18 April 2014

Wolfgang Stöckl | 18. April, 2014    @WStckl




Playoffs, Baby! Nach einem elend langen Vorgeplänkel geht es ab diesem Samstag endlich ans Eingemachte. Verabschiedet euch also von euren Liebsten, legt alle Planungen und sozialen Verpflichtungen vorerst auf Eis und deckt euch mit reichlich Proviant ein, denn in den nächsten knapp acht Wochen gibt's nur Basketball - auch hier bei NBACHEF. Wir haben uns die acht Erstrunden-Serien angeschaut und für euch acht Erstrunden-Speisepläne zusammen gestellt. Bon Appetit!


Das erste Mal trafen diese beiden Mannschaften in den Playoffs 2001 aufeinander. Die jungen Mavs hatten gerade sensationell mit den Utah Jazz einen der Platzhirschen der Western Conference raus gekegelt, damit ihr Pulver aber auch gleich wieder verschossen. Die Spurs machten mit 4-1 kurzen Prozess. Das nächste Mal traf man in den Playoffs 2003 aufeinander. Die Spurs gewannen zwar mit 4-2, aber es ging schon deutlich knapper zu. Vielleicht hätten die Mavs jene Serie sogar gewinnen können, wenn nicht Dirk Nowitzki verletzungsbedingt drei Spiele hätte verpassen müssen. Die Spurs ließen sich danach nicht mehr aufhalten und holten den Titel.

Das nächste Aufeinandertreffen im Jahr 2006 sollte dann legendär werden. Dallas spielte eine klasse Serie gegen den amtierenden Champion und führte schon mit 3-1, ehe die Spurs zurückkamen und ausglichen. Auch im siebten Spiel in San Antonio führte Dallas bereits, aber auch diesen Rückstand holten die Spurs auf und gingen kurz vor Schluss durch einen Dreier von Manu Ginobili mit drei Punkten in Führung. Dann schlug die Stunde des überragend spielenden Nowitzki: er glich per Drei-Punkt-Spiel, die Partie ging in die Verlängerung und die Mavs schafften es dort endlich, den Champ niederzuringen.

Auch 2009 sollte Dallas die Oberhand behalten, als beide Teams schon in Runde eins aufeinander trafen. Dallas konnte relativ deutlich mit 4-1 gewinnen, profitierte aber von einer Verletzung Ginobilis. Im Jahr darauf waren im bisher letzten Playoff-Aufeinandertreffen dann wieder die Spurs am Drücker und revanchierten sich mit einem 4-2 Erfolg, ebenfalls wieder in Runde eins.

Da beide Städte in Texas beheimatet sind und durch diese vielen harten Playoffschlachten der letzten Jahre existiert durchaus eine gewisse Rivalität zwischen diesen beiden Franchises, so dass auch die neueste Neuauflage in dieser Saison wieder hitzig werden könnte.


• Season Series: 4-0 Spurs
• Als die Mavs das letzte Mal gegen die Spurs gewonnen haben, spielte Jason Kidd noch in Dallas und hatte ein Triple-Double.
• Die Bilanz der Mavs seit 2011 gegen ihren Southwest Division Kontrahenten sieht nicht gut aus: 2 Siege, aber 10 Niederlagen
• Die Spurs laufen wie eine gut geölte Maschine: sie sind ligaweit bei der eFG% und TS% die Nummer 2, haben aber gleichzeitig das viertbeste DRtg und das beste Net-Rating der gesamten NBA
• Die Spurs können nur Dreier? Falsch! Sie machen die siebtmeisten Punkte in der Zone, können ihr Spiel also problemlos auch nach innen verlagern
• Gleich sieben Spurs-Spieler erzielten in dieser Saison mindestens 11 Punkte pro Spiel gegen Dallas. Tony Parker führt den Pulk mit 23.3 PPG an
• Das Rebounding der Mavericks ist katastrophal, und die Spurs nutzen das aus: in vier Duellen gewann San Antonio den Kampf an den Brettern mit gigantischem Vorsprung (+9.3 RPG)
• Der Pop-Effekt: Nowitzki (16.7%) und Monta Ellis (14.3%) werden an der Dreierlinie perfekt verteidigt
• Die Mavs können in der Offensive mit den Spurs mithalten, sind auch dort in fast allen wichtigen Kategorien im ersten Drittel der Liga vertreten. Ihr ORtg ist mit 109.0 das zweithöchste der NBA
• Nur in Dallas' Defensive hapert es gewaltig. Beispiele gefällig? Platz 26 bei der Transition-Defense, Platz 24 bei den Def. Rebounds, Platz 25 bei der eFG% des Gegners und Platz 26 bei der gegnerischen eFG%.


