29 Mai 2014

Seb Dumitru | 29. Mai, 2014    @nbachefkoch




Am Donnerstag überschlug sich der NBA-Gerüchte-Flohmarkt mit einer Eilmeldung zum bevorstehenden beziehungsweise von der NBA mit Nachdruck forcierten Verkauf der Los Angeles Clippers: angeblich seien sich der auf Lebenszeit gesperrte ex-Besitzer des Klubs, Donald Sterling und seine ex-/noch-Ehefrau Shelly Sterling mit dem ehemaligen Microsoft-Chef Steve Ballmer aus Seattle einig geworden. Der kolportierte Verkaufspreis beträgt zwei Milliarden US-Dollar, fast vier Mal so viel wie die bisherige Rekordverkaufssumme von 550 Millionen, die erst vor wenigen Wochen für die glamourösen Milwaukee Bucks hingeblättert wurde.

Die LA Times schien sich sicher zu sein, dass Ballmer das erst vor wenigen Tagen eröffnete Wettbieten um die Clippers endgültig für sich entschieden habe.

"Former Microsoft chief executive Steve Ballmer won a frenetic bidding war for ownership of the Los Angeles Clippers, with his $2-billion offer setting a record price for an NBA team, The Times has learned."

Es dauerte keine 30 Minuten, ehe die USA Today unter Berufung auf ihre eigenen Quellen dagegen steuerte. Ballmer sei zwar einer der Meistbietenden und könnte letztendlich zwar das Rennen machen, von einem Verkauf seien alle involvierten Parteien aber meilenweit entfernt.

"No winning bidder has been declared in the Los Angeles Clippers sale, a person familiar with the situation told USA TODAY Sports, refuting news reports that former Microsoft CEO Steve Ballmer had reached a deal Thursday to buy the team." 

Was heisst das also? Zum einen, dass die Verkaufsverhandlungen weiter fortschreiten und viele "Wale" viele absurd hohe Gebote machen (sollten die Clippers die 2,1 Milliarden $ Hürde nehmen, wären sie das teuerste verkaufte Profiteam aller Zeiten, in allen Sportarten), dass man aber noch lange nicht an dem Punkt angekommen ist, wo eine tatsächliche Enteignung Sterlings oder der Sterlings als abgeschlossen betrachtet werden darf. Ich hatte schon vor Wochen, während die Euphorie keine Grenzen kannte, "weil man das Rassisten-Schwein" endlich aus dem Dorf vertrieben hatte", mehrfach gewarnt, dass Sterling ein gewiefter Kaufmann und Anwalt ist, der sein halbes Leben in Gerichtssäälen verbracht hat, alle Register ziehen und hier unter keinerlei Umständen leise abtreten wird - egal was Silver und die Liga entschieden haben werden.

Während Donald also die Clippers-Verkaufsverhandlungen seiner Frau überlassen hat, die das Team am liebsten bis zum Zusammenkommen der NBA-Besitzer am kommenden Dienstag abstoßen möchte, weil sie für das Familienanlagegut jetzt viel mehr Geld verlangen kann als bei einem von der Basketball Association oktroyierten Zwangsverkauf, bereitet der Donald eine gewaltige Klage gegen die NBA und ihre 29 Teambesitzer vor, sollten sie dem Urteil von David Silver geschlossen zustimmen und Sterling tatsächlich zwangsenteignen und aus der Liga schmeissen wollen. Nicht vergessen: Silver hat Sterling zwar auf Lebenszeit gesperrt, aber als de facto Zuarbeiter der Besitzer braucht auch der Commissioner mindestens 22 von 29 Stimmen, um den Pariah endgültig zu terminieren. Sterling hat diese Woche angekündigt, "bis zum bitteren Ende kämpfen zu werden."

Selbst, wenn jemand wie Ballmer von Shelly Sterling in den nächsten Tagen also tatsächlich den Zuschlag erhalten sollte - unter zwei Milliarden wird angesichts der zweitgrößten Standortes in den USA und einem bevorstehenden neuen TV-Vertrag nichts gehen - muss der Deal erst vom Besitzergremium der Liga abgesegnet werden (dürfte schwer werden, wenn Shelly Sterling unter Ballmer tatsächlich in einer Minderheitseigner-Kapazität mit an Bord bleibt, wie berichtet, und ein Selbstläufer, wenn sie nicht mit an Bord ist) sowie - und das ist viel wichtiger - die Unterschrift von Donald Sterling unter dem Kaufvertrag landen. Immerhin gehört das Team noch zur Hälfte ihm. Dieser letzte Punkt ist der entscheidende und der Grund, warum diese Story mit Vorsicht zu genießen ist. Obwohl die Kalkulation "gekauft für 12 Millionen, verkauft für 2 Milliarden" für die meisten von uns auch ohne Taschenrechner aufgeht, sollte man die Rechnung nicht ohne den greisen Muffel machen. Es ist schließlich immer noch Donald Tokowitz Sterling, von dem wir hier reden...