28 Juni 2014

Onur Alagöz | 28. Juni, 2014   





Während Miami trauert und San Antonio feiert, laufen in den anderen 28 Stätten der Liga die Planungen für die nächste Saison bereits auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen genauen Blick auf die Ausgeschiedenen, analysiert ihre Saison und prognostiziert ihren Sommer.

Saison '13/14
Irgendwie erinnerten die Lakers im vergangenen Jahr an Robert Baratheon aus „Game of Thrones“: Alt geworden, fett geworden, lebt in vergangenen Zeiten von Erfolg und bekommt eigentlich nur noch geheuchelten Respekt. Einst große Krieger, hat die Zeit am Kader der Hollywoodtruppe genagt. Die Lakers-Legende Kobe Bryant konnte in nur sechs Spielen auflaufen, Steve Nash nur in 15 und der Spanier Pau Gasol in immerhin 60. 

Dass an der Westküste keiner einen Titel erwartete, stand bereits fest; Zu schädigend der Abgang von Dwight Howard, Kobes Achillessehnenriss, das ewige Theater um den Coach, das Drama hinter den Kulissen.. ihr versteht schon.

Wie heißt es so schön: „Ich habe nichts erwartet und war trotzdem enttäuscht.“. Zu sehen, wie diese einst so stolze Franchise Abend für Abend aus fremden wie der eigenen Halle gefegt wurde, hatte etwas Trauriges und mitunter sogar Peinliches. 

Einziger Lichtblick war Nick Young, der seinem Alter Ego „Swaggy P“ oftmals die Zügel übergab und mit 17,9 Zählern pro Abend als Topscorer der Gruppe die Spielzeit beendete. Zwar war er nicht unbedingt Führungsspieler, geschweige denn All-Star oder auch nur Star, aber wenigstens war hier der Entertainment-Faktor hoch

Letztendlich war das Team zu alt, die Beine zu müde, der Coach zu schlecht und das Personal schlicht und ergreifend grottig. Zu meiner Schande muss ich zugeben, dass mein prophezeites Ergebnis meilenweit von der tatsächlichen Endbilanz von 27-55 entfernt war. Das Team verpasste zum erst dritten Mal seit 1976 die Playoffs, sogar mit Pauken und Trompeten als Letzter in der Pacific Divison. Ebenfalls erst zum dritten Mal in den vergangenen 20 Jahren durfte General Manager Mitch Kupchak einen Pick in der Lottery tätigen. Alles in allem also eine Saison zum Vergessen.

Off-Season Agenda
Das Team ist im vollen Reloading-Modus. Ende April entließen die Lakers ihren erfolglosen Coach Mike D’Antoni nach der desaströsen Saison. Ich war nie wirklich ein Fan von ihm und habe insgeheim immer auf eine Rückkehr des Zen-Masters Phil Jackson gehofft. Da dieser nun aber in New York angeheuert hat, muss sich das Management um einen Nachfolger kümmern, der die Franchise langfristig wieder in gerichtete Bahnen lenken kann. Genannt werden hier immer wieder die Brüder Jeff und Stan Van Gundy. Ersterer wäre meine Option numero uno. Hier besteht die Möglichkeit, von Grund auf ein defensivorientiertes System aufzubauen. JVG ist extrem intelligent und ein Coach, der die Xs and Os nicht nur auf dem Taktikbrett, sondern auch in der Praxis umzusetzen vermag.

Der aber wohl wahrscheinlichste Kandidat für die Seitenlinie ist der ehemalige Laker Byron Scott. Dieser war in den 80er Jahren ein integraler Bestandteil der Championship-Teams um Magic Johnson und kennt die Struktur, das Blitzlicht und die Tücken von Hollywood. Cheftrainer war er bereits bei den New Jersey Nets, die er zweimal in die NBA Finals führen konnte. 2008 wurde er bei den Hornets zum Coach of the Year gewählt, auch wenn viele böse Zungen diese Trophäe den Glanzleistungen von Chris Paul zuschreiben.

Nach der Coachingfrage, die sicherlich nicht leicht zu lösen sein wird, kommt auf das Front Office die nächste, noch viel dickere Hürde zu: Signings. War ich ein Advokat von Kobes horrendem Gehalt für die kommenden beiden Saisons, so muss man objektiv wohl schon erwähnen, dass der Deal den Spielraum des GMs erheblich einschränkt. So sind nächstes Jahr mit Kobe und Nash zwei Spieler im Kader, die gemeinsam mehr als 33 Millionen Dollar verdienen, in der abgelaufenen Spielzeit aber absolut gar nichts beigetragen und gemeinsam 143 verpasst haben. Nash wird immer wieder als wertvolles Trade-Asset bezeichnet, da sich sein Vertrag im letzten Jahr befindet. Was man aber als Gegenwert zurückbekäme, sollte nicht von zu großen Erwartungen erdrückt werden.

Ausgelaufen ist der Vertrag von Pau Gasol und Kupchak hofft, den langen Spanier zum Primark-Preis für ein, zwei weitere Jahre behalten zu können. Er soll den Rookie Julius Randle unter seine Fittiche nehmen, aus ihm einen Champion formen und idealerweise für 20, 25 Minuten das Spiel durch seine Vielseitigkeit beeinflussen.

Natürlich haben die Lakers aber noch genug tote Präsidenten zur Verfügung, um mindestens einen Star mit einem Max-Vertrag auszustatten. Und natürlich wird im Rahmen dieses Umstands alles und jeder genannt, der Rang und Namen hat: Von LeBron James, Carmelo Anthony bis hin zu Trade-Szenarien um Kevin Love oder Klay Thompson: Die Purpur-Goldenen haben Kaderplätze zu füllen und wollen hier in die Vollen gehen.

