20 Mai 2014

Sebastian Hansen | 20. Mai, 2014    @sebh1995





Im Vorfeld der ersten Partie war viel über den Ausfall von Serge Ibaka gesprochen worden. Können die Thunder ihn defensiv ersetzen? Welche Lineups sollte man nutzen, um sein Fehlen bestmöglich zu kompensieren? Bei letzterer Frage waren sich viele Experten einig: die fünf Spieler, die gegen die LA Clippers Spiel 6 beendeten, sollten auch in dieser Serie oft gemeinsam auf dem Feld stehen. Gemeint waren Russell Westbrook, Reggie Jackson, Kevin Durant, Nick Collison und Steven Adams. Am Ende des Spiels hatten sie exakt null Sekunden zusammen absolviert, denn Scott Brooks schert sich nicht um die Meinung der Experten. Und auch die Antwort zu Ibaka war schnell gefunden: Zumindest an diesem Abend konnte OKC ihn überhaupt gar nicht ersetzen.

Brooks entschied sich, anstelle des verletzten Kongolesen Veteranen-Big Nick Collison das Spiel beginnen zu lassen. Die neu formierte Starting Five funktionierte allerdings schon am Anfang der Partie gerade im Frontcourt kaum bis gar nicht. Besonders Altmeister Tim Duncan kam extrem oft zu extrem leichten Punkten und stand am Ende des ersten Viertels bei 7 von 8 aus dem Feld. Dazu konnte auch Tony Parker immer wieder bis tief in die Zone vordringen und dort unbedrängt abschließen. Auch durch die Hereinnahme von Steven Adams (für Perkins), Caron Butler (für Collison) und dem Spurs-Killer der Regular Season, Reggie Jackson (für Sefolosha) wurde das ganze nicht besser. Dazu kam, dass es offensiv ebenso nicht besonders klickte. Erst, jawohl, Derek Fisher brachte hier etwas Entlastung, als er seine ersten drei Dreierversuche und zwei Freiwürfe verwandelte. 

Bisher hatten vor allem die Spieler Fehler begangen, nicht Scott Brooks. Das änderte der Thunder-Coach dann allerdings Anfang des zweiten Viertels, indem er seine beiden Superstars, deren Scoring OKC gerade wegen Ibakas Abwesenheit dringender denn je benötigt, über mehrere Minuten gemeinsam draußen sitzen ließ. In dieser Zeit gelang den Spurs ein 10-5 Lauf. Kevin Durant durfte sich in diesem Abschnitt insgesamt sechs Minuten lang erholen. Genug für das gesamte Spiel, dachte Brooks wohl, und gab ihm dann bis kurz vor Ende, als das Spiel entschieden war, überhaupt keine Pause mehr. Auch Westbrook und der Rest der Starter waren Ende des dritten Viertels restlos erschöpft. Gerade hatten sie sich heran gekämpft und waren sogar kurzzeitig in Führung gegangen. Doch dann mussten sie mangels Pause kraftlos mit ansehen, wie San Antonio den alten, zweistelligen Vorsprung wieder herstellte. 

Hier hätte Brooks viel früher reagieren und eine bessere Rotation etablieren müssen. So verloren die Thunder in dieser Phase das Spiel. Dazu kommt, dass der Coach Steven Adams nur 17 Minuten und die oben besagte Lineup gar nicht spielen ließ. Das ist ein weiterer, entscheidender Fehler, ohne den man bessere Chancen auf den Sieg gehabt hätte. Stattdessen lief Durant im zweiten und vierten Viertel als Center auf und Caron Butler als Power Forward, was von den Spurs in Gestalt von Boris Diaw und Tim Duncan gnadenlos ausgenutzt wurde. Auch hier hätte Brooks dieses Experiment viel eher beenden und zu einer größeren Aufstellung zurückkehren müssen.

So aber reihte sich ein Fehler an den anderen und kumulierte sich mit der ohnehin schon grottigen Thunder-Defense. 66 direkt in der Zone kassierte Punkte und 85% (!!!) gegnerische Feldwurfquote in der 'restricted area' direkt am Brett machen deutlich, wie sehr Ibakas Rim Protection fehlt, wenn Serge nicht aufläuft. Deswegen stand am Ende trotz eigentlich solider Offensivleistung ein letztlich nie gefährdeter Sieg der Spurs. 


Die Thunder und besonders Scott Brooks müssen nun die Lehren daraus ziehen, um in Spiel zwei eine größere Chance auf den Sieg zu haben. Zuallererst würde sich ein Wechsel der Starting-Five anbieten. Collison wieder auf die Bank zu setzen, um ihn mehr mit Adams spielen lassen zu können, wäre eine sinnvolle Maßnahme. Der Ersatz wäre in diesem Szenario wahrscheinlich Caron Butler. Oder man wird gleich ganz radikal und verbannt Perkins zugunsten von Adams auf die Bank. Damit hätte man von Anfang an die Kombination im Frontcourt, die das Spiel gegen die Los Angeles Clippers nach Hause brachte. 

Man weiß nicht, was Scott Brooks tun wird. In jedem Fall muss das anstehende zweite Spiel unbedingt gewonnen werden, egal wie. Durant und Westbrook müssen über sich hinauswachsen, vor allem offensiv, und bei den Spurs darf nicht mehr so viel fallen wie noch letzte Nacht. Letzteres ist allerdings zu großen Teilen Glückssache. Bis zu Spiel drei hat OKCs Coaching-Stab dann vier Tage Zeit, um die kaputte Defensive einigermaßen zu reparieren. Mit einem Unentschieden in der Serie nach Hause zu fahren, wäre also Gold wert. Und wer weiß, vielleicht wird Ibaka schneller wieder fit als gedacht. Gerüchten zufolge trainiert er wieder, auch wenn Brooks Gerüchte über seinen eventuellen Einsatz scharf dementierte. Ohne ihn wird es für OKC schwierig werden, das hat Spiel eins bewiesen. Schwierig. Und angesichts der Leistungen gestern vielleicht sogar unmöglich.