28 Mai 2014

nbachefsquad | 28. Mai, 2014    @nbachefkoch





Playoffs, Baby! Die echte Saison ist endlich unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action auf einmal würde es kaum Sinn machen, traditionell zu berichten und das Chaos-Element dieser Wochen zu vernachlässigen. Kein Grund zur Sorge: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Russell Westbrook und versorgt euch täglich mit den feinsten Petitsbouches zur NBA-Postseason.



Seb Dumitru: Eine Naturkatastrophe gigantischen Ausmaßes wütete im Mai, riss meterbreite Spalten im Boden auf und verwüstete die Zone. An zahlreichen Stellen brachen schwere Brände aus. Die Überlebenden in Schwarz flüchteten sich auf die Ersatzbank und sahen von dort, dass die Dreierlinie nach vorne gerutscht war und der eigene Korb sich auf 2,60 Meter gesenkt hatte. Verteidigungswracks, abgetrennte Double Teams und verlorene Zweikämpfe bedeckten das gesamte Terrain; sie alle waren vom Tsumami nach dem Beben freigelegt worden. Wenige Minuten später kam er wieder, überrollte wie eine Flutwelle den Hafen und schoss wie ein Donner flussaufwärts. Immer wieder folgten Wellen nach, mal klein und hastig, mal groß und gewaltig. Die Flutwellen löschten die vorher selbst gelegten Feuer, rissen aber durch ihre Wucht alle noch stehenden Gebäude und das letzte Quäntchen von San Antonios Selbstachtung mit sich. In den Gegenden, die nicht vom Tsunami betroffen waren - und in den Köpfen von Gregg Popovich - wüteten die Brände noch tagelang.

40 Punkte, 10 Assists, 5 Rebounds und 5 Steals bei 14 von 14 von der Linie - man muss nicht Michael Jordan bemühen, den einzigen Spieler seit 1984 mit diesen Werten in einer Playoff-Partie - um die Größenordnung der Russell Westbrook'schen Leistung in Game 4 zu erfassen. Highlight-Tapes erzählen nur ganz selten die ganze Geschichte, in diesem Fall aber reichen sie vollkommen aus. Um zu illustrieren, dass der Thunder-Guard schon längst zu den fünf besten Spielern der NBA zählt und auf seinem verheerenden Ritt durch diese Playoffs von nichts und niemandem aufgehalten werden kann. Wenn Russell Westbrook zu Russell Bestbrook wird, wenn er nicht nur selbst im Exzess punktet und vorbereitet, sondern mit seiner niemals versiegenden Energie ein ganzes Team, ein ganzes Stadion, eine ganze Stadt mitreißt, wenn er alles ausradiert, was sich ihm in den Weg stellt, wenn der amtierende MVP Kevin Durant 31 erzielt und das niemandem auffällt, wenn die dominanten Spurs nach 62 Siegen und 2-0 Führung plötzlich wie der klare Außenseiter aussehen, spätestens dann wird klar: Oklahoma City könnte heuer tatsächlich eine 'Ship eintüten. Und Westbrook einen Finals-MVP abräumen. Unmöglich? Ihr müsst härter nachdenken...








Jan Wiesinger: Begonnen hatte es alles wie an einem ganz gewöhnlichen Abend: Kendrick Perkins hatte unlängst seinen legendären Signature-Travel angebracht und auch die Anzahl der Westbrook'schen Heat-Check-Pullups aus dem Dribbling hatte die Anzahl dunkelhaariger Boris-Becker-Exliebschaften bereits um ein Vielfaches überschritten. Reggie Jackson war Danny Green unglücklich auf den Fuß gestiegen und so stark umgeknickt, dass der geneigte Zuschauer nur vom Zusehen bereits das dringende Bedürfnis verspürte, einen Jahresvorrat Sufentanil mit einer Flasche Fürst Uranov hinunter zu stürzen. Und als sich der Kommentator noch für die kleineren Bildausfälle entschuldigte, die er mit der zur Zeit in Oklahoma City vorherrschenden Gewitter-Saison erklärte, schlug der Blitz endgültig ein.

