06 Mai 2014

Jan Wiesinger, Mattis Nothacker | 6. Mai, 2014    @WiesiG






Playoffs, Baby! Nach einem elend langen Vorgeplänkel geht es ab diesem Samstag endlich ans Eingemachte. Verabschiedet euch also von euren Liebsten, legt alle Planungen und sozialen Verpflichtungen vorerst auf Eis und deckt euch mit reichlich Proviant ein, denn in den nächsten knapp acht Wochen gibt's nur Basketball - auch hier bei NBACHEF. Wir haben uns die vier Conference-Semifinals angeschaut und für euch vier Zweitrunden-Speisepläne zusammen gestellt. Bon Appetit!


Schlussendlich war es alles andere als eine leichte Serie für das Top-platzierte Western Conference Team San Antonio gegen die Nummer acht, Dallas Mavericks. Neben einer großen Erleichterung, weiter gekommen zu sein, war vor allem der Respekt für Rick Carlisle und die Mavs groß. Tatsächlich war der Dallas-Coach der wohl größte Garant für die überraschenden Auftritte der Mavericks. Er stellte sein Team hervorragend auf das System der Spurs ein, bei denen sehr viel über offene Dreier funktioniert. Die wurden von Dallas in den sieben Spielen zum größten Teil unterbunden. Insgesamt lastete dadurch etwas zu viel Last auf den Schultern von Tony Parker und Manu Ginobili, die als einzige Spurs-Guards in der Lage waren, konstant zum Korb zu ziehen. Letztendlich hätten es beide Teams verdient gehabt, eine Runde weiter zu kommen, doch wieder einmal zeigte sich, wie wichtig ein siebtes Spiel im eigenen Stadion sein kann. 

Mit den Portland Trail Blazers wartet nun ein Gegner auf San Antonio, der nicht nur etwas überraschend die Houston Rockets in sechs Spielen aus den Playoffs kegelte, sondern in vielerlei Hinsicht auch wie eine jüngere, athletischere Version der Mavericks daherkommt. Auch die Trail Blazers besitzen in Damian Lillard einen blitzschnellen Guard, in Nicolas Batum einen großartigen Verteidiger und in LaMarcus Aldridge einen Superstar auf der Vier, dazu Schützen auf den anderen Positionen und einen limitierten Big Man in der Mitte. Aldridge wird nicht umsonst immer wieder mit Nowitzki verglichen. Er ist ähnlich groß, punktet am liebsten von der Mitteldistanz und hat einen hervorragenden Wurf im Repertoire. Die Season Series endete 2-2 Unentschieden - nicht zuletzt deshalb darf man wohl ein spannendes Conference Halbfinale erwarten. 


Warum die Spurs gewinnen:
Wie nur wenige Trainer der Welt versteht es Gregg Popovich, den Superstar seines Gegners aus dem Spiel zu nehmen. So gab er seinem Team in den letzten beiden Jahren oft den entscheidenden Vorteil. 2012 richtete er sein Defensivsystem vollkommen auf Chris Paul aus und ließ ihn über das gesamte Spielfeld von Danny Green bewachen, die Clippers fanden keine Antwort. Im vergangenen Jahr stürzte auch Zach Randolph nach einer überragenden Serie gegen die OKC Thunder im Western Conference Finale gegen die Spurs völlig ein. San Antonio frontete ihn durchgehend, die Grizzlies wussten sich nicht zu helfen. Sogar LeBron James wurde von den Spurs im Finale zeitweise bis an die Verzweiflungsgrenze gebracht.


Da das Spiel der Portland Trail Blazers zum großen Anteil von Lillards und Aldridges Brillanz lebt, wird Popovich wieder einmal versuchen, die entscheidende Akteure nicht zum Zug kommen zu lassen. Da Aldridge deutlich jünger und athletischer als Nowitzki ist, werden ihn die Spurs sicher etwas anders verteidigen, doch man kann davon ausgehen, dass sie auch hier versuchen werden, ihm vor allem seinen Wurf wegzunehmen. Lillard könnte von dem daraus entstehenden Raum ähnlich profitieren, wie es bei Monta Ellis in der vorherigen Serie der Fall war. Die Spurs können aber in Kauf nehmen, dass Lillard 30 Punkte pro Spiel macht. Er alleine gegen Tony Parker und Manu Ginobili, die konstant Löcher reißen, ringsherum die tödlichsten Dreierschützen der Liga und ein Tim Duncan, der nicht spielt, als wäre er 38, sondern 28 Jahre alt - da geht der Zugschlag recht klar an die Spurs.

Warum die Trail Blazers gewinnen:
Die Portland Trail Blazers reiten auf einer Welle von Euphorie und Sorglosigkeit in die Conference Semi Finals gegen die top-gesetzten San Antonio Spurs. Nur wenige hatten der Mannschaft aus dem Nordwesten ein Weiterkommen in der ersten Runde gegen die Houston Rockets zugetraut, für Portland bedeutete der 4-2 Sieg gegen Harden, Howard & Co aber den ersten Gewinn einer Playoff-Serie seit 14 Jahren. Auch wenn Portland als Underdog in diese Serie geht, liegen die Gründe für einen weiteren Upset des 5th Seed auf der Hand: Neben der Hitze von Frittenfett klebt den Blazers die Clutchness von Handtaschen an. Drei von sechs Spielen in Runde eins wurden mit 3 Punkten oder weniger entschieden - Portland gewann alle. Für weitere Aufgaben in den Playoffs wurde die Mannschaft in drei Overtimes gestählt. Mangelnde Playofferfahrung? Who cares!

Offensiv ist die Mannschaft ohnehin über jeden Zweifel erhaben, das Pick & Roll von Damian Lillard mit LaMarcus Aldridge ist eines der effektivsten der gesamten Liga. Letzterer verwandelt den Midrange-Jumper, als spiele er "Paper Toss" auf leichtester Stufe, wird aber auch in Korbnähe gefährlich. Portlands Athletik und Größe sollten auch dem Spiel der Spurs Probleme bereiten. James Harden konnte man weitestgehend aus der Zone und von der Linie fern halten, warum sollte dies also nicht bei Tony Parker und Manu Ginobili gelingen? Rockets-Center Dwight Howard erwirkte in der letzten Runde größere Schäden gegen die Defense der Blazers, der Spurs'sche Frontcourt tritt allerdings deutlich weniger athletisch auf. In der regulären Saison trennten sich die Teams 2-2, wobei Allstar Aldridge bei einer der Blazers-Niederlagen verletzt fehlte.



Die eher schwache Bank-Produktion konnte man in Runde eins gegen Houston gut kompensieren. Sie dürfte sich ohnehin deutlich weniger negativ auswirken als noch in der regulären Saison, da die Starter und Leistungsträger bekanntlich länger auf dem Parkett stehen. Auch die längere Ruhezeit von vier Tagen gegenüber derer nur zwei bei den Spurs spricht für die Trail Blazers. Headcoach Terry Stotts kann sich zudem auf mögliche Hilfe seines Ex-Chefs und Freundes Rick Carlisle berufen. Was Fast-Spurs-Bezwinger Carlisle nicht ganz gelang, wird Stotts mit seinen Blazers schaffen und durch ein Weiterkommen gegen die Spurs die Chancen auf die zweite Championship der Franchise aus Oregon nach 1977 weiterhin wahren.