11 Mai 2014

nbachefsquad | 11. Mai, 2014    @nbachefkoch






Playoffs, Baby! Die echte Saison ist endlich unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action auf einmal würde es kaum Sinn machen, traditionell zu berichten und das Chaos-Element dieser Wochen zu vernachlässigen. Kein Grund zur Sorge: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Russell Westbrook in Crunchtime und versorgt euch täglich mit den feinsten Petitsbouches zur NBA-Postseason.



Hauke Büssing: Indiana liegt vorne. Ein Satz, über den viele meinten, ihn in der laufenden Saison nicht mehr sagen zu können. Viel besser noch: Indiana liegt verdient vorne. Roy Hibbert wirkt wie von den Toten auferstanden, die intensive Verteidigung erinnert an den Beginn der Spielzeit und die Offensive scheint endlich wieder zu dem zurückzufinden, was sie zumindest in gemäßigtem Rahmen erfolgreich gemacht hat: Team-Play.

Exemplarisch und in diesem Falle bezeichnet ist ein Angriff der Pacers im dritten Viertel des dritten Spiels gegen die Wizards. Da läuft der Ball flüssig wie ein frischgezapftes Pils zum Grillbeginn, Paul George und David West swingen das Leder auf George Hill, der so frei steht, dass er in den Worten von Frank Buschmann noch ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte verdrücken kann, bevor er abzieht. Der Einser entscheidet sich jedoch vorbildlich gegen den Schuss, feuert die Pille aus seiner Wurfbewegung hinunter zum ungedeckten Lance Stephenson, der nur noch einlegen muss. Macht er aber nicht. Zumindest nicht so wie erwartet. Stephenson geht hoch, zieht den Ball wieder herunter, taucht unter dem Korb hinweg, wechselt die Wurfhand und punktet mit einem spektakulären, wenn auch völlig überflüssigen Lay-Up auf der anderen Seite des Brettes. Zwei Punkte, ja. Aber warum dieser Move? Manche meinen, um aus dem Nichts heranfliegenden Schussblockern auszuweichen. Manche meinen, es sei in diesem Falle sogar sicherer, auf der „falschen“ Seite des Ringes abzuschließen.

Ich meine, diese Szene symbolisiert die bisherige Saison der Pacers: Team-Work, fundamentaler Basketball und gute Entscheidungen führen zum richtigen Ergebnis, doch alsbald nehmen die selbstsüchtigen Aktionen wieder Überhand. Danach wird gefeiert und sich auf die Brust geschlagen. Bis man merkt, dass man wieder hinten liegt – und der Weg zurück zur Mannschaft viel schwieriger ist als der von ihr weg.



Andreas Dieterle: Schön war es nicht, was sich zwischen den Wizards und Pacers in Spiel drei abspielte. 67 Punkte machten beide Teams in der ersten Hälfte. Zusammen. 67 Punkte. Das bedeutete einen Negativrekord in dieser NBA-Sasion. Vor allem bei Washington erreichte kaum einer seine Normalform. Den Pacers war es egal. Sieg ist Sieg. Die 2-1 Führung war im Sack.

32,9% FG. 25% Dreier. 52,4% FT. 63 Punkte... Der Wizards-Box- Score las sich am Ende des Spiels wie der eines Pick-Up Games von Philip Seymour Hoffman und Ben Stiller.



Das war natürlich zum einen der Defense der Pacers geschuldet. Aber die Wizard wirkten auch nervös, machten viele unnötige Fehler. Beal spielte einige schlampige Pässe. Wall warf, während er das Spiel nach vorne schnell machen wollte, zu häufig den Ball weg (7 Turnovers). Beal (20 Jahre) und Wall (23 Jahre) war in diesem Spiel ihre Unerfahrenheit anzumerken. Der Rest des Teams war keine Hilfe.

Den Pacers kam das Tempo des Spiels zugute. Sie kontrollierten es nach einigen Startschwierigkeiten in der zweiten Hälfte. Die Offensive lief hauptsächlich über Paul George (23 Punkte), diese war aber aber auch nicht überragend. Der Schlüssel war die Defense. Als die Guards der Wizards nichts trafen und versuchten in die Zone zu ziehen stand da oft der in letzter Zeit (zu Unrecht) viel gescholtene Roy Hibbert und verhinderte durch seine Präsenz (3 Blocks) einfache Punkte.

Von Sonntag- auf Montagnacht steigt Spiel 4 im Verizon Center in Washington. Die Wizards müssen dieses Spiel gewinnen, sonst sind sie schneller wieder am Boden, als aufgestiegen sind. Haben/Hatten die Pacers eigentlich überhaupt eine Krise?



Sebastian Seidel: Warum redet eigentlich mal wieder niemand von Serge Ibaka? Während die Leistungen von Durant und Westbrook durchaus schwankten, liefert der Spanier mit kongolesischen Wurzeln in den Playoffs konstant ab. In allen zehn Spielen schoss Ibaka über 50% aus dem Feld, nur einmal punktete er dabei nicht zweistellig.

