16 Mai 2014

nbachefsquad | 16. Mai, 2014    @nbachefkoch






Playoffs, Baby! Die echte Saison ist endlich unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action auf einmal würde es kaum Sinn machen, traditionell zu berichten und das Chaos-Element dieser Wochen zu vernachlässigen. Kein Grund zur Sorge: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Kevin Durant in Crunchtime und versorgt euch täglich mit den feinsten Petitsbouches zur NBA-Postseason.



Seb Dumitru: Als Tony Parker Anfang des zweiten Viertels verletzt ausschied und fix bekannt wurde, dass der französische Ausnahme-Einser nicht mehr auf’s Parkett zurück kehren wird, schöpften nicht nur die Trail Blazers Hoffnung. Das Twitterversum fragte sich sogar, ob ein längerer Ausfall Parkers die Serie nicht sogar zugunsten Portlands kippen lassen könnte. Wenige Minuten später waren alle Gedanken an auch nur die geringste Upset-Chance völlig im Keim erstickt, denn die Spurs taten mit den Blazers genau das, was sie seit gefühlten 100 Jahren unter Gregg Popovich in den Playoffs tun: sie radierten ihren Gegener mit ihrer Tiefe und Effizienz aus.

Ein 19-6 Run hier, ein 16-4 Lauf später und ein finaler 15-2 Knockout waren der Sargnagel in eine einseitige Playoff-Serie, in der San Antonio trotz absoluter Dominanz sogar noch Manieren bewies und den 4-1 "Gentleman's Sweep" lieferte, statt Portland komplett auseinander zu nehmen. Die Blazers, so stark sie sich in der Saison und während ihres beachtlichen Erstrundenerfolgs gegen Houston auch präsentierten, waren für den amtierenden Vizemeister mindestens drei Nummern zu klein. San Antonio war tiefer, ausgeglichener, erfahrener und hungriger - ein Team auf einer klaren Mission mit einem Anführer, der nur das Beste aus seinem Kader heraus holt.

In jedem Spiel war es ein Anderer, der von der Bank Unterstützung für Parker, Duncan und den wieder genau rechtzeitig gipfelnden Kawhi Leonard bereitstellte: Marco Belinelli mit 19 Zählern in Spiel eins, Boris Diaw mit 12 in Partie zwei, Manu Ginobili mit 14 beim dritten Sieg und Patty "Pop nennt mich nicht mehr fett" Mills mit 18 nach Parkers Ausfall beim Deckel-Drauf-Spiel am Mittwoch. San Antonio gewann mit 24, 17, 15 und 22 Punkten Vorsprung und zeigte den Trail Blazers, dass es mehr braucht als 50+ Siege, um ernsthaft um die NBA-Krone konkurrieren zu wollen. Viel mehr. Portlands Saison war ein voller Erfolg. Davon, mit San Antonio in einer Serie auf einem Level zu spielen ist Rip City aber genauso weit entfernt wie der Rest der NBA von den neun Conference Finals Teilnahmen der Spurs seit 1999.





Anno Haak: Basketballfreunde haben viele Vorteile im Leben. Einer davon ist, dass man der eigenen Freundin, ohne rot zu werden, erklären kann, wer Jill Kelly und Chasey Lain sind. Die denglisch infiltrierte Vox populi würde von Pornostars sprechen. Nein, keine Redtubeabmahnkartei, nirgends. Als filmaffiner Affectionado des orangenen Leders weiß man, dass die beiden Ladies mit einem jungen Hoopsgott namens Walter Ray Allen in einem Film von Spike Lee unternahmen, was der Frankophine eine Ménage à trois nennt. „He Got Game“ hieß der ansonsten keineswegs pornöse Streifen. Der beim deutschen Filmverleih zuständige Titelgeber hatte vermutlich gerade Bauchweh, als in der Schule Englisch dran war, und benamste das nur ansatzweise gelungene Werk „Spike Lee’s Spiel des Lebens“. Brrrr.

