22 Mai 2014

nbachefsquad | 22. Mai, 2014    @nbachefkoch





Playoffs, Baby! Die echte Saison ist endlich unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action auf einmal würde es kaum Sinn machen, traditionell zu berichten und das Chaos-Element dieser Wochen zu vernachlässigen. Kein Grund zur Sorge: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Miami in Crunchtime und versorgt euch täglich mit den feinsten Petitsbouches zur NBA-Postseason.



Anno Haak: Irgendwo in Miami und Umgebung sitzen sie. Rentner, die dem Verkehr zuvorkommen wollten. Kinder im Ganzkörper-King-James-Merchandise, die Tränen über zwei Crunchtime-Ballverluste ihres anderswo verhassten Idols vergossen und Daddy anflehten, endlich nach Hause zu fahren. Sonnenstaat-Hipster, die Larry O’Briens fünfte Reise an den Alamo nicht mit ansehen wollten. Die es nicht besser wussten, als das gelbe Band gespannt wurde. Die der Satz „In der Lobby von AAA auf dem Weg zum Parkplatz!“ ein Leben lang verfolgen wird. Weil er die einzig ehrliche Antwort auf die Frage „Wo warst Du während der letzten Minute von Spiel 6 der NBA-Finals 2013?“ ist. Die nie mehr ein Basketballspiel vor der Sirene verlassen werden.

Indianapolis weiß, wie man Basketball spielt. Das Publikum gilt als eines der fachkundigsten der ganzen NBA. Finals ohne Pacers-Beteilligung scheinen sie aber nicht zu gucken. 13,7 Sekunden vor Ende liegen ihre blue collar Helden sechs Punkte hinten. Was große Teile des Publikums zur Massenflucht nutzt. Einen Dreier, einen verworfenen Heat-Freiwurf und einen Dödel-Inbound von Dwyane Wade später hätten sie beinahe vom Parkplatz des Fieldhouse erzählen können, die Rentner, die Kinder in PG24-Merchandise... (Weiterlesen)



Sch_Rom: Paul George wurde ausgeknockt. So richtig, von wegen, „Hey, Wladimir Klitschko, du A****loch“- ausgeknockt. Er leidet derzeit an einer Gehirnerschütterung (Ich bin kein Arzt, aber ich vermute, die Zufuhr von Dwyane Wades Knie/Bein/Fuß an seinem Hinterkopf könnte das ausgelöst haben) und die Pacers haben noch keinen genauen Zeitplan für seine Rückkehr verlauten lassen.

Um die Quintessenz dieses Textes vorwegzunehmen: Die Concussion Politik der NBA ist Bullshit. Sie streitet sich nur mit den Replay-Regeln zum Ende der Spiele um Platz 1 der dämlichsten Regelungen. Das soll nicht falsch verstanden werden, denn die Gesundheit der Spieler steht im Vordergrund. Und genau deshalb muss diese Gehirnerschütterungspolitik geändert werden. Wie kann es sein, dass gestandene Mediziner (Ich nehme hier einmal blauäugig an, dass sie keine Idioten einstellen werden) einen Spieler, der am Boden lag und offensichtlich benommen ist, nicht nach dem Concussion Protokoll untersuchen? Ja, sie haben erklärt, dass PG die Fragen des Protokolls beantwortet hatte, doch wurde der Test völlig falsch ausgeführt. Das Protokoll verlangt, dass ein Spieler, bei dem der Verdacht einer Gehirnerschütterung besteht, in einen privaten und vor allem ruhigen Raum gebracht wird, wo ihm Fragen gestellt und andere Untersuchungen durchgeführt werden. Die Ärzte haben ihn auf der Bank untersucht. Während der Playoffs. Während der Crunchtime. Während 18.000 Fans ihre Mannschaft anfeuern. In welcher Welt ist das privat und ruhig? Möglicherweise hat PG gedacht, dass der Typ vor ihm seine Ferienwohnung in L.A. abkaufen möchte.


Im Protokoll heißt es weiter, dass der Spieler, sollte eine Gehirnerschütterung diagnostiziert werden, dem Basketballbetrieb für diesen Tag fernbleiben muss. PG wurde geradewegs wieder zurück ins Spiel geschickt. Klar, die Mediziner behaupten heute, dass er den Test bestanden hatte, doch George hat nach dem Spiel gesagt, dass ihm für eine kurze Zeit schwarz vor Augen wurde. Sehr unauffällig, bei dem ist alles in Ordnung.

