10 Juni 2014

Sebastian Seidel | 10. Juni, 2014   





Während Miami und San Antonio um die Larry O'Brien Trophy kämpfen, laufen in den anderen 28 Stätten der Liga die Planungen für die nächste Saison bereits auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen genauen Blick auf die Ausgeschiedenen, analysiert ihre Saison und prognostiziert ihren Sommer.

Saison '13/14
Die Orlando Magic beendeten die Saison mit einer 23-59 Bilanz, mit der man sogar im schwachen Osten weit abgeschlagen von den Playoffs entfernt war. Doch davon durfte man vor der Saison ausgehen. Die Ziele der Magic lagen eher darin, die vielen jungen Spieler zu entwickeln und sich dabei noch einmal einen hohen Draftpick zu sichern.

Der Blick sollte also auf die Entwicklung der jungen Spieler in Orlando gerichtet sein. 2013/2014 war für Nikola Vucevic sehr von Verletzungen geprägt, wegen Knöchel- und Achillessehnenproblemen absolvierte er nur 57 Spiele. Wenn er fit war, zeigte der Montenegriner aber durchaus Fortschritte im Vergleich zur letzten Saison. Er steigerte seinen Punkteschnitt von 13.1 auf 14.2 PPG bei über 50% aus dem Feld. Beim Rebounding zählt er, wie auch schon in der letzten Saison, mit 11.0 RPG zu den Besten der NBA. Defensiv hat Vucevic dagegen noch viel Steigerungspotential. 

Rookie Victor Oladipo ist einer der besten, wenn nicht sogar der beste Rookie dieses insgesamt schwachen Draftjahrgangs. Im Gegensatz zu Michael Carter-Williams, der in Philadelphia sofort starten durfte, musste Oladipo zu Beginn der Saison auf die Bank und wechselte immer wieder zwischen Starter und Ersatzspieler hin und her. Auf dem Parkett agierte er sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung überraschend gut. War Oladipo zu Beginn der Saison noch sehr ungeduldig und überhastet in seinen Aktionen, wurde er im Laufe der Saison immer abgezockter. Die Folge waren sinkende Turnoverzahlen und bessere Wurfquoten und Assistwerte. Wie viele andere Rookies hatte auch Oladipo Probleme mit der Umstellung auf den NBA-Dreier und traf bis zum All Star Break nur knapp 30% seiner Versuche, danach zeigte er sich deutlich treffsicherer und verwandelte starke 38% von Downtown.

Tobias Harris, der in der vergangenen Saison im J.J. Redick-Trade nach Orlando kam und in den 27 Spielen als Magic damals 17.3 Punkte und 8.5 Rebounds in 36 Minuten erzielte, wollte in diesem Jahr Konstanz zeigen und diese Leistungen über eine komplette Saison bestätigen. Auf den ersten Blick scheint dies nicht ganz gelungen zu sein, legte Harris doch "nur noch" 14.6 Punkte und 7 Rebounds pro Partie auf. Jedoch muss man bedenken, dass er fast 6 Minuten weniger Spielzeit erhielt und er im Punkte-Spielzeit-Verhältnis seine Vorjahresleistung dennoch bestätigen konnte. Wie sein Namensvetter Elias Harris hat auch Tobias Harris Probleme als 'Tweener', auf Power Forward bringt er gegen viele Spieler defensiv nicht genug Masse und Größe mit, während sein Wurf für einen Small Forward nicht gut genug fällt. Lediglich 25% von der Dreierlinie und 40% aus der Mitteldistanz bereiteten den Magic vor allem im Spacing Probleme mit Harris auf Small Forward. Dank seiner exzellenten Fähigkeiten, in der Zone abzuschließen (62% FG), lag Harris' Wurfquote mit 46% zwar trotzdem noch im passablen Bereich, beim Distanzwurf muss sich der Youngster aber dringend verbessern, um den nächsten Schritt nach vorne machen zu können.

Neben den vielen jungen Spielern, die die Zukunft in Orlando sein werden, machte in dieser Saison auch ein etablierter Spieler einen überraschenden Sprung: Arron Afflalo konnte sich mit starken Leistungen sogar bis in die Allstar-Konversation hinein spielen. Afflalo ist längst nicht mehr ein klassischer 3-and-D-Spieler wie noch zu Denver-Zeiten. Mit 18.2 Punkten erzielte er die sechstmeisten Punkte aller Shooting Guards und landete damit noch vor Spielern wie Klay Thompson, Bradley Beal, Joe Johnson und Jamal Crawford. Seine Wurfquoten waren mit 46% aus dem Feld und 43% von Downtown exzellent.

