31 Mai 2014

Daniel Schlechtriem | 31. Mai, 2014   





Während Miami und San Antonio um die Larry O'Brien Trophy kämpfen, laufen in den anderen 28 Stätten der Liga die Planungen für die nächste Saison bereits auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen genauen Blick auf die Ausgeschiedenen, analysiert ihre Saison und prognostiziert ihren Sommer.

Saison '13/14
Die Rockets beendeten die Saison trotz einiger Schwierigkeiten mit einer guten (und korrekt prophezeiten) 54-28 Saison und dem vierten Platz im hart umkämpften Westen. Nach der Findungsphase zu Beginn und dem gescheiterten Versuch, Neu-Superstar Dwight Howard zusammen mit Ömer Asik unter den Korb zu stellen, kamen die Rockets in Fahrt. Abgesehen von den Clippers besiegten sie jedes Team mindestens ein Mal, zudem gab es für den Osten im Toyota Center überhaupt nichts zu holen: Die Rockets triumphierten in der heimischen Halle ausnahmslos über jedes Eastern Team, ein astreiner 15-0 Conference Sweep. Geprägt war die Saison von der ungewissen Situation um erwähnten Asik, der infolge der Verpflichtung Dwight Howards eigentlich zur Trade Deadline sicher weg war und letztlich doch in Houston bleiben musste. 

Die Playoffs offenbarten, dass die Rockets zwar über ein starkes Team verfügen, in den entscheidenden Situationen allerdings die notwendige Reife vermissen lassen. Lässt man die Serie gegen die Blazers Revue passieren, könnte man allerhand Ausreden für das Aus der Roten finden: Man könnte auf die fatalen Fehlentscheidungen der Referees hinweisen, deren desaströser Call 10 Sekunden vor Ende der Overtime in Spiel eins den Weg für die Blazers ebnete. Verweisen könnte man auf das Phantom-Technical gegen Dwight Howard im vierten Duell, das in einem Spiel, das später in die Verlängerung geht, einen mehr als bitteren Beigeschmack erhält. Beide Fehler wurden von der Liga offiziell eingeräumt. Man könnte auch erwähnen, dass in Kelvin Sampson der wichtigste Assistent und Defensivkoordinator von Head Coach Kevin McHale kurz vor Beginn der Playoffs für einen Job an der Houston University absprang und die Rockets eine so kurzfristige Änderung auf der Trainerbank – Sampson war es, der vor allem während des Spiels wichtige Korrekturen vornahm –  nicht kompensieren konnten. Man könnte darauf hinweisen, dass der wichtigste Wing Defender Pat Beverley mit angerissenem Meniskus und später mit hohem Fieber spielte und daher als direkter Gegenspieler Damian Lillards bei weitem nicht sein gewohntes Leistungspensum aufs Parkett brachte.

All das würde jedoch die eigenen Unzulänglichkeiten der Rockets kaschieren. Da wäre zunächst James Hardens desaströse Serie. Der All-Star Starter zeigte erst gegen Ende von Spiel fünf sowie in Spiel sechs sein wahres Gesicht (bzw. Bart): 6-19, 13-35, 9-21 und 5-15 aus dem Feld sind für einen Spieler seines Formats keine akzeptablen Quoten. Coach McHale muss sich außerdem vorwerfen lassen, zu spät auf LaMarcus Aldridges exzellente Auftritte in den ersten beiden Spielen reagiert zu haben. McHale beorderte erst in Spiel drei Ömer Asik als Aldridges direkten Gegenspieler in die Startformation – eine Entscheidung, die bereits nach dem ersten Spiel fällig gewesen wäre, da der reguläre Starter, Terrence Jones, den dreifachen All-Star der Blazers zu keiner Sekunde in den Griff bekam.

Viel schlimmer war aber die Art und Weise, wie die Südosttexaner immer wieder einen klaren Vorsprung aus der Hand gaben, ohne es den Blazers dabei sonderlich schwer zu machen. In Spiel eins führten die Rockets 4:30 Minuten vor dem Ende mit 11 Punkten, erzielten aber in der restlichen Zeit gerade mal zwei Field Goals und insgesamt acht Punkte, so dass sich Portland in die Verlängerung rettete. Im vierten Spiel waren die Rockets gar 33 Sekunden vor Abpfiff mit zwei Punkten vorne und in Ballbesitz, doch Jeremy Lin – einer der besten Freiwurfschützen des Teams – beging den folgenschweren Fehler, ins Dribbling zu gehen, anstatt sich foulen zu lassen und sichere Punkte einzusacken. Konsequenz: Ballverlust mit folgendem Clutch Three von Mo Williams. Anstatt vier Punkte in Führung zu sein, waren die Rockets einen hinten, schafften gerade noch so die Overtime. Im entscheidenden sechsten Spiel fehlte Houston nicht einmal eine ganze Sekunde, nachdem Chandler Parsons mit seinem Layup ein Spiel sieben scheinbar klar gemacht hatte. Nur scheinbar, denn wieder ließ sich das Team in Rot wie Schuljungen überrumpeln und gab Damian Lillard einen Wurf, den er unter diesen Umständen, aus dieser Position und vor allem so frei im professionellen Basketball nie bekommen darf. Der Rest ist bekannt.


