26 Mai 2014

nbachefsquad | 26. Mai, 2014    @nbachefkoch





Playoffs, Baby! Die echte Saison ist endlich unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action auf einmal würde es kaum Sinn machen, traditionell zu berichten und das Chaos-Element dieser Wochen zu vernachlässigen. Kein Grund zur Sorge: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Serge Ibaka in Spiel drei und versorgt euch täglich mit den feinsten Petitsbouches zur NBA-Postseason.



Sebastian Hansen: Spiel drei war das Spiel der Rückkehr. Serge Ibaka stand nach seiner Blitzheilung wieder auf dem Court und mit ihm war auch der furchteinflößende Teil des Thunder-Spiels zurück. Wo die Spurs in den ersten beiden Spielen noch insgesamt 120 Punkte in der Zone gemacht hatten, waren es diesmal dank Ibakas Präsenz und seinen 4 Blocks nur 40. Wo Tony Parker, Manu Ginobili und Co. vorher immer wieder völlig unbehelligt zum Korb ziehen und Layups verwandeln konnten, mussten sie nun immer häufiger abdrehen. Aussagekräftig ist hierzu auch eine Statistik, nach der die Würfe der Spurs mit Ibaka auf dem Parkett runde fünf Meter vom Korb entfernt abgegeben wurden, ohne ihn jedoch durchschnittlich aus knapp zwei Metern.

Das Spiel zeigte einmal mehr, wie wichtig der Kongolese für OKCs Defensive ist. Allerdings war Ibaka nicht allein für den Sieg verantwortlich, obwohl er auch offensiv noch 15 Punkte bei 6-7 aus dem Feld beisteuerte. Das Hereinnehmen von Reggie Jackson in die Starting Five statt Thabo Sefolosha war sehr wichtig. Trotz einiger defensiver Probleme am Anfang brachte der bisherige Sixth Man der Thunder, was man von ihm erwartet: Impact. Immer wieder ging Jackson zum Korb und war dort auch erfolgreich. Das einzige, was nicht fiel, war sein Dreier. Insgesamt war es der Tag der Jugend, denn Steven Adams durfte 27 Minuten spielen und zeigte eine mehr als ansprechende Leistung (7 Punkte, 9 Rebounds, 4 Blocks, starke Defense), und sogar Jeremy Lamb bekam zum ersten mal in diesen Playoffs Spielzeit außerhalb der Garbage-Time, die er auch zu zwei sehenswerten Treffern nutzte. Die beiden Veteranen Collison und Sefolosha, die in den ersten beiden Spielen noch gestartet waren, erhielten jeweils ein DNP-CD. Viele – u.a. der Verfasser dieses Textes – hatten das im Vorfeld gefordert und das Spiel zeigte, dass Brooks mit seiner Entscheidung absolut richtig lag. Die Youngster der Thunder kauften mit ihrer Athletik und Unbekümmertheit den Spurs den Schneid ab. 


Bleiben noch die beiden Superstars, Westbrook und Durant. Beide erwischten einen eher durchschnittlichen Abend, mit 26 respektive 25 Punkten und Quoten um die 42%. Beide zeigten allerdings eine Eigenschaft, die den Thunder den Abend erleichterte: das Ziehen von Fouls und hochprozentige Treffen von Freiwürfen. Hier hatte man gegenüber den Spurs einen deutlichen Vorsprung, was sich dann auch im Ergebnis widerspiegelte. 

Bei den Spurs konnte nur Manu Ginobili wirklich überzeugen und das auch nur, weil er gefühlt jeden Dreier traf – sechs Stück waren es am Ende und sie hielten die Spurs immer wieder im Spiel. Ansonsten ein gebrauchter Abend, vor allem für Tony Parker, der dem Spiel überhaupt nicht seinen Stempel aufdrücken konnte und lediglich 9 Punkte erzielte. 

Wie geht es nun weiter? Bisher ist eigentlich nicht viel passiert, jedes Team hat sein(e) Spiel(e) zuhause gewonnen. Spiel 4 könnte zum Turning-Point der Serie werden. Gewinnt OKC, liegt das Momentum eindeutig bei ihnen und die Serie ist wieder völlig offen. Ist dagegen San Antonio wieder siegreich, ist die Serie wohl durch. Die Thunder haben letzte Nacht gezeigt, dass und wie die Spurs zu schlagen sind: indem man die Zone zumacht. Die Rückkehr von Ibaka stellt also ein massives Problem für die Texaner dar und Greg Popovich wird hierfür eine Lösung finden müssen, damit die Serie nicht so endet wie 2012. Damals gewannen die Spurs ebenfalls die ersten beiden Spiele. Nur um dann viermal in Folge als Verlierer vom Platz zu gehen. 



