23 Juni 2014

Dusan Veljkovic | 23. Juni, 2014   





Während Miami trauert und San Antonio feiert, laufen in den anderen 28 Stätten der Liga die Planungen für die nächste Saison bereits auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen genauen Blick auf die Ausgeschiedenen, analysiert ihre Saison und prognostiziert ihren Sommer.

Saison '13/14
Die Kings beendeten ihre erste Saison unter dem neuen Besitzer Vivek Ranadivé mit der gleichen Bilanz (28-54) wie die letzte unter den Maloofs. Am Ende wurde das Team Vierter in der Pacific Division (vor den Lakers) und dreizehnter im Westen. Die Saison stand ganz im Zeichen des Neustarts. Man wollte den Mief der Maloofs aus Sacramento vertreiben. Ganze 23 verschiedene Spieler kamen währen der Saison zum Einsatz. In ganzen sechs Trades war man involviert, bei denen 19 Spieler die Teams und fünf Picks den Besitzer wechselten. Damit war Sacramento die aktivste aller 30 Franchises in der Association. 

Man nahm sich sogar Problemfällen wie Rudy GayDerrick Williams und Royce White an. Gay zeigte gute Leistungen; Williams fehlte zwar die Konstanz, brillierte aber viel häufiger als noch in Minnesota; Royce White feierte sein nicht mehr für möglich gehaltenes NBA-Debüt im Kings Jersey gegen die Spurs. Ja, der Royce White, der bisher nur als Problemkind und wandelnde Samenbank aufgefallen war, zeigte sich in Sac-Town von einer ganz anderen Seite und die Verantwortlichen waren sehr zufrieden mit ihm. Vielleicht hat er ja doch noch eine Zukunft in der Liga. Das Talent ist jedenfalls (immer noch) da.

DeMarcus Cousins
 legte seine erste 20/10 Saison auf und wurde fast ein All-Star. Er zeigte sich reifer und defensiv Engagierter als in seinen ersten 3 Spielzeiten. Coach Malone hat einen guten Einfluss auf ihn. Es ist zwar noch ein weiter Weg, aber DMC scheint endlich in die richtige Richtung zu gehen. Isaiah Thomas war der zweitbeste Scorer im Team und legte etwas mehr als 20 Punkte und 6 Assist pro Spiel auf. Nachdem Greivis Vasquez im Gay-Trade nach Toronto geschickt wurde, durfte Thomas endlich den Starterjob übernehmen und überzeugte vollends. Gay legte nach seinem Trade in die Haupstadt Kaliforniens über 20 Punkte im Schnitt auf.

Das Potenzial der jungen Mannschaft blitzte zwar hier und da auf, aber man bemerkte die Unausgeglichenheit des Kader, die fehlenden Defensivspezialisten und die fehlenden Veteranen deutlich. Fast alle engen Spiele gingen verloren, der Untergang in der NBA. Zwar gewann man vier von sechs Overtime-Spiele, darunter gegen Teams wie die Heat, Wizards und Knicks; gegen Playoffteams schien man auch immer top-motiviert zu sein und konnte unter anderem auch die Nets, Suns, Mavs, Rockets, Blazers, Bulls und Raptors bezwingen. Gegen Teams aus dem Keller verlor man aber viel zu häufig und verbaute sich so unnötig den Anschluss an die Playoff-Ränge. Nicht nur hier machten sich die fehlenden Veteranen und der jugendliche Leichtsinn deutlich bemerkbar.

Coach Mike Malone konnte in seiner ersten Saison die Defensive verbessern. Zwar gehört man immer noch zum letzten Drittel in der Liga, aber man konnte sich vom letzten Platz bei den zugelassenen Punkten auf Platz 24 und beim Defensiv-Rating vom 29. auf den 23. verbessern - kleine, aber wichtige Schritte auf dem Weg zurück. Die Offensive blieb im Mittelfeld der Liga, obwohl man wieder einmal die wenigsten Assists in der Liga verteilte.

Die Fans freuten sich über den Verbleib ihrer Franchise, der Zuschauerschnitt stieg wieder und in dieser Saison kamen über 100000 Leute mehr zu den Heimspielen der Kings noch vor einem Jahr. In den vergangenen drei Jahren (genau der Zeitraum, in dem die Maloofs versuchten, die Franchise aus der Stadt zu manövrieren) war man immer unter den letzten Drei beim Zuschauerschnitt gelandet, in dieser Saison belegte man am Ende den 22. Rang. Eine neue, modernere Arena lässt ab der Spielzeit 2016/17 mehr Leute rein, also wird man in Zukunft in dieser Tabelle auch wieder nach oben klettern. Im Mai stimmte der Stadtrat mit 7-2 Stimmen für die Finanzierung der neuen Arena in Downtown Sacramento zu. Damit steht dem Bau nichts mehr im Wege und die Zukunft der Kings in Kaliforniens Hauptstadt ist endgültig gesichert.