Ibaka vereint in sich eine in der NBA sehr seltene Kombination: er ist sowohl ein exzellenter Rim-Protector, als auch mit einem exzellenten Touch aus der Mitteldistanz ausgestattet. In den Playoffs trifft Ibaka 49% aus der Midrange, in der regulären Saison waren es 48%. Diese Fähigkeit Ibakas gibt den Thunder die Möglichkeit, wenn sie mit Durant auf der Power Forward Position spielen, ein extrem gutes Spacing zu haben, aber dabei defensiv kaum an Qualität zu verlieren. Dadurch, dass Ibaka im Pick & Roll sowohl in die Mitteldistanz absinken als auch zum Korb abrollen kann, und dabei mit 54.2% auch sehr effizient abschließt, ist ein Ibaka Pick & Roll mit Westbrook oder Durant ein Problem für jede Defensive in der Liga.


Allgemein sind Ibakas Fähigkeiten als Ringbeschützer unterbewertet. Würfe, die von Ibaka direkt am Ring verteidigt werden, finden nur zu 43.9% den Weg durch die Reuse. Lediglich Roy Hibbert und Robin Lopez weisen einen besseren Wert auf. Zum Vergleich: Ibakas Gegenspieler in dieser Serie gegen Los Angeles, DeAndre Jordan, weist nur einen Wert von 49.4% auf. Guckt man auf die Punkte, die in den ersten drei Spielen dieser Serie in der Zone erzielt wurden, so zeichnet sich auch hier eine deutliche Tendenz ab. Lediglich im ersten Spiel konnten sich die Clippers hier mit 42-36 einen leichten Vorteil erspielen, die anderen beiden Spiele dominierten die Thunder in der Zone mit zwölf bzw. vier Punkten mehr.

Serge Ibaka ist kein Spieler, der sich selbst groß in Szene setzt, aber er ist für die Thunder unersetzbar, auch weil er so viele wichtige Dinge erledigt wie Ausboxen, Blöcke stellen und exzellente Help-Defense spielen, die nicht im Boxscore zu finden sind. 


Tiago Pereira: "Defense" Sprechköre erhellen das Staples Center. Auch der letzte Promi erhebt sich aus seinem Sitz und stimmt euphorisch in den Kanon aus Sprechgesang und Applaus mit ein. OKC ist im Ballbesitz, mit noch knapp zwei Minuten zu spielen in Partie drei. Scott Brooks geht innerlich noch einmal alle Taktiken seiner Set Play Liste durch. Nachdem der Thunder-Coach fündig wurde in dem Isolationsumpf seines einseitigen Taktikblättchens, entsendet er die Instruktionen an seinen Point Guard: "Rette die Thunder!"

Was wie ein abgekupferter Green Peace Spruch klingt, sind die einzigen Worte die Brooks seinem Helden mit auf den Weg geben muss. Westbrook bezieht, abgeschnitten von seinen Mitspielern und der gegnerischen Verteidigung, am rechten Flügel Stellung. Die Augen des Point Guards liegen auf seinem Verteidiger Chris Paul. Die Sekunden verstreichen. Paul dirigiert die Verteidigung, als plötzlich Serge Ibaka an dessen Flanke einen Block stellt. Die Clipper Defensive wittert einen Drive von Westbrook und stellt den Mannschaftsbus in die Zone. Doch Russell zieht nicht zum Korb. Mutterseelen alleine steht der Thunder Point Guard hinter der Dreierlinie und lässt die Murmel fliegen. Bang! Auf das Rascheln des Nylons folgt das Raunen der Menge. Westbrook steckt die Pistolen zurück in die Halfter, dazu ein kleines Lächeln in Richtung Chris Paul - El Pistolero hat wieder zugeschlagen! Mr. Triple Double kratzt auch an diesem Abend an der dreifaltigen Zweistelligkeit und manifestiert mit seinen Punkten 20, 21 und 22 die Thunderführung und das Momentum endgültig auf der Seite der Gäste aus dem mittleren Westen.

Den Clippers bleibt noch genügend Zeit die drohende Niederlage abzuwenden, doch so wirklich scheint keiner mehr an die rettende Szene nach den Credits dieses spannenden Westernfilms zu glauben. Die ersten Zuschauer verlassen das Staples Center und Russell Westbrook reitet in den kalifornischen Sonnenuntergang. Thunder 2, Clippers 1...



Seb Dumitru: Die Semifinals zwischen San Antonio und Portland sind nicht nur eine glasklare Angelegenheit, sondern eine Demonstration an den Rest der Liga: die Spurs als verheerende Maschine haben mehr Gänge als die anderen. Die lange, hart umkämpfte Erstrundenserie gegen die erfahrenen, exzellent gecoachten Dallas Mavericks war für die Vizemeister aus der Alamo City genau der Widerstand, den sie gebraucht haben, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Mittlerweile läuft alles auf Hochtouren, und Portland bekommt nicht mehr als eine Abgaswolke aus schwarzem Ruß und weißer Asche ins Gesicht geblasen, während der Spurs-Express davon braust.

