19 April 2014

Onur Alagöz | 19. April, 2014    @LakersParadigm




Playoffs, Baby! Nach einem elend langen Vorgeplänkel geht es ab diesem Samstag endlich ans Eingemachte. Verabschiedet euch also von euren Liebsten, legt alle Planungen und sozialen Verpflichtungen vorerst auf Eis und deckt euch mit reichlich Proviant ein, denn in den nächsten knapp acht Wochen gibt's nur Basketball - auch hier bei NBACHEF. Wir haben uns die acht Erstrunden-Serien angeschaut und für euch acht Erstrunden-Speisepläne zusammen gestellt. Bon Appetit!


Während der Osterzeit liegen biblische Analogien auch im Sportjournalismus nahe und beinahe schmerzhaft muss man hier einen Vergleich bemühen, der schon fast totgedroschen, aber unheimlich passend ist: Der klassische David gegen Goliath.

 Die einen sind zweifacher Champion in der Mission Threepeat, ein leuchtendes Starensemble in einer der heißesten Städte des Landes. Die Anderen eine gebeutelte Franchise, noch kürzlich die Lachnummer der Liga und nur langsam auf dem Weg zur Besserung. 
Und anders als in der  heiligen Schrift haben die Underdogs hier kaum eine nennenswerte Chance: Die Miami Heat sind solange Champion, bis sie einer schlägt und trotz offensichtlicher Motivationsprobleme und einem unsicheren Vertragssommer sind sie den Charlotte Bobcats bei Weitem überlegen.

Charlotte hat zumindest in dieser Saison eine solide Defensive und mit Al Jefferson einen Spieler von All-Star Format gestellt. Erstjahrescoach Steve Clifford konnte defensiv an den richtigen Rädchen drehen und so den ersten Playoffeinzug seit 2010 erreichen. Trotz der beinahe aussichtslosen Situation kommen die Katzen mit ordentlich Auftrieb an, 7 der letzten 8 Partien konnte man als Sieger abhaken.



Zeitgleich in South Beach: Alles bisher war Vorgeplänkel und reine Formalität. Für die Heat fangen die Playoffs nicht jetzt an, sondern erst in den Eastern Conference Finals. Die vierten Finals in vier Jahren stehen als Mindestziel an. Der dritte Titel in Folge würde den einzig positiven Schluss für diese Saison bedeuten. Aber wie bereits erwähnt plagten die Heat die gesamte Saison über die üblichen Gebrechen nach gewonnen Meisterschaften: Verlust von Hunger, ein Mangel an Motivation, Müdigkeit. Wie wenig den Heat die reguläre Saison bedeutet, zeigt ein Blick auf die letzten drei Spiele, die sie allesamt abgaben, obwohl sie noch aus eigener Kraft Erster im Osten hätten werden können.


• Season series: 4-0 Miami
• Am 3. März brannte LeBron James in eigener Halle ein Scoring Feuerwerk gegen die eigentlich standfeste Bobcats-Defensive ab: 61 Punkte, neuer Karrierebestwert und Teamrekord
• Nur einige Wochen vorher durfte auch Carmelo Anthony ran und legte sogar vor: 62 Zähler für ihn. Somit haben die Bobcats diese Saison die zwei höchsten Punkteausbeuten für einen gegnerischen Spieler zugelassen.
• Achja, LeBrons Werte gegen Charlotte: 37,8 Punkte, 6 Rebounds und 5,5 Assists bei 62,9% (!) FG und 56,3% (!!!) von der Dreierlinie.
Dwyane Wade gegen Vater Zeit: Nur 54 Spiele absolvierte der Shooting Guard heuer, seine 19 Punkte im Schnitt bedeuteten den niedrigste Schnitt seiner Karriere seit der Rookie Saison
Chris Bosh schreiendes Gesicht nach Dunks ist das unansehnlichste der Liga (Platz 1 ligaweit).
• 32-9 ist die Heimbilanz der Heat, die fünftbeste der Liga in eigener Halle
• Ein Defensivrating von 103,8 für die Bobcats bedeutet ebenfalls den fünften Rang ligaweit
• Das Offensivrating der Heat wiederum ist mit 110,9 auch auf Platz 5
• Miami erzwingt mit 16,6 Turnovern pro Spiel die zweitmeisten der Liga – die Bobcats passen aber auch am besten auf den Ball auf (nur 12,3 TO/G)


Warum die Heat gewinnen:
Die Heat haben sowohl offensiv als auch defensiv alle Mittel, um die Bobcats schon nach vier Spielen zum Angeln zu schicken. James alleine ist vom gesamten Teamverbund nicht zu stoppen, aber die Heat sind auf jeder Position und in allen Belangen haushoch überlegen.