Off-Season Agenda
Bei den meisten Franchises wird vermutlich mehr passieren als in Orlando, jedoch gibt es auch bei den Magic einige interessante Entscheidungen, die anstehen. Ganz oben auf der Liste steht wohl ein potentieller Arron Afflalo Trade. Afflalo hat für 2015/16 eine Spieleroption, wird aber nächsten Sommer sicherlich aus seinem Vertrag aussteigen und seinen Marktwert als Free Agent testen. Aktuell dürfte sein Trade-Gegenwert ziemlich hoch liegen, vielleicht so hoch wie nie wieder. Wieso ihn also nicht ihn in diesem Sommer traden, anstatt ihn 2015 vielleicht für nichts zu verlieren?

Viele Trade-Gerüchte gab es bisher noch nicht, lediglich die Charlotte Hornets scheinen größeres Interesse an Afflalo zu haben. Ein Trade nach Charlotte würde aus Hornets-Sicht viel Sinn machen. Einerseits passt er gut ins defensive Konzept von Steve Clifford, andererseits bringt er in der Offensive Spacing und Scoring mit - zwei Dinge, die die Bobcats sicherlich gut gebrauchen könnten. Was aber können die Hornets den Magic bieten? Vermutlich würden die Hornets Michael Kidd-Gilchrist oder Gerald Henderson anbieten, müssten dazu aber aufjedenfall noch einen Erstrundenpick offerieren, um eine realistische Chance zu haben. Kidd-Gilchrist würde offensiv denkbar schlecht zu Orlando passen, da er absolut keinen Wurf hat und die Magic schon jetzt unter Spacing-Problemen leiden. Die Option mit Gerald Henderson scheint schon etwas realistischer.

Ansonsten dürften wir von den Magic in der Offseason eher viele kleinere Moves erwarten. Der ein oder andere Veteran dürfte dem jungen Team sicherlich gut tun, denn es benötigt auch einige Führungspersönlichkeiten, die den vielen jungen Spielern zeigen können, wie das Alltagsgeschäft in der NBA abläuft und was es braucht, um den nächsten Schritt in Richtung Playoffs zu tun. 


Personal
Auslaufende und nicht garantierte Verträge
Die Verträge von Ronnie Price und E'Twaun Moore laufen aus, beide Spieler sind aber nicht wirklich wichtig für die Zukunft der Franchise. Viel interessanter dagegen sind die Teamoptionen, die die Orlando Magic besitzen. Jameer Nelson könnte in der nächsten Saison noch einmal 8 Millionen Dollar von den Magic erhalten. Spielerisch ist er diese sicherlich nicht mehr Wert, aber als einer der wenigen Veteranen und gute Seele im Team ist er trotzdem enorm wichtig für die Franchise. Ähnliches dürfte auch für die 2.5 Mio. $ Teamoption auf ein weiteres Jahr mit Jason Maxiell gelten. Lediglich 13 Minuten stand er in dieser Saison im Schnitt noch auf dem Feld, aber auch sein Einfluss in der Umkleide ist enorm wichtig. Ansonsten haben die Magic noch Teamoptionen für knapp unter 1 Mio. $ Dollar auf Doron Lamb und Kyle O'Quinn, die man zu diesen Kondition aller Voraussicht nach ziehen wird.

Coach
Headcoach Jacque Vaughn scheint momentan relativ sicher in seinem Trainerstuhl zu sitzen. Vaughn ist, wie so viele Trainer die in den letzten Jahren in der NBA eingestellt wurden, einmal Assistant Coach bei den San Antonio Spurs gewesen und wurde im Sommer 2012 von den Magic engagiert. Er machte das einzig richtige, was man mit einer so jungen Truppe machen sollte, und gab seinen Veteranen nur limitierte Minuten, um die jungen Spieler möglichst schnell zu entwickeln. Einige Spieler, vor allem Harris und Vucevic, konnten erst unter Vaughn ihre wahre Leistungsfähigkeit zeigen. Wenn es darum geht, Spieler zu entwickeln, macht Vaughn also einen hervorragenden Job. Ob er der richtige Coach ist, um Orlando wieder in die Playoffs zu führen, darüber lässt sich momentan nur spekulieren.

