starting Five ausfüllen, ist aber in der Defense und im Rebounding lange nicht so effektiv wie der Ex-Pelican. Dennoch sollte Williams mangels anderer Alternativen mit Miller auf der Platte starten. Würde er Evans in die Startformation beordern, fehlte es der zweiten Garde an offensiver Produktion und der ohnehin schon eingeengten Starting Five am nötigen Spacing. 

Coach Williams wird aufgrund der vielen unerfahrenen, jungen Spieler im Roster die Rotationen im Gegensatz zur vergangenen Saison enger gestalten müssen. Jrue Holiday ist, sofern 100% fit, auf der Eins gesetzt, Gordon, Miller, Davis und Asik würden eine auf dem Papier solide erste Fünf komplettieren. Damit hätte New Orleans Playmaking, Hustle und Shooting im Backcourt sowie Länge, Defense und Power im Frontcourt. Evans, Anderson und Fredette könnten in so einem Szenario viel Scoring und Shooting von der Bank bringen, während Rivers und Alexis Ajincadie Rotation als Backups komplettieren. Reicht das für New Orleans, um im sicherlich wieder einmal brutalen Westen um die Playoff-Plätze mit konkurrieren zu können? Die ersten Monate der neuen Saison werden darüber Aufschluss geben. Eines ist aber klar: auf dem Papier hat New Orleans den stärksten Kader seit langer Zeit zusammen. Hoffnung keimt auf.