Off-Season Agenda
Es gibt noch viele Baustellen im Kader, die jetzt adressiert werden müssen. Dieses Team braucht dringend Veteranen, die wissen wie man gewinnt, dazu Defense und eine bessere Bank. Während der letzten Saison war Sacramento im Gespräch um Rajon Rondo, das Kapitel hat sich jedoch erledigt. Dafür ist es jetzt in Gespräche um Kevin Love verwickelt, aber wer ist das nicht? Die Kings würden sogar ohne eine Zusage von Love zuschlagen und ihn dann währen der nächsten Saison zum Verbleiben überzeugen versuchen. Brauchen die Kings Love? Er würde neben einem Center wie Cousins sicherlich nicht so gut passen wie zu anderen Teams. Beide haben ihre Stärken in der Offensive. Ausserdem will Love zu einem Playoff-Team und klaren Contender wechseln. Beides können ihm die Kings in den nächsten Jahren nicht bieten.

Das Management wird sich auf die Vertragsverlängerungen von Thomas und die Personalie Gay konzentrieren, ausserdem steht der eigene Lotterie-Pick (#8) auf dem Tradeblock, genauso wie so ziemlich alle Spieler, die nicht den Namen Cousins, Gay, Thomas oder Ben McLemore tragen. Am Draftabend wird das Team wohl versuchen versuchen, den eigenen Pick im Paket mit dem ein oder anderen Spieler für gestandene, produktive Veteranen zu traden.

Namhafte Free Agents wird General Manager Pete D'Alessandro nicht locken können. Man wird in der Verlosung für die kleineren Namen auf dem FA-Bazar sein. Mehr als die Midlevel Exception kann nicht offeriert werden, wenn wir mal davon ausgehen, dass Gay seine Spieleroption zieht und Thomas verlängert. Ein Typ wie Thabo Sefolosha dürfte interessant sein. Einen 'Three and D guy' sucht man in Sacramento vergebens, obwohl ganz dringend einer gebraucht wird. In OKC hat Sefolosha wohl keine Zukunft mehr und nach seinen Leistungen in den Playoffs wird er wohl nicht so teuer wie ein Tony Allen. Mit ihm hätten die Kings jemanden, der den besten Flügelspieler des Gegners verteidigt und vorne den ein oder anderen offenen Wurf trifft. Ausserdem könnte man McLemore als Sixth Man von der Bank bringen, was ihm mehr liegen würde bei der aktuellen Starting Five.

Personal
Coach 
Malone und seine Crew sitzen fest im Sattel. Kleine Fortschritte sind nach der ersten Saison erkennbar. Vor allem kann Malone sehr gut mit Cousins und entwickelt ihn weiter. Auch Thomas hat einen grossen Schritt unter Malone gemacht. Die einzige Änderung könnte es bei seinen Assistenten geben. Nachdem sein Vertrag bei den Jazz nicht verlängert wurde, ist Tyrone Corbin bei mehreren Teams als Assistent im Gespräch, auch bei den Kings. Als Head Coach konnte sich Corbin nicht beweisen, aber als Assistent könnte er eine gute Verstärkung für die Bank sein.

Auslaufende und nicht garantierte Verträge
Im Moment stehen elf Spieler für die Saison 2014/15 unter Vertrag. Es gibt noch drei grosse Personalentscheidungen zu treffen bis zum 1. Juli:

1. Rudy Gay
Gay besitzt eine Spieleroption für '14/15 im Wert von 19,3 Mio. Dollar. Die Verantwortlichen der Kings sind in Gesprächen mit Gay, damit er die Option nicht zieht und langfristig bei den Kings verlängert, denn man sieht ihn als langfristige Lösung auf der Drei. Rudy zeigte hier wohl den besten Basketball seiner Karriere. Die Frage ist: War das nun ein neuer, effizienterer und in seiner Basketballblüte stehender Gay oder einer, der nur um einen neuen langfristigen Vertrag spielte, also 'Contract Year' und so. Die Person Rudy Gay spaltet die Basketballwelt. Ich bin kein Fan von ihm, aber mochte sehr, was er im Jersey der Kings bisher gezeigt hat. Da es für die Kings schwierig ist, Free Agents von seinem Format zu locken, und er im August erst 28 Jahre alt wird und somit mitten in seiner Prime steckt, sollte Sacramento seinen Vertrag für vier Jahre und knapp 10 Mio. $ pro Jahr verlängern. Das dürfte in etwa seinem Marktwert entsprechen und wäre für beide Parteien fair.

