05 Mai 2014

Marc Lange, Sebastian Hansen | 5. Mai, 2014    @godzfave44  @sebh1995






Playoffs, Baby! Nach einem elend langen Vorgeplänkel geht es ab diesem Samstag endlich ans Eingemachte. Verabschiedet euch also von euren Liebsten, legt alle Planungen und sozialen Verpflichtungen vorerst auf Eis und deckt euch mit reichlich Proviant ein, denn in den nächsten knapp acht Wochen gibt's nur Basketball - auch hier bei NBACHEF. Wir haben uns die vier Conference-Semifinals angeschaut und für euch vier Zweitrunden-Speisepläne zusammen gestellt. Bon Appetit!


Wie fast alle Teams blieben auch die Clippers nicht von einer 7-Spiele-Serie verschont. Dazu gesellte sich das omnipräsente Kapitel "Sterling", das fast zum Boykott der Profis vor Spiel vier geführt hätte. Das Team von Doc Rivers lieferte sich auf dem Parkett einen zermürbenden Kampf gegen tapfer kämpfende Warriors, die es dem Team aus Los Angeles häufig schwer machten - auch ohne den verletzten Andrew Bogut in der Mitte. Marc Jacksons Entscheidung, klein zu spielen, kam für die Warriors vielleicht zu spät, offenbarte aber mehrere Probleme in der defensiven Lineup des Pacific Division Champions, wenn der Gegner nicht traditionell agiert - also die Big Men aus ihrer Komfortzone unter den Brettern entfernt und/oder früh in Foulprobleme versetzt. Letztendlich konnten die Clippers Steph Curry und Konsorten aber niederringen und in die nächste Runde einziehen, wo der Titelfavorit aus Oklahoma City wartet - der bisher selbst mit einigen Problemen zu kämpfen hatte.

Dass Memphis den Thunder aber alles abverlangen würden, war so abzusehen. Nicht umsonst galten die Grizzlies als der West-Gegner, dem man in Runde eins am liebsten aus dem Weg gehen würde. Hätte sich Zach Randolph in Spiel sechs nicht zu einer unentschuldbaren Dummheit hätte hinreissen lassen, wer weiss, wie Spiel sieben in der Chesapeake Arena ausgegangen wäre. Hätte Rätte Tätte... OKC zieht weiter, obwohl das Team von Scott Brooks eigentlich schon mit dem Rücken zur Wand gestanden war und einen 2-3 Rückstand in fremder Halle wett machen musste. Es hilft halt, wenn man einen MVP im Team hat: Kevin Durant beendete die Serie gegen Memphis mit 36 und 33 Punkten und bereitete so das erste Aufeinandertreffen der Thunder und Clippers in der Postseason vor. Die Duelle in der regulären Saison endeten mit je zwei Siegen.  


Warum die Thunder gewinnen:
Die Season-Series gegen L.A. war ausgeglichen hart umkämpft, am Ende stand ein 2-2 Unentschieden. In den Playoffs wird es jetzt darauf ankommen, wer die Stärken des Gegners am besten eindämmen und andersherum mit den eigenen Stärken die Schwachstellen des Gegenüber ausnutzen kann. Die Clippers sind ein Team, das ein starke Offensive vorweisen kann. Chris Paul, Jamal Crawford, Blake Griffin, alle haben sie ihre größten Stärken im Angriff. Für die Thunder ist es wichtig, das Offensivspiel dieser Drei möglichst einzudämmen. Dafür stehen ihnen einige geeignete Spieler zur Verfügung. Vor allem Thabo Sefolosha hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er es mit Chris Paul, aber auch mit einem Jamal Crawford oder JJ Redick aufnehmen kann.

Gegen Blake Griffin stehen Scott Brooks die exzellenten Defensivspieler Serge Ibaka, Kendrick Perkins, Nick Collison und Steven Adams zur Verfügung. Dementsprechend lag Griffins Wurfquote in den Aufeinandertreffen der regulären Saison auch drei Prozent niedriger als sein Durchschnittswert. Für OKC wird vor allem wichtig sein, Griffin aus der Zone zu halten, da er hier mit Abstand am besten trifft. Drängt man ihn ins rechte Halbfeld ab, fallen seine Quoten rapide. Hier wird die Physis und die Länge des Thunder-Frontcourts ganze Arbeit leisten müssen. Allgemein liegt dort eine der größten Stärken der Thunder gegen die Clippers: die großen Positionen sind bei Los Angeles nur sehr dünn besetzt. Hinter den Startern Griffin und Jordan kommt lange gar nichts und dann ganz hinten der übergewichtige Glen Davis sowie die Reste von Hedo Turkoglu. Die Thunder müssen also unbedingt versuchen, die Tiefe ihres Frontcourts zu nutzen und Griffin/Jordan Fouls anhängen, um die Clippers so in Probleme zu bringen.


