15 April 2014

Akaeru | 15. April, 2014    @Akaeruu





(Alles neu, macht der…April? Zugegeben, das haut nicht ganz hin, erfüllt aber vorerst seinen Zweck. Hchrmm… *Troy McClure Stimme an* Hi, mein Name ist Akaeru. Ihr kennt mich vielleicht von Geschichten wie dem „Knicks Märchen“ oder „Blazers Clutch“. Wenn nicht, dann ist auch nicht weiter schlimm. Jedenfalls, ich steh wahnsinnig auf Science Fiction Kram. Ob Filme, Bücher, Videospiele, you name it (siehst du, Wolfgang Joop? Ich kann das auch mit dem englischen Kram). Eines meiner liebsten Stilmittel dabei sind ja alternative Realitäten. Ob Brian & Stewie in einer Disney-Welt, Ryan und Taylor in einer Welt, in der Sandy und Julie verheiratet sind (ich weiß, krasser Scheiß damals) oder wasauchimmer: Alternative Realitäten sind trendy wie Snapbacks und merkwürdige Kaffeekreationen (das sage sogar ich als ausschließlicher Tee-Trinker). Darum ab sofort aus der NBACHEF Backstube: Ausgewählte NBA-Realtitätsbackwaren, zusammengestellt von euren Lieblingsbäckern. Hoffen wir zumindest.)

[Auszug aus „Eine Verletzung und vier Meisterschaften - eine Oklahoma City Thunder Geschichte (2058)“, mit freundlicher Genehmigung von NBAC Entertainment]

... Man sagt, in Momenten des Unglücks vergeht die Zeit langsamer. Alles um einen entschleunigt, bremst ab. „Passiert, wenn man aus Coolness nur in Zeitlupe geht.“, wie Rockstah sagen würde. Wie, wenn dein geliebter Hund dem Ball auf die Straße hinterherjagt und vom Auto erfasst wird. Wie, wenn du merkst, dass dein Burger nur noch einen Biss von der Unendlichkeit des Nichts entfernt ist. Wie, wenn du merkst, dass Firefly abgesetzt wird.

Schon den ersten Block von Russell hatte ich mit Unbehagen mitverfolgt. Zu frisch waren die Eindrücke seiner Knieverletzung, zu schrecklich der Gedanke an ein Portland-eskes Schicksal. An den zweiten Block kann ich mich im Nachhinein nicht einmal mehr erinnern. Man sagt, das menschliche Gehirn schaltet in bestimmten Momenten die Aktivitäten ab. Aus Schutz vor den Eindrücken. Man ertrinkt zum Beispiel nie bei vollem Bewusstsein, sondern fällt vorher in eine Ohnmacht. Ob dieser Umstand den Tod wohl erträglicher macht? Darüber sollen sich Philosophen streiten.

Die Ärzte sprachen die verhängnisvolle Diagnose noch gleich in der Halle. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Röntgenaufnahmen einen Hohlkörper dort offenbarten, wo sonst Bestandteile des Knies sein sollten. Angeblich sei der Schaden schlimmer, als für das Imperium bei der Vernichtung  des ersten Todessterns. Doch anders als jene Vernichtungswaffe war der Schaden irreparabel.

***

„Sam? Hast du eine Minute?“

Mir schwante Böses, als am nächsten Morgen Kevin in der Tür stand. Die Gerüchte, Kevin würde bei einem Nichtgewinn des Titels aus Oklahoma City abwandern wollen, hatte ich immer für ein Ammenmärchen gehalten. Für Spinnereien. Eine Geschichte aus der Fantasie.

„Klar Kevin, immer immer. Was kann ich für dich tun?“
„Es geht um Russell.“ Ich hatte es befürchtet. „Hör mal, es ist eine Sache, kaputte Verteidigungen während der Regular Season aus den Angeln zu heben. Eine andere, das in den Playoffs zu schaffen. Wir brauchen einen Spieler wie Russell. Ich brauche Russell. Du brauchst Russell. Der Westen ist umkämpft, schlimmer noch als in Game of Thrones. Wie sollen wir gegen unsere vielen Kontrahenten bestehen?“

Ich wusste es auch nicht. Die letzten Playoffs hatten unser Spiel ohne Russell der Lächerlichkeit preisgegeben. Jeder hatte gesehen, wie simpel unser Spiel in der Offensive aussieht. Ich hatte schon mit Scott darüber gesprochen, aber gemerkt, dass er uns nicht weiterhelfen könnte. Aber wie sollten wir uns einen teureren Trainer leisten? Die letzten Reserven hatten wir für den Goldspeicher im Stadtkern aufgebracht.

„Ich lass mir was einfallen, Kevin.“
„Besser wäre es.“

Der 'My Little Pony' Rucksack, den Kevin auf seinem Rücken trug, vermochte nicht den bedrohlichen Unterton in seiner Stimme wegzuwischen. „Was einfallen lassen…“. Das war einfacher über die Lippen zu bringen, als es in die Tat umzusetzen. Der erste Impuls in solchen Dingen war in der Regel, in New York anzurufen. Doch dort hatte man seit Kurzem sämtliche Telefonleitungen gekappt, kommunizierten nur noch mittels Rauchzeichen. Außerdem hatte der Zen-Meister meinen Versuch, Iman Shumpert zu stehlen, schnell durchschaut und abgeblockt. Der nächste Impuls führte einen für gewöhnlich zur E-Mail-Adresse der Sacramento Kings. Doch die verfügten seit dem Sommer über einen High-Speed-Internetanschluss, hatten das Video von Russells Verletzung als Erstes geteilt. Dann kam mir die Idee…Game of Thrones…die Männer in Schwarz…die Mauer…der Norden…
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…Norden…
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…Norden…

Das Tradefenster kam, dann ging alles ganz schnell. Gut, von Rubio wollte man sich in Minnesota schwerlich trennen, aber das Argument „Russell ist ein Top-5 Spieler“ zog letztendlich doch.

Schon am nächsten Tag konnten wir der NBA-Öffentlichkeit Kevin Love und Ricky Rubio präsentieren. Offseason wie Regular Season verliefen prächtig, Ibaka und Love schwangen sich zum besten Big Man Duo der Liga auf. KD legte konstant 35 Punkte pro Spiel auf, Ricky knackte den NBA Rekord an Vorlagen pro Spiel.

Der Zug durch die Playoffs war furioser als es Drachen in Game of Thrones vermochten. Der Finals-Sweep über die Miami Heat war eine Genugtuung sondergleichen.

Und dies war erst der Anfang.

Gut, die E-Mails aus Minnesota ein Jahr später waren weniger familienfreundlich. Aber einen getradeten Zweitrundenpick später waren die Gemüter wieder beruhigt. Man musste ihnen nur einen Knochen hinwerfen.

Wissen Sie, manchmal denke ich zurück. Zurück an Jeff. Zurück an James. Und zurück an Russell. Ich weiß nicht, ob Sie an die Multiversen-Theorie glauben. Ich tue es. Und während ich so daliege, im Pool, da frage ich mich, wie es wohl anderen Thunder-Teams ergangen ist. In Universen, in denen ich nicht Jeff für Kendrick tausche. In denen ich nicht James für Nichtigkeiten tausche. Und in denen sich Russell am 13. April 2014 nicht sein Knie pulverisiert. Ich möchte ehrlich zu Ihnen sein: Ich bin nicht unglücklich darüber, wie es sich für uns entwickelt hat.

Liebe Grüße,
Ihr Samuel P.