30 Mai 2014

Akaeru | 30. Mai, 2014    @Akaeruu





Wisst ihr, was blöd ist (mal abgesehen von der eigenen Pigmentierung, die dir im Sommer maximal einen rötlichen Anblick spendiert, dafür aber unter deinen Achseln dickste Schablonen hervorzaubert; schönen Dank auch Richtung Wikinger-Vorfahren)? Wenn die eigene Jacht kein WLan besitzt, ihr gerade aus dem monegassischen Hafen abgelegt seid und dann die Neuigkeit über die Welt hereinbricht, dass die Clippers jetzt doch fix verkauft werden sollen. Was dann so ein komischer IT-Kerl auch umgehend erledigt. Blöd gelaufen.

Jedenfalls, die Clippers gehören nun wohl alsbald dem IT-Milliardären Steve Ballmer. Zumindest bis man (lies: die NBA) Donald Sterling die Franchise aus den braungebrannten Fingern entreißen kann (was unter Umständen durchaus noch dauern könnte; zumindest so ein bis zwei Fernsehinterviews, wie lange das auch immer dauern wird). Doch sollte der Deal tatsächlich über die Bühne gehen, dann bietet sich für die NBA im Allgemeinen, und für Steve Ballmer im Speziellen, eine überragende Möglichkeit. Also fernab der Tatsache, dass man den besten Point Guard und einen der besten Power Forwards bereits im Team hat, einen der besseren Coaches der Liga an seiner Seite weiß und im vielleicht attraktivsten Markt der Vereinigten Staaten angesiedelt ist. Nein, vielmehr kann man endlich - ENDLICH - die schlimmste Franchise von Grund auf renovieren. Ja, vielleicht sogar das „Flop City“ Label ablegen können. FROHLOCKET!

„Moment“, höre ich euch sagen, „so schlimm sind die Clippers doch gar nicht?“ Falsch. Die Clippers sind eine Seuche, eine Krankheit, und eine Hässliche dazu. Gehen wir mal kurz die beiden wichtigsten Punkte durch:

Punkt 1: Der Name. Laut eigener Aussage wurde der Name „Clippers“ deshalb ausgewählt, um den großen Segelschiffen, die durch die Bucht von San Diego schipperten, zu huldigen. Und auch, wenn die Idee sicherlich eine ganz nette ist, HAT HEUTZUTAGE VERF***T NOCH EINMAL NIEMAND MEHR ANGST VOR SEGELSCHIFFEN. „Oh Gott, seht nur am Horizont, ein mächtiges Segelschiff. Welch Gefahren wird es wohl an Bord haben?“ war bis zum 19. Jahrhundert vielleicht noch aktuell, aber welchen Teenager bekommt man heute dazu, wegen einem Segelschiff von seinem Smartphone aufzuschauen? Der lacht euch doch aus, googelt nach „How to build your own Harpune“, pfeffert euch die entgegen und spielt dann via Spotify „My heart will go on“. Nope, Clippers ist ein beschissener Name für eine Franchise.

Punkt 2: Die Jerseys. Home & Away mögen vielleicht noch ganz in Ordnung sein. Aber wer war bitte für diese hellblauen Ungetüme verantwortlich, die mehr als nur einen Zuschauer an einen Babystrampler erinnern? Womit wir schon beim Thema wären: Es gibt im Leben zwei Abschnitte, während denen es okay ist, als Mann hellblau zu tragen: 
  • Von Geburt an, bis zum ersten Einkauf, bei dem man selbst Klamotten aussuchen darf (variiert je nach Mutter)
  • Ab 35 Jahren, sofern man gezwungen wird, auf der Arbeit einen Anzug zu tragen
Das. Wars. 

Doch wir als serviceorientierter Webservice meckern nicht nur, nein, wir bieten auch Lösungen an. Die man besser beherzigen sollte. Und darum möchten wir dir, lieber Steve Ballmer, an dieser Stelle Möglichkeiten präsentieren, wie du deine, vielleicht sogar unsere, Franchise besser, frischer, neuer machen kannst. Hier fünf Namensvorschläge für ein erfolgreiches Rebranding inklusive Risikoanalyse:

Nummer Eins: Los Angeles Earthquakes

Was dafür spricht: In der Regel sollen Teamnamen nicht nur Schrecken suggerieren, sondern auch für lokale Spezialitäten stehen. Halt sowas wie „Pelicans“ für New Orleans: Auf der einen Seite ein gefürchteter Jäger, auf der anderen Seite aber eben auch Staatssymbol. Nun ist Los Angeles vielleicht nicht am bekanntesten für seine Erdbeben, aber irgendwo auf Platz Fünf oder Sechs dürften die Erdbeben schon landen. Und was macht einem bitteschön mehr Angst, als ein saftiges Erdbeben? Eben.

L.A. Riot Skala: 1/10
Sicher, ein paar Erdbeben-Enthusiasten werden sich dagegen wehren, den größten Teil der Stadt wird es aber kaum jucken. Und Restamerika bekommt eine schicke Assoziation.