Wichtig fände ich jedoch, einige Spieler aus dem letzten Jahr erneut auflaufen zu lassen. So war der Scharfschütze Jodie Meeks eine deutliche Bereicherung für das Team und wird wohl für nicht viele Millionen zu holen sein. Kendall Marshall wäre ein hervorragender Backup hinter einem Point Guard aus dem Elitekreis und besitzt einen ungarantierten Vertrag. Junge Spieler wie Ryan Kelly, Xavier Henry oder Wesley Johnson sollten zumindest in Betracht gezogen werden; Athletik kann schließlich nie schaden.


Bewertet wird der Sommer aber erst nach der Akquise großer Namen. So kamen jüngst Berichte, Kobe höchstpersönlich würde LeBron und Melo rekrutieren, man wappne sich um in naher Zukunft Love oder Russell Westbrook zu signen, und und und...

Wichtig ist nun, kein Geld zum Fenster hinaus zu schmeißen. Überhastete Trades mit schlechten Verträgen sind nie gut, auch wenn in La-La-Land Geld keine Rolex spielt. Vorsicht, hier kommen zwei Euro ins Phrasenschwein: Wenn man schon einmal so schlecht ist, kann man mit dem Aufbau einer Identität beginnen. Keine großen Namen, sondern große Charaktere, die ins System und die Kultur der Mannschaft passen, und bloß keine Persönlichkeits-Gurken wie Deron Williams oder Rajon Rondo.

Personal
Coach
Mike D’Antoni kam in einer unglücklichen Situation nach Los Angeles. Inmitten einer Saison, die nachträglich als „Dwightmare“ betitelt wurde, hatte die notorisch pingelige und verwöhnte Fanbase der Lakers stets ein wachsames Auge auf „Pringles“. Man muss fairerweise anmerken, dass die vielen Verletzungen und der mittelmäßig talentierte Kader auch anderen Coaches nicht gerade das beste Fundament geboten hätte, aber D’Antonis Zeit war ganz klar abgelaufen.

Wie bereits oben beschrieben, gilt es nun ein festes Konzept zu verfolgen. Die Defense unter D’Antoni war nicht mal mehr zum Lachen, so schlecht war sie. Sein angebliches Steckenpferd, die Offensive war im unteren Drittel. Klar, wo kein Personal, da keine Produktivität, aber eben deshalb wäre ein Coach wie Jeff Van Gundy, der sowohl personell als auch basketballerisch Kompetenzen besitzt, perfekt geeignet.

Auslaufende und nicht garantierte Verträge
Der 9,7 Millionen Dollar Vertrag des Kanadiers Steve Nash läuft neben den Peanuts für Robert Sacre (0,9 Mio. $) aus und wird oft als Trade-Kicker bezeichnet. Besitzt man die Möglichkeit, Nashs Vertrag für junge Spieler oder gar Draftpicks zu veräußern, sollte man keinen Moment zögern. Nash hat den Zenit seiner Karriere bereits um Jahre überschritten und wird vielleicht nie wieder richtig fit. Wie auch? Der Mann ist bereits 40 und älter als der Coach der Boston Celtics. Man sollte den Mann in Würde abtreten lassen und ihn irgendwohin schicken, wo er vielleicht als Backup noch ein paar Minuten und einen Ring abstauben könnte.

Draft
Der erste Lotterypick seit Andrew Bynum brachte den Power Forward Julius Randle aus Kentucky ein. Ich liebe diesen Pick. Randle ist ein Monster in der Zone und hat das Potenzial, ein hervorragender Power Forward zu werden. Er hat diese gewisse Attitüde, die ihm zwar das ein oder andere technische Foul einbringen wird, aber auch mehr als den ein oder anderen Sieg. Defensiv ist er mehr als fragwürdig und während der Draft wurde nicht umsonst der Vergleich zu Zach Randolph bemüht. Ich bin mehr als zufrieden mit diesem Pick. Paart das Team ihn mit einem defensivorientierten Center, wird es schon bald man einen sehr guten Frontcourt stellen.


Der weniger beachtete Zweitrundenpick Jordan Clarkson wird zwar kein echter Steal, aber ein solider Backup kann der Point Guard aus Missouri absolut werden. Gibt Einiges an Vielseitigkeit und Größe her, der Gute.

Kohle
Im Augenblick besitzen die Lakers monetäre Verpflichtungen in Höhe von ca. 36 Millionen Dollar. Mit dem projizierten Salary Cap von etwa 63 Millionen hat man noch knapp 27 Millionen Zur Verfügung, um Spieler zu signen. Damit ist zwar keine neue Dynastie möglich, aber wirtschaftet man klug, kann man dieses Saison einen Star und nächste Saison einen weiteren ins Boot holen. Möglichkeiten sind definitiv genug vorhanden, Kupchak und die Buss-Familie muss diese nur geschickt nutzen.

Zukunft
Erwartet lieber erstmal nichts. Die Lakers sind noch weit davon entfernt, wieder ernsthaft relevant zu sein. Zumal die Western Conference vergangene Saison so gut war, dass die kleinsten Fehler gnadenlos ausgeschlachtet wurden. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Jetzt heißt es, einen kühleren Kopf zu bewahren als ein White Walker und Schritt für Schritt zurück in Richtung Elite zu gehen. Das Positive: Von hier an geht’s eigentlich nur noch aufwärts. Kobe ist wieder fit und man hat enorm viele Möglichkeiten, richtig nachzuladen. Make it happen, Mitch!