25 Juni 2014

Sebastian Seidel | 25. Juni, 2014   





Während Miami trauert und San Antonio feiert, laufen in den anderen 28 Stätten der Liga die Planungen für die nächste Saison bereits auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen genauen Blick auf die Ausgeschiedenen, analysiert ihre Saison und prognostiziert ihren Sommer.

Saison '13/14
Nach den smarten Verpflichtungen von Robin Lopez und Mo Williams, die das Team genau an den Schwachstellen Defense und Produktion von der Bank verstärkten, war mit den Portland Trail Blazers im Kampf um die Playoffs plötzlich zu rechnen. Nicht zu rechnen war damit, dass das junge Team in den ersten Saisonwochen so stark spielte und zeitweise sogar die Western Conference anführte. Bis zum Jahreswechsel konnte Portland eine 25-7 Bilanz einfahren. Aufgrund mehrerer kleiner Schwächephasen und einer Verletzung von LaMarcus Aldridge rutschte man zum Ende der Saison zwar noch auf den fünften Rang ab, hatte aber mit 54-28 Siegen eine der besten Spielzeiten seit langer Zeit erreicht.

Alles in allem konnte man in Portland mit der regulären Saison hoch zufrieden sein, eine bessere Bilanz konnte man zuletzt vor 14 Jahren vorweisen und das Heimrecht verpasste man nur um einen einzigen Sieg. In der Postseason nutzte man dann die Gunst der Stunde und konnte sich gegen schwächelnde Houston Rockets in sechs eng umkämpften Partien durchsetzen. Der Einzug in die Conference Semifinals war der erste Gewinn einer Playoffserie seit 14 Jahren und wurde durch einen Buzzer-Beater von Damian Lillard besiegelt. Der spätere Meister, die San Antonio Spurs, war dann aber doch noch eine deutliche Nummer zu groß für Portland, so dass die Serie schon nach fünf Spielen vorbei war. Gerade in der Defensive fanden die Trail Blazers überhaupt keine Mittel, um Stopps zu generieren.

Lillard zeigte auch in dieser Saison, seiner zweiten, einen deutlichen Sprung nach vorne, was mit seiner ersten All-Star Nominierung und einer Berufung ins All-NBA Third-Team belohnt wurde. Fast siebenmal drückte Lillard pro Spiel von hinter der Dreierlinie ab und verwandelte dabei starke 39,4 Prozent seiner Versuche - nur Stephen Curry und Klay Thompson verwandelten in dieser Saison mehr Dreier als Lillard. Auch Aldridge lieferte die vielleicht beste Saison seiner Karriere ab und wurde ebenfalls All-Star und ins All-NBA Third-Team berufen. 

Recht enttäuschend verlief hingegen die Saison von Rookie-Guard CJ McCollum, der aufgrund einer Verletzung aber auch erst im Januar sein erstes Spiel absolvieren konnte. Sophomore Thomas Robinson brachte immerhin Rebounding und etwas Energie von der Bank, was für den fünften Pick des Drafts 2012 aber eigentlich immer noch viel zu wenig ist.

Off-Season Agenda
Die Blazers haben in der Offseason die Chance, mit einigen kleinen Moves einen weiteren Sprung nach vorne zu machen. Das Grundgrüst dieses Teams mit Aldridge und Lillard ist exzellent, auch die restlichen Spieler in der Starting Five, Nicolas Batum, Robin Lopez und Wesley Matthews, sind gut und können die defensiven Schwächen von Lillard und Aldridge zumindest teilweise kaschieren.

Was den Trail Blazers allerdings weiterhin fehlt, ist eine produktive Bank. Im Vergleich zum Vorjahr erzielte die Bank zwar knapp sechs Punkte mehr, belegte mit 23.6 PPG aber immer noch Rang 30 ligaweit. Viel Geld bleibt den Blazers nicht, um die Bank zu verstärken, dies muss also über den Draft oder mithilfe der Midlevel Exception passieren. Ein paar Namen, um die sich die Blazers bemühen könnten, wären unter anderem Nick Young, Rodney Stuckey oder Josh McRoberts.

Personal
Coach 
Terry Stotts ist der ehemalige Offensivkoordinator der Dallas Mavericks unter Rick Carlisle und konnte in Portland eine hervorragende Offensive etablieren, die in vielen Bereichen auch an die der Mavericks erinnert. Die Blazers stellten das fünftbeste Offensiv-Rating der Liga, noch vor absoluten Spitzenteams wie den San Antonio Spurs oder Oklahoma City Thunder. Die starke Offensive und die stark verbesserten Blazers sorgten dafür, dass Terry Stotts sogar realistische Chancen auf den Coach of the Year Award hatte. Defensiv haben die Blazers allerdings noch großen Nachholbedarf, belegten beim Defensiv Rating nur Rang 16. Gerade hier gilt es für Stotts, seiner Mannschaft in der Offseason eine defensive Identität einzuimpfen, um den Weg an die Spitze in Zukunft fortsetzen zu können.

Auslaufende und nicht garantierte Verträge
Nur der Vertrag von Veteran Earl Watson läuft aus, Watson war aber nicht einmal mehr Teil der Rotation. Außerdem haben die Blazers noch eine Teamoption für den 23-jährigen Will Barton, die man ebenfalls ziehen dürfte, denn Barton (4 PPG) konnte trotz miserabler Wurfauswahl wenigstens ab und zu für dringend benötigte Entlastung von der Bank sorgen. Mit etwas Sorge sollte Portland die Spieleroption von Mo Williams sehen, denn der Point Guard hatte bereits angekündigt, aus seinem Vertrag aussteigen zu wollen. Williams würde in Portland in der kommenden Saison nur 2.7 Mio. $ verdienen und möchte erstens mehr Gehalt und zweitens eine längere Laufzeit. Trotzdem scheint er einem Verbleib in Portland gegenüber aber nicht abgeneigt zu sein. 


Draft
Der Erstrundenpick der Portland Trail Blazers geht an die Charlotte Hornets, der Zweitrundenpick an die Denver Nuggets. Sollten die Blazers sich also keinen Pick mehr ertraden oder erkaufen können, findet der Draft 2014 komplett ohne Beteiligung Portlands statt.

Kohle
Die Blazers liegen über dem Salary Cap. Die einzige Chance, passable Spieler zu verpflichten, wird also über die Mid-Level-Exception und das Veteranenminimum sein.

Zukunft
Mit Lillard hat Portland einen der hoffnungsvollsten jungen Spieler der Liga in den eigenen Reihen, auch der momentan noch als bester Spieler der Franchise angesehene LaMarcus Aldridge ist mit 28 Jahren noch im besten Basketballer-Alter. Die anderen Starter Batum (25), Lopez (26) und Matthews (27) stehen ebenfalls noch vor einigen guten Jahren in ihren jeweiligen Profi-Karrieren. Problematisch könnte werden, dass im nächsten Sommer die Verträge von Aldridge, Matthews und Lopez auslaufen, so dass es durchaus sein kann, dass die Trailblazers im nächsten Sommer auseinander brechen oder General Manager Neil Olshey über Trades zumindest nachdenken werden muss. Wenn das Team aber längerfristig so zusammenbleibt und in der Tiefe noch verstärkt wird, ist es ihm durchaus zuzutrauen, schon sehr bald zu einem echten Contender heran zu wachsen. Die meisten Puzzleteile sind hier vorhanden.