2. Isaiah Thomas
Der kleine, quirlige Point Guard war die Überraschung des Drafts 2011. Als Nummer 60 gewählt, überraschte er die gesamte Basketballwelt mit seinem Aufstieg. In seinen drei Jahren steigerte er sich ungemein und legte zuletzt starke 20,3 Punkte, 6,3 Assists, 2,9 Rebounds und 1,3 Steals bei Quoten von 45% FG, 35% Dreier und 85% von der Linie auf. Einzig die 3 Turnovers pro Spiel sind ein kleiner Makel. Spricht eigentlich alles für eine Vertragsverlängerung oder? Eben nicht! Die Kings sind sich nicht sicher und suchen schon lange nach einem traditionelleren, größeren 'Pass First' Spielmacher. Der Versuch, Rondo nach Sac-Town zu holen, scheiterte letzte Saison; über die Gerüchte, dass die Kings ihren achten Pick im Draft als Trade Chip für die Verpflichtung von Dennis Schröder oder Brandon Knight nutzen wollen, kann ich nur den Kopf schütteln. Ich denke, Thomas wird bleiben. Schröder und Knight sind den achten Pick nicht wert. Schröder hat noch einen langen Weg vor sich und Knight noch weniger NBA Point Guard als Thomas, sondern nur ein zu kurz geratener Zweier. Im Draft gibt es zwar den ein oder anderen talentierten Einser, aber diese müssten sich erst entwickeln. Thomas ist schon dort und hat sich als Starter etabliert. Er und Cousins sind dicke Kumpels und verstehen sich blind. Thomas ist erst 25 Jahre alt und wird noch besser. Er arbeitet an seiner Balance aus Scoring und Playmaking und das sah letzte Saison schon sehr gut aus. Seinen Marktwert schätze ich auf ca. 8-10 Mio. $ pro Jahr. Also los, Pete: Gib ihm den Vertrag!

3. Pick #8 plus Landry, Thompson, Terry, Outlaw
Noch am Abend der Lottery setzte GM D'Alessandro den #8 Pick der Kings auf den Tradeblock. Man hoffte aus Cavs-mässiges Glück in der Lottery und behielt statt dessen das Kings-Pech. Jetzt hofft man, den Pick zusammen mit idealerweise mehreren Spielern aus dem Pool Carl Landry, Jason Thompson, Jason Terry oder Travis Outlaw für geeignete Rollenspieler oder ein echtes Talent traden zu können. Bei Terry liegt wohl ein Buyout eher im realistischen Bereich. Falls man den Pick behält, wer würde da in Frage kommen? Der einzige Name, der bisher aus dem Umfeld zu hören war und diesem Team sofort helfen könnte, ist wohl Marcus Smart. Ob der aber an achter Position noch zu haben ist? 


Kohle
Im Moment haben die Kings mit elf Spielern knapp 49 Mio. $ des Caps belegt. Zieht Gay seine Option, steht das Team plötzlich bei 68 Mio. $ und hat kaum noch Möglichkeiten, Spieler zu verpflichten oder gar Thomas zu halten, ohne über die Luxussteuer-Grenze zu gehen. Deshalb versucht man, Gay mit einem längerfristigen Vertrag zu halten und den Rest Thomas zu geben. Landry (6,5 Mio. $) oder Thompson (6,05 Mio. $) sollten auch noch weg. Da man mit Reggie Evans und Quincy Acy zwei verdammt günstige Backups auf der Vier hat, sollte nur einer der beiden, also Landry oder Thompson, als Starter bleiben. Landry nach seiner verletzungsverseuchten Saison getraden zu bekommen ist fast unmöglich, aber an Thompson gab es schon immer schon mäßiges Interesse und regelmäßige Anfragen. Zusammen mit dem Lotterie-Pick könnte man vielleicht passende Rollenspieler auf der Fünf oder auf den Guard-Positionen verpflichten. Outlaw und seinen auslaufenden 3 Mio. $ Deal wird man wohl kaum loswerden, es sei denn, man kann ihn im Paket mit dem Pick verscherbeln.

Zukunft
Das Fundament ist gelegt bei den Kings. Das neue Management hat bisher viel Mut und Eier bewiesen, was Personalentscheidungen betrifft, und damit den stinkenden Mief der Maloof-Ära in kurzer Zeit aus Sacramento vertrieben. Der Kern des Teams, also Cousins (23), Gay (27), Thomas (25) sowie die wichtigen Rollenspieler Williams (23), McLemore (21), Acy (23) und Ray McCallum (23), ist noch blutjung und steht teilweise erst am Anfang seiner Karriere. Diese Spieler werden weiter zusammen wachsen und sich verbessern. Mit der ein oder anderen klugen Personalentscheidung kann diese Franchise in zwei Jahren vielleicht schon wieder von den Playoffs träumen.