25 Juni 2014

Wolfgang Stöckl | 25. Juni, 2014   





Während Miami trauert und San Antonio feiert, laufen in den anderen 28 Stätten der Liga die Planungen für die nächste Saison bereits auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen genauen Blick auf die Ausgeschiedenen, analysiert ihre Saison und prognostiziert ihren Sommer.


Ein wichtiger Sommer steht an für die Kelten. Ein Sommer, nach dem sich erst erkennen lassen wird, in welche Richtung die Celtics marschieren. Eigentümer Wyc Grousbeck hat unlängst, bestimmt sehr zur Freude von Danny Ainge verkündet, dass es diesen Sommer ein Feuerwerk geben wird. Man wird sehen, teilweise haben die Celtics die Hand selbst am Zünder, teilweise sind aber auch andere Teams am zündeln, ohne dass man das beeinflussen könnte. Aktuell gibt es wohl drei Hauptszenarien, die es wert sind, näher beleuchtet zu werden. 

Szenario 1: Rebuild
Szenario eins ist im Prinzip das unspektakulärste von allen. Es bedeutet, dass die Celtics gar nichts machen. Sie wählen im Draft ihre Favoriten an 6 und 17 aus und arbeiten weiter daran, eine junge schlagkräftige Truppe aufzubauen. Spieler wie Jared Sullinger, Kelly Olynyk, Avery Bradley und auf jeden Fall der 6. Pick bilden das Kerngerüst der zukünftigen Celtics. Selbstverständlich müssen vor allem Sullinger und Olynyk zeigen, dass sie sich im Vergleich zur letzten Saison weiterentwickelt haben und das Potential besitzen, spätere Teams weit in die Playoffs zu führen. 

Rajon Rondo wird dann wohl nicht mehr Bestandteil der langfristigen Planungen sein, in seinem eigenen Interesse sollte er das auch nicht. Bis dieses Team so weit ist, in den Playoffs mehr als Kanonenfutter für einen #1 oder #2 Seed zu sein, werden wohl selbst im besten Fall mindestens zwei Jahre vergehen. Rondo wird dann schon über 30 sein und hätte seine besten Jahre im Rebuild vergeudet. Er wird nächstes Jahr Free Agent und wird die Entwicklung in Boston genau beobachten, bevor er entscheidet, wo er zukünftig spielt. Vielleicht gibt es auch schon vorher einen Trade. Auch für Jeff Green, Brandon Bass und Gerald Wallace wird mittelfristig kein Platz mehr im Team sein. Bei diesem Szenario werden sich die Celtics im Vergleich zum letzten Jahr sicherlich steigern, für die Playoffs reichen wird es aber nicht, so dass man im Draft 2015 wieder einen relativ hohen Pick haben sollte. 


Szenario 2: Feuer Frei!    
Hier ist das Feuerwerk! Die gesammelten Assets werden allesamt verbraten für ein Team, das schon nächste Saison einen Angriff auf die Krone im Osten starten will. Danny Ainge geht all-in! Da sich die Anzahl der tatsächlich verfügbaren Stars in diesem Sommer in Grenzen hält, muss auf jeden Fall Kevin Love per Trade anvisiert werden. Das kostet Boston dann auf jeden Fall mindestens Sullinger und den diesjährigen Lotterie-Pick. Dazu kommen dann noch diverse weitere Picks und ein paar Füller wie Green oder Bass, auch der nicht garantierte Vertrag von Keith Bogans könnte eingesetzt werden. 

Die beste Nachricht bei dieser Verpflichtung, aus Celtics-Fan-Sicht: Rondo bliebe zu 99% ein Kobold und wäre der zweite Star der Mannschaft. Das kann aber noch nicht alles gewesen sein. Weitere Namen im Spiel sind dann Omer Asik als lang ersehnter Ringbeschützer und vielleicht sogar Carmelo Anthony. Selbstverständlich können die Celtics mit ihren unzähligen Erstrundenpicks auch noch andere Spieler angraben, falls es bei den oben genannten nicht klappen sollte. Die Ausrichtung bei den Celtics dürfte dann ähnlich wie 2008 sein. Drei Stars plus zwei, drei Spieler, die im Kader übrig geblieben sind, dazu einige Veteranen zum Minimum und eins, zwei brauchbare D-League-Spieler... fertig. 

Genau von diesen Moves träumt ganz Boston. Wichtig wäre dabei, dass Spieler wie Olynyk und Bradley dann noch im Kader sind, denn ohne Tiefe wird es schwer bis unmöglich, einen Angriff auf die Meisterschaft zu starten. Wenn die vergangene Saison eines gezeigt hat, dann, dass Superstars zwar wichtig sind, aber man keinen Erfolg haben kann, wenn eine Mannschaft in Offensive und Defensive nicht eingespielt ist und die Spieler nicht miteinander harmonieren. Die ersten 20-30 Spiele der Brooklyn Nets sollten ein warnendes Beispiel sein, und jene Mannschaft hatte sogar extrem viel Tiefe. 

