17 April 2014

Seb Dumitru | 17. April, 2014    @nbachefkoch




Playoffs, Baby! Nach einem elend langen Vorgeplänkel geht es ab diesem Samstag endlich ans Eingemachte. Verabschiedet euch also von euren Liebsten, legt alle Planungen und sozialen Verpflichtungen vorerst auf Eis und deckt euch mit reichlich Proviant ein, denn in den nächsten knapp acht Wochen gibt's nur Basketball - auch hier bei NBACHEF. Wir haben uns die acht Erstrunden-Serien angeschaut und für euch acht Erstrunden-Speisepläne zusammen gestellt. Bon Appetit!


"Bestes Team der Eastern Conference, lange Zeit klarer Contender, zuletzt aber erfolglos und nur noch Symbol unzähliger Weltuntergangsszenarien" trifft auf "schlechtestes Team der 2014er Playoffs, einer Playoff-Teilnahme lange unwürdig, zuletzt aber in Topform und mit sechs Siegen aus den letzten acht Partien." Welche Pacers-Mannschaft werden wir sehen? Gehen die Hawks in ihrer Außenseiter-Rolle wieder auf? Ist diese Erster gegen Achter Serie eine eindeutige Angelegenheit, oder schlummert in ihr mehr Upset-Potential als einst bei Denver gegen Seattle?

Indiana dominierte den Osten von Oktober bis März (46-13), fiel danach aber in ein tiefes Loch (nur noch 10-13 seither) und büßte bei vielen Beobachtern und Experten den Status als erntszunehmender Titelherausforderer ein. Ob Übermüdung, Langeweile oder tiefer sitzende Teamchemie-Pickel letztendlich Quell des Pacers-Zerfalls waren, darf bei den Tempomachern heute keine Rolle mehr spielen. Der sprichwörtliche Schalter, er muss nun umgelegt werden.

Mit den Hawks fordert eine Mannschaft heraus, die monatelang alles versuchte, um die Playoffs nicht zu erreichen, sich letztendlich aber der desolaten Eastern Conference Situation fügen musste und jetzt doch froh ist, hier zu sein. Gegen Indiana konnte das Team aus Georgia zwei der vier regulären Duelle gewinnen und sieht fast immer besser aus, als es die meisten anderen Teams tun.


• Season Series: 2-2
• Beim 88-107 Anfang April bewerkstelligten die Pacers nur 23 Punkte in der ersten Hälfte - einer von gefühlten 500 Tiefpunkten in den vergangenen sechs Wochen, aber ein folgenschwerer.
• Atlanta nimmt die zweitmeisten Dreierversuche der Liga (25.8 pro Spiel) und trifft die zweitmeisten (9.4 pro Spiel)
• Atlanta ist zusammen mit den Spurs eins der zwei uneigennützigsten Teams der Liga (24.9 Assists pro Abend, 19% Assist-Rate)
Pero Antics Zahlen gegen die Pacers in dieser Saison: 17 Punkte pro Spiel bei 72% FG und 60% von Downtown
Roy Hibberts Zahlen gegen die Hawks in dieser Saison: 5 PPG, 3.8 RPG und 28% FG
• Indiana ist in eigener Halle kaum zu schlagen: 35-6 Siege bedeuten die beste Heimbilanz der NBA
• Indiana stellt die mit Abstand beste Defensive der NBA (DRtg 96.7)
• Mit C.J. Watson auf dem Parkett gewinnen die Pacers 76% ihrer Spiele (47-15), ohne ihn nur 45% (9-11)
Jeff Teague trifft gegen George Hill und die Pacers-D nur 35% seiner Würfe. Auch seine Punkte- und Assists-Ausbeute (14.3 PPG, 4.3 APG) sinkt gegenüber seiner regulären Werte (16.5 PPG, 6.7 APG, 44% FG) drastisch


Warum die Pacers gewinnen:
Indiana hat die Saison an Nummer eins beendet und sich den Heimvorteil durch die Eastern Conference Finals hindurch gesichert. Die beinahe makellose Bilanz im trauten 'Fieldhouse' (35-6) darf als X-Faktor nicht missachtet werden. Wie wichtig dieser strategische Vorteil gerade in den Playoffs immer wieder wird, wenn's hart auf hart kommt, ist bekannt. Legen die Pacers also ihre Unruhe und die Beklemmungen der letzten Wochen ad acta und sind sie in der Lage, einfach weiter zu blättern, werden sie feststellen, dass sie Teil eins ihrer Mission erfolgreich beendet haben: der Top-Spot im Osten gehört ihnen.


Atlantas durchschnittliche Offensive wird eine der besten Verteidigungen aller Zeiten nicht konstant in Bedrängnis bringen können. Die Pacers verstehen es, ihrem Gegenüber die besten Optionen weg zu nehmen. Hill und Paul George werden dem quirligen Teague die Penetration verweigern und damit das Passspiel der Hawks lahmlegen. Ohne Passspiel keine freien Würfe von Downtown, und ohne freie Würfe keine hochprozentigen Looks für Atlanta, das über keine verlässliche Isolations-Optionen im Angriff verfügt. In der Defensive fehlen den Hawks die Stopper auf dem Flügel und die Rebounder in der Zone (Platz 28 bei der Glasarbeit). Playoff-Serien werden bekanntlich hinten und am Brett gewonnen - wo Indiana gigantische Vorteile aufweist. Das, in Verbindung mit einem gegen Atlanta stets gut aufgelegten David West (50% FG), der Paul Millsap meist komplett aus dem Spiel nimmt (nur 8.8 PPG bei 31% FG gegen Indiana, nur 26% FG direkt gegen West), wird für den Favoriten zum lockeren Warmlaufen in dieser Runde ausreichen.

Warum die Hawks gewinnen:
Viele Teams taten sich gegen die gefürchtete Verteidigung der Pacers schwer - nicht aber die Hawks. In vier Duellen konnte Atlanta nicht nur zwei Partien für sich entscheiden, sondern zeigte dort auch noch den effizientesten Offensivbasketball aller Eastern Conference Teams. Die Klatsche Anfang April, als Indiana einen neuen Negativrekord aufstellte, ist sicherlich noch in den Köpfen aller Beteiligten und verschafft dem Außenseiter einen psychologischen Vorteil.

Apropos Außenseiter: die Hawks sehen sich gar nicht in dieser Rolle, denn mit sieben Siegen aus den letzten zehn waren sie zuletzt eines der heißesten Teams der Liga - und nur das zählt bekanntlich, nicht die Leistungen im Januar oder Februar. Coach Budenholzer kann mit Pero Antic in der Startformation gleich von Beginn an fünf Dreierschützen auf's Parkett beordern und die Pacers-Defensive damit bis zum Zerbersten auseinander ziehen. Antic machte gegen Indiana bisher, was er wollte und degradierte Hibbert zum Statisten.

Ohne Hibbert ist innen Platz, um die Nahtstellen zu attackieren und wieder nach Außen zu passen, wo Kyle Korver wartet und mehr Dreier versenkt, als er nimmt. Die Psyche der Pacers ist fragil, die Teamchemie seit dem Bynum-Signing und dem Trade von Danny Granger für Evan Turner ganz offensichtlich nicht mehr die selbe. Der leiseste Zweifel an den eigenen Fähigkeiten reicht für Atlanta schon aus, um ein Spiel in Indiana zu klauen und der Serie dann in Atlanta den eigenen Stempel aufzudrücken. Die Hawks haben sich - im Gegensatz zu Indiana - gefunden. Und sie haben nichts zu verlieren. Genau das verleiht in den Playoffs Flügel.