06 April 2014

Tiago Pereira | 6. April, 2014    @24Sekunden






In unserem Leben begegnen wir vielen Menschen: Familie, Freunden und Fremden. Einige wenige dieser Menschen prägen unser Handeln und Denken, auf ungeahnte Weise. Ihre Worte werden zu unseren Gedanken, ihre Forderungen werden zu unseren Taten. Auf unserem Weg durch das Leben begleiten sie uns, der eine nur für ein kurzes Stück, der andere ein Leben lang.

Wer den Lebensweg von Pat Riley kreuzt wird unweigerlich Teil einer Lebensgeschichte die ihres gleichen sucht. Seit fast sechs Dekaden begleitet Pat Riley das orangene Leder in der nordamerikanischen Basketballliga. Während dieser Zeit hat kaum jemand derartig viele Leben, Karrieren und Menschen berührt und beeinflusst wie Coach Riley. Für einige war es der Charme und die Magie Rileys, für andere die erbitterten Rivalitäten, welche ihn zu einer Ikone seiner Zeit machten. Daher liest sich die Lebensgeschichte von Coach Riley wie ein Märchen, voller Legenden und Helden, deren Geschichten gespickt sind mit Ruhm und erbitterten Kämpfen. Ob als Spieler in Kentucky und Los Angeles, als Cheftrainer der Heat und der Show Time Lakers oder als Gründer der Big Three in Miami, Riley und der Erfolg gehören zusammen wie Pech und Schwefel.

Neun Meistertitel mit zwei Teams, drei bester Trainer der Liga und eine Auszeichnung als Executive of the Year finden sich auf dem Resümee der lebenden Legende Patrick James Riley. Magic Johnson, Kareem Abdul-Jabbar, Dwayne Wade, Shaquile O’Neal und LeBron James, ihnen allen verhalf Riley zum Legendenstatus und setzte dabei seinen Namen mit an die Spitze. Die Diskussion um die besten Spieler aller Zeiten wird zwar nie einen klaren Sieger erfahren, doch ob Magic oder Bird, LeBron oder MJ, diese Debatten gäbe es ohne den Einfluss von Pat Riley vielleicht gar nicht. Egal, wer von seinen Zöglingen als Sieger im Rennen um den 'Greatest of All Time' hervor geht, Rileys Platz im Basketballolymp ist unbestreitbar.

Top 4 Coaches of All Time
Phil Jackson: 11 Titel als Trainer [zwei als Spieler]
Arnold „Red“ Auerbach: 9 Titel als Trainer [7 als Manager]
Pat Riley: 5 Titel als Trainer [1 als Assistenz Trainer, 1 als Spieler, 2 als Manager]
Gregg Popovich: 4 Titel als Trainer

Die Diskussion um die vier besten Spieler aller Zeiten wird für immer im Wandel sein, der Mount Rushmore der Trainer hingegen ist fürs erste in Stein gemeißelt. Unumstritten steht der Zen Meister an der Spitze: elf Titel mit zwei Teams, drei Threepeats, selbst die Perfektion strebt nach Phil Jackson. Auf Platz zwei findet sich der Mann, nach dem der Titel Coach of the Year benannt wurde, Arnold 'Red' Auerbach. Acht Meisterschaften hintereinander gewann Red zusammen mit Bill Russell, eine Statistik für die Ewigkeit. Pat Riley kann vier Meistertitel mit den Lakers und eine mit den Miami Heat sein Eigen nennen. Der Ziehvater der Showtime-Lakers und der erste Meistertrainer der Heat Franchise Geschichte hinterließ an beiden Küsten Amerikas einen bleibenden Eindruck. Der Letzte im Bunde und einzig noch aktiver Trainer ist San Antonios Coach Gregg Popovich. Pop schuf zusammen mit Tim Duncan aus einem ehemaligen ABA-Team das beste Team der 2000er Jahre.

Gemeinsam errangen die fantastischen Vier 29 Titel als Trainer und 13 weitere als Spieler oder Manager. Nur 21 Meisterschaftsfeiern fanden ohne die Beteiligung einer dieser vier Legenden statt. Schluss ist dabei noch lange nicht, denn Popovichs, Jacksons und auch Rileys Streben nach Titeln hat bis heute kein Ende gefunden. Auch dieses Jahr bestreitet Riley mit seinen Heat den langen Marsch zur NBA-Krone. Sollte der Chef der Miami Heat einen Blick zurück auf die bisher gewonnen Titel werfen, dürfte auch eine der größten Persönlichkeiten des Sportes ein wenig nostalgisch werden.