Ob dieses Szenario aus Celtics-Sicht aber mit den Salary Cap Regeln vereinbar wäre, ist auch fraglich. Max-Verträge für beispielsweise Love, Rondo und Anthony, dazu noch Asik, da dürften dann schon mehr als 70 Millionen weg sein. Und dann gibt es ja noch Gerald Wallace, den muss man ja auch noch jemandem andrehen, und das allein dürfte schon mindestens einen Erstrundenpick kosten… Ist also alles nicht so einfach, und Grousbeck sollte sein Scheckbuch unbedingt in Reichweite lassen, denn die Luxussteuer wäre in solch einem Fall heftig.   

Szenario 3: See u next year
Vielleicht gibt es aber auch eine Zwischenlösung. Vielleicht gibt es ja ein Team, dass den Wolves ein besseres Angebot macht, vielleicht verlangen die T’Wolves die Welt. Wenn Love nicht kommen sollte, kann es sein, dass Szenario eins für die Saison 2014/15 greift und man trotzdem Rondo behält. Gleichzeitig könnte Ainge trotzdem versuchen, zum Beispiel Asik zu verpflichten. Die Rockets haben Großes vor und müssen Salary loswerden. Die Celtics haben noch eine Trade-Exception in der Hinterhand, die nahezu perfekt für Asiks Gehalt passt. 2015 wird bei dann wieder ein wenig Cap-Space frei (Bass und Joel Anthony mit runden 10 Mio. $), so dass man bei der Jagd nach Free Agents weiterhin gute Möglichkeiten hat. Man weiß dann in etwa, was die Picks von diesem Jahr wert sind und was ein Olynyk und Sullinger zu leisten imstande sind. Die beiden haben noch einen ganz erheblichen Vorteil: Sie sind spottbillig. Beide sind noch mehrere Jahre an ihre Rookie-Verträge gebunden. Es könnte durchaus sein, dass in der dann folgenden Off-Season 2015 ein Blockbuster-Trade oder die Verpflichtung eines richtig namhaften Free-Agents (Hallo, LaMarcus Aldridge!) schon reicht, um die Celtics dann in einen Titelanwärter zu verwandeln.



Fazit
Wenn ein Spieler wie Love auf dem Markt ist, dann sollte man auch alles versuchen ihn zu holen… so sagt man. Aber die Celtics sollten wissen, dass sie in einer hervorragenden Situation sind. Sie haben auslaufende Verträge, massenhaft Draft-Picks und ein paar junge, talentierte Spieler. Es gibt überhaupt keinen Grund, jetzt mit dem Kopf durch die Wand zu rennen und den Sommer 2007 um jeden Preis wiederholen zu wollen, indem man zu viele Assets an die Timberwolves oder andere Teams abgibt. Es stellt sich ohnehin die Frage, ob Love so unbedingt die richtige Wahl für die Kelten ist. 

Wie schon weiter oben dargestellt, haben die Celtics mit Sullinger und Olynyk zwei talentierte und sehr billige Spieler auf dieser Position unter Vertrag. Auch wenn die beiden nie All-Star werden sollten, sind sie zumindest sehr solide Rotationsspieler, die über einen hohen Basketball-IQ verfügen und ihre Position überdurchschnittlich gut ausfüllen. Unter diesem Gesichtspunkt könnte es mehr Sinn machen, sich auf anderen Positionen zu verstärken. Auf dem Flügel träumt seit einigen Jahren Schlaftablette Green vor sich hin, sein Backup sind die sterblichen Überreste von Gerald Wallace, die Centerposition ist seit dem Perk-Trade unbesetzt und auf Shooting Guard versucht Bradley seit einiger Zeit, ein Kobe für Arme zu sein. Diese Probleme blieben auch mit Love weiterhin ungelöst und bedürften eines Riesenaufwandes, um sie halbwegs in den Griff zu bekommen. Eine gute, brauchbare Ersatzbank hätte man in Boston dann immer noch nicht.

Wäre nicht folgende (oder eine ähnliche) Lösung viel sinnvoller, sofern man Szenario eins nicht in Betracht zieht: zuerst ein Sign-and-Trade mit den New York Knicks, bei dem Anthony im Tausch für Green, Bass, Bogans und drei Erstrundenpicks (2015 Celtics, 2015 Clippers, 2016 Nets) nach Boston wechselst, danach ein Trade mit den Rockets für Asik, der in die Trade Exception aus dem Paul Pierce Deal passt und zwei Draft-Picks nach Houston spült (Bostons 17. Pick in diesem Draft und den First Rounder 2016)?

Damit hätten die Celtics ihren Kader enorm verstärkt, ohne dabei allzu viel Tiefe zu verlieren. Die Mannschaft wäre von Anfang an deutlich stärker, als es das Team aus obigem Szenario zwei je sein könnte. Der Trade muss so natürlich nicht passieren und sollte auch nur dazu dienen aufzuzeigen, dass es vielleicht bessere Wege gibt, als für Love den halben Kader zu opfern auf einer Position, auf der man für die Zukunft ziemlich gut aufgestellt ist. Your turn, Mr. Ainge!