Die defensive Aggressivität der Thunder hielt die Spurs bei nur 39,8% aus dem Feld und resultierte zudem in zwölf Steals. Allenfalls Tony Parker konnte auf Seiten der Spurs offensiv annähernd an seine Normalform anknüpfen. Vor allem im zweiten und dritten Viertel schossen OKCs Allstars Durant (31 Punkte, 11-22 FG) und Westbrook (40 Punkte, 12-24) alle Lichter aus, die von der Gewitter-Saison verschont geblieben waren. Zusammen gingen die beiden in Spiel 4 insgesamt 23 Mal an die Linie (und trafen 21), das gesamte Spurs-Team unterdessen nur 22 Mal (17-22 FT). Greg Popovich war ob dessen derart erbost, dass er das Spiel sichtlich angesäuert (als ob er sonst freundlich schauen würde) her schenkte und sogar sein strenges Schweigegelübde im Interview mit David Aldridge vergaß. Ein Westbrook-Dunk mit 4:43 auf der Uhr im zweiten Viertel führte zur 42-32 Thunder-Führung, danach war der Vorsprung des Teams aus OKC stets zweistellig und lag zeitweise bei 25 Punkten.

Zwei zu Zwei. Schon verkommt das Aufeinandertreffen der beiden besten West-Teams der regulären Saison zu einer Best-of-Three-Serie, wo alle nach dem Eindruck der ersten beiden Spiele noch einen Sweep vermuten hatten. Die Bringschuld liegt nun bei Coach Popovich und seinen Spurs, die sich plötzlich mit einem nur so vor Selbstvertrauen strotzenden Team aus Oklahoma City herumschlagen müssen. Die Serie ist jetzt da, wo man sie immer haben wollte. 




Sebastian Hansen: Und plötzlich ist es wieder 2012. Damals gewannen die Spurs die ersten beiden Spiele daheim, unterlagen den Thunder dann aber in Sechs. Nach Spiel zwei war diese Parallele schon einmal aufgeworfen worden, jedoch hatten ausnahmslos alle Experten sie zurückgewiesen. Zu groß schien die Dominanz der Spurs, zu lahmgelegt war OKCs Defense ohne Serge Ibaka. Der spielt jetzt wieder mit – und auch die anderen beiden Superstars der Thunder zeigten, warum sie der vielleicht beste One-Two-Punch der Liga sind. Besonders Russell Westbrook tat sich hierbei hervor und postete eine Stat-Line, die bisher nur Michael Jordan in den Playoffs gelang: 40 Punkte, 10 Assists, 5 Steals, 5 Rebounds, ein Block. Dazu kam eine fast unmenschliche Energieleistung über die fast volle Spielzeit: 46 Minuten lang beackerte Russ seine Gegenspieler, zog immer wieder in die Zone und schloss dort oft mit starken Dunks ab. Dass er am Ende auch noch 50% FG% vorweisen konnte, rundete seinen perfekten Abend ab. Auch Durant spielte stark, erzielte 31 Punkte bei ebenfalls 50% FG. Und im Gegensatz zu den ersten beiden Partien war die Zone auch dieses Mal dicht. Die Thunder ließen dort fast nichts zu und kamen am Ende auf 8 Blocks - ein wichtiger Faktor zum Sieg.


Sogar Scott Brooks trug seinen Teil bei und machte keine Fehler, sondern passte seine Rotationen klug an. Nachdem Reggie Jackson schon kurz nach Tip-Off mit einer Knöchelverletzung raus musste und insgesamt nur 13 Minuten spielen konnte, brachte Brooks Jeremy Lamb. Der war zwar offensiv nicht so effektiv wie noch in Spiel 3, brachte aber in der ersten Halbzeit enorme defensive Energie und half seinem Team mit jeweils drei Steals und Rebounds in die Erfolgsspur. Ebenso war es die richtige Entscheidung, die Starter weiter spielen zu lassen, als die Spurs mit ihrer Second Unit im vierten Abschnitt den Rückstand halbieren konnten. Das Spiel musste unbedingt gewonnen werden und ohne Durant & co. wäre es vielleicht noch einmal brenzlig geworden. Insgesamt gesehen war es auch die absolut richtige Entscheidung, den jungen Spielern, also Lamb, Adams und vor seiner Verletzung Jackson, Vertrauen zu geben. Die Athletik dieser Spieler und ihre Fähigkeiten zum Fastbreak macht den Spurs das Leben extrem schwer. 

Die Serie ist wieder ausgeglichen. Spiel 5 wird natürlich richtungsweisend. Die Thunder könnten, falls sie auswärts gewinnen, den Heimvorteil erobern und dann die Serie zu Hause sogar beenden. Aber man sollte sich nicht darauf verlassen, dass die Spurs sich weiterhin so vorführen lassen. Gregg Popovich ist nicht umsonst der beste Coach der Liga. Er muss - und wird - Antworten finden. 


• Indiana Pacers - Miami Heat, Gm. 5 (Stand: 3-1)
• San Antonio Spurs - Oklahoma City Thunder, Gm. 5 (Stand: 2-2)