Das selbe gilt auch für Matt Barnes. Dieser ist der einzige, dem es ansatzweise gelingen kann, Kevin Durant zu bremsen. Umso wichtiger ist es, Barnes früh auf die Bank zu verbannen, und das geht eben am besten durch Foultrouble. Denn der allergrößte Vorteil, den die Thunder haben, ist und bleibt Kevin Durant. Der MVP 2014 ist der wichtigste Mann für die Franchise aus dem mittleren Westen – und die Clippers haben keinen Tony Allen, keinen Tayshaun Prince, keinen Courtney Lee, sondern eben einzig und allein Matt Barnes (und mit Abstrichen Jared Dudley, der bisher in diesen Playoffs kaum gespielt hat). Sitzt Barnes mit mehreren Fouls draußen, kann KD fast alles machen, was er will. Nachdem seine Leistungen in den letzten beiden Spielen der ersten Runde deutlich besser waren, müssen die Thunder ihn gleich von Beginn an ins Spiel bringen. Das selbe gilt auch für Russell Westbrook, der den einzigen starken Verteidiger im Clippers-Backcourt – Chris Paul – so sehr beschäftigen muss, dass ihm die Kraft für die Offense fehlt. Paul ist angeschlagen, und Westbrook wird ihn sicherlich früh und häufig testen. Dazu sollte der Dreier bei den Rollenspielern fallen. Wenn Reggie Jackson (sagenhafte 47% Dreierquote in den Playoffs) und Caron Butler (40%) ihre Quoten halten könnten, wäre das schon die halbe Miete, denn dann haben die beiden Superstars auf dem Feld den Platz, den sie brauchen.

Zusammenfassen kann man die Serie auf die Formel: das Team, das die Stars des Gegners besser einschränkt, gewinnt. Und hier haben die Thunder die besseren Karten, weil sie vor allem für Griffin ein ganzes Arsenal an guten Verteidigern vorrätig haben. Man hat gegen Memphis gesehen, wann Oklahoma Probleme bekommt: Wenn man die Superstars Durant und Westbrook ausschaltet. Das sollte Los Angeles lange nicht so gut gelingen wie den Grizzlies. Dazu kommt noch der Heimvorteil für Oklahoma City in einem möglichen Spiel 7. Die Clippers sind zwar kein leichtes Matchup, aber für die Thunder kein Hindernis auf dem Weg ins Conference Finale.

Warum die Clippers gewinnen:
Die Thunder haben zwar den besten Scorer und MVP der Liga, die Clippers dafür aber die beste Offensive als Team. Auch in den Playoffs wussten die Jungs um Blake Griffin und CP3 bisher den Ball im Korb unterzubringen und erzielten knapp 111 Punkte im Schnitt. Gegen die Defense der Thunder sollte es allerdings schwerer werden als gegen Golden State. Griffin gegen Ibaka wird einen Vorgeschmack auf 'Wrestlemania 31' liefern und Chris Paul wird sich mit der Intensität von Russell Westbrook herum ärgern müssen. Jedoch haben die Clippers genügend Alternativen, falls es bei einem der beiden Stars kurzzeitig offensiv nicht rund läuft. Angeführt von Jamal Crawford (16,7 PPG) und J.J. Redick (14,3 PPG) scorten durchschnittlich drei weitere Clippers-Spieler neben Griffin und CP3 zweistellig gegen die Warriors. So gut die Thunder auch verteidigen: L.A. ist eine Offensivmaschine, die unzählige Optionen zur Verfügung hat und auch von den besten Defensiven der Liga kaum einzudämmen ist.



Im Gegensatz dazu ist Oklahoma City viel zu eindimensional. Fast die gesamte Firepower liegt in den Händen von Durant und Westbrook. Die beiden Stars waren zusammen für mehr als die Hälfte aller Thunder-Punkte gegen die Grizzlies verantwortlich (388 von 715). Erschreckend dabei: Russell Westbrook traf nur 38,2% aus dem Feld und 23,8% vom Dreipunkteland. Und von den zwei starken Auftritten in Spiel 6 und 7 hatte auch Durant massive Probleme beim Abschluss. Die gesamte Serie gegen Memphis bewies, dass es sehr riskant ist, sich in der Offensive fast ausschließlich auf das Talent der beiden Superstars zu verlassen. Genau das tun die Thunder aber meistens. Selbst wenn Coach Brooks auf seine kleineren Line-Ups setzt, sind die Clippers vorbereitet. Gegen die athletische Griffin/Jordan Paarung unter den Brettern wäre dieser Brooks-Schachzug fatal. Die Thunder befinden sich also in einer unangenehmen Zwickmühle, während die Clippers immer entsprechend reagieren können.

Das Schlüssel-Duell dieser Serie wird auf der Point Guard Position stattfinden. Obwohl auch Chris Paul seine schwachen Momente in der vorherigen Serie hatte und aufgrund einer Oberschenkelblessur längst nicht bei 100% ist, bleibt er der entscheidende Faktor und der größte Unruheherd für die Thunder-Defense. Russell Westbrook mag vielleicht größer, stärker und athletischer sein als CP3, aber sowohl in Punkto Spielintelligenz als auch beim Thema Effizienz kann er dem Lob City General nicht ansatzweise das Wasser reichen. Paul überdreht nicht, trifft gute Entscheidungen und versteht es wie kaum ein Zweiter, seine Gegenspieler offensiv und defensiv, gerne auch mal durch einen Flop, zu frustrieren, zu reizen und dadurch kurzzeitig sogar aus dem Spiel zu nehmen. Und wenn ein Spieler leicht aus der Fassung zu bringen ist, dann ist es Russell Westbrook. Irgendwann wird Paul den schießwütigen Guard der Thunder an den Punkt bringen, an dem er wieder in den Helden-Modus verfällt, zehn schwierige und/oder unnötige Würfe mehr nimmt als Durant und allen beweisen will, dass er nicht nur der eigentliche Franchise Player dieses Teams ist, sondern auch der beste Point Guard der Liga. Westbrooks durchschnittlichen 25 Punkte pro Spiel werden deswegen auch stets mit mindestens 25-30 Würfen in Verbindung stehen - und mehr Westbrook als Durant wird auch das endgültige Todesurteil für die Titelträume in Oklahoma City sein.