Zusammengefasst haben die Rockets drei Spiele der Serie nicht aus sportlicher Unterlegenheit, sondern aus (mentalem) Unvermögen abgegeben – ein Luxus, den sich kein Team der Welt leisten kann.

Off-Season Agenda
Rockets-Eigentümer Les Alexander kündigte unmittelbar nach dem Playoff-Aus Konsequenzen für für den Sommer in Form der Verpflichtung eines namhaften Free Agents an, gleichzeitig lobte er aber auch den Kern des Teams um Howard, Harden und Parsons. Auf drei der fünf Positionen sind die Rockets gut bis sehr gut besetzt, ein Fragezeichen steht hinter dem Point Guard sowie dem Power Forward. Die Vier wurde von Terrence Jones zwar während der Regular Season zeitweise sehr stark bekleidet, in den Playoffs verkam T-Jones aus oben erwähnten Gründen zur Randfigur. Wenngleich man dem 22-jährigen Sophomore diesbezüglich nicht den ganz großen Vorwurf machen kann: Houston will in die Finals und sollte ein Spieler, der auf Jones' Position Leistungen auf All-Star Niveau aufs Parkett legen kann verfügbar werden, kommen die Rockets automatisch ins Spiel. 

Houston wird immer wieder genannt, wenn es um die Zukunft eines des namhaftesten Free Agents dieses Sommers, Carmelo Anthony, geht. Zwar ist es Rockets GM Morey durchaus zuzutrauen, in einem ingeniösen und komplizierten Trade den letztjährigen ligaweiten Top Scorer nach Houston zu holen – doch wäre noch mehr Scoring-Potenz bei gleichzeitig anhaltender Defensivschwäche des Rätsels Lösung in Clutch City? Vermutlich nicht. Auch der Name Kevin Love wird angesichts dessen Padawan-Verhältnisses zu Rockets Coach McHale zwangsläufig aufkommen. Allerdings ist die Konkurrenz im Werben um Love stark und Houston hat mit seinen Trade Chips Asik und Lin kaum das passende Material, um die Wolves in Versuchung zu führen. Ein drittes, wahrscheinlich sogar ein viertes Team wäre notwendig, um einen solchen Deal möglich zu machen, außerdem müsste Morey aller Wahrscheinlichkeit nach Chandler Parsons in den Pott werfen.

Weil die Rockets in der Regular Season die numerisch zweitmeisten Turnover ligaweit produzierten (16,1) und auch im Turnover Ratio (14,6%) nur von den Tankingvizemeistern aus Philadelphia geschlagen wurden, muss auch in puncto Spielaufbau und Ballsicherheit nachgebessert werden. So unersetzlich Patrick Beverleys giftige Man-to-Man Defense sowie sein mitreißender Einsatz auch sein mögen, Houston war oftmals zu berechenbar, speziell in entscheidenden Situation, weswegen auch verfügbare Point Guards mit den Rockets in Verbindung gebracht werden: Allen voran Rajon Rondo von den Celtics, den GM Morey bereits im Februar nach Houston holen wollte. Der Vertrag des Champions von 2007 läuft nächstes Jahr aus, ob er seine besten Jahre mit dem Warten auf den Rebuild in Beantown verschwenden möchte, ist wenigstens fraglich. Im Gegensatz zu den Wolves fehlt den Celtics ein starker Center, ihr Interesse an Asik ist kein Geheimnis, ein Grundgerüst für einen Trade daher vorhanden. Neuerdings scheint aber auch Deron Williams auf dem Markt zu sein, der bei den Nets niemals an seine Zeiten in Utah anknüpfen konnte. Auch hier könnten die Rockets Asik samt Jeremy Lin nach Brooklyn verschiffen. Deren russischer Teambesitzer Prokhorov zahlt die realen 30 Millionen Dollar, die das erwähnte Duo kommendes Jahr verdienen wird, aus der Portokasse. Denn das Team von Coach Kidd braucht einen defensivstarken Center ebenso dringend wie einen Publikumsmagneten, der dem frisch nach Brooklyn umgezogenen Team weltweite Aufmerksamkeit verschafft und das bisher zurückhaltende Publikum im Barclays Center etwas aufweckt. Lin und New York hat schon einmal geklappt, bei einem Jahr Vertragslaufzeit ist das Risiko außerdem überschaubar. Ein großes Fragezeichen steht jedoch hinter Williams' dickem Vertrag (circa 63 Millionen Dollar in den nächsten drei Jahren plus einem 15%igen Trade Kicker) sowie hinter seinem Gesundheitszustand: D-Will wirkte die ganze Saison über nicht fit, erzielte nur als Rookie weniger Punkte und Assists als in der laufenden Spielzeit, auch in den Playoffs wirkte er schwerfällig und beeinträchtigt durch seine chronische Knöchelverletzung, die er kürzlich operativ behandeln ließ. 


