24 Juni 2014

Axel Babst | 24. Juni, 2014   





Die Zahlen aus James Youngs finaler Highschool-Saison lesen sich fabelhaft: Über 27 Punkte, 16 Rebounds und fast 6 Assists pro Spiel legte er für die Rochester High School in Michigan auf und verdiente sich damit die Berufung zum Jordan Brand Classic und McDonald’s All American Game. Auch die renommierten Colleges standen bei ihm auf der Matte und umwarben den Youngster. Dieser entschied sich letztlich für das Angebot aus Lexington. Bei den Kentucky Wildcats erspielte er sich direkt einen Platz in der Startformation. Dank seines Distanzwurfes und seiner Vielseitigkeit konnte er diesen Platz auch bis zum letzten Saisonspiel halten. Besonders zu Beginn der Saison war er ein wichtiger Faktor im Spiel der Frischlinge, da viele Teams versuchten, individuelle Schwächen durch sehr passive Zonenverteidigung zu kaschieren und die Jungspunde damit zu Fehlern zu verleiten. Youngs Wurf war dann meistens der Nussknacker gegen diese Verteidigungsform. Während des NCAA-Tournaments traf er viele enorm wichtige Würfe, um sein Team entweder auf Kurs zu halten oder auf die Siegerstraße zu führen. Auch im Finale um die Krone des College Basketballs zeigte der Linkshänder eine sehr engagierte Leistung und war phasenweise der beste Spieler auf dem Feld. Daher war die Anmeldung zum Draft nur die logische Konsequenz.

Wie bereits schon mehrfach erwähnt, ist die größte Waffe des erst 18-Jährigen sein exzellenter Wurf. Speziell in Catch-and-Shoot Situationen verwandelt er die Würfe jenseits der Dreierlinie mit hoher Effizienz. Dabei bewies er durchaus auch schon NBA-Range und scheute sich nicht, Dreier aus gut sieben Metern zu nehmen. Sobald ein Verteidiger den Fehler macht, beim Close-Out nicht abzubremsen, nutzt Young dies entweder clever aus, um ein Foul zu schinden, oder lässt den Verteidiger mit einer Finte aussteigen und netzt dann erst ein. Über die Saison hinweg hat er zudem noch eine dritte Variante für sich entdeckt, das Close-Out zu attackieren: Den Drive zum Korb. Zwar ist er dabei noch ziemlich auf seine starke linke Hand beschränkt, doch der Guard nutzt seine Athletik geschickt, um sich einen Weg zum Korb zu bahnen, wo er oft nur durch Fouls zu stoppen ist. 

Auch in anderen Situationen machte sich Coach Cal die Athletik seines Schützlings zunutze und impfte ihm ein, im Fastbreak hart zum Korb zu gehen und seine Vorteile auszuspielen. Außerdem wurde Young gegen die Zonen-Defense der Gegner nicht nur als Schütze eingesetzt, sondern auch als Ziel von Lobanspielen, die Point Guard Andrew Harrison zu seinen Spezialitäten zählen kann. Neben seinen Qualitäten im Angriff überzeugt der Wing mit gutem Rebounding für seine Position. Er beweist immer wieder ein gutes Gespür dafür, wo der Abpraller landet und ist dann zur Stelle. Gerade am offensiven Brett nutzt er einen unaufmerksamen Moment der Verteidigung gnadenlos aus und sichert seinem Team einen neuen Angriff. Ein letzter Punkt, der seinen Wert erheblich steigert, ist seine Jugend. Er ist einer der Spieler mit dem vielleicht größten Potential im Draft. Seine Schwächen sind keineswegs so einschneidend, dass sie niemals behoben werden könnten. Viele Bereiche seines Spiels werden sich automatisch mit wachsendem Erfahrungsschatz verbessern.



Die beiden gravierendsten Schwächen sind bislang sicherlich sein Ballhandling und seine Defensivarbeit. Ersteres limitiert ihn noch in den meisten Situationen zu einem reinen Spot-up Shooter, der auf gute Anspiele seiner Teamkameraden angewiesen ist. Besonders seine rechte Hand ist quasi non-existent, was ihn natürlich einfacher zu verteidigen macht. Erschwerend kommt hinzu, dass auch sein Wurf aus dem Dribbling bis jetzt alles andere als konstant ist und er in der Zone Kontakt beim Abschluss noch nicht gut wegstecken kann. Stattdessen nimmt er lieber sehr schwierige Floater und Leaner, die nur in den seltensten Fällen auch wirklich ihr Ziel finden. 

In der Defensive scheint ihm häufig nicht nur die Konzentration, sondern auch das allgemeine Grundverständnis für Rotationen zu fehlen. Bezeichnend dafür war die folgende Szene in einem Conference Spiel: Young wird aufgrund einer verpassten Rotation ausgewechselt, Calipari erklärt ihm den Fehler auf der Bank. Bereits in der nächsten Sequenz wird er wieder eingewechselt und ihm passiert derselbe Fehler prompt ein zweites Mal. Neben seinen Aussetzern in der Team-Defense hat der Shooting Guard auch sehr häufig Probleme, seine Gegenspieler vor sich zu halten und spekuliert meist zu sehr auf den Steal, was dann in Foulproblemen oder einfachen Punkten für den Gegner mündet. Ob das mehr an seinem Freshman-Alter oder einer generellen Verteidigungs-Allergie liegt, das müssen die GMs entscheiden. 

Abschließend muss man sagen, dass das Team, das sich für James Young entscheidet, Geduld aufbringen muss und nicht damit rechnen kann, von Tag eins an einen fähigen Rotationsspieler mehr als bisher in den eigenen Reihen zu wissen. Für ein Team mit mehreren Picks in diesem Draft könnte er dennoch ein sinnvolles Investitionsrisiko darstellen, da er über Unmengen von Upside verfügt. Für ihn persönlich wäre ein weiteres Jahr am College vielleicht ratsamer gewesen, denn seine Schwächen lassen sich nicht alleine durch Individualtraining beheben. Nach seinem insgesamt starken ersten Jahr und dem fantastischen NCAA-Turnier ist seine Entscheidung allerdings absolut nachvollziehbar. Wie gesagt: es gibt 2014 "sicherere" Lotterie-Picks als Young. Im schlimmsten Fall wird aus ihm nie mehr als ein solider Schütze. Wenn er aber eines Tages alle Punkte verbinden kann, schlummert in einem der bald jüngsten Spieler der NBA ein künftiger Two-Way All-Star.

Prognose: Pick 10-15