20 Mai 2014

nbachefsquad | 20. Mai, 2014    @nbachefkoch





Playoffs, Baby! Die echte Saison ist endlich unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action auf einmal würde es kaum Sinn machen, traditionell zu berichten und das Chaos-Element dieser Wochen zu vernachlässigen. Kein Grund zur Sorge: die nbachefsquad ist zur Stelle wie die Pacers-Offense und versorgt euch täglich mit den feinsten Petitsbouches zur NBA-Postseason.



Jan Wiesinger: Nach dem letztjährigen Playoff-Ausfall von Russell Westbrook schlug das Verletzungspech dieses Jahr erneut bei den Oklahoma City Thunder ein: Mit Serge Ibaka, der sich in Spiel 6 des Conference Semi-Finals gegen die Los Angeles Clippers an der Wade verletzte, fällt der beste Thunder-Verteidiger aus. Ibakas mehr als solide Postseason-Werte mit 12,2 Punkten, 7,3 Rebounds, 2,2 Blocks und 61% FG können nicht einmal ansatzweise die Tragkraft seines Ausfalls für das Spiel der Thunder ausdrücken. Die unbändige Athletik des 24-jährigen Spaniers, gepaart mit seiner defensiven Spielintelligenz, welche ihm sowohl das Verteidigen schnellerer Flügelspieler als auch schwererer Center ermöglicht, sucht man in dieser Kombination in der gesamten Liga vergeblich. Dass sich die Thunder vor der letzten Saison für Serge Ibaka - und damit gegen James Harden - entschieden, war richtig.

So offenbarte Spiel eins neben der offensichtlichen und altbekannten Schwäche der Thunder rund um ihre einfallslose und von den Superstars abhängige Offensive (Collison und Sefolosha blieben beide als Starter ohne Punkt) eklatante Defensiv-Schwächen gegen die stark aufspielenden Spurs. Rund um Altmeister Tim Duncan konnten die Texaner nach Lust und Laune die Zone dominieren und erzielten 66 Punkte 'in the paint.' Gegen die variable Spurs-Offensive fanden die Thunder aus Oklahoma City zu keiner Zeit defensive Gegenmittel. Auch die erneut starke Performance von Westbrook (25 Pts, 5 Rebs, 7 Asts, 4 TOs) und Durant (28 Pts, 9 Rebs, 5 Asts, 6 TOs) konnte die deutliche Niederlage nicht verhindern. Auf Seiten die Spurs konnte Tony Parker, der durch seine Oberschenkelverletzung keinesfalls eingeschränkt schien, mit 14 Punkten und 12 Assists überzeugen. Auch Danny Green, der 4 seiner 5 Versuche von der Dreierlinie traf und eine irre plus/minus-Statistik von +30 aufwies, hatte seinen Anteil am deutlichen 122-105 Sieg der Spurs.


In der regulären Saison hatten die Thunder noch alle vier Spiele gegen die Spurs gewonnen, in dieser Playoffserie müssen sie hingegen aufpassen, dass die Spurs hier keine 4-0 Revanche nehmen. Jetzt liegt bei OKC, wie so oft, alles in den Händen der beiden Superstars Durant und Westbrook. Inwieweit Ibakas Ausfall der tatsächliche Grund für den gigantischen Klassenunterschied in Spiel eins war, lässt sich kaum feststellen. Thunder Coach Brooks beteuerte, es gebe "no excuses" für diese Niederlage, keine Ausreden. Mit Ibakas Ausfall hätte er jetzt aber immerhin eine.



Hauke Büssing: Laut Jalen Rose sind drei Dinge im Leben unbesiegt und auch unbesiegbar: Die Schwerkraft, Frauen und Gevatter Zeit. Im Falle von Tim Duncan sitzt die Jury jedoch noch in ihrem Beratungszimmer. The Old Fundamental präsentierte sich in der vergangenen Nacht wieder einmal ganz hervorragend, produzierte in nur 29 Minuten (das ist nicht einmal eine Simpsons-Folge mit Werbung) satte 27 Zähler, sieben Rebounds und drei Assists, traf 58 Prozent aus dem Feld und 83 Prozent von der Linie. Was habt ihr während der letzten Simpsons-Folge so unternommen?

Duncans sture Weigerung, sich dem natürlichen Alterungsprozess hinzugeben, ist nicht nur seiner immens guten Fitness, sondern auch der cleveren Handhabung von Coach Gregg Popovich geschuldet. In der regulären Saison werden die Stars der Spurs nämlich auf clevere Art und Weise geschont, ohne dass sie zu rosten beginnen würden. Minutenlimits, Pausentage und ein gesundes Maß an Zurückhaltung sorgen im Mai dafür, dass der Motor noch immer mühelos bis in den sechsten Gang zieht – obwohl bereits 350.000 Kilometer auf der Anzeige stehen.


Der stille Held des Spiels war jedoch keiner der großen Drei, sondern der Scharfschütze Danny Green, der sechs seiner sieben Versuche aus dem Feld verwandelte und mit einem Plus-Minus-Wert von +30 den mit Abstand effektivsten Profi auf dem Parkett abgab. Den Thunder fehlt währenddessen deutlich der Donner von Serge Ibaka. In einem Spiel, in dem der bessere Angriff gewinnt (Endstand: 122-105), hat Oklahomas City „Verstopfte-Toilette-Offense“ gegen den Ballfluss der Spurs zudem nur wenige Chancen. Wie lange noch, bis Scott Brooks auf Kendrick Perkins verzichtet? Eventuell lautet die Rechnung: Perkins jetzt raus oder Brooks nach der Serie.