Draft
Dieser Draft wird für Orlando zukunftsweisend sein. Mit Oladipo, Harris und Vucevic hat man bereits Spieler im Kader, die eine gute NBA-Zukunft vor sich haben. Der absolute Franchiseplayer für die nächsten zehn Jahre ist aber noch nicht an Bord. Diesen möchte man gerne in diesem Draft ziehen. Neben dem eigenen Pick an vierter Stelle hat man noch einen Pick der Denver Nuggets (aus dem Dwight Howard Trade) an Position zwölf. Das ganz große Los mit Andrew Wiggins, Jabari Parker oder Joel Embiid wird die Magic wohl nicht treffen, außer sie traden sich nach oben. Vielleicht kann man mit Afflalo ein interessantes Paket für Cleveland schnüren, denn ein Abgang von Luol Deng bei den Cavs scheint schließlich so gut wie sicher und Afflalo könnte diese Lücke füllen.

Draften die Magic aber wie geplant an vierter Stelle, so gibt es drei Namen, die immer wieder fallen: Dante Exum, Marcus Smart und Julius Randle. Exum und Smart, zwei Point Guards, sind sich ähnlich und können beide sehr gut die Zone attackieren und dort abschließen. Allerdings haben sie beide Probleme mit ihren Distanzwürfen. Draftet Orlando einen der beiden Spielmacher, hätte man bei den Magischen in Zukunft einen immens talentierten Backcourt, in dem sich Exum/Smart den Aufbau mit Oladipo teilen könnte. In Sachen Spacing wäre dies aber sicherlich nicht die beste Wahl für Orlando, denn mit Oladipo (32%) und Harris (25%) darf hat man bereits zwei Spieler im Kader, die nur wenig oder gar keine Gefahr von der Dreierlinie ausstrahlen.

Randle dagegen würde als Power Forward neben Nikola Vucevic exzellent ins Team passen. Vor allem defensiv bringt Randle die nötige Härte mit, die Orlando aktuell unter den Körben noch fehlt. Im Rebounding hätte man mit Randle und Vucevic eines der dominantesten Duos unter den Brettern. Offensiv verfügt Randle über exzellente Fähigkeiten im Lowpost und wäre somit der ideale Frontcourt-Fit für die Magic. Um ihr desolates Spacing zu verbessern, sollten die Magic an zwölfter Stelle unbedingt einen Shooter draften. Ein interessanter Fit wäre Nik Stauskas von den Michigan Wolverines, viele Mockdrafts führen hier auch James Young von den Kentucky Wildcats.


Kohle
Die Orlando Magic haben aktuell nur rund 30 Millionen Dollar an festen Gehaltsausgaben auf den Büchern und befinden sich damit weit unter dem Salary Cap. Allerdings muss man die knapp 7 Mio. $ für die beiden Lotterie-Picks hinzu addieren sowie die vermeintlichen Teamoptionen für Nelson und Maxiell (10,5 Mio. $). Mit knapp zehn Millionen Dollar an Capspace hat Orlando am Ende immer noch die Chance, einen passablen Free Agent zu verpflichten - oder aber Spielraum, um via Trade mehr Salär aufzunehmen, als es hinaus schickt. Wirtschaftlich nicht ganz uninteressant für die Magic ist auch, dass der Vertrag von Gilbert Arenas endlich ausläuft. Die 22 Millionen pro Jahr zählten zwar nicht mehr auf das Salary Cap der Magic, da der Vertrag amnestiert wurde, mussten aber trotzdem noch fast vollständig auf das Konto von Agent Zero überwiesen werden. 

Zukunft
Die Zukunft der Magic sieht gut aus. Mit dem Dwight Howard Trade wurde im Sommer 2012 aus dem alternden Magic-Team mit unzufriedenen Superstar ein junges, talentiertes Team mit Zukunft geschaffen. Neben Vucevic und Afflalo, zwei Schlüsselspielern in diesem neuen Team, bekam Orlando damals auch noch den zwölften Pick 2014 und dazu zwei weitere Erstrundenpicks im Jahr 2017. Das Management hat in den vergangenen Jahren gute Entscheidungen getroffen und dem Team eine Richtung gegeben; Coach Vaughn schaffte es zudem, die vielen jungen Spieler gut zu entwickeln und in der Liga zu etablieren. Auch wenn es in der nächsten Saison vermutlich noch nicht für die Playoffs reichen sollte, hat dieses Team das Zeug, den Grips und die Flexibilität, um in den nächsten vier bis fünf Jahren wieder zu einem Contender im Osten heran zu wachsen.