Jüngere Menschen mit Neigung zur NBA werden von der Liebsten dann vermutlich mit der Frage nach dem Entstehungsjahr in die Ecke gedrängt. 1998 musste doch für Dich sogar die Sesamstraße zensiert werden! Den Ausweg weist die nimmermüde NBA-Marketingabteilung mit ihrer Fremdschamidee der Nickname-Jerseys. „Jesus Shuttlesworth“, Allens Rollenname, prangte auf dem Heat-Leibchen mit der 34. Kurz Google angeworfen: voilà, siehe erster Abssatz. Man kann dann noch darauf hinweisen, dass den frauenzuführenden College-Studenten der damals 29-jährige Rick Fox spielte, der wiederum mal mit dieser Vanessa Williams, verstehst Du…Kuh vom Eis.

Ray Allens Filmkarriere war mit diesem Streifen beendet, bevor sie anfing. Sein basketballerisches Schaffen dagegen läuft und läuft und läuft. Bis heute. 18 Jahre nach seiner Draft schmeißt er immer noch Basketbälle aus rund 7 Metern durch Ringe wie Murmeln in einen Obstkorb und verwandelt neun von zehn Freiwürfen, vorzugsweise kurz vor Spielende. Zwei Talente, die in Spiel 5 wieder einmal benötigt wurden wie Silikonkissen für die Karriere als Kopulationskünstlerin.


Allen kaufte die Miami Heat aus einem offensiv grässlichen Spiel. Der Boxscore erzählt so wenig die Geschichte dieses Spiels wie der Allen-Dreier (hihi) die von oben genanntem Lee-Film. Die sieben Punkte Halbzeitrückstand sind keine Katastrophe. Garstiger sehen schon die 1/16 Dreier in Halbzeit eins aus. Die zehn Turnover liegen im Playoff-Median.

Erstaunlich war die Art, wie die Heat die Kugel verhühnerten. Pässe ins Nets-schwarze Loch wechselten sich mit auf die eigenen Füße trampelnden Heat-Spielern vor dem Setzen von Picks ab. Spacing und Bewegung wie bei Indiana auf Meskalin. Das Ball-Handling als Dribbling-Drill. Natürlich konnte sich die Nets-Defense wegen der Backsteinkaskade von downtown früh zusammenziehen. Aber wie wenig den Heat auch gegen die kleinen Aufstellungen einfiel (AK47 bisweilen als Center) wird sicher von Washington bis San Antonio registriert worden sein.

Oben drauf gab es eine dieser Mehltauvorstellungen von James. Klar hatte Wade eine Flash-throwback-Nacht (am Ende 10/18 FG für 28 Punkte). Aber man fragte sich, wann James gedachte, das Spiel zu übernehmen, da die Nets jeden Heat-Minilauf konterten. Am Ende lieferte er vor allem von der Benefizlinie (15/17 FT) und machte seine zwei Crunchtime-plays (ein Dreier und ein Block gegen den mikrowellenheißen Joe Johnson, 34 Punkte).

Der Rest ist ein Dreier aus dem Einheitsbrei der CSF. Brooklyn bricht am Ende ein (vier Minuten lang kein Punkt). Ray Allen macht Ray Allen Sachen (Dreier rein, FTs rein). Und Jason Kidd malt Menschenknäuel auf Flipcharts. Die Aufstellung beim letzten „Spielzug“ war enger als ein Doppelbett für Chasey Lain, Jill Kelly und Jesus Shuttlesworth. Klappe, Conference Finals. Big three going fo in a row.

PS: dieses merkwürdige Spiel war das 1520. und vielleicht letzte in der Karriere von Da Kid. Ein Moment der Stille bitte. Danke!



