19 April 2014

Pascal Gietler | 19. April, 2014    @PascalCTB




Playoffs, Baby! Nach einem elend langen Vorgeplänkel geht es ab diesem Samstag endlich ans Eingemachte. Verabschiedet euch also von euren Liebsten, legt alle Planungen und sozialen Verpflichtungen vorerst auf Eis und deckt euch mit reichlich Proviant ein, denn in den nächsten knapp acht Wochen gibt's nur Basketball - auch hier bei NBACHEF. Wir haben uns die acht Erstrunden-Serien angeschaut und für euch acht Erstrunden-Speisepläne zusammen gestellt. Bon Appetit!


Die beiden einzigen Playoff-Qualifikanten der „Titanic Division“ begegnen sich direkt in der ersten Runde und obwohl Rang 3 (Toronto) gegen Rang 6 (Brooklyn) auf den ersten Blick nicht so spannend aussieht, kann man sich auf einige enge Duelle einstellen. Die Saisonserie steht bei einem ausgeglichenen 2-2, drei dieser vier Spiele waren sehr knapp und wurden im Grunde durch die bessere Tagesform und das berühmte Quäntchen Glück entschieden.

Die Toronto Raptors waren vor allem nach dem Rudy Gay Trade eine durchaus konstante Mannschaft, die aufgrund ihrer Leistungen die komplette Stadt Toronto im Rücken hat. Die Brooklyn Nets, auf der anderen Seite, zeigten alles andere als eine konstante Saison. Im Borough hatte man mit Verletzungen zu kämpfen wie kaum ein anderes Team und eine richtige Identität konnte man erst nach dem Jahreswechsel finden.

Auf der Trainerbank sitzen sich zwei alte Bekannte gegenüber. Dwane Casey war drei Jahre lang der Co-Trainer von Nets-Coach Jason Kidd und beide konnten im Jahr 2011 die Meisterschaft mit den Dallas Mavericks gewinnen.


• Season Series: 2-2
• Die Raptors haben mit 48 Siegen einen neuen Franchise-Rekord aufgestellt
• Auch die 2013-2014 Brooklyn Nets haben sich einen Platz in den Franchise-Annalen gesichert: Mit 15 aufeinanderfolgenden Heimsiegen stellte man im Borough einen neuen Team-Rekord auf
• Die Toronto Raptors sind das einzige Team im Osten, welches sowohl im DefRtg als auch im OffRtg in der Top 10 steht (in beiden Kategorien auf Rang 9)
• Drei der vier Regular Season Begegnungen wurden mit weniger als 5 Punkten Differenz entschieden
Paul Pierce machte in erwähnten Spielen gegen die Raptors im Schnitt 19,7 Punkte und traf starke 59,5% von Downtown.
Kyle Lowry mag die beiden NYC-Teams anscheinend. Sowohl gegen die Knicks als auch gegen die Nets zeigte Lowry in der Regular Season starke Leistungen und schenkte Brooklyn im Schnitt 22 Punkte bei 50% FG ein
• Nur die Los Angeles Lakers haben eine schlechtere Reboundrate als die Nets (47,8%)
• Torontos Experiment mit Lowry und Greivis Vásquez sieht nach einem vollen Erfolg aus: Wenn beide zur selben Zeit auf dem Parkett stehen, haben die Raptors ein NetRtg von +14,9.
• Die Gegner der Brooklyn Nets verursachen in jedem sechsten Angriff (6.25) einen Turnover. Nur die Miami Heat verursachen mehr Chaos im gegnerischen Spielaufbau


Warum die Raptors gewinnen:
In der Serie Toronto-Brooklyn spielt der Heimvorteil eine große Rolle. Die Raptors haben Homecourt-Advantage und eine Sache ist so sicher wie der Ahornsirup auf den morgendlichen Pancakes: Die Fans werden ins Air Canada Center pilgern und ihre Mannschaft nach fünf Jahren ohne Playoffs bis zur letzten Sekunde anpeitschen. Das junge Raptors-Team muss diese Energie irgendwie verwerten und die Heimspiele gewinnen.

