25 Juni 2014

Axel Babst | 25. Juni, 2014   





Jedes Jahr gibt es mindestens einen großen Unbekannten im Draft. Dann beginnt auch gleichzeitig das große Spekulieren und Diskutieren. Wird er jemals ein Star? Darf man ihn so hoch draften? Macht das Team nicht einen riesigen Fehler mit ihm? Dieses Jahr ist Danté Exum dieser Kandidat, der bei so vielen Teams Begehrlichkeiten weckt und gleichzeitig so viele Fragezeichen produziert. Bis jetzt konnte sich Exum nur 2013 bei der U19 WM in Prag und beim Nike Hoop Summit 2013 in Portland einem breiten Publikum präsentieren. Doch letzteres Auftreten war dadurch verzehrt, dass Exum kaum seine angestammte Position spielen konnte, weil meistens ein gewisser Dennis Schröder den Spielaufbau übernahm. 

Exum erhielt seine Grundausbildung am 'Australian Institute of Sport' in Canberra, wo auch schon viele andere australische Hoffnungsträger wie z.B. Andrew Bogut auf die NBA vorbereitet wurden. An dieser Stelle wird auch immer wieder betont, dass ihm das Talent praktisch in die Wiege gelegt worden sei, da Dantés Vater Cecil an der Seite von Michael Jordan und James Worthy die NCAA Meisterschaft mit den North Carolina Tar Heels gewann (Dazu muss man relativierend sagen, dass Cecil Exum im heutigen Jargon als Bankwärmer bezeichnet worden wäre). 

Danté Exums herausstechende Auffälligkeit ist seine Größe. Mit seinen fast zwei Metern bringt er mehr als nur Gardemaß für einen Point Guard auf's Parkett und eröffnet seinem Team und sich selber dadurch eine Vielzahl neuer Möglichkeiten. Dank seiner Größe sieht er Passoptionen, die vielen Ballverteilern verborgen bleiben würden. Zudem ist er dank seiner Größe extrem schwer zu blocken und bietet sich für Post-Ups gegen die meistens deutlich kleinere Gegner an. Doch nicht allein seine Größe ist ausschlaggebend bei vielen Lobhudeleien. Besonders die Kombination aus Beweglichkeit und Länge machen ihn zu einem Albtraum für fast jeden Verteidiger. Sein erster Schritt ist ungemein effektiv und beim Nike Hoop Summit konnte er das in Transition Situationen ein ums andere Mal demonstrieren. 

Doch seine Qualitäten beginnen in Transition, wenn er nicht den Ball vorträgt, bereits vorher. Mit rasanter Geschwindigkeit besetzt er dann die Außenspuren und lässt die Verteidiger links liegen. Ist er der Initiator des Fastbreaks, muss man ihn entweder früh stoppen oder einen einfachen Korb in Kauf nehmen. Auch seine Mitspieler findet er in diesen Situationen bereits ziemlich gut, besonders im Vergleich zu gleichaltrigen Point Guards. Auch wenn er an diesem Bereich sicherlich noch weiter arbeiten muss, ist da schon sehr viel Wissen vorhanden. Gerade wenn er seinen unwiderstehlichen Drive auspackt, würde es ihn noch unberechenbarer für die Defense machen, wenn er seine Spielübersicht und Passqualitäten noch weiter verbessern könnte. Ohne Hilfe kann Exum schon jetzt kaum am Zug zum Korb gehindert werden, wodurch er jede Menge Lücken für seine Mitspieler reißt.

Dabei ist der „Aussie“ nicht nur offensiv dank seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten ein sehr interessantes Talent. Aufgrund der guten Spannweite und seiner flinken Füße kann er sich defensiv zum Stopper entwickeln und seinem Kontrahenten Kopfschmerzen bereiten. 


Allerdings gibt es auch bei Danté Exum noch Problemzonen, die ihn zunächst daran hindern werden, sein Spiel auch in der NBA ähnlich dominant durchzuziehen wie er es auf FIBA Level noch konnte. Vorrangig ist dabei vor allem sein Wurf zu nennen. Schon beim Freiwurf geht das Hauptproblem los. Bei der U19 WM traf er gerade einmal knapp 60 Prozent von der Linie. Sein Wurf wirkte dabei flach und unrhythmisch, da er den Ball einen Moment zu spät fliegen ließ. Das kann sich zu einem echten Problem entwickeln, da Exum sehr oft von der Defense an die Linie geschickt wird. Lässt er dort Punkte liegen, verlieren seine Penetrations an Effizienz. Auch beim Dreier weist der Wurf noch ähnliche Probleme auf, wobei hier noch erschwerend hinzukommt, dass Exum oft nicht die Zeit hat, seine Technik nochmals zu überprüfen, was in sehr unterschiedlichen Wurfausführungen mit vielen kleineren Fehlerquellen resultiert. Wie auch andere junge Spieler muss Exum noch lernen, einen guten Schuss von einem offenen zu unterscheiden. Zu oft lässt sich der Spielmacher noch zu halbgaren Wurfoptionen verleiten, obwohl die Chance besteht, einen noch besseren Wurf zu kreieren. 

Neben diesen Fragezeichen beschäftigt viele GMs die Frage, ob Exum wirklich ein reiner Point Guard werden kann oder nicht doch eher ein Combo Guard bleibt, der zwischen den Positionen gefangen ist. Kann er seine Qualitäten als Floor General so weit verbessern, dass er damit ein ambitioniertes Playoffteam zum Titel führen kann? Das scheint im Moment der Knackpunkt zu sein in der Frage, an welcher Position er letztendlich gedraftet wird. 

Eine letzte, weniger besorgniserregende Schwäche ist sein geringes Körpergewicht. Um konstant gegen die großen Jungs in der Zone abschließen zu können, würden ihm ein paar Kilos mehr auf Schultern und Rippen guttun. Das sollte aber relativ schnell zu beheben sein, wenn man beispielsweise bedenkt, dass Exum allein im vergangenen Jahr schon 4 Kilo draufgelegt hat.

Danté Exum versucht sich nach eigener Aussage an Derrick Rose zu orientieren. Dementsprechend viele Übereinstimmungen findet man auch bei Stärken und Schwächen, sowie der Spielanlage. Zwar reicht seine Athletik, was Sprungkraft und Explosivität betrifft, nicht ganz, um Rose ebenbürtig zu sein (bei der Draft Combine waren viele Experten regelrecht enttäuscht über seine nur durchschnittlichen Werte). Doch immerhin kommt der Australier seinem Vorbild sehr nah. 

Gerade seine Führungsqualitäten und seine Talent machen ihn interessant für viele Teams, denen noch ein Gesicht für ihren Rebuild fehlt. Durch die Verletzung von Joel Embiid ist es mittlerweile sogar durchaus realistisch, dass Exum schon als zweiter Spieler seinen Namen am Draftabend hören wird. Die Bucks könnten eine Leitfigur auf der Eins definitiv gut gebrauchen, mindestens genauso sehr wie einen Scorer auf dem Flügel. Auch die Magic und Jazz könnten zuschlagen. Spätestens jedoch die Lakers an siebter Stelle werden sich die Chance auf Exum nicht entgehen lassen, sollte das Wunderkind tatsächlich so tief fallen. 

Prognose: Pick 2-5