18 Juni 2014

Axel Babst | 18. Juni, 2014   





Rodney Hoods basketballerische Vita liest sich zunächst nicht besonders ungewöhnlich. Als Highschool Spieler legte er großartige Zahlen auf und führte sein Team mit starken Leistungen zur Meisterschaft im heimischen Bezirk. Anschließend wählte Hood die lokale Mississippi State University und war bereits in seinem ersten Jahr als Student ein wichtiger Faktor des Teams. Zur Belohnung rutschte er ins All-SEC-Freshman-Team. Im darauffolgenden Sommer entschied sich der Linkshänder  dem Campus der gerade vertraut gewordenen Uni den Rücken zu kehren, da Trainer Rick Stansbury sein Amt niederlegte. Letztendlich konnten sich Coack Krzyzewski und die Duke Blue Devils die Dienste des Talents sichern. In seinem Redshirt-Jahr, das er aufgrund der geltenden NCAA Transfer Regularien einlegen musste, konnte Hood sich akklimatisieren und bereits erste Eindrücke im Training hinterlassen, wo er einigen Angaben seiner Mitspieler zufolge teilweise schon der beste Spieler auf dem Feld war. In der abgelaufenen Saison 2013/14 durfte er dann auch zu regulären Spielen endlich sein blaues Trikot überstreifen und er wurde damit der erst vierte Transfer Spieler für Duke unter Coach K. Zum Co-Kapitän gewählt, bildete Hood fortan zusammen mit Jabari Parker ein kongeniales Duo, das offensiv kaum zu stoppen war. Selbst die beiden konnten das überraschende Ausscheiden der blauen Teufel im ersten Tournament-Spiel gegen die kleine Mercer Universität aber nicht verhindern.

Alles in allem war Rodney Hood in der Lage, die Cameron Crazies dank seines ausgeprägten Offensivspiels regelmäßig in Ekstase zu versetzen. Besonders sein Distanzwurf ist eine sehr ernstzunehmende Waffe. Egal ob gegen den Mann, vollkommen freistehend oder aus dem Dribbling, die Wurftechnik ist fast immer stabil und gleichbleibend, was auch daran liegt, dass er mit seiner Größe problemlos über jeden ausgestreckten Arm hinweg werfen kann. Doch nicht nur jenseits der Dreierlinie strahlte der Blue Devil Gefahr aus, auch aus der Mitteldistanz war er sehr treffsicher. 

Neben seinen technischen Fertigkeiten überzeugte Hood mit großer Abgeklärtheit und hohem Spielverständnis, wodurch er seinem Team schon mit Kleinigkeiten helfen kann. Seine Passqualitäten spiegeln seinen hohen Basketball IQ wieder, obwohl diese häufig unterschätzt werden, weil er lieber den einfachen, dafür aber erfolgreichen Pass spielt und dabei keine spektakuläre Show abzieht. Zudem entscheidet der Linkshänder sehr gut, wann es sinnvoll ist, zum Korb zu penetrieren. Deshalb findet er oft den richtigen Zeitpunkt, um die Defensive zum Kollaps zu bringen. Seine Athletik zeigt der Flügelspieler ebenfalls häufig. In der Regel tut er das, indem er nach einem blitzschnellen Drive den Ball durch die Reuse schmettert. 


Aber diese Aktionen haben auch ihren Preis. Zumeist am anderen Ende des Feldes, in der Defense. Dort spart Hood gerne mal seine Kraftreserven für den nächsten Angriff auf. Ihm fehlt öfters mal die letzte Entschlossenheit, seinen Gegenspieler vor sich zu halten, obwohl er eigentlich die athletischen Fähigkeiten dazu hat. Diesen Mangel an Leistungsbereitschaft kann der Co-Kapitän auch nicht durch ein besonderes Maß an Cleverness ausmerzen. So klug er im Angriff häufig agiert, so verloren wirkt er in der Verteidigung bisweilen. Die schwache Defense war in einigen Spielen sogar Grund genug für Coach K, ihn auszuwechseln und ihm auf der Bank erstmal gründlich den Kopf zu waschen. Zwar lief es nach einer erneuten Einwechslung dann für 2-3 defensive Sequenzen besser, doch bald verfiel er wieder in die alte Lethargie zurück. 

Diese ist auch ein Grund für seine chronische Reboundallergie. Für einen Spieler seiner Größe, Position und Athletik holt der 21-Jährige deutlich zu wenig Rebounds. Hauptgründe dafür sind seine fehlende Aggressivität und Konzentration, denn oft bleibt er an der Dreierlinie stehen, anstatt sich entweder Richtung Brett oder Gegenspieler zu orientieren. Ein weiterer Aspekt beim Rebounding ist auch seine relativ schmächtige Statur, sodass ihm oft die Kraft fehlt, um den Ball wirklich festzuhalten und an sich zu reißen. Diese Schwachstelle macht sich auch im Angriff bemerkbar, da er bei seinen Drives nicht die Kontrolle im Abschluss behalten kann, weil er entweder versucht, den Körperkontakt zu meiden oder, diesem ausgesetzt, nicht stabil genug bleiben kann, um erfolgsversprechend abzudrücken. Daher wäre es hilfreich, wenn Hood neben zusätzlichen Stunden im Kraftraum auch zusätzliche Einheiten ins Ballhandling, speziell in seine rechte/schwache Hand, investieren würde. Dadurch könnte er seinen Gegenspieler auch mal überraschen und so den harten Kontakt umgehen.

Hood ist durch seinen gefährlichen Dreier und seine gute Athletik eigentlich prädestiniert dazu, in der NBA für Aufsehen zu sorgen, doch seine Inkonstanz könnte ihm das Genick brechen und ein Grund dafür sein, weshalb er niemals über den Status als Rollenspieler hinauskommt. Von diesem Standpunkt her ähnelt er Wilson Chandler, der auch immer wieder sensationelle Spiele abliefert, wenn er in den Anfangsminuten heißläuft. Auch er legt in der Verteidigung lieber den Schongang ein. Aber: wie die Vergangenheit immer wieder gezeigt hat, kann das zum Starter für ein Playoffteam ausreichen.

Prognose: Pick 12-16