19 Juni 2014

Pascal Gietler | 19. Juni, 2014   





Während Miami trauert und San Antonio feiert, laufen in den anderen 28 Stätten der Liga die Planungen für die nächste Saison bereits auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen genauen Blick auf die Ausgeschiedenen, analysiert ihre Saison und prognostiziert ihren Sommer.

Saison '13/14
"Win Now" hatten sich die Verantwortlichen der Brooklyn Nets vor der Saison auf die Fahne geschrieben. Mit einem absolutem "Blockbuster"-Trade im Sommer konnten die Brooklyn Nets auf dem Papier zu einem wahren Contender aufsteigen, doch die Erwartungen konnte die Mannschaft nie so wirklich erfüllen.

Kevin Garnett, Paul Pierce und Jason Terry kamen von den Boston Celtics, im Gegenzug verließen Gerald Wallace, Kris Humphries, MarShon Brooks, Keith Bogans und Draftpicks das Team aus dem "Borough."Mit einer Starting Five aus Deron Williams, Joe Johnson, Brook Lopez, Pierce und Garnett waren die Nets mit fünf (Ex)-All Stars gespickt und die Bank galt vor Saisonstart als eine der besten in der NBA. Andrei Kirilenko, Andray Blatche, Shaun Livingston, Alan Anderson, Mirza Teltetovic und Rookie Mason Plumlee sollten der "Second Unit" des Gegners Kopfschmerzen bereiten. Teilweise gelang dies auch. Besonders Livingston, Teletovic und Plumlee waren Lichtblicke bei den Brooklyn Nets.

Die Erwartungen waren hoch und Rookie-Coach Jason Kidd stand zu Beginn seiner Trainerkarriere mächtig unter Druck. Nachdem er einige Anfängerfehler gemacht und seinen Stab (Co-Trainer Lawrence Frank) ausgedünnt hatte, ging es bergauf und mit ein paar taktischen Veränderungen wurden die Nets im Kalendarjahr 2014 eines der besten Teams in der Liga, obwohl Brooklyn seit Dezember ohne seinen besten Spieler Lopez (Fußbruch) auskommen musste. Smallball, aggressive Verteidigung und abgezockte Veteranen waren der Schlüssel zum Erfolg, der den Nets immerhin Platz 5 im Osten bescherte.

In der Playoffs tat man sich schwer. Gegen die starken Toronto Raptors zitterten sich die alten "Dinosaurier" aus Brooklyn zu einem knappen Sieg in sieben. In Runde zwei wartete dann der Serienmeister aus Miami und machte mit den Nets kurzen Prozess. Brooklyn konnte in der Regular Season zwar alle vier Spiele gegen die Heat gewinnen, aber in den Playoffs war dann nichts mehr vom "Angstgegner Brooklyn" zu sehen. 

Off-Season Agenda
Die Nets haben einen Coach mit langfristigem Vertrag, eine sehr hohe Summe an Gehaltsausgaben, keine Teamoptionen bei Spielerverträgen und keinen Draftpick. Am Draft wollen die Nets dennoch teilnehmen, denn nicht ohne Grund hat Billy King eine Delegation nach Chicago zur Draft-Combine geschickt. Geld ist in Brooklyn vorhanden und aktuell versucht King etwas Cash für einen Zweitrundenpick zu überweisen - allerdings hat noch kein Team Interesse signalisiert.

Trades wird man sich in Brooklyn auch anhören. Brook Lopez und Deron Williams sind beide keinesfalls unumstritten, gerade Williams wurde unmittelbar nach dem Playoff-Aus mit Teams wie den Rockets und den Lakers in Verbindung gebracht. Rund 24 Stunden nach dem Playoff-Aus kamen sogar Gerüchte auf, dass sowohl die Nets als auch Williams getrennte Wege gehen wollen. Doch selbst wenn es so wäre: Deron Williams Vertrag gilt als kaum bis absolut gar nicht tradebar. 


Personal
Coach 
Jason Kidd war der Wunschcoach der Brooklyn Nets. Kidd war einer der besten Spieler, die der Verein je gehabt hat und ein smarter Typ, wenn's um Basketball geht. Nicht ohne Grund hat das Front Office Kidd einen Vierjahresvertrag (drei Jahre plus ein Jahr Teamoption) vorgelegt. Kidd stand zu Beginn der Saison in der Kritik, seine Minutenverteilung war manchmal sehr unkonventionell und eine klare Identität fehlte seiner Mannschaft. Nachdem er es sich aber auf seinem Sessel bequem gemacht und Tacheles mit Lawrence Frank gesprochen hatte, wurde vieles besser. Während Frank in die Katakomben des Barclays Center versetzt wurde, fing es bei den Nets an zu laufen und Coach Kidds Rookie-Saison dürfte als "mindestens solide" beschrieben werden, denn immerhin reichte es für Brooklyn für die zweite Runde in den Playoffs - eine Steigerung zum Vorjahr.

Roster
Kirilenko und Blatche könnten aus ihren Verträgen aussteigen. Blatche kündigte dies bereits öffentlich an und wird häufig mit den New Orleans Pelicans in Verbindung gebracht. Die Verträge von Paul Pierce und Shaun Livingston laufen aus und sind somit noch kein Teil der rund 86 Mio. $ an Gehaltsausgaben. Falls beide verlängern, wird Mikhail Prokhorov wohl wieder mehr al 100 Mille (exklusive Luxussteuer) an sein Team überweisen müssen. Laut General Manager Billy King genießt die Vertragsverlängerung von Shaun Livingston "höchste Priorität". Die Nets können Livingston allerdings nur die "Taxpayer Midlevel Exception" bieten. In Zahlen bedeutet das: rund 10 Mio. $ für die nächsten drei Jahre. Paul Pierce soll auch gehalten werden, die Nets können Pierce allerdings so viel Geld bieten wie sie lustig sind, und sein Verbleib gilt somit als relativ wahrscheinlich.


Kohle
Die magische Zahl lautet 85.834.364. So viele Dollar sind bei den Nets in der kommenden Saison schon verplant. Brooklyn hat in der Free Agency kaum eine Möglichkeit, den Kader entscheidend zu verändern. Falls man Pierce verlängert, kann man noch einem Spieler die MLE anbieten und muss sich dann mit Spielern verstärken, die sich mit einem Minimalvertrag anfreunden könnten. Garnett, Lopez, Johnson und Williams kosten den Club alleine schon 70.654.720 $, damit sprengen sie zu viert schon das Salary Cap. Ein Trade von Williams oder Lopez würde besonders langfristig Sinn machen, denn die Nets planen etwas Großes im Sommer 2015.

Zukunft
Die kommende Saison wird wohl ähnlich verlaufen wie die vergangenen beiden Spielzeiten. Brooklyn fehlt einfach noch der Superstar, der die Mannschaft zu einem wahren Contender macht. Brook Lopez ist verletzungsanfällig, Williams/Garnett nur noch Schatten ihrer selbst und Joe Johnson ist sein Geld nicht zu 100% wert. In Brooklyn träumt man davon, über den alten Bekannten Shawn Carter aka. Jay-Z im Sommer 2015 einen Kontakt zu Kevin Durant herzustellen. Dieser wird nämlich von Carters Sportagentur "Roc Nation Sports" vertreten, die Nets träumen davon, den MVP in den Borough zu holen. Träumen kostet ja nichts...