Die ersten Jahre auf dem Hardwood
Die sagenhafte Erfolgsgeschichte des Hall of Famers fängt dabei nicht an der Seitenlinie an, sondern auf den Parkettern, die die Welt bedeuten. Als siebter Pick der 1967 Draft wählen die San Diego Rockets den SEC Player of the Year (1966) aus Kentucky, Patrick James Riley. Für die Raketen aus Kalifornien trägt der gebürtige New Yorker drei Jahre die viel zu kurzen Basketballshorts, ehe es ihn nach Hollywood verschlägt. In Los Angeles warten die zukünftigen Hall of Famer Jerry „The Logo“ West, Elgin Baylor und Wilt Chaimberlain auf den jungen Pat Riley. 1972 erreichen die Lakers die NBA Finals und treffen dort auf Willis Reed und seine New York Knicks. Neben den Stars Reed, Walt Frazier und Dave DeBusschere befindet sich auch ein junger Phil Jackson in den Reihen der Knickerbockers. Die Lakers revanchieren sich für die Finalniederlage von 1970 und besiegen die Knicks in fünf Spielen - der erste von vielen Meistertiteln für Riley. Weitere drei Jahre schnürt "Riles" die Chucks für die Lakers, ehe er für einen letzten kurzen Stopp in der Wüste Arizonas halt macht. In Phoenix bestreitet Riley die letzte seiner neun NBA Saisons als Spieler.

Das Lehrjahr
Nachdem Riley seine Sneakers an den Nagel hängte, folgte ein kurzes Broadcast-Intermezzo bei den Lakers. Bis der damalig frisch beförderte Headcoach der LA Lakers, Paul Westhead, erkannte, dass Rileys Talent hinter ein Klemmbrett und nicht vor die Kamera gehörte. Ein Anruf genügte und Riley tauschte das Mikro gegen Edding und Drawing Board ein. Zusammen mit Neutrainer Westhead und Riley als dessen Assistent starteten die Lakers um Rookie Earvin Johnson in die Saison. Von der Seitenlinie aus konnte Riley beobachten, wie das Michigan State Phänomen Johnson ganz Hollywood verzauberte. Der Rookie mit dem Millionen-Dollar Lächeln lenkte an der Seite von Center Kareem Abdul-Jabbar die Geschicke der Laker-Offensive. Auf 60 Siege in der regulären Saison folgte der Durchmarsch in den Playoffs: erst wurden die Phoenix Suns hinter sich gelassen (4-1), danach wurde in den Western Conference Finals kurzer Prozess mit den Supersonics aus Seattle gemacht (4-1), um in den Finals auf Dr. J‘s Philadelphia 76ers zu treffen.

Der Ausgang der Finalserie ist bekannt: LA führt 3-2 in der Serie, Spiel 6 ist in Los Angeles, doch Kareem verstaucht sich den Knöchel im fünften Spiel. Coach Westhead stellt seinen Point Guard Magic Johnson auf die Center Position. Magic führt seine Lakers mit 42 Punkten, 15 Rebounds und 7 Assists dennoch zum Sieg und wird als erster Rookie zum Finals MVP gekürt. Von der Seitenlinie aus feiert Riley seine zweite Meisterschaft. Mittendrin und doch nicht dabei, Gläser mit Champagner, goldenes Konfetti, aber es fehlt etwas: die Anerkennung. Lehrjahre sind keine Herrenjahre, das weiß auch Riley, denn als Assistenztrainer erhält er neben Headcoach Paul Westhead nur einen feuchten Händedruck für seine Arbeit. Noch muss Riley sich im Schatten seiner Vorgänger sonnen, doch das Leben in Hollywood ist schnell und seine Chance auf das Rampenlicht wird kommen.

Regisseur der Showtime Lakers
Kaum waren die Gläser geleert und das Konfetti aufgeräumt, schon kam es zu Krach in La-La-Land. Magic forderte einen Trade, nachdem dieser einige Meinungsverschiedenheiten mit Coach Westhead hatte. Sofort musste Westhead seinen Sitz auf der Trainerbank räumen und Platz machen für seinen Assistenten Pat Riley. Hier begann die Erfolgsgeschichte eines der besten Trainer, den die Liga je gesehen hat. Riley führte die Showtime Lakers auf eine 82 Spiele Tournee durch ganz Amerika. Basketball war einfach und wunderschön, wenn die Lila-Goldenen mit dem orangenen Leder spielten. Kein Extrapass war zu viel, kein Highlight ungefeiert, alle waren sie ein Teil einer perfekt eingespielten Symphonie. Der Glamour von Hollywood haftete nicht nur an den Spielern, auch Coach Riley adaptierte das Image der Showtime Lakers. Mit seinen schwarzen Armani Anzügen und den nach hinten gegelten Haaren symbolisierte der Trainer den Erfolgm für den seine Mannschaft bekannt wurde.

