13 Mai 2014

nbachefsquad | 13. Mai, 2014    @nbachefkoch






Playoffs, Baby! Die echte Saison ist endlich unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action auf einmal würde es kaum Sinn machen, traditionell zu berichten und das Chaos-Element dieser Wochen zu vernachlässigen. Kein Grund zur Sorge: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Chris Bosh in Crunchtime und versorgt euch täglich mit den feinsten Petitsbouches zur NBA-Postseason.



Anno Haak: LeBron James hat viele Geschichten und Geschichte geschrieben. Das Kapitel „50 Punkte in den Playoffs“ fehlt noch. Und dabei bleibt es auch nach dem 12.05.2014. Ein Hockeyassist und ein verworfener Freiwurf verhindern Historie. Er schenkt sie ab und schmeißt sie weg für den ersten Heat-Sieg im Borough im vierten Anlauf 2013/2014.

Ist es die Promidichte (courtside sitzt Spike Lee (!), Beyoncé ist mit Gatte und Jeanshemd da, neben Denzel W. sitzt ein Lude, der sich als Floyd Mayweather verkleidet hat), die ihn motiviert? Vielleicht ist es auch die Bedeutung von Spiel vier, vielleicht hat James einfach nichts anderes vor. Jedenfalls hat er beschlossen, dass dieser Abend seiner ist. Schon in Halbzeit eins lötet er 25 Punkte bei 9 von 13 aus dem Feld. Die Jordaneske Vorstellung hat nur zwei Probleme: Brooklyn hat einen dieser „they won’t go away“-Abende, hält dank 49 FG% den Halbzeit-Rückstand bei erträglichen sieben. Und der Teil von Miami jenseits von Nummer 6 hat einen dieser „Glen-Davis-allein-mit-Kuchen-im-Raum“-Momente. LeBron verlässt für fünf Minuten den Platz, kommt zurück und fragt: „Wo ist der Rest?“

Mitte der zweiten Hälfte hat James 40 der 79 Zähler der Heat erzielt. Aus den Downtown-Ringklatschern des Meisters im leisen Barclays Center könnte man zwei Scooter-Songs machen (4-14 FG in den ersten drei Vierteln). Miami scheint Kontrolle zu haben, kann aber nie davonziehen. Symptomatisch sind die letzten Possessions im dritten Viertel. Miami führt mit zwei. Einem Steal von James folgt ein clear-path-Foul von Alan Anderson, folgen Freiwürfe von James, folgt ein straight-to-the-bank-Dreier von James. Shotclock-violation. Mit ablaufender Uhr lümmelt Blatche um ein Haar den Zirkusdreier ins Heat-Momentum.


Im vierten Viertel ist dann endgültig alles James und ohne James ist alles nichts. Vertraut er seinen Teamkollegen, wird er enttäuscht wie weiland in Cleveland (James 3-4 FG, der Rest 3-12 FG, örks). Bis die letzte Minute anbricht, die (Anti-)Scott Brooks-Minute. Spoelstra gibt den Gegenentwurf zur Donner-Isolation. Nach der Auszeit täuscht James bei 94-94 von der Grundlinie kommend zwei Screens an, letzterer nimmt Pierce aus dem Spiel. Die sich ergebende offene Bahn stellen die Nets zu, besagter Hockey-Pass auf Chalmers, Murmel in die Ecke und Bosh und bang! Auf der anderen Seite gibt’s „The Oklahoma Kid(d)“. Johnson wird isoliert wie Nordkorea in der UNO, um James sein sechstes Foul anzuhängen (?). Einen Floater auf den Ring später ist die Partie beendet.

Die Schlusspointe scheint James vorbehalten. Ein geteiltes Freiwurfpaar hält James bei jenen 49 Punkten, die er in den Playoffs zuletzt vor fast genau fünf Jahren erzielte (20.05.2009 für die Cavs gegen die Magic). Aber Iso-Joe setzt nach dem Spiel einen drauf. „James flopped“, erklärt er zu geschildertem Brick. Wohlgemerkt: es wurde kein Foul gepfiffen. Eine 126-Millionen-Pointe und ein historisch schlechtes Ablenkungsmanöver in einem. Geschichte eben.





Jan Wiesinger: 33 Sekunden sind eine lange Zeit. In einer solch ausgedehnten Zeitspanne kann man in der NCAA einen vollständigen Angriff laufen, mit entsprechender Fitness bis zu 100 Liegestütze praktizieren oder sich von Boris Becker eine ganze Basketballmannschaft zeugen lassen.

