28 Juni 2014

Tiago Pereira | 28. Juni, 2014   





Während Miami trauert und San Antonio feiert, laufen in den anderen 28 Stätten der Liga die Planungen für die nächste Saison bereits auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen genauen Blick auf die Ausgeschiedenen, analysiert ihre Saison und prognostiziert ihren Sommer.

Saison '13/14
Es ist die Nachricht des Sommers: LeBron James zieht nicht sein Player Option, sondern wird nach 2010 erneut Free Agent. Der vierfache MVP sprang mit Anlauf in den Free Agency Tümpel. Auch wenn es vor dem Beginn dieser Spielzeit klar war, dass das floridianische Trio neue Vertragsverhandlungen anstreben wird, sorgt der Alleingang des Königs für Sorgenfalten im Staate Florida. Dabei standen die Sterne dieses Jahr so günstig wie nie über der American Airlines Arena.

Das Saisonziel des zweifachen Meisters prangte längst bei der letztjährigen Meisterschaftsparade am Blackboard – Threepeat! Pat Rileys Neologismus stand schon in Los Angeles für das meisterliche Nonplusultra und sollte nun in Miami seine Renaissance feiern. Wieder ruhten die Championship-Träume auf den Schultern des Königs und Dwyane Wades maladen Knien die Championship Träume einer ganzen Stadt. Die Garde des Königs wurde zum ersten Mal seit dem Amtsantritt nicht mit edlen Veteranen verstärkt, sondern mit dem Grashüpfer Michael Beasley und dem 'artist formerly known as' Greg Oden. Diese Sommertransfers klingen weniger nach dem Meistertouch eines Pat Riley, eher nach ersten Demenzanfällen, doch die Heat bewiesen, dass sie in der schwachen Eastern Conference auch so oben mitspielen könnten. Leider wirkten die Heat in der regulären Saison gelangweilt von der Konkurrenz - und dem eigenen Glanz. Aber obwohl rekordbrecherische Nächte von James nötig waren, um Gegner in die Knie zu zwingen und Wade häufiger den Anzug statt des Heat-Trainingsjackets rockte, standen am Ende trotzdem wieder 54 Siege auf Miamis Habenseite. 

In der Postseason taten die Heat zunächst das, was von ihnen erwartet wurde – dominieren. Charlotte fertigte man im Schnelldurchlauf  ab und auch Brooklyn und Indiana ließen LeBron & co. wenig Hoffnung auf ein Weiterkommen. Das vierte Finale in vier Jahren, dazu der Spaziergang in den ersten drei Runden, scheinbar vermochte sich keine Franchise den Heat und ihrem dritten Ring in den Weg zu stellen. Bis Kawhi Leonard und die San Antonio Spurs um die Ecke kamen und den Heat die Partyhüte aus der Hand schlugen. Fünf Spiele lang kosteten die Spurs ihre Rache aus, dominierten die Finalserie in allen Belangen und reckten schließlich die Larry O’Brien Trophäe im heimischen Alamo in die Höhe. 

Off-Season Agenda/Roster
Für das Front Office der Miami Heat geht es nach der Finalniederlage wieder zurück an's Zeichenbrett. Dort angekommen, müssen keine neuen Meisterwerke entstehen, sondern nur die Blaupausen von 2010 wieder aufgelegt werden. Denn wie einst im Sommer der "Decision" heißt es auch in dieser spielfreien Zeit, drei Superstars am South Beach zu versammeln. Am liebsten würden die Heat dabei ihr eingespieltes Erfolgstrio James, Wade und Chris Bosh erneut unter Vertrag nehmen. Die haben aber bekanntlich alle ihren eigenen Kopf und müssen erst noch überzeugt werden, in Miami auch tatsächlich weiterhin ihr Glück machen zu können. Zusätzlich zu den drei All-Stars darf sich gerne ein weiteres Sternchen gesellen, so die Vorstellung der Klub-Bosse. Ob mit oder ohne vierten Star: es bleibt viel Platz im Kader der Heat zu füllen, denn neben den Big Three werden weitere neun Spieler Free Agents. 

Manche mögen die Reste des Heat Kaders als einen Schweizer Käse mit mehr Löchern als Molkemasse bezeichnen, für den Architekten Pat Riley hingegen ist er die unvollendete Perfektion. Mit nur vier Spielern unter Vertrag - Norris Cole, Draft-Pick Shabazz Napier, Udonis Haslem (Spieler-Option) und Justin Hamilton (non-garantiert) ist genügend Platz im Einkaufswagen. Während der Rest der Liga verzweifelt Veteranen und ungewollte Platzhalter aus dem Kader streichen will, um für den König Platz zu schaffen, kann Miami dem besten Spieler der Welt nicht nur einen Platz an der Sonne anbieten, sondern auch die Entourage seiner Wahl! 