Die Trap- oder Swarming-Defense der Heat, wie man sie auch bezeichnen möchte, wird dem Ballführer Kemba Walker schon sehr bald den Schneid abkaufen. Dieses frühe Stören beim Aufbau des Spiels und bei Pick & Rolls bringt in die ohnehin sehr behäbige Truppe aus Charlotte Unruhe, verursacht Turnovers. Und wie man Turnovers bestraft, das wissen die Heat besser als jeder Andere.



Selbst mit einem noch nicht wieder 100% fitten Wade haben die Bobcats eigentlich keine Chance. Wundern würde es mich nicht mal, wenn Coach Spoelstra den Selbigen sogar in seiner Spielzeit limitiert, um ihn für die folgenden Runden zu schonen. Zu schnell sind die Rotationen in der Defense und es gibt keinen echten Verteidiger für James, Wade und Bosh. Da kann auch die gute Team-Defense der Cats nichts ausrichten. Die oftmals beschriebenen, eklatanten Mängel der Heat am Brett sind kein Faktor, der groß genug ist, um diese Serie auch nur annähernd spannend zu gestalten.

Wie eingangs erläutert: die Heat sind zu diesem Zeitpunkt nur von Wettskandalen, Naturkatastrophen und den Außerirdischen aus Space Jam zu schlagen. Zweimal in Folge Champion zu werden ist eine enorme Leistung, exponentiell höher jedoch der Threepeat. James lässt sich sicherlich hier nicht die Butter vom Brot nehmen. Die Heatles nehmen die erste Runde kaum ernst und daher besteht weder für mich, noch für die Heat, auch nur der geringste Zweifel, wer hier in die zweite Runde einzieht. Die Heat haben mindestens einen weiteren Gang, das ist unbestreitbar. Wenn sie auch nur ansatzweise ihrem Können gerecht werden, wird das eine eindeutige Sache.

Warum die Bobcats gewinnen:
Puh.. Lasst mich mal nach irgendeiner Statistik schauen… Ähm... Ach ja, hier: Al Jefferson legte gegen die Heat im Schnitt 25 und 15 auf, mindestens ein Spiel im 35/18er Rahmen ist also durchaus im Bereich seiner Möglichkeiten. Die Heat Big Men sind notorisch schwach am eigenen Brett, durch Second Chance points oder im Post kann 'Big Al' Akzente setzen.
Wenn Kemba Walker eine gute Serie erwischt, werden zumindest die Heat-Guards Schwierigkeiten damit haben, ihn zu decken. Bisher agierte Walker gegen die Heat nur sehr ineffizient, der so wichtige Dreier fiel mit gerade einmal 26,3%. Hier muss er der grundlegende Aggressor sein, Chalmers und Cole attackieren so oft es geht. Der junge Point Guard hat aber schon am College bewiesen, dass er in entscheidenden Situationen zur Stelle ist.


Auch Michael Kidd-Gilchrist, der als Scorer kaum eine Gefahr darstellt, muss sich auf seine Fähigkeiten verlassen, die ganz eindeutig in der Defense liegen. Zwar hat das in den vier Spielen während der regulären Saison überhaupt nicht funktioniert, aber wenigstens muss er dafür sorgen, dass sich James jeden einzelnen Punkt hart erarbeitet. Gerald Henderson bringt dringend benötigtes Perimeter-Scoring, kann heiß laufen und ist immer für mindestens einen Posterdunk zu haben. Auch über Kleinigkeiten sollte man sich freuen.

Insgesamt sieht das zugegebenermaßen schon recht düster aus für Charlotte. Aber für die Bobcats, die vor gerade einmal zwei Jahren die schlechteste Bilanz aller Zeiten hatten, ist zumindest ein Achtungssieg in eigener Halle nicht unmöglich. Es wäre ein immenser Fortschritt und ein Fundament, auf dem man in den kommenden Jahren aufbauen kann.