Gemessen auf drei Playoffspiele in der NBA sind 33 Sekunden ziemlich wenig. Und diese Zahl steht stellvertretend für das bisherige Kräfteverhältnis in der Serie zwischen den Portland Trail Blazers und den San Antonio Spurs: Nur 33 Sekunden hatten die Blazers in den ersten drei Spielen der Serie insgesamt in Führung gelegen. Ohne Overtime kam man hier auf eine Gesamtspielzeit von 8640 Sekunden, somit lag Portland damit nur 0,38% der Serie in Führung. Sicherlich stellt diese Zahl keine der wichtigsten Kennziffern in den NBA-Datenbanken dar, dennoch bildet sie die bisherige Chancenlosigkeit der Trail Blazers in dieser Serie eindrucksvoll ab.

Die ersten drei Spiele der Serie hatten die Spurs nach Belieben dominiert und allesamt mit mindestens 15 Punkten für sich entschieden. Portlands Offensivwaffen um die Allstars LaMarcus Aldridge und Damian Lillard hatte man weitestgehend entschärfen können. Die eigene Bank scorte nach Belieben, die des Gegners hingegen könnte man boulevardesk als "Pleite-Bank" bezeichnen( nur 6 Punkte in Spiel 3!). Zwischen den Spurs und den Conference Finals stand nur ein weiterer Sieg, der zugleich einen sauberen Sweep bedeutet hätte.

Das Blazers-Team auf dessen Jerseys in Game 4 stolz "Rip City" prangte, hatte jedoch etwas dagegen. Mit 103-92 schlug man die Spurs und verkürzte in der Serie auf 1-3. Vor allem defensiv hatte die Mannschaft von Coach Terry Stotts den Spurs das erste Mal in dieser Serie etwas entgegen zu setzen. Spurs-Star Tony Parker wurde über weite Strecken des Spiels von seinem französischen Nationalmannschaftskamerad Nicholas Batum verteidigt und bei nur 14 Punkten gehalten( Spiel 1-3: 26 ppg). Zudem konnte man den Spurs ihren Dreier nehmen, der ansonsten wesentliches Element in der von der starken Ballbewegung dominierten Offense ist (16,7%, 3-18 Dreier). Dazu legte der herausragende Batum selbst noch 14 Punkte, 14 Rebounds, 8 Assists sowie je einen Steal und einen Block auf.



Neben Batum gelang es auch Lillard (25 Punkte, 5 Assists) und Aldridge (19 Punkte) das erste Mal in dieser Serie, die Hälfte oder mehr ihrer Versuche aus dem Feld zu verwandeln. Portlands Bank um Will Barton und Thomas Robinson steuerte ebenfalls 26 Punkte zum Heimsieg der Blazers bei. Batum sprach nach dem Spiel davon, warum es eigentlich nicht die Portland Trail Blazers sein sollten, die einen 0-3-Rückstand noch in einen Seriensieg drehen sollten. In der NBA gelang dies bisher noch keinem Team. Batums Zweckoptimismus ist zwar durchaus verständlich, dürfte aber nur eine geringe Daseinsberechtigung haben. Zu chancenlos waren die Blazers bisher, zu stark die Spurs. So dürfte Spiel 4 statt des Turning Points in dieser Serie wohl nur ein letztes Aufbäumen der Portland Trail Blazers gewesen sein, die ihre gute und respektable Saison nicht damit beenden wollten, von den Texanern gesweept zu werden.



Sebastian Hansen: Auch das vierte Spiel der Serie kann man getrost in die Schublade „Verrückt“ stecken. Da führt Oklahoma City zwischenzeitlich mit 22 Punkten und Los Angeles bis kurz vor Schluss gar nicht. Und trotzdem können die Clippers die Serie 2-2 ausgleichen. Nach einem furiosen Start der Thunder im ersten Viertel scheint schon alles vorbei zu sein. Durant und Westbrook treffen alles, Serge Ibaka sogar zwei Dreier. Bei LA fällt dagegen nichts rein, besonders JJ  Redick und Matt Barnes klebt das Pech an den Fingern. Auch Blake Griffin wird von Ibaka fast komplett ausgeschaltet. Konsequenz: Die Führung der Thunder beträgt nach 12 Minuten stattliche 17 Punkte. Die hält, bis ins Schlussviertel. Dort kommt der Umschwung.



