28 Juni 2014

Sebastian Hansen | 28. Juni, 2014   





Während Miami trauert und San Antonio feiert, laufen in den anderen 28 Stätten der Liga die Planungen für die nächste Saison bereits auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen genauen Blick auf die Ausgeschiedenen, analysiert ihre Saison und prognostiziert ihren Sommer.

Saison '13/14
Die Saison der Bobcats begann 2013 mit einem Move, der relativ unerwartet kam: Charlotte, die Lachnummer der letzten beiden Jahre, verpflichtete in der Free Agency niemand geringeres als Al Jefferson, den besten Low-Post-Center der NBA. Das Ziel war klar: die Playoffs sollten erreicht werden. Anfangs wurden die Verantwortlichen dafür belächelt. Doch im Laufe der Saison zeigte sich: die Mannschaft und der Coach Steve Clifford sind imstande, Erstaunliches zu leisten, vor allem im defensiven Bereich. Die Bobcats kassierten die viertwenigsten Punkte der NBA und ermauerten sich ihre Siege so regelrecht. Am Ende waren es 43, endlich wieder eine positive Bilanz, die dann im schwachen Osten mit Platz 7 und der Teilnahme an den Playoffs belohnt wurde.

Leider war dieser siebte Platz denkbar undankbar, denn die Bobcats mussten ausgerechnet gegen den amtierenden Meister Miami antreten. Noch dazu verletzte sich mit Jefferson der beste Spieler des Teams schon in Partie eins. Dadurch mehr als deutlich gehandicapt, konnten die Bobcats den Heat nichts mehr entgegen setzen. Am Ende schafften sie es wieder nicht, einen Sieg in der Postseason zu erreichen und wurden nach vier Spielen in den Angelurlaub geschickt. Trotzdem war es eine erfolgreiche Saison für Charlotte und ein ausgezeichnetes Fundament, um in Zukunft als Hornets darauf aufzubauen.

Off-Season Agenda
Das Team hat zwar guten Basketball gespielt und einiges an Potential. Trotzdem hat der Kader noch einige Lücken vorzuweisen. Da wäre zu aller erst und vordringlich die Schwäche beim Dreipunktewurf zu nennen. Die Zombie-Bobcats trafen nur 35,1 Prozent von Downtown, das reichte gerade mal für Platz 23 in der NBA. Hier muss es dringend Verbesserungen geben. Auch sonst kann die Offensive einen ordentlichen Push vertragen, denn dieses Team ist weit davon entfernt, vorne konstant durchschlagfähig zu sein. Und dann ist da noch die Tiefe. Die Starting Five aus Kemba Walker, Gerald Henderson, Michael Kidd-Gilchrist, Josh McRoberts und Jefferson ist zwar solide bist sehr gut, die Bank jedoch überhaupt nicht. Die zweite Garde braucht vor allem in der Spitze eine Auffrischung. Luke Ridnour, Gary Neal und Bismack Biyombo als wichtigste Spieler von draußen sollten schleunigst Geschichte sein, wenn man einen Schritt nach vorne machen und sich als klares Playoff-Team etablieren möchte.


Personal/Kohle
Coach
Mit Steve Clifford hat man einen noch recht jungen Coach, der in der letzten Saison großartige Arbeit geleistet hat, vor allem in der Defensive. Er hat dem Team eine Identität gegeben und schon in seinem ersten Jahr die Grundlagen für eine langfristig erfolgreiche Mannschaft etabliert.

Roster
Die Ausgaben für das nächste Jahr betragen 44 Millionen Dollar für acht Spieler. Free Agents werden Ben Gordon, Ridnour, Anthony Tolliver, Chris Douglas-Roberts und Jannero Pargo sowie der kürzlich aus seinem Vertrag ausgestiegene McRoberts. Das heißt, Charlotte hat knapp 20 Millionen zur Verfügung, um neue Spieler zu verpflichten. Dazu besitzt Charlotte im Draft die Picks 9 und 24. Zusammen mit einigen jungen Spielern wie Cody Zeller und gut tradebaren Verträgen wie dem von Gary Neal oder dem von Brendan Haywood ist das eine gute Mischung, um einige gute Deals einzufädeln. 

Der Bedarf ist mit einem Blick klar: Man braucht wie schon erwähnt Tiefe. Dazu wäre ein neuer Starter auf der zwei nicht unbedingt schlecht, Henderson könnte dann von der Bank kommen. Auf Small Forward, Point Guard und PF werden neue Backups benötigt. Zudem muss GM Rod Higgins darauf achten, dass die Neuen zur Defensivphilosophie des Teams passen. Das Ideal ist also ein Two-Way-Player.

Die Neuzugänge Noah Vonleh und PJ Hairston decken zwei definitive Schwachstellen ab: Athletik und Tiefe im Frontcourt sowie Shooting von den Flügelpositionen. Nach Berücksichtigung dieser beiden Draft Picks gestaltet sich auch das weitere Vorgehen in der Free Agency einfacher. Mit 20 Millionen Dollar hat Charlotte, wie bereits erwähnt, einiges an Spielraum zur Verfügung. Natürlich könnte man versuchen, alles an einen Spieler zu überweisen. Chris Bosh ist wahrscheinlich ein feuchter Traum aller Fans des Teams aus North Carolina. Da sich so jemand aber kaum nach Charlotte verirren wird, ist es sinnvoller, das Geld aufzuteilen, zumal Lotterie-Pick Vonleh von seiner Spielanlage her ohnehin als exakte Kopie von Chris Bosh gilt. 


Dringend benötigt wird mindestens ein solider Backup Point Guard. Shaun Livingston und Greivis Vasquez sind nur zwei der zahlreichen Kandidaten, für die Charlotte ein bisschen Geld auf den Tisch legen könnte. Auch auf der Zwei gibt es einen gewissen Bedarf, der zum Beispiel mit Jodie Meeks beseitigt werden könnte. Das Loch hinter oder vor Michael Kidd-Gilchrist könnte jemand wie Trevor Ariza, Shawn Marion oder CJ Miles ausfüllen, oder man dreht ein ganz verwegenes Ding und macht Luol Deng ein Angebot, das dieser nicht ablehnen kann. Das würde zwar Kidd-Gilchrists Entwicklung hemmen, wäre aber für Charlottes Playoff-Aussichten ein sehr guter Boost. Ein Scharfschütze stand ebenfalls auf der Einkaufsliste, ein Mann wie Hairston füllt diese Jobbeschreibung aber direkt auf Anhieb vollständig aus. Auf Big dagegen gibt es nach Vonlehs Draft nicht mehr allzu viel zu tun, erst recht nicht, wenn  und McRoberts wie erwartet gehalten werden kann.

Zukunft
Die Schlüsselspieler des Teams sind noch jung oder im Fall von Jefferson im besten Alter. Nachdem man sich nun wieder Hornets nennt, wollen die Verantwortlichen den Fans in der nächsten Saison etwas präsentieren, allen voran natürlich der Besitzer Michael Jordan. Deswegen wird es Verstärkungen geben Der Fokus wird dabei ganz klar auf dem Flügel und der Aufbau-Position hinter Kemba Walker liegen. Hier liegt das größte Verbesserungspotential, dessen Ausschöpfung die Hornets in Jahr eins nach dem Rebranding sogar in die zweite Runde der Playoffs hieven könnte. Damit würde man der Tradition der „alten“ Franchise folgen – und endlich wieder erfolgreichen NBA-Basketball im Südosten der USA etablieren.