18 April 2014

Anno Haak | 18. April, 2014    @kemperboyd





Playoffs, Baby! Nach einem elend langen Vorgeplänkel geht es ab diesem Samstag endlich ans Eingemachte. Verabschiedet euch also von euren Liebsten, legt alle Planungen und sozialen Verpflichtungen vorerst auf Eis und deckt euch mit reichlich Proviant ein, denn in den nächsten knapp acht Wochen gibt's nur Basketball - auch hier bei NBACHEF. Wir haben uns die acht Erstrunden-Serien angeschaut und für euch acht Erstrunden-Speisepläne zusammen gestellt. Bon Appetit!


Portland schrieb eine der feel-good-stories der Anfangsphase der Saison. Bis Sylvester ließ es Rip City richtig krachen (25-7). Als die ersten „Warum Portland ein Contender ist“-Stories verfasst wurden, drohte Schritt für Schritt die Puste auszugehen, bis manche vom '12/13-Lotterie-2.0-Schicksal zu fabulieren begannen. Portland fing sich, gewann neun der letzten zehn Spiele und lief letztlich souverän in die Postseason ein - erstmals seit drei Jahren wieder.

Die Rockets gewannen im Sommer die goldene Himbeere für das schlechteste Executive-Video des Jahres, aber auch Dwight Howard. Der verlor (danke Lakers-Fan-Base) zwar den Starter Spot im All-Star-Game, half den Rockets aber auch, zum ersten Mal seit fünf Jahren die 50-Siege-Hürde zu nehmen. Was logische Folge einer in fast jeder Offensiv-Beziehung Top-5-NBA-Saison war; aber das Kielwasser der Platzhirsche aus San Antonio, OKC und LA verließen die Rockets letztlich nie. Während Portland als eines der heißesten Teams der Liga in die Postseason pflügt, rumpelte es bei den 5-und-5-April Rockets zuletzt eher.


• Season Series: 3-1 Rockets
• Defense wins championships, hm? Mal sehen: es treffen aufeinander das dritt- (Blazers) und das fünftschlechteste (Rockets) Playoff-Defensivteam. In den vier Partien dieser Saison blieben beide nie unter der 100-Punkte-Marke. Das 126-113 vom 20. Januar (Overtime? Gut, dass Ihr fragt: nein!) grenzte für Puristen an defensive Arbeitsverweigerung.
• Und noch eine Gemeinsamkeit: Staumeldungen in Downtown. Beide. Ballern. Dreier. Gewissenlos. 26,6 Versuche pro Spiel der Rockets (Platz 1) und insgesamt 2179 (über 60 mehr als die zweitplatzierten Hawks) gegenüber 25 pro Spiel in Portland bei den Blazers (Platz 3).
• Aber: nur gegen die Clippers und die Grindhäuser Oakland und Memphis trafen die vom Dreier abhängigen Raketen schlechter von Außen (34,6%) als gegen Portland. Die wissen um die Wichtigkeit des Dreiers und wie man ihn deckt - weil sie ihn eben selbst so häufig einsetzen
James Harden gegen die Trail Blazers mit Durantula-Anfall: 30,3 PPG/5,3 APG/7,3 RPG bei 48% FG und 46% Dreier
• Bei Dwight Howard gegen die Blazers alles normal so weit: knapp 26 Punkte, 14 Rebounds und 4 Blocks. Stark. Aber 4 Turnovers pro Spiel? Örks.
• Portland ist NBA-weit Nummer drei bei der Offensiv-Rebound-Percentage (28,0). Gegen Houston greifen sich Aldridge & co. sogar über 3 von 10 Fehlwürfen.
• Und nur passend: Houston sammelt weniger als drei Viertel der gegnerischen Fehlwürfe am eigenen Brett ein (Platz 20 ligaweit)
• Kaum ein Team ist fahrlässiger, wenn es um das Spielgerät geht: die Rockets leisten sich die zweitmeisten Turnovers pro Spiel (15,4) und die zweithöchste Turnover-Rate (14,6%)
• Lillard, Matthews, Batum, Aldridge und Lopez standen zusammen 1373 Minuten auf dem Parkett. Nur eine Fünf schaffte mehr. Das Net-Rating von Portlands erster Fünf war fantastisch (+8.5).


Warum die Rockets gewinnen:
Neu ist es nicht, aber „it’s the Heimvorteil, stupid!“ Die Rockets haben nicht nur beide Heimspiele im Toyota Center gegen Portland in der regulären Saison gewonnen, sie sind mit 33-8 auch eins der besten Heimteams der Liga überhaupt.

Dazu kommt: auch wenn der Dreier gegen die Blazers nicht wie gewohnt fällt, nagelte Houston in den vier Spielen gegen Portland ein Offensivrating von 114,6 aufs Parkett. Was auch daran liegt, dass es den Blazers an einem verlässlichen Perimeter-Verteidiger gegen den Unterschiedspieler Harden fehlt. Wen auch immer Stotts in die Pick & Roll Defense gegen den Bart schickte, wurde missbraucht.

Es fehlt Portland auch an Waffen gegen D12. Auch wenn man viel Phantasie braucht, um den Effekt des Sommertrainings mit „The Dream“ zu erkennen, können weder Aldridge noch Lopez den immer noch zweitbesten Center der Liga einfangen. Defensiv zeichnet er mitverantwortlich für die vergleichsweise schwache Quote (38,6 % FG gegen die Rockets) des dauerpenetrierenden Damian Lillard.

Abschließend ein letzter Griff in die Klischee-Kiste: die Erfahrung komplementiert Houston. Mit Howard und Harden steht Finals-Erfahrung an der Spitze der teaminternen Nahrungskette. Drei Serien gewann Howard mit seinem alten Team aus Orlando allein auf dem Trip in die Finals 2009. Das sind genauso viele wie Aldridge und Lillard zusammen in ihrer Karriere gespielt haben.

Warum die Trail Blazers gewinnen:
Portland ist heiß. Mikrowellenheiß. Das 9-1 zum Ende der Saison wurde schon genannt. Im April gab es sechs Ws aus sieben Spielen. Die früher immer für eine billige Pointe gute Defensive ist zumindest annehmbar geworden (DRtg 105,5 im April). Gegen die gefühlte Small-Ball-Lineup dürften sich die Blazers jede Menge zweite Wurfchancen erspielen. Immerhin sind die Blazers das drittbeste Team am offensiven Brett und treffen auf ein Team aus dem unteren Drittel am eigenen Glas (siehe oben). Der Chef sagt, dass Playoffserien auch am Brett gewonnen werden. Und der Chef hat bekanntlich immer Recht.


Die Gesundheit von Patrick Beverley ist ein großes Fragezeichen. Fehlen dem engagiertesten Verteidiger unter Houstons Guards auch nur ein paar Prozent, könnte das der Freifahrtschein zum Durchdrehen für Damian Lillard sein.

„It’s the crunchtime, stupid!“ In den letzten fünf Minuten wirft kaum ein Team den Ball öfter weg als Houston. Natürlich muss Dwight Howard nicht den Ballvortrag übernehmen. Aber die Freiwurfschwäche ist Supermans Kryptonit. Und sein Büchsenspanner Asik ist von der Linie ähnlich inkompetent wie der Ex-Laker. Ich lasse die Hack-a-irgendwas-Sprüche weg. Aber viel mehr als einen Big, der bereit ist, sechs Fouls auszuteilen, braucht es nicht, um Houston in der Crunchtime in arge Verlegenheit zu bringen. Und McHale wird kaum komplett ohne Pivoten durch die letzten fünf Minuten eines Spiels irren wollen…