Anno Haak: OffRtg: 119,8. Zwei von drei Scores: assistiert. True Shooting: 63,5%. San Antonio Spurs? Harlem Globetrotters? Nein. Sondern die Offensivlegastheniker aus dem Hoosier State. Gegen den Meister. Kuriositätenkabinett Playoffs 2014, Folge 346.

Indiana hat auf diese Serie gewartet wie ein Kind ab dem 26. Dezember auf das nächste Weihnachtsfest. Seit jenem Blowout in Spiel 7 der ECF 2013 war Indy auf einer Mission. Sie hieß „Beat the Heat!“ Und schien gescheitert, bevor sie richtig angelaufen war. Atlanta, ein Team, das nach eigenen Angaben lieber um Pingpongbälle als um Runde zwei gespielt hätte, schob die Pacers an den Rand des Abgrunds. Der Matchup-Alptraum der Heat war ein 2,20 m großes Wrack. Und als Indiana endlich über den Berg schien, lieferte dieses Team im Clincher-Spiel fünf der zweiten Runde gegen Washington eine schauderhaft blutleere Vorstellung in eigener Halle. Wer zu Hause gegen die Horford-losen Falken und die blau-weiß-roten Grünschnäbel drei von sieben Spielen verliert, der wird doch nicht…

Doch. Er wird. Man rieb sich die Augen ob der Ballbewegung der kürzlich als „Mikado“ verspotteten Offensive Indianas. 23 Assists, mehr als drei über dem Playoffschnitt. Die Pacers netzten über 50% ihrer Würfe aus dem Feld. Am Ende punkteten alle fünf Starter und C.J. Watson zweistellig. Indiana zog sich spielerisch aus dem selbst gegrabenen Loch. Sie zeigten, was Amerika unter dem „right mindset“ versteht. Respekt und Glückwunsch dazu.


Der Rest ist aber ganz klar der selbstgefällige Zweifachchamp im Spiel-1-Autopilotenmodus. Zehn Playoffspiele hat Miami 2014 absolviert und im Grunde weiß man immer noch nicht, wie gut der Meister wirklich ist. Ist er nur unlustig, es zu zeigen? Oder können die Heat nach ca. 400 Spielen seit 2010 nicht besser als am Sonntag? Dieses Team war auf Defensive gebaut und verteidigte bröselig wie Sand. Die Lustlosigkeit, mit der sich insbesondere LeBron James Mal um Mal im Pick & Roll schlagen und ins Niemandsland fallen ließ, war am Rande von „aufreizend“ und darüber hinaus. Das Matchup-Problem Hibbert ist keine Erklärung. Bosh, Haslem & co. sahen zwar wie gewohnt wenig Land gegen den Pivoten. Aber nur, weil man den Pacers-Riesen 13 mal an die Benefizlinie stellte, obwohl er aus dem Feld kaum einen Obstkorb traf (5/13 FG).

Und Coach Spoelstra machte aus Spiel eins ein Exhibition Game für Besserverdienende. Wüsste man es nicht besser, man könnte meinen, Ideen wie der Hirnfurz, James mehrfach David West im Post verteidigen zu lassen, seien ein stummer Schrei nach Coaching-Hilfe. Aber der Wahnsinn hat Methode. Während andere Teams froh über gefundenen Rhythmus und eingespielte Rotationen sind, macht der Tüftler von Florida aus Drittrundenspielen Versuchsanordnungen und aus fast jeder Playoffrunde ein Spiel mit dem Feuer. In Runde zwei, drei und vier lag Miami seit 2012 jetzt in sechs von acht Serien mindestens einmal zurück. Vier Mal verlor man sogar Spiel eins, nur um jede Serie doch noch für sich zu entscheiden.

Das soll die Leistung der Pacers nicht schmälern. Aber: wir reden hier von Indiana. Juhu! INDIANA! Das Team, das in den Playoffs ein OffRtg auf Sixers-RS-Niveau produziert. Ein Team, das gegen defensiv talententleerte Hawks in sieben Spielen ein Mal (!) über 100 Punkte erzielte. Das in den beiden ersten Runden nur knapp 91 PPG scorte. Gegen das die Heat im Übrigen –  bei mieser Dreierquote – über 51% aus dem Feld schossen. Die 96 erzielten Heat-Punkte hätten in 11 der 13 Playoffspiele gegen die Pacers zum Sieg oder zur Verlängerung gereicht. Miami verlor mit elf. ELF!


So haben sich die Heat wieder einmal freiwillig mit dem Rücken an die Wand gestellt. In Spiel zwei wird sich zeigen, ob sie tatsächlich das gute Pferd, das nur so hoch springt, wie es muss, oder in Wahrheit ein satter, überalterter Gaul sind, dessen vielbeschworene höhere, von niemandem mitzuhaltende Gangart eine Schimäre ist. Das fast dreiste Vertrauen Miamis in die eigene Stärke ist wohl dem Gesetz der Serie geschuldet. Seit 2011 verlor Miami nicht mehr zwei Playoffspiele in Folge, ließ neun Niederlagen stets einen Sieg folgen. Aber das ist kein Naturgesetz, dessen Wirkung es schlicht abzuwarten gilt. Im Schlafwagen fährt man nicht zur Meisterschaft, ja nicht einmal in die Finals. Auch wenn der Blick des Franchise-Players der Spurs, denen die Pacers am Sonntag ähnelten, anderes suggeriert…

PS: Die bisher asozialste Aktion der Playoffs gehört Mario C. aus Miami. Überlegt man, für welche Lappalie Zach Randolph Spiel sieben der Thunder/Grizzlies Serie verpasste, möchte man den Bill-Laimbeer-Feiertag einführen.


• Indiana Pacers - Miami Heat, Gm. 2 (Stand: 1-0)
• San Antonio Spurs - Oklahoma City Thunder, Gm. 2 (Stand: 1-0)