03 Mai 2014

nbachefsquad | 3. Mai, 2014    @nbachefkoch






Playoffs, Baby! Die echte Saison ist endlich unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action auf einmal würde es kaum Sinn machen, traditionell zu berichten und das Chaos-Element dieser Wochen zu vernachlässigen. Kein Grund zur Sorge: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Damian Lillard in Crunchtime und versorgt euch täglich mit den feinsten Petitsbouches zur NBA-Postseason.


Philipp Rück: Ja, da war er wieder. Er spielt zwar immer noch keine 30 Minuten, aber der „alte“ Garnett blitzte gestern Nacht wieder auf. Den Grundstein für den Sieg legten die Nets in der ersten Halbzeit. Das Spiel war quasi nach 24 Minuten bereits entschieden. Der alte Mann, der ja angeblich grün blutet, aber trotzdem jetzt bei einem Atlantic Division Rivalen auf Titeljagd geht, erstickte die Offensive der Dinos im Keim. Er drängte Jonas Valanciunas, der bislang offensiv fast machen durfte, was er wollte, jedes Mal so weit weg vom Korb, dass dieser nicht nur Probleme hatte, Punkte zu erzielen. Der junge litauische Center war kaum in der Lage, saubere Pässe zu spielen. Das war wieder der defensive „Vintage-KG“, den wir aus Boston kennen. Vintage waren im Übrigen auch seine unzähligen Moving Screens, die in leidiger Regelmäßigkeit zu vielen einfachen Punkten für Brooklyn geführt haben. Insgesamt war die Referee-Leistung bzgl. einer einheitlichen Linie mal wieder ziemlich schwach. Valanciunas bekam für so manchen zu heftigen Atemausstoß ein Foul angehängt, aber illegale Screens werden immer noch nicht genug geahndet.

Der andere wichtigere Maurer im Team der Nets, der einen wichtigen Grundstein für den Sieg legte, war Joe Johnson. Die Raptoren haben nach wie vor kein Antidot für Iso-Joes Post-Up-Game. Er ist durch seine Physis und Technik ein wahrer Matchup-Albtraum für die Perimeter Verteidiger Torontos. Entweder drückt er seine Gegenspieler (oft DeRozan, der defensiv gestern horrend aussah) einfach weg bis er auf dem lackierten Parkett stand oder er ließ sich gleich selbst unter dem Korb wie einen Center anspielen. Der einzige, der es einigermaßen mit ihm körperlich aufnehmen kann, ist Terrence Ross. Dieser bezahlt aber gerade enormes Lehrgeld in Form von vielen Fouls. Also ging Toronto dazu über, Iso-Joe zu doppeln. Was dann kam, war Ball- und Spieler-Bewegung aus dem Lehrbuch, bis ein „Net“ (meine Güte, welch schrecklicher Team-Name „Nets“ doch ist) den einfachsten Wurf bekam. Summa summarum ging das Coaching-Duell in Spiel 6 an Rookie Jason Kidd. Er hat in den ersten beiden Vierteln konsequent die Mismatches ausgenutzt. Neben dem Johnson-Vorteil spielte den Nets auch in die Karten, dass Amir Johnson trotz seiner Fähigkeiten gestern nicht schnell und wendig genug war, um Paul Pierce aufzuhalten. Offensiv waren das die wichtigsten Faktoren.

Casey darf im entscheidenden Spiel am Sonntag nicht wieder den Fehler machen, Jonas und Amir gleichzeitig über längere Zeiträume von der Platte zu nehmen. Ohne die beiden ist absolut nullkommanull Shotblocking auf dem Feld, was die 48 Punkte „in the Paint“ illustrieren (okay, die Foulprobleme der Big Men leisteten auch ihren Beitrag). Es kann ebenfalls nicht sein, dass man gegen das schlechteste Playoff-Rebound Team so an den Brettern abgeschlachtet wird (14-24 in HZ 1):


Letzter Gedanke: Was war denn das für eine billige Stimmung im Barclays Center? Außer ein paar monotonen und langgezogenen „Broooooklyn“-Sprechchören war kaum etwas zu hören. Wir können als Zuschauer froh sein, dass das entscheidende Game in Toronto stattfinden wird.