Personal
Coach:
Früh nach dem Ausscheiden gegen Portland wurde Kevin McHale als Headcoach bestätigt und die entsprechende Vertragsoption für die kommende Saison gezogen. McHale ist in Houston, vor allem bei den Fans, alles andere als unumstritten. Vor allem wenn es darum geht, kurzfristig Spielzüge anzusagen oder anzuordnen, wirkt er oft hilflos, die Spieler auf dem Parkett selbst nach einer Auszeit planlos. Angesagte Spielzüge funktioniert entweder nicht, oder sie existieren überhaupt nicht. Dennoch halten die Rockets an McHale fest, schließlich lieferte er mit 54 Regular Season Siegen die beste Saison seit sechs Jahren, gar das fünftbeste Ergebnis in der Geschichte der Franchise. Auch war McHale einer der ausschlaggebenden Faktoren, um Dwight Howard nach Houston zu lotsen. Der dreifache Champion und Hall-of-Famer scheint den Rückhalt des Teams zu genießen, benötigt aber für die kommende Saison dringend hochkarätige Unterstützung unter seinen Assistenten. Dort wurde nicht nur infolge des Abgangs des erwähnten Sampsons Platz geschaffen, als Sündenbock für die Pleite gegen die Blazers musste Dean Cooper, der schon zu Zeiten Tomjanovichs für die Rockets arbeitete, die Segel streichen. Die Nachfolge soll ein echter Defensivspezialist antreten. Aus Insider-Kreisen wird gemutmaßt, die Rockets hätten Kontakt mit dem Ex-Cavs-Ex-Lakers-Ex-Cavs Coach Mike Brown aufgenommen, um ihm die Defense des Teams anzuvertrauen. Brown lernte zwar unter dem Besten (Gregg Popovich, von 2000 bis 2003) und funktionierte in dieser Position, ob er sich mit einer „Degradierung“ zurück zum Assistenten anfreunden könnte, erscheint allerdings mindestens fragwürdig. Neben Mike Brown werden auch Lionel Hollins (eh. Memphis) und Ty Corbin (eh. Utah) für diesen Posten gehandelt.

Auslaufende und nicht-garantierte Verträge:
Wie unter Daryl Morey üblich, wurden einige Verträge geschlossen, die im Sommer entweder auslaufen oder darüber hinaus nicht garantiert sind. Francisco Garcia wird seine Player Option für die kommende Saison nicht ziehen und im Sommer Free Agent werden. Dennoch ist ein weiteres Jahr in Houston zum Veteranen Minimum nicht unwahrscheinlich, für die Rockets ist der 32-jährige Dominikaner als Lockerrom Leader nicht unwichtig. Neuzugang Jordan Hamilton begann zwar nach seinem Deadline Trade stark, brachte es aber zu keiner Sekunde Postseason Basketball. Er wird, wenn überhaupt, ebenfalls nur das Minimum für ein Jahr angeboten bekommen und daher wohl wechseln. Omri Casspi setzte sich ebenfalls nie wirklich durch, brachte es nur zu unregelmäßiger Spielzeit sowie ebenfalls zu keiner einzigen Sekunde in den Playoffs. Gut möglich, dass auch der Israeli, dessen Vertrag für die nächste Saison nicht garantiert ist, nach nur einem Jahr in Houston die Umzugskartons wieder aus dem Schrank holen muss. Robert Covingtons Vertrag ist ebenfalls nicht-garantiert. Der Forward spielte eine starke Saison bei den Vipers und wurde ins All-First D-League Team gewählt, Zukunftsaussichten sind also gegeben. Die Rockets werden ihm die nötige Zeit geben und Covington mindestens die ersten Wochen der kommenden Saison im Rio Grande Valley verweilen. Josh Powell unterzeichnete kurz vor den Playoffs ebenfalls einen nicht-garantierten Vertrag. Dieser wird nicht in Kraft treten und Powell zum 1.7. wieder Free Agent sein. Die Verträge von Starting Point Guard Patrick Beverley und 3P-Sensation Troy Daniels sind zwar ebenfalls nicht gesichert, aufgrund der geringen Bezüge müssen sie sich angesichts ihrer Bedeutung für das Team keine Sorgen machen.