Wie schon in Game 3 nutzte Scott Brooks eine kleine Aufstellung (Westbrook-Jackson-Butler-Durant-Ibaka)  um die Crunchtime zu absolvieren. In Spiel drei hatte Doc Rivers mit Jordan und Griffin dagegen halten wollen, was ziemlich in die Hose gegangen war, da die beiden Big Men und dabei besonders Jordan kein Mismatch kreieren konnten, in der Defensive aber besonders gegen Durant und Butler massive Probleme hatten. Diesmal ließ der Clippers-Coach Jordan draußen und versuchte mit der kleinen Paul-Collison-Crawford-Barnes-Griffin Lineup sein Glück. Dazu stellte er Chris Paul gegen Durant und ließ den MVP auch noch aggressiv doppeln, wenn er Paul aufpostete. Mit dieser Strategie kam Durant nicht zurecht und produzierte mehrere Turnovers. Zusätzlich konnten sich OKCs Rollenspieler nicht wirklich in Szene setzen, was die Offense der Thunder zusätzlich belastete. Besonders Butler und Jackson lieferten zu wenig ab. Einzig Russell Westbrook konnte in dieser Phase mit Freiwürfen und Layups für Punkte sorgen.

Ganz anders auf der anderen Seite: Hier übernahm neben Chris Paul überraschenderweise Darren Collison das Ruder. Er scorte die letzten vier Punkte der Clippers und 12 insgesamt im letzten Viertel. Das konnte er auch deswegen, weil inzwischen Westbrook und Ibaka mit jeweils 5 Fouls vorbelastet waren. Westbrook war besonders auch von Paul zugesetzt worden und es war wie so oft Scott Brooks' Fehler, für den indisponierten Butler nicht viel früher Thabo Sefolosha zurück gebracht zu haben. Dieser hätte Paul deutlich besser in die Schranken weisen können und die Clippers hätten das Spiel wohl nicht gedreht. Man kann also schon sagen, dass dieses Spiel an der Seitenlinie entschieden wurde. Doc Rivers hatte hier ganz klar die Nase vorn, zumal Brooks seine letzte Time-Out leichtfertig aufbrauchte und die Thunder deswegen den finalen Wurf aus dem Schlachtgetümmel heraus nehmen mussten. Dass Westbrook bei noch knapp 2 Sekunden auf der Uhr den Dreier zum Sieg probiert kann ihm niemand verdenken. Es ist Brooks Schuld, dass er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr eingreifen und ein gutes Play laufen lassen konnte. 



Marc Lange: 78-63 stand es zu Anfang des vierten Viertels. Es fiel bis dato gefühlt gar nichts für die Clippers. Nach dem bisherigen Spielverlauf hielt sich die Hoffnung auf ein Comeback deswegen ziemlich in Grenzen. „Langsam könnte man sich mal überlegen, was sonst noch so in der Glotze läuft“, dachte ich mir. Auf Pro7 lief zum x-ten Mal „300“. Die niedermetzelnden Spartaner hätten mich allerdings zu sehr an das erste Viertel dieser Partie erinnert, welches 32-15 an die Thunder ging. Deswegen schaute ich lieber weiter das Spiel. Wobei auf dem Feld teilweise auch Krieg herrschte. Ob ein Schlag in die Weichteile, eine blutige Lippe oder griechisch-römisches Ringen unter dem Korb: Blake Griffin war immer mittendrin. Die Thunder wussten ihn und die gesamte Truppe der Clippers bis ins vierte Viertel zu frustrieren. Es war eigentlich nicht abzusehen, doch die Clippers sollten noch einen letzten Versuch starten, sich in dieses wegweisende Game 4 zurück zu kämpfen. Die schwächelnden Distanzschützen wurden - sowohl offensiv als auch defensiv - in den Nahkampf berufen und dies sollte den Clippers noch einmal einen Push geben.

Angeführt von Floor General Chris Paul und dem unglaublich flinken Darren Collison (18 Punkte, 12 davon im letzten Abschnitt) wurde die Aufholjagd mit Feuer in den Augen gestartet. Überrascht von dieser plötzlichen Kampfeslust, waren die Thunder plötzlich nicht mehr wiederzuerkennen. Während in der ersten Halbzeit noch ein Wert von 123.8 beim Offensivrating erzielt werden konnte, kam OKC im letzten Viertel nur noch auf 88.6. Auch beim Defensivrating war der Umschwung ähnlich deutlich: 95.3 in der ersten Hälfte, 147.1 in den letzten zwölf Minuten. Die Clippers kamen immer weiter in Schlagdistanz.