Jan Wiesinger: Die französische Politik ist alarmiert. In den letzten Jahrzehnten wurde es im Land von Baguette und Käse scheinbar systematisch versäumt, die heranwachsenden Franzosen im Kindergarten- und Grundschulalter mit banalsten Kernkompetenzen auszustatten. Eines dieser von der Obrigkeit im Stich gelassenen Opfer hockt nun auf dem Parkett einer texanischen Mehrzweckarena und versucht sich verzweifelt an einen Merkspruch zum Binden seiner Schnürsenkel zu erinnern: „Hasenohr, schieß ein Tor, hmmm --- Die Maus geht ums Haus, kommt wieder, ... oh shit. Irgendwas mit Elefanten.. F**k it!“

In aller Seelenruhe bindet sich Boris Diaw seine Schuhe bei eigenem Ballbesitz. Eine Szene, die jeden Bezirksliga-Coach zutiefst erzürnen würde und den Protagonisten in akute Timeout- und Auswechselgefahr bugsieren würde. Bobos Coach Popo versucht sich unterdessen ebenfalls krampfhaft an gelernte Techniken aus seiner Vergangenheit zu erinnern. Waterboarding never gets old. Als Boris D. sein Werk schlussendlich trotz des überschüssigen Bauchfetts beenden kann, springt er auf als hätte er eine Platte Bienenstich erblickt. Ball zu Diaw, Tip pass zu Splitter, welcher von Calderon nur noch per Foul zu stoppen ist.   Trick Play oder unendliche Genialität? Nicht mal Deep Thought könnte eine Antwort auf diese Frage finden.

Die Dallas Mavericks hatten sich in Hälfte Eins diesen sechsten Aufeinandertreffens mit den San Antonio Spurs in den diesjährigen Playoffs als sehr guter Gas(t)geber erwiesen: Mit 58-52 hatte man sich in diesem „Win-or-stay-home“-Spiel einen kleinen Vorteil gegenüber dem topgesetzten Konkurrenten herausgespielt. Dieser ließ sich im dritten Viertel jedoch nicht lange bitten und stellte mit einem 29-18 Quarter seinerseits die Vorzeichen auf ein schnelles Ende der Serie. Im letzten Viertel zündete dann die heimische Mavs-Offensive die zweite Raktenstufe und schoss sich zum Sieg. Neben der guten Dallas Bank, welche die der Gäste mit 36 zu 25 übertraf( Nicht zuletzt aufgrund eines katastrophal aufspielenden Manu Ginobilis; 1/8 FGs, 6 Punkte, 5 Assists), war vor allem Monta Ellis (29 Punkte, 12 davon im 4. Viertel) ein Garant für den Heimsieg der Mavericks. 

Am Ende des Spiels ließen die Mavericks den zunächst komfortabel erscheinenden Vorsprung noch mal zur Schlussphasen-Hektik verkommen. Greg Popovich hatte einge Minute vor Schluss einige seiner Starter bereits vom Feld genommen und abgeklatscht, als Patty Mills und der starke Danny Green(7/7 FG, 17 Punkte) die Spurs mit zwei Dreiern wieder in Schlagdistanz brachten.  Ex-Spur DeJuan Blair, der im fünften Spiel aufgrund des falsch gewählten Timings für seine Stretching-Übungen noch gesperrt fehlte,  sammelte in dieser Phase wichtige Treupunkte für sein T-Shirt mit der Aufschrift „I´m a Hustla“, griff wichtige Rebounds und traf eine zumindest ausreichende Anzahl seiner Freiwürfe (10 Punkte, 14 Boards, 4/7 FTs). Monta Ellis Fauxpas mit 1.2 Sekunden auf der Uhr, als er den Ball uninspiriert wegwarf,  anstelle sich foulen zu lassen, konnte von den Spurs nicht mehr nachhaltig bestraft werden. Dass man jedoch niemals so ganz geht, zeigte die folgende Aufstellung der Spurs: Gar 6 Spieler präsentierten die Gäste beim finalen Inbound auf dem Feld, was aber weder den Schiedsrichtern, noch den meisten Mavs-Spielern aufzufallen schien. Lediglich Ellis monierte diese unsägliche Ungerechtigkeit, da die Spurs weder ihren Torwart rausgenommen hatten, noch die Mavs mit einer 2-Minuten-Strafe bedacht worden waren. Ob es sich hierbei ausschließlich um eine Unaufmerksamkeit Popovichs oder ein erneutes Play aus der Diawschen Trickkiste handelte, bleibt ebenfalls nebulös. 

