23 Juni 2014

Axel Babst | 23. Juni, 2014   





Manchmal muss man Umwege einschlagen, um zum Ziel zu gelangen. Meistens nimmt man diese nicht aus freien Stücken, sondern wird dazu gezwungen. Genau so verlief es auch bei P.J. Hairston. Nach einem starken Senior Year an seiner Highschool in Virginia inklusive der Berufung zum McDonald’s All American kehrte der bullige Guard in seinen Heimatstaat North Carolina zurück, um für die Tar Heels auf Korbjagd zu gehen. Schon in seinem ersten Jahr konnte er sich einen Platz in Roy Williams‘ Rotation als Backup für Harrison Barnes sichern. In der darauffolgenden Saison konnte er seine Spielanteile weiter steigern und avancierte in einigen Spielen sogar zum Topscorer. Gerade zum Ende der Saison hin befand er sich in bestechender Form und machte den ambitionierten Fans Hoffnung für die kommende Spielzeit. Allerdings geriet er im Sommer mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt, u.a. wegen Rasens und Drogenbesitzes. Das wiederum veranlasste die NCAA, ihn für zunächst fünf Monate, also bis November, zu sperren. Doch die Sperre zog sich in die Länge und über die Gründe dafür hüllte sich die Untersuchungskommission in Stillschweigen. Erst kurz vor Weihnachten gab dann die Universität bekannt, dass Hairston nicht mehr als Tar Heel auflaufen werde. Stattdessen schloss er sich in der D-League den Texas Legends an und etablierte sich dort als feste Stütze des Teams. Im Anschluss an die Saison meldete sich der ehemalige Carolina Spieler für den Draft an.

Hairston bewies sowohl am College als auch in der D-League, dass er ein ausgezeichneter Punktesammler ist und eine natürliche Begabung als Scorer hat. Den Großteil seiner Punkte erzielt er mittels seines gut entwickelten Dreipunktewurfs. Dabei ist es egal, ob er als Spot-up Schütze oder als Ballhandler aus dem Pick & Roll heraus zum Wurf ansetzt. Zudem kann er auch mühelos deutlich hinter der Dreierlinie abdrücken und verwandeln. Eine weitere Eigenschaft, die ihm beim Punkten entgegen kommt, ist seine ausgezeichnete Physis. Sein Oberkörper ist sehr robust gebaut und hilft ihm dabei, bei Drives den harten Kontakt eines Verteidigers zu absorbieren und trotz Fouls zu vollenden. Seine kräftige Statur macht es ihm möglich, gegen körperlich unterlegene Spieler aufzuposten. Auch in diesem Bereich ist sein Offensivspiel schon sehr ausgeprägt, denn er besitzt für einen Guard eine gute Sammlung an Postbewegungen. Klappen diese nicht, kann er notfalls auch den Fadeaway über den Verteidiger einnetzen.

Doch nicht nur seine Qualitäten im offensiven Bereich machen ihn interessant für die GMs der NBA Teams. Auch defensiv können sie sich berechtigte Hoffnungen darauf machen, dass Hairston mal ein sehr solider Verteidiger auf NBA-Niveau wird. Seine guten Instinkte, seine Physis und seine Fußarbeit machen es möglich. Ist er motiviert und verbessert er seine Schnelligkeit, könnte er sogar zum besten 3-and-D-Spieler dieses Jahrgangs heran reifen. Gerade dieser Spieltyp ist in der heutigen NBA sehr gefragt.


Allerdings bin ich sehr skeptisch, ob der Ex-Tar Heel diesen Schritt zu einem konstant guten Verteidiger wirklich packen kann. Seine Intensität und Körpersprache in der Defense ließen viel zu häufig zu wünschen übrig. Außerdem ist sein Verhalten an diesem Ende des Feldes generell sehr paradox. Zwar hat er eine gute Nase für Steals und steht oft goldrichtig, doch scheint ihm jegliches Grundverständnis für höhere Aufgaben zu fehlen. Er lässt seinen Gegenspieler beispielsweise viel zu häufig aus den Augen und konzentriert sich zu sehr auf den Ball, was meistens mit einem Korb seines Kontrahenten endet. Neben den mentalen Aspekten, die in der Defense noch einschränken, kommt noch erschwerend hinzu, dass Hairston das eine oder andere Gramm zu viel auf den Hüften mit sich herum schleppt und ihm deshalb in viele Situationen die nötige Beweglichkeit fehlt.

Neben diesen kleineren Fragezeichen in der Defense ist die große Preisfrage natürlich: Wie viel hat der 21-Jährige aus seinen Fehlern in der Vergangenheit gelernt? Die Zwischenfälle, die zur Suspendierung geführt haben, waren nicht die ersten dieser Art. Schrecken die NBA Teams dadurch zurück, wenn sie seinen Namen lesen oder sind sie bereit, das Risiko einzugehen? 

Zusammengefasst ist P.J. Hairston vom Potential her ein sicherer Erstrundenpick, der einem Team auf Anhieb unter die Arme greifen kann. Doch wie weit können die Verantwortlichen dessen Verhalten kontrollieren und positiv beeinflussen? Er darf sich keine Schnitzer mehr erlauben, wenn er seine Hoffnungen auf eine solide NBA-Karriere nicht begraben möchte. Vom Typ her erinnert Hairston in vielen Situationen an Arron Afflalo und Marcus Thornton, die beide ebenfalls das Scorergen besitzen und dank ihres guten Wurfes schnell heißlaufen können. Alle drei wissen aufgrund ihres robusten Körperbaus auch in der Zone abzuschließen. Eine weitere Gemeinsamkeit sind die flinken Hände in der D, allerdings würde kaum jemand auf die Idee kommen, Marcus Thornton als guten Verteidiger zu bezeichnen. Auch Afflalos Ruf ist besser als seine Leistungen an jenem Ende des Feldes. Ob Hairston sich geschickter anstellen wird, lässt sich nur schwer voraussagen.

Prognose: Pick 20-30