Warum die Spurs gewinnen:
Die Spurs sind das beste Team der Liga. Das Team ist seit Jahren top eingespielt, der Ball läuft wie am Schnürchen, sie finden wie im Schlaf in ihre offensiven  und defensiven Sets. Sie treffen von draussen, sie punkten in der Zone, sie haben einen herausragenden Point Guard und einen immer noch bärenstarken Hall of Fame Big Man, der den Ring beschützt.  Sie verteidigen stark im 1-1 und als Team. Sie haben enorm viel Erfahrung und kennen jede Situation, jede Gefahr, die lauern kann.  Das einzige was den Spurs vielleicht fehlt, ist ein Spieler, der auch mal Punkte erzwingen kann, wenn es mal nicht rund läuft (siehe Durant, Kevin).


Für die Spurs war der Sieg der Grizzlies im letzten Saisonspiel gegen die Mavs ein wahres Geschenk. Die Mavs dürften ihnen deutlich besser liegen als die unagenehmen, sehr physischen Grizzlies. Alles was die Mavs gut können, können die Spurs besser. Dallas hat in der Verteidigung einfach viel zu wenig Substanz, um mit den Spurs mithalten zu können. Gerade am Brett sind die Mavs sehr verwundbar. Samuel Dalembert ist ab und zu zwar ein solider Center, aber sein Motor läuft keine 36 Minuten auf Hochtouren und er ist eben im Vergleich zu Tyson Chandler nur ein Teddybär in der Zone. San Antonio wird gnadenlos den Ball laufen lassen und die Mavs-Defensive und ihre langsamen Rotationen offenlegen. Während Parker José Calderon (oder wen auch immer im Mavs-Backcourt) vorführen darf, können sich Duncan, Tiago Splitter und Boris Diaw im Frontcourt fleißig den Ball zuwerfen, denn stören wird sie dabei keiner. Die Mavs können die Spurs weder von aussen noch in der Zone stoppen, weil sie defensiv zu den schlechtesten Teams der Liga zählen.

Warum die Mavericks gewinnen:
Die Mavs sind ein überdurchschnittlich gutes NBA-Team mit vielen beneidenswerten Stärken. Sie haben eine vielseitige Offensive, die nur sehr schwer zu stoppen ist und über unzählige Kniffe verfügt. Im Pick & Roll ist das Team von Rick Carlisle nicht nur eine echte Augenweide, sondern auch erschreckend effizient. Dallas hat einen ganzen Haufen starker Shooter, die jederzeit von Außen einstreuen können. Ellis und Devin Harris sind zwei schnelle Guards, die den Korb attackieren können, sie werden wohl auch möglichst oft gegen Parker gestellt, damit Calderon hinten nicht ganz so schlecht aussieht.


Mit Nowitzki hat man immer noch einen der effektivsten und abgezocktesten Crunchtime-Spieler der Welt, der bereits einen Titel gewonnen und mehrfach bewiesen hat, dass er ein Team im Alleingang tragen kann. Wenn die Mavericks vorne und vor allem von Aussen heiß laufen, müssen sich selbst die Spurs warm anziehen. Wenn neben Dirk und Monta auch noch Calderon seine Dinger macht und vielleicht sogar Vince Carter von der Bank brennt, hat dieses Team zuviel Firepower, egal für welchen Gegner. Vor allem Nowitzki und Shawn Marion kennen Duncan, Parker, Ginobili und Popovichs Systeme so gut, dass es keine Überraschungen geben wird. Die Mavs sind mit der Situation nur allzu gut vertraut: sie waren schon häufiger "klarer Außenseiter" gegen die erfolgreicheren Spurs und sind dann trotzdem weiter gekommen.