Es darf nicht sein, dass Spieler wieder zurück aufs Parkett geschickt werden, nur, weil es das Spiel gerade verlangt. Ja, ich verstehe, dass  die Pacers dieses Spiel gewinnen müssen dies gerade auf Messers Schneide schwankt. Doch es darf nicht sein, dass die Regelungen bei Gehirnerschütterungen nur angewandt werden, wenn es den Teams gerade in den Kram passt. Über die Gefährlichkeit der Verletzung sind sich alle NBA-Teams seit einiger Zeit im Klaren. Deshalb muss eine strengere Regelung her, selbst, wenn sie Teams in solchen Momenten Spiele kosten. Die Teams sollten lieber Spiele verlieren, als ihre Spieler ihre Lebensjahre. Und die Pacers können richtige Concussion-Tests durchführen, das haben sie spätestens während des Regular Season Spiels der Heat und Pacers bewiesen, als Roy Hibbert von Lebron James flachgelegt wurde. No Homo.



Tiago Pereira: Birdman und Wade doppeln Paul George an der Dreierlinie. Die Sekundenanzeige sprintet gegen Null und der Forward der Pacers muss den langen Dreier im Angesicht seiner zwei Bewacher nehmen. Das Publikum in Indianapolis packt die Rosenkränze aus, denn ihr Messias ist an diesem Abend kälter als ein Winter in Minnesota (4-16 FG). Die Stoßgebete zeigen Wirkung, PG reckt jubelnd die Faust in die Höhe, als der Spalding sanft das Nylon streichelt. Time Out Miami.

Die Pacers Führung beträgt vier Punkte und die Männer von Frank Vogle sitzen fest im Sattel auf dem Weg in Richtung Sieg Nummer zwei. Doch die Jungstars Paul George und Lance Stephenson zelebrieren zu früh, denn wer die Partyhüte vor dem Abpfiff aufsetzt, hat nicht mit der Ankunft des Königs gerechnet. King James manifestiert mit einem monströsem vierten Viertel (12 Punkte), dass noch kein Wesen in dieser Galaxis ihn vom Thron stoßen kann. 

36 Minuten konnte Paul George Miamis Nr. 6 in Schach halten (nur 10 Punkte bis ins Vierte). Auch LBJs Gehilfe Flash fand bis dato nicht so recht ins Spiel. Der mageren Ausbeute des Superduos vom Südstrand stand außerdem die Ein-Mann-Show Namens Lance Stephenson (23 Punkte) gegenüber. Vieles sprach für die Pacers.

Doch im vierten Viertel waren es George und Stephenson, die vom Hauptakt zum Popcornhalter wurden, als James und Wade den Sieg für Miami sicherten. Die 20-Punkte Darbietung der Super Buddys im Schlussakt stahl 'Indis Invicible' das heimische Rampenlicht. "Never underestimate greatness" - die Großartigkeit eines amtierenden Champions sollte man nie unterschätzen. Ein Leitsatz, den auch Indianas Jungstars beherzigen sollten, wenn sie ein drittes Playoff-Ausscheiden in Folge gegen Miami vermeiden wollen. 




Sebastian Hansen: Schon das erste Spiel der Conference Finals war kein gutes der Oklahoma City Thunder gewesen. Doch im Vergleich zu Spiel zwei, war es...nun ja. Das finden eines sinnvollen Vergleichs fällt genauso schwer, wie die 112-77 Niederlage der Thunder zu verdauen ist. Während vor zwei Tagen wenigstens noch die Offensive funktionierte, klappte dieses Mal überhaupt nichts mehr. Westbrook und Durant erwischten einen rabenschwarzen Tag (jeweils 15 Punkte bei horrenden Wurfquoten) und vom Rest der Starting Five kam auch nichts. Die einzigen, die etwas überzeugen konnten, waren Steven Adams (9 Punkte, 8 Rebounds), Jeremy Lamb (13 Punkte, 6-8 FG), Reggie Jackson und Caron Butler (letztere wegen ihrer guten Quoten). Allerdings machten sie auch nur jeweils knapp 10 Punkte, und das war letztlich zu wenig. Dazu kam das allseits bekannte Problem Scott Brooks, der seine beiden Superstars wieder einmal gemeinsam auf die Bank beorderte. Warum Brooks nicht lernt, dass daraus immer Spurs-Runs entstehen, ist völlig schleierhaft.

