06 Mai 2014

Anno Haak, Wolfgang Stöckl | 6. Mai, 2014    @kemperboyd  @WStckl




Playoffs, Baby! Nach einem elend langen Vorgeplänkel geht es ab diesem Samstag endlich ans Eingemachte. Verabschiedet euch also von euren Liebsten, legt alle Planungen und sozialen Verpflichtungen vorerst auf Eis und deckt euch mit reichlich Proviant ein, denn in den nächsten knapp acht Wochen gibt's nur Basketball - auch hier bei NBACHEF. Wir haben uns die vier Conference-Semifinals angeschaut und für euch vier Zweitrunden-Speisepläne zusammen gestellt. Bon Appetit!


Der Champion ist ein enigmatisches Team. Miami spielte mit 54 Siegen eine der schwächsten Nach-Back-to-back-Championships-Saisons überhaupt. "Coasting" nennt man dieses Tanking für Besserverdienende, habe ich gelernt. Das Anschwitzen mit Rotluchskontakt, das man erste Playoffrunde im Osten nennt, liess auch keine echten Rückschlüsse auf die Stärke der Heat zu, die mit Charlotte einen unwürdigen und obendrein gehandicappten Playoff-Gegner erwischten. Die Nets quälten sich derweile durch sieben Spiele des Matchups, das sie sich fein säuberlich "ertankt hatten", setzten sich aber auf dramatische Art und Weise in Toronto durch. „Not gegen Elend“ wäre fehl am Platz. „Kaum zu beurteilen“ gegen „schwer verständlich“ trifft diese Serie hingegen auf den Punkt.


Warum die Heat gewinnen:
‘Cause that’s what they do.' Die Erde dreht sich, Lillard trifft Game Winner, Durant macht 25 Punkte pro Spiel, und die Heat gewinnen Playoffserien (ja ich hörte von den Finals '11, aber Dallas ist draußen).

Der erste, offensichtliche Vorteile für Miami: das Heimrecht. Die Heat haben nur drei ihrer letzten 16 Playoff-Heimspiele verloren. In entscheidenden Clincher-Games liegt ihre Bilanz seit den Eastern Conference Finals 2012 bei 5-0. Drei 7. Spiele hat Miami in der Spanne in der AAA gewonnen, kein einziges verloren - gegen die 2012er Celtics, die 2013er Pacers und 2013er Spurs wohlgemerkt, nicht gegen die Nummer 6 des (L)Ostens im Jahr 2014.

Miami ist alt. Brooklyn ist geriatrisch, hat drei Spiele mehr in den Knochen und fünf Tage weniger Pause gehabt. Wenn Coach Kidd die Minuten-Limitierung von Kevin Garnett durchziehen will, sind die Autobahnen für James & co. planiert. In den sieben Spielen gegen die Raptors legten die Nets ein sehr gutes Defensivrating von 100.8 auf. Wenn Garnett auf der Platte war. Schwenkte er hingegen das Handtuch auf der Bank, gab es den Stresstest für die Bommel am Ring (DRtg 107.1). Keine gute Nachricht also gegen ein Team, das mit angezogener Handbremse in fast jeder Beziehung (nur als Beispiele: ORtg Platz 5; eFG% Platz 1) zu den Top-5-Offensiven der Liga gehörte.



Was ist die größte Schwäche der Miami Heat? Sagen wir es gemeinsam: Rebounds! Und welches Playoff-Team ist am denkbar ungeeignetsten, das auszunutzen? Und wieder alle gemeinsam: die Brooklyn Nets. Das Team aus dem Borough belegt nur Rang 28 bei der Defensiv-Rebound-Quote. Auch am offensiven Brett sind die Smallball-Nets nicht viel besser (Rang 27).