„At the end of this day, one shall stand, one shall fall.“ - Optimus Prime

Der großartige Kampf der Mavericks beschert uns ein weiteres Game 7 am Sonntag (22:30 MEZ) . Ein würdiges Ende und ein würdiger Sieger der Serie sind uns ebenfalls gewiss, auch wenn wir uns Sonntag von einer dieser beiden großartigen Mannschaften verabschieden müssen.  


Seb Dumitru: 14 lange Jahre mussten gebeutelte Trail Blazers Fans auf diesen einen Moment warten. Die längste aktive Zweitrundendürre aller NBA-Klubs schien sich weiter zu ziehen, nachdem die Rockets 0.9 Sekunden vor dem Ende in Führung gegangen waren und irgendwie schon alles nach Game 7 am Sonntag in Houston roch. Ob die jungen Trail Blazers sich von back-to-back Niederlagen noch einmal erholt und die Serie ausgerechnet in der Höhle des Löwen, also auswärts, beendet hätten? Zu bezweifeln.

Spielt aber alles keine Rolle mehr, zwölf Stunden später, nach einem der größten Würfe der Franchise-Geschichte. Damian Lillard kaperte das für LaMarcus Aldridge intendierte Inbounds-Play, fadete bei Höchstgeschwindigkeit fast bis in den Willamette River und hievte den Spiel- und Serien-entscheidenden Dreier durch die Maschen. Der Wurf erinnerte stark an Brandon Roys Dagger-Three gegen Houston vor sechs Jahren - sogar die verbleibende Zeit und die Detonations-Location der Bombe waren identisch - und hatte für die Menschen in Portland kathartische Nachwirkungen.

Der Sophomore, den die Meisten einst belächelten, weil er von einer kleinen Division II Uni in die Liga gewechselt war, dem viele nicht einmal eine Rolle als NBA-Starter zugetraut hatten, geschweige denn den Sprung ins All-Star Team schon in seinem zweiten Jahr, ist heute viel mehr als nur ein Star oder einer der besten jungen Point Guards der Welt. Er ist der kälteste Crunchtime-Performer der Association, verfügt über die nahezu perfekte Mischung aus tieeeeefem Shooting und erbarmungslosem Drive zum Korb. Er ist seit gestern erst der zweite NBA-Spieler aller Zeiten, der durchschnittlich 25 Punkte, 6 Rebounds und 6 Assists in seinen ersten sechs Playoff-Partien überhaupt aufgelegt hat. Und er ist, spätestens seit gestern, der Urheber eines neuen Blazers-Zeitalters und völlig neuen Selbstbewusstseins - nach Jahrzehnten des Kummers und Depression. Glaubt man Lillard, und dazu würde ich raten, war die Bombe gestern erst der Anfang: "Das war der größte Wurf meiner Karriere - bis heute halt." 









• Indiana Pacers - Atlanta Hawks, Gm. 7 (Stand: 3-3)
• Oklahoma City Thunder - Memphis Grizzlies, Gm. 7 (Stand: 3-3)
• Los Angeles Clippers - Golden State Warriors, Gm. 7 (Stand: 3-3)