Angeführt von einem überragenden Tony Parker, der gegen Portland im Schnitt 26 Punkte und 8 Assists auflegt (bei 53% aus dem Feld), überrollen die Texaner ihre jüngeren, unerfahreneren Gegner mit einer erbarmungslosen Taktung aus Pick & Rolls, Screen-Stafetten und Dreiersalven. Terry Stotts ist ein guter Coach, und er hält auch gegen Widerstände an seinem System fest, was Sicherheit und Identität gibt, aber diese Spurs sind für seine Youngster ein paar Nummern zu groß - genauso wie Gregg Popovich für Stotts.


Die Blazers finden hinten einfach kein Mittel, um Tony Parker und die Dreierschützen zu neutralisieren. Vorne haben die Spurs, ganz wie erwartet, Damian Lillard und LaMarcus Aldridge komplett aus der Serie genommen, was die eigentlich so explosive Blazers-Offensive fast vollständig zum Erliegen gebracht hat. Portland erzielt nur 97 Punkte pro Abend in diesen Halbfinals, fast zehn weniger als während der regulären Saison (106.7 PPG). San Antonio hingegen hat, trotz der besten Bilanz der Liga (62-20), immer noch ein paar Gänge nach oben, immer noch ein bisschen mehr Fokus, Intensität und Turbo-Boost. Die Maschine, sie hat richtig Fahrt aufgenommen. Wehe dem, der sich ihr in den Weg stellt...






Anno Haak: Es sind die letzten Playoffs des Königs im Trikot der Miami Heat. Was? Na, er trägt ein Manziel-Trikot, bevor es das im NFL-Store überhaupt gibt. Wie Beweis? C’mon. Howard Wolowitz knows best. „Das hier ist Internet, da ist kein Platz für die Wahrheit!“

Bevor LeBron James dann im Sommer seine Talente in einem eigens gecharterten Lastflugzeug zurück an den Erie See bringen lässt, vertreibt er noch schnell das alte Cleveland-Gespenst aus seinem Unterbewusstsein. Ein zweiköpfiges Monster, das sie „die Wahrheit“ und „Da Kid“ nannten. Buh!

Oder auch nicht. Was sich im zweiten und dritten Viertel von Spiel drei zuträgt, erinnert an James‘ Zeiten als Cavalier. Dass sich Teletovic ab und zu ins Delirium schießt (insgesamt 4-7 Dreier), ist nichts Neues. Was die Heat offensiv anbieten, ist aber Mike Brown Vintage hour. Der einzige Unterschied ist, dass die Isolationen im Wechsel von Wade (der im dritten Abschnitt noch ordentlich netzt) und James gespielt werden. Der Rest übt Indiana Mikado Offense. Wer sich bewegt, verliert. Apropos Indiana. Brooklyn macht gestern Abend Atlanta-Sachen, teilt den Ball (26 Ast), locht am Ende 15 seiner 25 Dreier. Derweil trifft der selbst Auserwählte nach wildem ersten Viertel (16 Punkte) in der halben Stunde von der ersten Viertelpause bis nach dem ersten Drittel des vierten Viertels genau einen Wurf aus dem Feld.

So gehen die Nets mit 14 Vorsprung in den letzten Abschnitt. Zum ersten Mal in dieser Postseason liegen die Heat im Vierten zurück. Zum ersten Mal werden sie getestet. Und – man kann es kaum anders sagen – fallen krachend durch. Spoelstra wirft keineswegs früh das Handtuch. James, Wade und Bosh spielen zwischen neun und elf Minuten. Aber Miami kommt nie näher als zehn Punkte heran. Ein and-one-Dreier von Paul Pierce (auch wenn der Freiwurf daneben geht) macht fünf Minuten vor Schluss den Deckel drauf.



Man mag jetzt einwenden, dass ein perfekter Sturm über den Meister gefegt ist. Es war Spiel drei mit 2-0-Führung im Rücken. Brooklyn war im „sense-of-desperation“-Modus. Es wird nicht oft vorkommen, dass die Nets 60% von downtown schießen, Deron Williams und Kevin Garnett in einem Spiel scoren und Shaun Livingston dunkt (keine Pointe). Und wenn Jesus (Shuttlesworth) zum Wirtshausschläger wird, weiß man: es war ein merkwürdiger Abend. Aber man wurde in Hälfte zwei das Gefühl nicht los, dass sich Miami in diesen Playoffs so im Schlafwagen eingerichtet hat, dass sie den Weg ins Bordbistro nicht mehr kennen.

So wurde aus Casper, dem freundlichen zweiköpfigen Geist, zumindest für einen Abend wieder die einst grün blutende LeBron-Nemesis. Meine Damen und Herren, wir haben eine Serie! In Spiel vier wird der Zweifachchamp beweisen müssen, ob der die Motivationslochgeister, die er rief, wieder los wird. "Bronny Basketball exercising some demons." Miami im Kopf, Cleveland im Herzen und ein braunes Trikot im Locker. Wie gesagt: komischer Abend…


• Brooklyn Nets - Miami Heat, Gm. 4 (Stand: 1-2)
• Portland Trail Blazers - San Antonio Spurs, Gm. 4 (Stand: 0-3)