Für die Spurs hingegen war es der perfekte Abend. Nachdem am Anfang sogar noch die Thunder geführt hatten, weil die Spurs zu wenig trafen, fiel ab Mitte des zweiten Viertels alles bei den Gastgebern. Allein Danny Green versenkte sieben Dreier. Auch die Zone der Thunder stand wieder meilenweit offen, was Tony Parker natürlich mit seinem Drive beliebig ausnutzte. Der einzige, der nicht an seine Leistung aus Spiel 1 anknüpfen konnte, war Tim Duncan (lediglich 14 Punkte), aber die Spurs hatten eine gute Leistung von ihm auch gar nicht nötig. Spiel zwei war eine absolute Demontage der Thunder.


Wie geht es nun weiter? Spiel 3 ist für Oklahoma City natürlich ein absolutes Must-Win-Game. Von einem 0-3 Rückstand kommt gegen diese Spurs niemand zurück. Aber auch bei einem Sieg wäre ein Serien-Turnaround immer noch unwahrscheinlich. Vor allem muss Scott Brooks nun endlich seine Lineup-Probleme in den Griff bekommen. Er lässt zu viele Lineups laufen, die nur zwei Scorer beinhalten, nämlich Durant und Westbrook. Die Starting Five gehört dazu.

Mehr als sinnvoll wäre nun eine Art Überraschungsmoment, indem Brooks Adams statt Perkins beginnen lässt. Außerdem sollte er über Sefolosha nachdenken. Der Schweizer spielt bisher grausig und ist auch defensiv keine Hilfe. Er sollte ebenso ersetzt werden. Ich würde Jeremy Lamb aufstellen, der wenigstens seine Würfe treffen kann. Und wenn nicht, dann kann man ihn immer noch relativ schnell durch Reggie Jackson ersetzen. Am wichtigsten aber, aus Thunder-Sicht: Durant und Westbrook müssen endlich wieder so spielen wie gegen die L.A. Clippers. Nur dann hat OKC noch eine minimale Chance, in diese bisher einseitige Serie zurück zu klettern. Aber selbst das klingt nach diesen Leistungen nur noch wie pure Theorie.



Sebastian Seidel: Wenn es so etwas wie einen perfekten Rollenspieler geben würde, Boris Diaw würde ihm wohl sehr nahe kommen. Diaw ist in der Lage, mehrere Positionen zu verteidigen und gibt den Spurs damit sehr viele unterschiedliche Lineup-Möglichkeiten. In der Serie gegen die Thunder hat man nicht nur einmal Boris Diaw in einer sehr kleinen Lineup sogar als Center agieren sehen, und auch dort hat er seinen Job gut gemacht.


Seine ganze Spielweise scheint perfekt auf das System der Spurs zugeschnitten zu sein. Er ist uneigennützig und hat immer ein Auge für den offenen Mitspieler, aber er zeigt auch in einigen Spielen, das er durchaus auch scoren kann. Aufgrund seines langsamen Releases nimmt er zwar nur sehr wenige Dreier, diese versenkt er aber mit über 40% sowohl in der regulären Saison als auch in den Playoffs hochprozentig. Diese Fähigkeit Diaws, Dreier zu treffen und gleichzeitig auf Power Forward und Center gut zu verteidigen, macht die kleinen Lineups der Spurs in der Serie gegen die Thunder sehr effektiv. 

Allgemein lässt sich sagen, dass die Rollenspieler der Spurs perfekt darauf ausgerichtet sind, um auf die unterschiedlichen Spielweisen der Teams in der Western Conference reagieren zu können. War gegen die Dallas Mavericks und die Portland Trail Blazers Tiago Splitter mit seiner Defensive gegen DIrk Nowitzki und LaMarcus Aldridge einer der bestimmenden Faktoren, so ist in dieser Serie Boris Diaw ein wichtiges Puzzlestück für die Spurs. 

Die Thunder dagegen haben diese Variabilität seit dem Ausfall von Serge Ibaka nicht mehr.
Wenn sie klein spielen, werden die Thunder von den Spurs regelrecht überrannt und können keine defensiven Stopps generieren. Mit einer größeren Lineup steht die Defensive zwar einigermaßen sicher, die Offensive implodiert aber meist vollständig, denn gerade auf den großen Positionen strahlen die Thunder dann überhaupt kein Gefahr aus. Das macht ein Weiterkommen nicht nur schwierig, sondern nahezu unmöglich. 


• Miami Heat - Indiana Pacers, Gm. 3 (Stand: 1-1)
• Oklahoma City Thunder - San Antonio Spurs, Gm. 3 (Stand: 0-2)