Chris Schmidt: Mit 17 anderen Geschwistern lebt es sich bestimmt nicht leicht. Da muss man auch schon mal etwas einstecken können, besonders wenn man der drittjüngste ist. Vielleicht konnte Serge Ibaka auch deswegen seine Zerrung in der linken Wade so gut wegstecken. Immerhin wurde dem gebürtigen Kongolesen vor einigen Tagen noch das sichere Saisonaus prophezeit. Gestern wurde er dann drittbester Thunder-Scorer und war somit maßgeblich am Sieg beteiligt…


Ibaka’s Impact zeichnete sich schon in den ersten fünf Minuten ab. In dieser Zeit verbuchte er acht der 15 Thunder-Punkte (bei 4-4 FG) und räumte ein Mal Tiago Splitter unter dem Korb ab. Man merkte ihm an, dass er richtig heiß war und am liebsten jeden Wurf genommen hätte. Mit dem Ibaka-Mitteldistanzwurf, zum Beispiel aus dem Pick & Pop, hat OKC nun wieder ein Puzzleteil, welches auf dem noch langen Weg in die Finals hilft. Mit Tim Duncan und Splitter haben die Spurs zwei sehr große Big Men, die defensiv eher in Ringnähe zu finden sind. Ibaka kann mit seinem sicheren Jumper das Feld wieder breiter machen und erhöht die Anzahl der Möglichkeiten in der Thunder-Offense.

Doch auch seine Präsenz in der Defense schlug sich in Zahlen nieder. Während die Spurs in den Spielen eins und zwei noch 72 bzw. 65 Prozent ihrer Würfe im bemalten Bereich trafen, waren es gestern gerade einmal 46 Prozent. Doch Scott Brooks stellte auch noch an anderer Stelle um. Statt Thabo Sefolosha startete der junge Reggie Jackson auf der Zwei. Mit ihm auf dem Court waren die Thunder um 17 Punkte besser als die Spurs.

Mit „Air Kongo“ und Reggie Jackson zurück in die Erfolgsspur? So einfach wird es wohl nicht. Die Spurs wird eine Niederlage wohl kaum aus dem Tritt bringen. Head Coach Gregg Popovich weiß, dass er wieder mit Ibaka rechnen und ihn in seinen Plänen berücksichtigen muss. Sollten Kevin Durant (24-54 FGs) und Russell Westbrook (24-64 FGs) auf Seiten der Thunder nicht rechtzeitig genug wieder ihren Rhythmus finden, wird es mit den zweiten Finals in drei Jahren für OKC ganz eng… trotz Serge I(‘m)-Ba(c)k-a.



Seb Dumitru: Chesapeake Energy Arena in Oklahoma City ist kein gutes Pflaster für die San Antonio Spurs. Während nach dem überzeugenden Sieg der Thunder gestern die ganze Welt - zurecht - von OKCs Renaissance und dem inspirierenden Difference-maker Ibaka sprach, wurde eine Tatsache unter den Teppich gekehrt oder im Zuge anderer, spannenderer Geschichten am Sonntag einfach vernachlässigt: die Spurs machten ihr mit Abstand miesestes Spiel in diesen Playoffs und seit gefühlten drei Monaten.

Es war nicht nur Tony Parker, der zusammen mit seinem Backcourt-Kollegen Danny Green (beide kamen auf 17 Punkte bei 28% FG) einen rabenschwarzen Tag erwischte. Hall of Famer Tim Duncan und Tiago Splitter brachten es ebenfalls nur auf 20 Zähler bei 45% FG. Der einzige, der neben einem glänzend aufspielenden Manu Ginobili überhaupt in den zweistelligen Punktebereich driftete, war der ebenfalls nur durchschnittliche Kawhi Leonard (10 Punkte, 36% FG). San Antonio verfehlte insgesamt 55 seiner 91 Würfe aus dem Feld - blieb also unter 40% Trefferquote nach 50 und 58 Prozent in den ersten beiden Partien.

Oklahoma Citys Länge, Athletik und Aggressivität auf allen defensiven Positionen brachte San Antonio - wie so häufig in den letzten drei Jahren - aus dem Konzept. Die Spurs zeigten sich zunehmend enerviert von OKCs neuer/alter Präsenz unter den Brettern, gaben sich viel zu oft mit niederprozentigen Mitteldistanzwürfen zufrieden (sieben der ersten zehn Versuche waren lange Zweier oder Dreier) und spielten ihre Sets nicht so herunter, wie Gregg Popovich das sehen möchte. Das lag nicht nur an Ibaka, sondern an der traditionell sehr guten Verteidigung der Thunder, die in den letzten Jahren immer unter den besten Defensivteams der Liga platzierte und den Spurs das Leben wie keine andere Mannschaft schwer machen kann. OKC war nicht nur an beiden Enden mobiler, agiler und besser, sondern hinterließ auch einen kleine mentale Botschaft an die Spurs: mit Ibaka auf dem Parkett haben die Thunder nun elf ihrer letzten 13 Partien gegen San Antonio gewonnen - darunter acht in Folge zu Hause. Nicht nur Coach Pop weiss jetzt: Ladies und Gentlemen, wir haben eine Serie!



• Miami Heat - Indiana Pacers, Gm. 4 (Stand: 2-1)
• Oklahoma City Thunder - San Antonio Spurs, Gm. 4 (Stand: 1-2)