19 April 2014

Marc Lange | 19. April, 2014   





Playoffs, Baby! Nach einem elend langen Vorgeplänkel geht es ab diesem Samstag endlich ans Eingemachte. Verabschiedet euch also von euren Liebsten, legt alle Planungen und sozialen Verpflichtungen vorerst auf Eis und deckt euch mit reichlich Proviant ein, denn in den nächsten knapp acht Wochen gibt's nur Basketball - auch hier bei NBACHEF. Wir haben uns die acht Erstrunden-Serien angeschaut und für euch acht Erstrunden-Speisepläne zusammen gestellt. Bon Appetit!


Es ist angerichtet: In Kalifornien wartet die vermeintlich spektakulärste erste Playoffrunde auf uns. Der Dreierhagel der 'Splash Brothers' trifft auf die Highlightfraktion aus Lob City. Offensivbasketball steht in dieser Serie ganz klar im Vordergrund und der Unterhaltungswert der Partien sollte stets irgendwo zwischen "OMG" und "Hast du das gesehen?!" liegen. Zwar herrscht zwischen beiden Teams keine langjährige und intensive Rivalität, allerdings war in den letzten beiden Jahren deutlich zu beobachten, dass sich die Clippers und Warriors nicht sonderlich grün sind. Ein Punkt, der dem Match-Up noch das letzte gewisse Etwas verleiht.

Die Clippers reiten weiter auf ihrer Erfolgswelle aus dem letzten Jahr. Der Franchise-Rekord an Siegen in der Regular Season wurde auf 57  ausgedehnt und mit Rivers ist nun ein Playoff-Erfahrener Coach mit an Bord. In Kombinationen mit den geschickten Verstärkungen für die Kaderbreite wird es interessant zu beobachten sein,  ob die Clippers in ihrer Entwicklung den nächsten Schritt machen können oder in den Post Season wieder zu alten Mustern neigen werden (zu soft, mentale Probleme etc.).

Die Warriors haben ihre erste 50-Win-Season seit 20 Jahren gespielt und konnten sich im starken Westen erneut behaupten. Allerdings plagen das Team von Mark Jackson zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt einige Verletzungssorgen im Frontcourt. Dafür lief es in den letzten Wochen  umso besser bei Steph Curry, dem noch splashigeren der beiden Splash Brothers - was für ein mögliches Weiterkommen allerdings auch die Voraussetzung ist.


• Season Series: 2-2
• Die Warriors trafen diese Saison 774 Dreier und rangieren damit ligaweit auf Platz 2 hinter Houston, die fünf Dreier mehr einnetzten
• Die Clippers sind die Spitzenreiter im Offensivrating (112.1) und bei der Punkteausbeute (107.9 pro Spiel)
• Beim ersten Aufeinandertreffen der beiden Teams durften die Clippers unglaubliche 50-mal an die Freiwurflinie, Chris Paul allein 17-mal (16 Treffer)
• In drei Partien gegen Golden State kam Chris Paul auf durchschnittlich 28 Punkte, 12.7 Assists und 4 Rebounds
• Längste Siegesserien in dieser Saison: Clippers 11, Warriors 10 - beide Mannschaften sind also sehr streaky
Steph Curry trifft gegen die Defense der Clippers in dieser Saison 58,6 Prozent seiner Dreier
• Die Warriors gewannen diese Saison nur 27 Heimspiele, das Team von Doc Rivers hingegen 34. Der Heimvorteil ist also bei den Clippers viel stärker ausgeprägt
• 1248 - Die Anzahl an Turnovern, die sich Golden State in dieser Saison erlaubt hat. Nur acht Teams haben noch öfter den Ball hergeschenkt.
Jamal Crawford hatte in allen Begegnungen große Probleme. Der zweitbeste Scorer der Clippers erzielte gegen die Dubs durchschnittlich fast vier Punkte weniger und traf dabei nur 38,6 Prozent aus dem Feld und 21,4 von der Dreierlinie


Warum die Clippers gewinnen:
Die Clippers haben diese Saison bewiesen, dass mit ihnen zu rechnen ist. Offensiv folgt meist ein Feuerwerk nach dem anderen, und auch in der Defensive konnte man sich stabilisieren. DeAndre Jordan hat sich zum langersehnten Anker der Verteidigung entwickelt und regiert an den Brettern mit 13,6 Rebounds pro Spiel. Das Pendant auf der Gegenseite, in Form von Andrew Bogut, wird verletzt ausfallen. Der Australier tritt offensiv zwar nur selten in Erscheinung, hält aber die Defensive der Warriors zusammen und kann gegnerische Spieler zur Weißglut treiben. Boguts elitärer Wert bei den Defensive Win Shares (4,1) unterstreicht, wie wichtig er für dieses Team ist. Seine Abwesenheit wird besonders Blake Griffin freuen, der diese Saison schon öfters mit dem Hünen aneinander geraten ist und ein Problem weniger hat, mit dem er sich auseinander setzen muss.