***

Nummer Zwei: Los Angeles Dragons

Was dafür spricht: Game Of Thrones ist der heißeste Scheiß seit veganem Essen und Fitness-Apps für zuhause. Was aber macht die Serie so packend? Die Gefahr, sie zu gucken, nur um dann auf einen Buchleser zu stoßen? Sind es die Brüste und Penen … Penisse … Pennissimos … ihr wisst schon? Das herausragende Spiel von Leuten wie Peter Dinklage? Nein, es sind die Drachen. Drachen sind toll, das wusste schon Peter Maffay. Drachen sind aber auch gefährlich, berüchtigt und - aufgepasst - unwahrscheinlich scharf auf Gold. Wie Trophäen. Oder Ringe. Championship-Ringe. BWAHHR!

L.A. Riot Skala: 4/10
Cross-Promo geeignet? Check. Junge, hippe TV Stars, die angezogen werden? Check. Warum schlägt der Riot-Messer dann so aus? Seht ihr, ich komme aus der Nähe des Artlandes. Ich kenne die Dragons. Und deren Maskottchen. Wir haben gerade erst Pierre den Pelikan überwunden. Sind wir schon bereit für ein zweites skurriles Wesen, das kleine Kinder mit T-Shirts beschießt oder auf Rollschuhen umherskatet? Ich habe meine Zweifel.

***

Nummer Drei: Los Angeles Sorcerers

Wer zufällig kein Dark Souls oder D&D gespielt haben sollte (was zum Henker ist los mit euch?), hier eine kurze Beschreibung eines Sorcerers:

„someone who uses or practices magic that derives from supernatural or occult sources”  

Wisst ihr noch, was der Auslöser für die ganze Clippers-Kiste war? Kurzer Ausflug in die Vergangenheit: Ein Instagram-Bild mit Magic Johnson. MAGIC JOHNSON WAR QUASI DAFÜR VERANTWORTLICH, DASS DONALD SEINE GELIEBTE FRANCHISE VERLOREN HAT! Jetzt stellt euch mal folgendes Gespräch vor:
*In einer Vorlesung*
„Hey guys. Can anyone tell me, why they are changing the Clippers to the Sorcerers?”
“Because they used … Magic … to get rid of him.”
“Ahhhh.”
Das wäre es mir ja persönlich wert.

L.A. Riot Skala: n.a.
Ein Name, den nur Nerds verstehen und den man erklären muss, um seine Wirkung zu entfalten? Nicht Los Angeles geeignet.

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Nummer Vier: Los Angeles Lakers

Woah, woah, whoa, ganz ruhig, lasst mich erst erklären: Die Lakers sind Los Angeles, Los Angeles ist Lakers-Land. Die Stadt blutet purpur-gold, TV Stationen wollen sie zeigen und überhaupt niemand assoziiert als erstes die Clippers mit L.A. Nun müssen die Lakers jedoch kommende Saison rund 35 Mio. $ für die Hülle von Steve Nash und Kobe „ich finde schon, dass ich knapp 50M/2 Jahre wert bin“ Bryant berappen. Dazu gesellen sich X Millionen für den Erstrundenpick, sowie weitere Capfiller, um das Rostermaximum auszufüllen. Ganz objektiv schreit das alles nach Kobe Ball. Und darauf hat doch niemand ernsthaft, ERNSTHAFT Lust.

In diesem Szenario leasen die Clippers, pardon, L4k3rs, einfach den Namen des Stadtrivalen, erfreuen Fans, wie Sponsoren und kniffeln in der Zwischenzeit mit den ansässigen Colleges aus, wer auf seinen  Teamnamen für ein Forschungsstipendium verzichten will. Mit den Leasingeinnahmen stellen die Lakers währenddessen eine genaue Kopie der NBA in ihre Dienste, nur halt in Miniaturform. In der Hoffnung, dass Kobes 82PPG und Buzzerbeater-Dunk über Mini-LeBron in den Finals dafür reichen, dass Kobe sich zur Ruhe setzt und auf sein zweites Jahr freiwillig verzichtet.

L.A. Riot Skala: 7/10
Nach einem Jahr bemerken die Lakers-Fans plötzlich, dass man nie für Blake Griffin und Chris Paul getradet hat. Als man die L4k3rs nach einem Jahr wieder abgeben soll, fangen erste Stadtteile an zu brennen und Jack Nicholson bügelt seinen alten Joker-Anzug.

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Nummer Fünf: Los Angeles SuperSonics

Steve Ballmer hat mehr als einmal versucht, eine NBA Franchise nach Seattle zu holen. Heerscharen an NBA 90s „ES WIRD NIE EINEN BESSEREN GEBEN ALS MICHAEL JORDAN“ Fans hoffen auf eine Rückkehr der Sonics. Es scheint, als sei alles angerichtet für eine Neuauflage der I-5 Rivalität. Oder? Eher nicht, beziehungsweise scheint Steve Ballmer nicht so großartig Lust darauf zu haben, seine Franchise aus L.A. abzuziehen. Was aber, wenn Steve Ballmer durch Evil Steve Ballmer ausgetauscht wird und der die Clippers in SuperSonics umbenennt? Die ganze Stadt in grün hüllt, die alten Jerseys entstaubt, halt so richtig die Oldschool-Schiene fährt? 

L.A. Riot Skala: 10/10
Celtics-Grün in Los Angeles. Eine Stadt im Norden in Aufruhr (die Chancen, dass Seattle dann Pferde sattelt, Schwerter schärft und Rüstungen anlegt ist so wahrscheinlich, wie Assistenzärzte, die in Seattle von Oberärzten verführt und [insert Bravo-Slang] abgeschleppt werden). DIE GANZE NBA IN AUFRUHR! RIEGELT BESSER DIE GROVE STREET AB!