30 Juli 2014

Andreas Dieterle | 30. Juli, 2014   



Die Washington Wizards beendeten die abgelaufene reguläre Saison mit einer Bilanz von 44 Siegen und 38 Niederlagen und landeten am Ende auf einem guten 5. Platz in der Eastern Conference. In der ersten Playoff-Runde wurde eine umkämpfte Serie mit den Chicago Bulls erwartet, aber Washington machte mit den in der Offensive viel zu zahmen Bulls kurzen Prozess (4-1).

Hoffnung keimte auf bei den Hauptstädtern, die dachten, dass sie in der zweiten Runde gegen desolate Indiana Pacers auftrumpfen und sogar den ganz großen Wurf in Richtung Eastern Conference Finals schaffen könnten. Die jungen, unerfahrenen Wizards mussten dort allerdings feststellen, dass in der Postseason ein anderer Wind weht. Die Pacers setzten sich trotz all ihrer Probleme mit 4–2 durch, die Saison in Washington war vorbei. 

Dennoch: Nach einer langen Zeit der zermürbenden Erfolglosigkeit scheint sich in der Hauptstadt etwas zu bewegen. Was bleibt nach so einer Saison übrig? Zufriedenheit, nach langer Durststrecke endlich wieder in den Playoffs gewesen zu sein? Oder die Enttäuschung darüber, nicht mehr erreicht zu haben?

Die Antwort darauf scheint, genau wie dieses Team selbst, irgendwo zwischen den Extremen zu liegen: Talentiert und jung (John Wall und Bradley Beal), solide und erfahren (Marcin Gortat und Nene), alt aber clever (Prof. Andre Miller), jung und ungeschickt (Otto Porter)... und damit irgendwie auch im Mittelmaß des Eastern Conference Playoff-Bildes gefangen. Nicht elitär, aber auch nicht der Bodensatz der Playoff-Aspiranten, kein Klub also, der Platz acht mit Ach und Krach schafft. 

Viele Teams scheitern an genau dieser Stelle und versäumen, das nächste Level zu erreichen. Ob es den Wizards gelingt, wird sich zeigen. Der Weg weiter nach oben ist ein schwieriger, den nur die wenigsten Franchises in so einer Situation tatsächlich packen. Einige wichtige Schritte dorthin haben die Wizards in dieser Offseason aber bereits getan.

Zuerst zog das Team seine Option bei Veteran Andre Miller (ein Jahr für 3,9 Mio. $ ) und hält den alten Point Guard so bis 2015. Miller, der zur Trade-Deadline aus Denver kam, wird John Wall vielleicht doch noch dein ein oder andren Kniff beibringen können und die zweite Fünf mit seiner Ruhe und Erfahrung anführen.

Danach sicherte sich der Klub langfristig die Dienste von Center Marcin Gortat, für weitere 5 Jahre und 60 Millionen Dollar. Etwas teuer vielleicht, aber Center und Sand am Meer sind ein Thema für sich, erst recht wenn sie solide produzieren und ohne Allüren daher kommen. Gortat kam erst kurz vor Saisonbeginn 2013/2014 aus Phoenix und entpuppte sich als einer der Leistungsträger. Dem Polen wird ein volles Trainingscamp an der Seite von Nene, Wall und Co. sicherlich gut tun, ebenso wie die langfristige finanzielle Sicherheit.

Der Hammer schlechthin für Wizards-Fans folgte dann am 12. Juli. 'The Truth' Paul Pierce meldete sich via Twitter zu Wort:


Washington verzichtete smarterweise darauf, Free Agent Trevor Ariza (seine Defense auf dem Flügel wird sicherlich fehlen) überzubezahlen und sich so einen weiteren langen Vertrag für einen Spieler aufzubürden, der nach lukrativen Vertragsverlängerungen gerne mal ein paar Stufen zurück schaltet. Statt dessen nahmen die Wiz den älteren, aber immer noch treffsicheren Paul Pierce für zwei Jahre (Spieler-Option in 2015/16) und läppische 10 Millionen $ unter Vertrag.

Und Obama so:













Pierce ist natürlich nicht mehr der Spieler von früher. Das muss er aber auch nicht sein, um in Washington voll einzuschlagen und sein Signing zu einem der besten des Sommers zu machen. Wall öffnet Räume für ihn, die Pierce nutzen wird, um seine Dreier (Karriere 37%) in der Reuse zu versenken.

Gleichzeitig ist er ein Mentor für die Youngster im Team, Spieler wie Wall eben, Beal und die in der Summer League (bitte nicht überbewerten!) verbesserten Otto Porter Jr. (endlich verletzungsfrei im Gegensatz zur Saison 2013/2014) und Glen Rice Jr., die diesem Kader Tiefe verleihen. Washington kann sich in Ruhe ansehen, was ein gesunder Otto Porter in der kommenden Spielzeit anstellen kann (2015/2016 besitzt man eine Team-Option) und dann adäquat handeln. Trotz Porters Startschwierigkeiten in der NBA: einem ehemaligen Nummer 3 Pick sollte man definitiv noch etwas Zeit geben.

Auch der Rest des Kaders liest sich besser denn je. Drew Gooden (sollte eigentlich nicht mehr in der NBA sein, stört diesen aber nicht besonders) lieferte effektive Minuten in den Playoffs und wurde, genauso wie Backup-Forward Kevin Seraphin, gehalten. Zusätzlich verstärken in Zukunft DeJuan Blair (kam via Sign-and-Trade von den Dallas Mavericks) und Kris Humphries (kam für einen Zweitrundenpick 2015 von den Boston Celtics) den Frontcourt in der Breite, und das zu mehr als ordentlichen Bezügen. Aufgrund von Nenes Verletzungshistorie (Achtung Spoiler: Nene wird mal wieder keine 50 Spiele in der kommenden Saison absolvieren), sind Aushilfen und zusätzliche Tiefe im Frontcourt sicherlich kein Fehler. Sowohl Blair als auch Humphries sind schon lange in der Liga, absolute Vollprofis und besitzen wichtige Playoff-Erfahrung, die dieser Mannschaft zugute kommen wird.

Auf dem Papier liest sich die neue Aufstellung der Wizards jetzt mehr als ordentlich. Hinter Gortat scheint zwar noch ein ordentlicher Back-Up-Center zu fehlen, und ein Kombo-Guard für die Positionen Eins und Zwei würde den Wiz sicherlich auch gut zu Gesicht stehen. Aber dieses Team ist, ganz anders als früher (ein herzliches Hallo an Gilbert Arenas), flexibel für die Zukunft aufgestellt (ein freundliches Aufnimmerwiedersehen, Trevor Ariza). Und während die ganze Welt noch über Cleveland, Love oder Cleveland und Love redet, scheinen die Wizards sich heimlich, still und leise auf den großen Kampf im ausgeglichenen Osten sehr gut vorbereitet zu haben.