Tiago Pereira: Wer auch immer den Scouting-Bericht der Los Angeles Clippers zusammen stellt, hat in seinen Randnotizen scheinbar die Nr. 35 der OKC Thunder vergessen zu vermerken. Wem gehört noch einmal diese Rückenummer? Reagie Jackson? Kendrick Perkins? Oh stimmt! Sie gehört dem Most Valuable Player, Kevin Durant! Mutterseelen allein wird Durant von der Clippers-Defensive gelassen und quasi nicht beachtetet im alles entscheiden Spiel sechs. Dass man den besten Scorer der Liga nicht zweimal zum Punkten bitten muss, erfuhr L.A. schnell.

Trotz miserablem Start ins Spiel (1-7 FGs im ersten Viertel) lief 'Durantula' zunehmend heiss, je mehr Platz ihm die gegnerische Verteidigung gab. Elf seiner letzten 16 Versuche fanden ihr Ziel, 36 seiner insgesamt 39 Zähler kamen in den Vierteln zwei, drei und vier. Spiel over, Serie over. Daher Memo an das Clipper Scouting Team: Möchte der nächste frühzeitige Sommerurlaub vermieden werden, sollte der beste Spieler der Liga nicht bei jedem Ballbesitz frei an der Dreierlinie gelassen werden, ansonsten hagelt es erneut 39 Punkte. Den Clippers bleibt nun ein ganzer Sommer, um an diesem Taktikkniff zu arbeiten.





Pascal Gietler: Die Indiana Pacers haben am Ende doch ihr Mindestziel erreicht. Nach chaotischen Playoff-Wochen, herber Kritik und sportlichem Auf und Ab stehen die Pacers erneut im Conference-Finale, um sich mit dem Serienmeister aus Miami zu messen.

Roy Hibbert war in der Serie gegen die Washington Wizards eine absolute Schlüsselfigur. Nach Spiel eins ging eine Hetzkampagne los, die wohl größer war als das Ego von Dion Waiters. Hashtags wie zum Beispiel #TradeHibbert waren keine Seltenheit beim Kurznachrichtendienst Twitter. Scherzkekse mit Photoshop-Skills haben sich ausgetobt, und selbst ein gewisser Gilbert Arenas griff zum Handy um seine fachkundige Meinung zum „Fall Hibbert(s)“ (Anmerkung: Verzeih die Doppeldeutigkeit. Ich kann nicht wirklich beurteilen, ob man das in der Form bringen kann. Ich versuch’s einfach mal) in die Welt zu tippen.

Der All-Star Center reagierte nur wenige Tage später mit einer absoluten Galavorstellung auf seine Kritiker: 28 Punkte, 9 Rebounds – die Pacers gewannen Spiel 2 und auch die kommenden zwei Spiele. Seine 28 Punkte bleiben bisher in den Playoffs zwar einmalig, allerdings war Hibbert ein ganz entscheidender Grund, wieso die Washington Wizards in Spiel drei nur historisch schwache 63 Punkte auf die Anzeigentafel bekamen. Generell kann Hibbert wieder mehr in der Zone stehen und effektiv verteidigen. Am eigenen Ring kann Hibbert starke 65,5% der gegnerischen Würfe so effektiv verteidigen, dass diese letztendlich nicht den Weg durch die Reuse finden.

Natürlich spielt Hibbert noch nicht konstant auf All-Star Niveau, aber in den Conference Semi-Finals war er so etwas wie der „difference maker“ für die Pacers. Bei den beiden Niederlagen gegen die Washington Wizards konnte Hibbert lediglich 2.0 PPG (22.2% FG), 1 RPG und 1.5 BPG für sich verbuchen; in den vier gewonnenen Spielen Indianas legte Hibbert hingegen starke 17.5 PPG (61.9% FG), 7.5 RPG und 2.5 BPG auf. Gilbert Arenas muss sich wohl oder übel wieder auf andere Sachen konzentrieren…




• Indiana Pacers - Miami Heat (ab Sonntag)
• San Antonio Spurs - Oklahoma City Thunder (ab Montag)