Die Big Men der Raptors sind unter den Brettern gefordert. Gerade am offensiven Ende sollte man sich darauf konzentrieren, gegen die Small Ball-Nets den einen oder anderen Rebound zu picken, um die einfachen Second Chance-Points zu verwerten und in einem knappen Spiel somit einen kleinen Schritt in Richtung Momentum-Changer zu gehen.

Die Raptors müssen auf die Perimeter-Shooter der Nets aufpassen. Besonders Paul Pierce sorgt auf der Power Forward-Position für ein enormes Mismatch in der Verteidigung. Sowohl ihn als auch Mirza Teletovic von der Bank sollten die Raptors bestmöglich verteidigen und immer eng decken. Dwane Casey sollte vielleicht mal testen, wie sich eine kleine Raptors Line-Up gegen die Nets schlagen würde.

DeMar DeRozan muss seine individuellen Fähigkeiten unbedingt in den Dienst der Mannschaft stellen. Er hat enorme Fortschritte in der Offensive gemacht und zeigt mittlerweile eine passable bis phasenweise gute Shot-Selection. Mit 4 Assists pro Spiel beweist er außerdem, dass er ein Auge für seine Mitspieler hat. Es könnte den guten Offensive-Flow der Raptors killen, wenn DeRozan überdreht. Generell ist DeRozan mit seiner Athletik eine Schlüsselfigur in dieser Serie und wird mit seinem Backcourt-Kollegen Kyle Lowry beweisen müssen, dass die guten Leistungen aus der Regular Season nicht nur gegen Teams wie die Bucks oder Sixers möglich sind, sondern auch auf der großen Bühne abgerufen werden können.

Warum die Nets gewinnen:
Die Brooklyn Nets sind laut eigener Aussage „built for the Playoffs“. Diese Behauptung gilt es jetzt zu beweisen. In den Spielen gegen die Miami Heat hat man beispielsweise gesehen, dass die Brooklyn Nets sich nicht von Medien oder Lampenfieber nervös machen lassen. Abgezockt und unbeeindruckt hat man den Serienmeister 4-0 geschlagen. Warum das wichtig ist? Weil sich die Nets auch vom „Hexenkessel“ Air Canada Center wohl ähnlich unbeeindruckt zeigen werden. Brooklyn braucht zwingend mindestens einen Auswärtssieg, und für die Psyche wäre ein Sieg direkt im ersten Spiel von enormer Wichtigkeit. Auch wenn die Stimmung im Barclays Center vermeintlich schlechter ist, haben die Nets in dieser Saison gezeigt, dass sie gerne zu Hause spielen. Trotz des verkorksten Saisonstarts hat man mit 28 Siegen bei 13 Niederlagen die drittbeste Heimbilanz der Eastern Conference.



Nicht nur auswärts sondern auch in der Crunch-Time müssen die Nets ihre Erfahrung ausspielen. Die Spieler der Nets haben insgesamt schon 399 Playoff-Spiele auf dem Buckel - ein gigantischer Vorteil gegenüber Toronto (nur insgesamt 24 Playoff-Partien der Protagonisten). In der Crunch-Time kann im Grunde jeder Nets-Starter sowohl am defensiven als auch am offensiven Ende ein spielentscheidender Faktor werden. Mit Shaun Livingston hat Coach Kidd einen sehr guten Backcourt-Verteidiger zur Verfügung, der definitiv in der Lage sein wird, die offensivstarken DeRozan und Lowry vor große Herausforderungen zu stellen. Livingston kann gerade bei Jumpern und im Spielaufbau mit seiner Länge für enorme Probleme sorgen.

Die Bank der Nets braucht sich in der Tiefe vor keiner anderen zu verstecken. Gerade Teletovic und Marcus Thornton können längere Phasen oder sogar ein ganzes Viertel zugunsten der Nets entscheiden, wenn sie von Downtown richtig Feuer fangen. Spieler wie Andrei Kirilenko oder Mason Plumlee könnten in der Defensive Stopps generieren. Selbst ein Andray Blatche ist aufgrund seines Skill-Sets in der Offensive für die meisten Verteidiger ein sehr unangenehmer Angreifer. Im Vergleich der Bänke heißt der Sieger zwischen Brooklyn und Toronto ganz klar: Brooklyn!