In der besten Videospielmanier kann LeBron James zusammen mit seinem GM den Kader der Heat nach seinen Vorlieben zusammen basteln. Ob Carmelo Anthony, Eric Bledsoe, Luol Deng oder Kyle Lowry, das üppige Free Agent Buffet lässt dem König die freie Auswahl, welchen Star er in Zukunft neben sich auf dem Hardwood sehen will. Auch die königlichen Palmwedler und Getränkespender sind in diesem Sommer reichlich vorhanden. 

Ob das Schreckgespenst 'Big 4' oder doch ein homogeneres und perfekt zusammen gestelltes Team, Miami wird diesen Sommer nicht zum Rentner-Reservoir sondern erneut zur Talentoase. Gibt es eine größere Adelung für einen NBA-Spieler auf der verzweifelten Jagd nach Meistertiteln, als in den elitären Kreis des 'Chosen One' gewählt zu werden? 


Personal
Coach
Auch nächste Saison wird Erik Spoelstra die Seitenlinie der American Airlines Arena entlang laufen. Sonderlich bald wird er diese auch nicht verlassen, denn das Miami Urgestein (seit 1998 angestellt) unterschrieb Ende 2013 eine Vertragsverlängerung. Damit sind die Heat auch im nächsten Jahr mit einem der besten jungen Coaches (43 Jahre) gut aufgestellt - auch wenn er jetzt schon genauso viele Finalserien verloren wie gewonnen hat.

Draft
Riley weiss, wie er seinem besten Spieler imponiert, denn mit Shabazz Napier sicherten sich die Miami Heat die Rechte an James' Lieblingsfrischling. Napier wurde ursprünglich von den Charlotte Hornets gezogen, doch die Heat wollten James sein Wunschspielzeug sichern. Also bot Riley den Hornets im Austausch für Napier den 26. (PJ Hairston) und 55. Pick (Semaj Christon) an, sowie Geld und einen zukünftigen Zweitrundenpick. Die Heat nehmen viel Mühe auf sich, um den späten Erstrundenpick zu sichern, dazu die royalen Adelungen des vierfachen MVPs – hohe Erwartungen, denen Napier erst einmal gerecht werden muss. Dennoch birgt die Liaison der Heat mit ihrem Rookie nicht nur Pluspunkte im Poker um LeBron James, sondern liefert Antworten auf die Aufbaufrage am Südstrand. Denn auch ohne eine Minute NBA-Erfahrung scheint Napier seiner Konkurrenz Norris Cole und Mario Chalmers (UFA) wohl schon jetzt eine Nasenlänge voraus. So kann der zweifache NCAA-Champion und Most Outstanding Player 2014 mit genügen Selbstvertrauen in seine Rookie-Saison gehen. Dort muss Napier dann beweisen, dass sein Spiel nicht nur im März den König zu Lobestweets verleitet. Sollte die Verpflichtung von Napier LeBron James dazu bewegen, seine Residenz in Miami zu erhalten, dann war dies ohnehin der beste Pick des Drafts!


Kohle
In Miami sind die Dollarzeichen kein unbekannter Gast, denn die Stadt der High Society und Promis prahlt gerne mit ihren Moneten. Dieses Jahr kann auch Besitzer Micky Arison zeigen, dass sein Geldbeutel prall gefüllt ist, denn nachdem fast alle Verträge auslaufen, möchte das Scheckbuch des Milliardärs mit vielen Nullen versehen werden. In Zahlen ausgedrückt bleiben den Heat theoretische 55 Millionen $ unter dem Salary Cap (beim Rechte-Verzicht auf die Big Three). Davon wird sicherlich ein Großteil für in die großen Drei reinvestiert werden, falls alle, wie erwartet, in der Stadt bleiben wollen. Wie Riley das Geld unter dem restlichen, künftigen Heat-Spielervolk verteilen wird, ist eine der spannendsten Fragen des Sommers.  

Zukunft
Die Heat mögen übel verdroschen aus den Finals gegangen sein, doch in die neue Saison werden sie stärker denn je gehen. Ein Roster, das perfekt auf LeBron James eingestellt sein wird, mit einer klaren Hierarchie zwischen den Alphamännchen. Zwar werden die Big Three auch in den kommenden Jahren nicht jünger, doch die Free Agent Frischzellenkur dürfte dazu beitragen, dass die All-Stars pünktlich zum Meistertanz ausgeruht sind. Die Heat fahren alle Geschütze auf, denn das Ziel Threepeat steht weiterhin auf der Agenda. Momentan sind dies alles nur Spekulationen und Alp-/Wunschträume, doch es benötigt keinen Nostradamus, um zu erkennen, dass der Weg zur Larry O’Brien Trophäe auch in Zukunft nur über den Biscayne Boulevard führen wird.