Die Warriors werden somit noch mehr Probleme bekommen, Griffin zu stoppen, der sich diese Saison endgültig als einer der besten Spieler auf der Power Forward Position etabliert hat. Hinzu kommen all die anderen Offensivwaffen der  Clippers: Paul, Crawford, J.J. Redick und teilweise sogar Matt Barnes und Darren Collison, die großartiges Spacing bieten und dadurch Griffin wiederum mehr Platz zum Agieren in der Zone ermöglichen. Es ist eigentlich kaum zu erwarten, dass die Warriors ohne ihren wichtigsten Verteidiger auch nur einmal weniger als 100 Punkte zulassen werden.

Auch in der Defensive werden die Clippers ihre Vorteile nutzen. David Lee ist noch angeschlagen und wird so wohl kaum in der Lage sein gegen Griffin, Jordan oder sogar Glen Davis Bäume auszureißen. Also wird das Tätigkeitsgebiet der Warriors-Offense zum größten Teil wieder am und um den Perimeter liegen. Curry, Klay Thompson und Konsorten werden von Draußen draufhalten, was das Zeug hält und versuchen, die momentan nicht vorhandene offensive Präsenz im Lowpost zu kaschieren. Bei dem Volumen an Würfen von 16 Fuß (oder mehr) Entfernung kann es allerdings für Golden State schnell dunkel werden, wenn es mal nicht so gut läuft und die Würfe nicht fallen. Besonders haarig für Curry wird außerdem, dass er sich die ganze Serie über mit einem elitären Verteidiger, wie Paul es nun mal ist, auseinandersetzen muss. Im Großen und Ganzen können die Warriors ohne Bogut und mit einem halben Lee gegen die ausgeglichenen und fitten Clippers nicht bestehen.







Warum die Warriors gewinnen:
Ist der Ausfall von Bogut wirklich so fatal?  Letztes Jahr konnte man ohne einen Leistungsträger auch die favorisierten Denver Nuggets in sechs Spielen eliminieren. Warum sollte das nicht noch einmal gelingen? Immerhin sind die Clippers von der Spielanlage her ähnlich wie die Nuggets von letztem Jahr. Außerdem hat Curry in den letzten Spielen noch einmal ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt und getroffen, wann und wie er wollte. Die Clippers waren für die 'Splash Brothers' diese Saison allgemein ein gutes Pflaster (Curry mit knapp 59%, als Team mit immerhin respektablen 41,4 Prozent von Downtown). Harrison Barnes könnte ebenfalls wieder ein offensiver X-Faktor werden - trotz einer enttäuschenden Regular Season. Seine 30 Punkte im letzten Saisonspiel gegen Denver waren vielleicht ein Befreiungsschlag. Es wäre zumindest perfekte Zeitpunkt, da Barnes nach dem Bogut-Ausfall wohl vermehrt Minuten auf der Vier sehen wird.


Auch defensiv sieht es gar nicht so schlecht aus, wie jetzt getan wird. Mit Iguodala hat man immer noch einen der besten Individualverteidiger der Liga auf dem Flügel. Der 30-Jährige führte die Warriors innerhalb von nur einer Saison von Platz 13 unter die Top-5 im Defensiv-Rating. Auch Thompson kann seine Gegenspieler in den meisten Fällen vor sich halten. Hinzu kommt ein bulliger Draymond Green, der sich in seine Gegner richtig verbeißen kann. Green ist ein Spieler, der alle kleinen Dinge auf dem Feld tut und mit unbändigem Willen, Leidenschaft und auch der nötigen Härte spielt, die in den Playoffs dringend benötigt wird. Und genau das ist der Knackpunkt: Schaffen es Akteure wie Green, der erfahrene Jermaine O'Neal oder sogar Barnes und Marreese Speights, Griffin und Jordan mit der nötigen Härte Griffin erneut aus dem Konzept zu bringen, ist alles möglich.

Letztes Jahr mussten alle Clippers-Anhänger schmerzlich erfahren, dass man mit fröhlichem Highlight-Basketball in den Playoffs keinen Blumentopf gewinnt. Die Warriors sind von Natur aus härter und "gemeiner" als die Truppe von Chris Paul. Beim angesprochenen Defensiv Rating steht das Team aus Oakland mit einem Wert von 102,6 auf Platz vier in der Liga. Lob City hingegen muss immer noch beweisen, dass sie nicht zu soft für einen tiefen Lauf in der Post Season sind. Für ein Weiterkommen müssen die Clippers in der Defensive niedergerungen werden. Offensiv muss man sich gleichzeitig auf die heißen Hände von Curry, Thompson, Iguodala und Lee verlassen, um die Erstrunden-Überraschung aus dem letzten Jahr zu wiederholen.