Das größte Problem von Kidd & co. ist aber folgendes: Niemand in schwarz-weiß stoppt LeBron James. Der Mythos vom LeBron-Stopper Brooklyn ist genau das - ein Mythos. Der 'soon to have been MVP' legte gegen die Nets 63,5% True Shooting auf. Das mag für seine Verhältnisse zwar unterdurchschnittlich anmuten, wäre aber ligaweit in der regulären Saison Platz zwei unter allen Spielern gewesen. „Stoppen“ sieht also anders aus. Die vermeintliche Defensiv-Geheimwaffe Andrei Kirilenko lässt am Ring in der bisherigen Postseason zwei von drei gegnerischen Würfen durch die Reuse fallen, Garnett und Pierce mehr als die Hälfte, und selbst Mason Plumlee noch über 48%. Ringbeschützer Brook Lopez (nur 40% gegnerische Trefferquote direkt am Ring) fehlt gewaltig.

Ein paar zusätzliche Trips in den Post, etwas mehr als gewohnt, wären für James also ratsam. Ansonsten muss penetriert werden, was die Schuhe hergeben, dann haben die Nets keinen Stich. Werden James oder Wade zum Kickout gezwungen, wird’s im Übrigen nicht besser. Brooklyn ist in dieser Saison Nummer 23 bei der zugelassenen Dreierquote. Wie man es also dreht und wendet: Miami hat zu viele Waffen zur Disposition, und die Nets sind alles andere als ein defensives Schwergewicht. Simpel.

Warum die Nets gewinnen:
Nachdem die Nets in einer sehr umkämpften Serie gegen Toronto überlebten, wartet nun der Meister. Die Nets konnten alle vier Partien in der regulären Saison gewinnen. Alle vier Spiele waren äußerst eng und hart umkämpft, fast wie in den Playoffs. Und immer schaffte es Brooklyn, irgendwie den Sieg davon zu tragen. Die Nets schossen starke 47% aus dem Feld und 41% von der Dreier-Linie (9 Dreier im Schnitt). Währenddessen hielten die Nets Miami bei 46,5% aus dem Feld und 33% von der Dreier-Linie - alles Werte weit unter dem Saisondurchschnitt der Heat.

Besonders Joe Johnson tat sich in den regulären Saisonpielen gegen Miami hervor und erzielte 20 PPG, 52% FG und 44% Dreier im Schnitt. Auch gegen Toronto war Johnson der beste Nets-Spieler. Selbst, wenn Johnson gegen Miami weniger häufig seine Physis ausspielen kann, so bleibt er Brooklyns konstantester Angreifer und als solcher für jede Defensive ein Problemherd. Ein weiterer Vorteil für Brooklyn ist natürlich, dass Paul Pierce und Kevin Garnett die Heat und ihre Spielweise sehr gut kennen. Sie wissen, wie man gegen Miami spielen und verteidigen muss, um in einer Playoff-Serie eine Chance zu haben. Pierce war bei den vier regulären Siegen gegen die Heat sogar noch besser als Johnson (21.3 PPG).


Brooklyns Team ist extra für diese Playoff-Duelle gegen Miami zusammen gestellt worden. Die Nets haben mit dem Smallball der Heat weitaus weniger Schwierigkeiten als andere Mannschaften, da sie es im Endeffekt genauso spielten, mit Pierce auf Power Forward und Garnett auf Center. Außerdem verfügt Brooklyn über eine ganze Armada an großen Flügelspielern und Guards, die gegen James und Wade körperlich dagegen halten können, so dass nur selten jemand zum Doppeln kommen muss.

Brooklyn muss wie in der regulären Saison auf ein schnelles Passspiel setzen und im Pick & Roll die Defensive der Heat gut lesen. Dass dieses lange, abgezockte Team aber dazu mehr als in der Lage ist, hat nicht zuletzt die reguläre Saison gezeigt. Ein X-Faktor, der bei den vier Nets-Siegen noch überhaupt nicht in Erscheinung trat, ist Deron Williams. Der hat gegen Toronto mehrfach demonstriert, wozu er gesund in der Lage ist. Wenn D-Will gut spielte, gewannen die Nets. Da er gegen Miami keinen balldominanten, pfeilschnellen Guard wie Kyle Lowry verteidigen muss, hat er vorne genug Energie, um Mario Chalmers und Norris Cole vorzuführen.