Die wichtigste Personale im eigenen Haus ist Chandler Parsons, dessen Vertrag eine Team Option für die kommende Saison beinhaltet. Rockets GM Morey muss entscheiden, ob er den 25-jährigen in diesem oder nächsten Sommer zum Free Agent macht. Parsons will in Houston bleiben und die Rockets ihn unbedingt halten, daher werden die Aussichten, einen Top Free Agent zu verpflichten entscheidend sein, ob der Forward schon diesen oder erst nächsten Sommer einen angemessenen Vertrag erhält.


Draft: 
Die Rockets halten den 25. sowie den 42. Pick beim Draft am 26. Juni. Spezieller Bedarf auf einer bestimmten Position besteht nicht, zumal Morey ausnahmslos Talent vor Position stellt und den aus seiner Sicht besten Spieler draftet. Den späten Erstrundenpick pries Morey angesichts des vermeintlich starken Jahrgangs zwar an, behalten wird er ihn aber nur dann, wenn ein Spieler, den er viel früher hat weggehen sehen, noch verfügbar sein sollte.


Ansonsten ist davon auszugehen, dass sich die Rockets nach unten traden, um einen frühen Second Rounder und somit einen Spieler mit nicht-garantiertem Vertag nach Houston zu holen. Die Beteiligung der Rockets an einem größeren Deal am Draft-Abend wäre ohnehin keine besonders große Überraschung. Der 42. Pick wird ebenfalls ein typischer Morey-Pick werden: Ein Spieler, der nicht weniger als drei bis vier Jahre auf dem College verbracht hat und langsam ans Team herangeführt werden wird – oder aber ein internationaler Spieler.

Internationale Spieler: 
Die Rockets halten weiterhin die Draft-Rechte an zwei vielversprechenden europäischen Talenten: Sergio Llull (26) will mit Real Madrid die Euroleague gewinnen, bevor er in die NBA wechselt. Weil das wieder nicht geklappt und er mit den Königlichen ohnehin einen Langzeitvertrag abgeschlossen hat, wird Llull auch kommendes Jahr nicht in Houston spielen. Anders sieht es bei Barcelonas Kostas Papanikolaou aus. Der Grieche, dessen Rechte Houston im Zuge des Thomas Robinson Trades erhielt, könnte im Summer League Team der Rockets auf seine NBA-Tauglichkeit getestet werden. Sollten infolge eines größeren Deals Rosterplätze frei werden, ist sogar eine direkte Verpflichtung denkbar. Der 23-jährige Papanikolaou selbst scheint einem Engagement in Übersee deutlich zugetaner zu sein als Llull.

Kohle
Ohne die Verträge von Garcia und Casspi kommen die Rockets auf Personalkosten von circa 60 Millionen Dollar. Doch Asik und Lin haben bekanntlich keine Zukunft in Houston, es wäre fast schockierend, beide zum Media Day im Toyota Center zu sehen. Um einen der oben aufgeführten namhaften Spieler via Free Agency oder Trade nach Texas zu holen, müsste dieses Duo über den Ladentisch gehen, denn bei einem Salary Cap von gut 63 Millionen bleibt nicht viel Platz für einen weiteren hochdotierten Vertrag. Zwei Szenarien sind denkbar: Asik und Lin wären Teil des Deals, der Houston besagten Top-Spieler beschert, oder aber sie werden für eine wuchtige Trade Exception weggeschickt. In beiden Fällen werden die Rockets frühzeitig, also bestenfalls schon am Draft-Abend, klare Verhältnisse schaffen wollen, um dann die Situation um Parsons zu klären. 

Zukunft
„Wir müssen besser werden. Wir dürfen nicht in der ersten Runde ausscheiden.“ – So kommentierte Dwight Howard das verfrühte Saisonaus und unterstrich somit die Ambitionen in Südosttexas. Houston will in die Finals und wird auch die bevorstehende Off-Season nutzen, um gewohnt aggressiv das Team weiter zu verstärken. Bei all der Enttäuschung über das Aus gegen die Blazers darf nicht vergessen werden, dass fast alle Stammkräfte der Rockets noch am Beginn ihrer Karriere stehen und Howard der einzige Leistungsträger ist, der auf die 30 zugeht. Harden (24), Parsons (25), Beverley (25), Jones (22) und Motiejunas (23) werden kommende Saison ein Jahr älter und reifer sein und wieder angreifen, um den Thunder und Spurs die oberen Ränge im Westen streitig zu machen.