24 Juni 2014

Axel Babst | 24. Juni, 2014   





Obwohl Jerami Grant die Affinität zum orangenen Leder bereits in die Wiege gelegt bekommen haben muss, dauerte es lange bis er den Weg zum Basketballer einschlug. Doch schließlich trat er in die Fußstapfen seines Onkels Horace, der an Michael Jordans Seite malochte, und seines Bruders Jerian, der für die Universität Notre Dame auflief. Innerhalb seiner letzten drei Highschool Jahre verbesserte sich der athletische Flügel rasch und zog so die Aufmerksamkeit der Orange auf sich, die in ihm eine gute Ergänzung für ihre Zone sahen. Bereits während seiner Freshman Saison erhielt Grant unerwartet viele Minuten. Grund dafür war die zeitweilige Suspendierung des Topscorers James Southerland. Diesen konnte er besonders defensiv mehr als nur ersetzen, auch wenn ihm noch viele kleine Fehler unterliefen und er in der Offensive kaum in Erscheinung treten konnte. Trotzdem konnte er seine Spielzeit wohl dazu nutzen, Jim Boeheim von seinem Starter Potential zu überzeugen. Jedenfalls stand Grant im zweiten Jahr permanent in der Starting 5 und wurde auch im Angriff besser eingebunden als noch im Vorjahr. Nach dem, für viele, überraschend frühen Ausscheiden im NCAA Tournament fackelte Grant nicht lange und meldete sich zum diesjährigen Draft an.

Bei der Auswahl der Talente kann Grant einigermaßen zuversichtlich sein, gegen Ende der ersten Runde als Zukunftsinvestition gezogen zu werden. Der 20-Jährige gilt als großes Talent, das noch über großen Entwicklungsspielraum verfügt. Seine Athletik ist schon jetzt besser als bei vielen Gleichaltrigen und kann sich auch auf NBA Ebene sehen lassen. Diese nutzt er meistens in der Defense und beim Rebound. Beides nimmt Grant sehr beherzt in Angriff und versucht sich daher jeden Ball zu sichern. Beim Rebound hilft ihm neben seiner außergewöhnlichen Sprungkraft auch sein exzellentes Timing. Defensiv taten ihm die zwei Jahre und Jim Boeheim sehr gut, denn er verbesserte sein Spielverständnis enorm. Rotationen erfolgen mittlerweile zuverlässiger und schneller. Wie bei jedem Syracuse Abgänger sind sich aber auch bei dem jüngsten Mitglied dieser Reihe die NBA Scouts unsicher, wie es um seine Verteidigung im Eins-gegen-Eins bestellt ist.

Ein weiterer Aspekt, der die Scouts auf großes Potential hoffen lässt, ist Grants Entwicklung in der Offensive in der vergangenen Saison gegenüber der Vorsaison. Boeheim nutzte ihn vorwiegend als Power Forward und brachte ihn in viele Pick & Roll bzw Pop Situationen mit Tyler Ennis. Besonders im Pick & Pop zeigte der Forward ein gewisses Talent, von der Birne aus zu kreieren. Seine Lieblingsbewegung ist dabei der Drive über die rechte Seite und per rechter Hand mit ein bis zwei harten Dribblings. Sobald der Verteidiger vor ihn kommt, leitet er blitzschnell einen Spinmove zur Mitte ein und verwandelt oder zieht das Foul. Da Grant mit seinen 20 Jahren noch relativ jung ist und auch noch nicht so lange seinen Fokus auf Basketball gerichtet hat, bestehen berechtigte Hoffnungen, dass er seine guten Anlagen auch wirklich ausschöpft und verfeinert.


Denn Grant ist trotz allem noch sehr limitiert und wird eine Menge Zeit brauchen, um seinen Platz in einem NBA-Kader zu erhaschen. Zunächst sollte Grant sich schnell für eine angestammte Position entscheiden. Wie so viele Youngster hat auch er mit dem altbekannten Tweener-Problem zu kämpfen. Für die Vier ist er zu klein und schmächtig, als Small Forward fehlt ihm der Wurf und das Ballhandling. Aus meiner Sicht ist an diesen beiden Mängeln auch mit größten Anstrengungen nicht mehr viel zu beheben. Nicht einmal sein Mitteldistanz- bzw. Freiwurf fallen konstant. Insgesamt ist sein Wurf eine riesige Baustelle, die wohl noch Jahre offen bleiben wird. Auch sein Ballhandling liegt derzeit nur knapp über dem Nullpunkt. Im Moment reicht es bei Grant gerade mal zu ein oder zwei Dribblings mit seiner starken Hand, ehe ihm ein Unheil widerfährt. Sollte er tatsächlich auf seiner vom College gewohnten Position hängen bleiben, müsste er sich für die NBA einige Post-Moves aneignen und sich ein konsequenteres Rollen nach einem gestellten Pick angewöhnen. 

Grant besitzt großes athletisches Potential und scheint als Rollenspieler für die NBA wie gemacht zu sein. Doch selbst um diesen Status zu erreichen, wird Geduld und viel harte Arbeit in der D-League vonnöten sein. Für ein Team, das im Moment keinen Bedarf an Rollenspielern auf seiner Position hat, gleichzeitig aber mehrere Picks besitzt und ein funktionierendes Farmteam hat, könnte Grant einen späten First Round Pick wert sein. Allerdings ist das Risiko eines Busts selbst in diesem Fall noch sehr hoch, sodass Grant vielleicht sogar in die zweite Runde abrutschen könnte. 

Prognose: Pick 25-30