11 Juni 2014

Axel Babst | 11. Juni, 2014   





Mit Doug McDermott verlässt einer der außergewöhnlichsten Spieler die kleine Bühne des College Basketballs, um künftig in der NBA die allabendlichen Vorstellungen zu zeigen, die man bislang von ihm nur bei den Creighton Blue Jays bewundern konnte. Bereits an seiner alten Highschool in Ames, Iowa, heimste McDermott regelmäßig Awards ein und führte sein Team in seinem Senior Year zur Staatsmeisterschaft. Auch im entscheidenden Finalspiel war er der Garant für den Sieg und erzielte fast die Hälfte aller Punkte seines Teams, obwohl in jenem Team der heutige Warriors-Profi Harrison Barnes an seiner Seite spielte. Doch während Barnes im Anschluss zur renommierten Uni nach North Carolina wechselte und ihr wieder zu altem Glanz verhalf, entschied sich McDermott für seinen Vater aufzulaufen und wechselte daher an die unbekannte Creighton University.

Dort etablierte er sich schnell als ernstzunehmende Waffe in der Offensive, knackte Schulrekorde und sammelte weitere Auszeichnungen. Auch in den darauffolgenden Saisons legte er starke Statistiken auf, immer bei fabelhaften Quoten. In seiner letzten College-Spielzeit als Senior stand er dann auch häufiger im Rampenlicht, da seine Uni Bestandteil der unzähligen Conference-Veränderungen 2013 war und in die viel populärere Big East Conference verschoben wurde. Außerdem verewigte sich McDermott im Laufe dieser Spielzeit, als er zuerst die All-Time-Top-10 im NCAA-Scoring knackte und später sogar unter die fünf besten College-Korbjäger aller Zeiten drängte. Er durchbrach damit die magische 3.000-Punkte Grenze mit einem für ihn typischen Dreier gegen den Mann aus gut 7 Metern. Nun möchte er diese oder ähnliche Würfe auch in der NBA versenken.

McDermotts Stärken sind vor allem oder fast ausschließlich in der Offensive zu finden. Er besitzt einen tödlichen Distanzwurf, den er auch aus 7 oder 8 Metern noch sehr sicher trifft und auch gegen einen Gegenspieler anbringen kann. Zudem versteht es McDermott sehr gut, sich abseits des Balls zu bewegen und beweist immer wieder ein gutes Timing beim Cutten. Gerade in der NBA ist diese Fähigkeit enorm wichtig und wird ihm helfen, da er zum einen schlafmützige Verteidiger auf dem falschen Fuß erwischen kann und er zum anderen damit eine ideale Ergänzung zu einem balldominanten Spielmacher darstellt, womit er als Rollenspieler oder vielleicht sogar Co-Star ungemein wertvoll wäre. Aber auch seine Skills mit dem Ball in der Hand konnte der Flügelspieler über die Jahre stetig ausweiten und verbessern. Sein Ballhandling ist besser geworden, gerade was Drives nach einer Wurftäuschung angeht. Im Post verfügt er über einen guten Grundstock an Bewegungen und nutzt Wurf- und Körpertäuschungen sehr geschickt. Zuletzt überraschte McDermott auch noch mit sehr annehmbaren athletischen Werten bei der Draft Combine, die deutlich die Erwartungen vieler Scouts übertrafen.


Aber auch diese angenehmen Überraschung kann nichts am Grundproblem des mit Auszeichungen überhäuften Youngsters ändern: Er ist und bleibt ein klassischer Tweener, gefangen zwischen den Positionen Drei und Vier. Auf dem College spielte er auf der Position des Power Forwards und fühlte sich dort auch sehr heimisch. Dafür ist er in der NBA aber mindestens ein ganzes Stück zu klein und auch zu schmächtig. Gerade in der Defensive wird er dort keinen Stich sehen und auf eine gute Teamdefensive sowie das Ausschöpfen seines Foulkontingents angewiesen sein.

Als Small Forward fehlt ihm dagegen das Ballhandling und die Athletik, sodass er dann wahrscheinlich als reiner Schütze in der Ecke missbraucht werden würde. Am wahrscheinlichsten wird er diese Position in Zukunft besetzen. Das heißt für ihn also, dass er noch intensiv an seinen beiden Schwächen arbeiten muss, bevor er eine große Rolle in der Rotation eines halbwegs ambitionierten Teams spielen kann. Da der arbeitswillige McDermott aber schon 22 Jahre alt ist, fragen sich viele Scouts, inwieweit er überhaupt noch Verbesserungspotential besitzt und ob er dieses auch irgendwann abrufen kann.

McDermotts zweite große Schwäche ist die Defensive. Bisher musste er fast nur das Post-Up verteidigen und konnte dort auch auf College-Ebene seinen Mann stehen, doch gegen kräftigere NBA-Gegenspieler wird er, wie bereits angedeutet, kaum bestehen können. Am Perimeter wird ihm neben der mangelnden Erfahrung auch seine mittelmäßige Athletik und seine fehlende Explosivität zum Verhängnis. Einzige Hoffnungsschimmer sind in dieser Hinsicht seine Kämpfermentalität und seine gute Fußarbeit.

Das Team, das ihn wählen wird, geht also ein gewisses Risiko ein. Ein Star wird McDermott in der NBA nie werden. Allerdings ist McDermott aus meiner Sicht einer der sichersten Picks des Drafts, da man genau weiß, was man von ihm bekommt und was eben nicht. Außerdem wird er seinem Team direkt helfen können, da sowohl sein Wurf als auch seine Bewegungen abseits des Balls für viel Unruhe in der gegnerischen Defensive sorgen werden. Mit seiner Cleverness dürfte der 22-Jährige auch recht schnell aus seinen Fehlern lernen und sich bald auch in der Defense auf zumindest respektables Niveau verbessern.

Es wird auf jeden Fall interessant zu beobachten sein, wohin seine Entwicklung führt. Wird er sich in die Richtung eines Mike Dunleavy entwickeln und als Small Forward jederzeit 30 Punkte auflegen können aufgrund seines guten Wurfes? Wird er solche Performances dann einfach häufiger abrufen als jener Dunleavy? (Hierzu noch ein kurzer Nachtrag: Oft findet sich ein Kyle Korver Vergleich an dieser Stelle, doch den finde ich eher unpassend, da Korver wirklich nur einen Aktionsradius außerhalb der Dreierlinie besitzt, was zu McDermott nicht analog ist. Deshalb Dunleavy, der zumindest gelegentlich auch mal den Weg in die Zone sucht und dort auch abschließen kann). Die zweite Möglichkeit wäre eine Entwicklung in Richtung Ryan Anderson oder Danilo Gallinari. Das wäre dann die McDermott Power Forward Variante, bei der dieser Rookie als Stretch Vierer eingesetzt würde und das Team dafür Rebounddefizite und Schwächen in der Defensive (vor allem in Korbnähe) in Kauf nehmen müsste.

Prognose: Pick 8-12