Der Schachzug des Spiels: Meisterstratege Doc Rivers setzte in den letzten Minuten CP3 auf Kevin Durant an. Was zunächst verrückt klingt, hatte aber durchaus Erfolg: KD machte gegen Paul nur noch zwei Feldkörbe. Der Grund dafür: der nur 1,83 große Guard machte es dem amtierenden MVP schwer, überhaupt an den Ball zu kommen. Verwunderlich, dass Thunder Trainer Scott Brooks nicht im Stande war (oder ist), in der Crunchtime ein Play anzusagen, in dem Durant sich gegen den 23 Zentimeter kleineren Paul irgendwie im Post positioniert bzw. in Position gebracht wird. Stattdessen versuchte es Brooks mit einem anderen Spielzug aus seinem DIN A5 Zettel…ähm Playbook und verließ sich in den Schlussminuten voll und ganz auf Russell Westbrook, der das Spiel am Ende alleine gewinnen wollte. In den letzten dreieinhalb Minuten, also genau der Phase, als die Clippers kurz davor waren, die Führung zu übernehmen, nahm OKC’s Point Guard sechs Würfe - von denen aber nur zwei Ihren Weg ins Ziel fanden. Schlechtes Coaching traf auf schlechte Entscheidungen. Die Thunder waren auf dem besten Weg, das Spiel noch aus der Hand zu geben.



Und so kam es schließlich auch. Trotz totaler Dominanz über weite Strecken des Spiels und Wurfquoten der Clippers von 41,9 Prozent aus dem Feld und 14,3 Prozent (3 von 21) von der Dreierlinie, gingen die Thunder am Ende unter. Während es bei den Clippers, speziell bei Barnes und Redick (zusammen 2 von 14), überhaupt nicht lief, konnte wieder ein anderer Spieler (diesmal Collison) in die Bresche springen. Eine tiefe Bank in Kombination mit dem ausbalancierten Scoring ist die beste Waffe von Lob City. Das Momentum ist nun erneut auf der Seite von Los Angeles. AHU! AHU! AHU!



Seb Dumitru: "Paul George war heute etwas Besonderes." Wenige Worte von Coach Frank Vogel, aber trefflich an einem Abend, an dem sich der Star der Indiana Pacers in die NBA-Geschichtsbücher spielte und sein Team bis auf einen Sieg ans Eastern Conference Finale heran schoss. George nahm die Wizards mit 39 Punkten (davon 28 in Hälfte zwei) komplett auseinander und drehte eine spielerisch ausgeglichene Serie völlig auf den Kopf. So machen das Superstars, wenn sie dringend gebraucht werden, und genau wie so einer tritt George in diesen Playoffs bisher auch auf.

Nicht nur wegen dem Spiel am Sonntag, in dem er 12 seiner 20 Würfe verwandelte (7-10 Dreier), 12 Rebounds griff und die Drinks am Ende mit vier Clutch-Freiwürfen auf Eis legte. Oder weil er die meisten Playoff-Auswärtspunkte eines Pacers-Spielers seit Reggie Miller 1994 in New York erzielte. Oder weil er jetzt der einzige Spieler der NBA-Historie ist, der jemals 39 Zähler, 12 Bretter und 7 Dreier in der Postseason produziert hat.

Sondern weil er wieder so spielt wie zu Beginn der Saison, als er in den ersten drei Monaten zu den drei größten MVP-Kandidaten weit und breit zählte. Viel wurde in den letzten Wochen über die Probleme der Pacers gesprochen, und wieso sie eigentlich keine realistische Chance mehr auf den Gewinn der Conference-Krone haben, obwohl sie das an Nummer eins gesetzte Team sind. Und dabei wurde kriminell vernachlässigt, wie dominant George in diesen Playoffs seit dem ersten Tag an agiert. Der 24-Jährige liegt bei den Punkten (23.5 PPG, Rang 9), Rebounds (9.7 RPG, Rang 6), erzielten Field Goals (82, Rang 7), Steals (2.27 SPG, Rang 2) und Double-Doubles (7, Rang 1) unter den Top-10 - Werte, die in dieser Postseason sonst kein Spieler dieser Liga vorweisen kann. Er mag nicht die Strahlkraft von LeBron James, Kevin Durant oder Chris Paul haben, aber in punkto Two-Way Dominanz ist Paul George der Standard, an dem sich andere messen lassen müssen. Die letzten vier Wochen - und Spiel vier am Sonntag - haben uns wieder daran erinnert, wieso. 


• Indiana Pacers - Washington Wizards, Gm. 5 (Stand: 3-1)
• Oklahoma City Thunder - Los Angeles Clippers, Gm. 5 (Stand: 2-2)
• Miami Heat - Brooklyn Nets, Gm. 5 (Stand: 3-1)
• San Antonio Spurs - Portland Trail Blazers, Gm. 5 (Stand: 3-1)