Der Erfolg der 80er Jahre Lakers ist bekannt und wohldokumentiert: sieben Finalteilnahmen (1982-85, 1987-89) und vier Meistertitel (1982, '85, '87, '88) errangen die Lakers unter Rileys Führung (1981-90). Coach Riley lenkte seine Spieler mit einer perfiden Genauigkeit, die oft diktatorische Ausmaße annahm. Er ließ sich nicht von dem Erfolg und dem Rummel um sein Team und seine Person blenden, im Gegenteil: der Erfolg machte ihn vorsichtig statt überheblich. Der Meistertrainer war nicht nur seinem Gegenüber zehn Schritte voraus, sondern auch seinen eigenen Spielern. Kein Ausgang sollte ungewiss bleiben, kein Spielzug dem Zufall überlassen sein, selbst die Fans wurden Mittel seines Meisterwerks, indem jeder einen Teil zum Sieg beitrug. Schweigen ist bekanntlich Gold, doch Rileys Worte waren mehr wert als Silber. In seinen Ansprachen vereinte Coach Riley Lebensweisheiten und alltägliche Probleme mit dem Streben nach Erfolg. Der Effekt seiner Reden auf seine Spieler konnte nicht mit Gold aufgewogen werden. Ob aus der Gegenwart oder Vergangenheit, Riley nutzte Geschichten, um Geschichte zu schreiben.

Für Riley gibt es nur Sieg oder Versagen. Er ist ein Motivationskünstler, der seinen Spielern klar macht, dass die 48 Minuten auf dem hölzernen Brettern länger währen werden als sie selbst.  Der Geschichtenerzähler in Riley ist es, der ihn zu dem Motivator macht, an dessen Lippen die besten Spieler der Welt hängen. Doch wie motiviert man die Besten der Welt? Riley erkennt die Egos und den Stolz seiner Spieler, darum füllt er ihre Gedanken mit Ehrgeiz und dem Trieb nach mehr. Den Konkurrenzkampf zwischen Magic, Bird und Jordan nutzte Riley damals, um seinen Star Johnson zu Höchstleistungen zu animieren. Ob Jordans Karrierebestwert von letzter Nach oder Birds Triple Double, Magic erfuhr es als erster von seinem Coach. Hinter dem freundlichen Lächeln von Earvin Johnson befand sich der Wettkämpfer Magic, das Wissen um die Erfolge seiner Konkurrenz spornten den Point Guard, an diese zu übertreffen. Am Ende des Abends zählte für Magic nur der Sieg und nicht die individuellen Statistiken, aber mehr als den Sieg verlangte Riley nicht.

Genie und Wahnsinn sind oft nicht weit voneinander entfernt. So verkörperte Riley nicht nur das Genie eines Meistertrainers, sondern auch den Wahnsinn eines Kontrollfreaks. Mit den Jahren gewann der Kontrollfreak die Überhand über das Genie. Druck von Außen reichte Riley nicht, er musste sich und seine Spieler zum Sieg zwingen. Die Trainingseinheiten wurden verdoppelt, Filme wurden studiert bis selbst der letzte Bankspieler wusste wie Isiah Thomas seine Sneakers band. Eine Meisterschaft war nicht genug, der Repeat war das Ziel und als dieser erreicht wurde zählte wieder nur eins: der Threepeat!

Die Showtime Offensive lief in ihren letzten Jahren auf Hochtour, es gab keine Ausrede für Misserfolg: "We win or We die!" Der Druck auf die Spieler wuchs, nach jedem ihrer Fehler folgte ein Blick zur Seitenlinie, als wäre ihnen der Teufel im Nacken. Auch die Fans bekamen den Druck von Riley zu spüren. Nachdem diese ihre Aufmerksamkeit im vierten Viertel einer knappen Partie mehr den Laker Girls schenkten, anstatt dem eigenem Team, verbannte Riley die Cheerleader aus der Schlussphase. Wer nicht seinen Teil zum Erfolg des Teams beitrug, den wollte der Coach nicht in der Arena wissen.

1990 gipfelte der Druck in den Playoffs in einer kolossalen Explosion Rileys. Nach der Finalniederlage 1989 gegen die Pistons (0-4) und dem verfehlten Threepeat wuchs Rileys Halsschlagader mit jedem Spiel. Trotz 63 Siegen in der regulären Saison konnte kein Spieler außer Magic den Ansprüchen des frisch gekürten Trainer des Jahres entsprechen. In den Playoffs schafften es die Lakers trotz Magics 43 Punkten nicht, die Zweitrunden-Serie gegen die Phoenix Suns auszugleichen. Stattdessen lagen Riley und seine Lakers 1-3 hinten, mit dem entscheidenden fünften Spiel zu Hause. Die Red Auerbach Trophäe nahm Riley nach der Playoffniederlage gegen Phoenix entgegen. Auf der Pressekonferenz fand der Trainer die richtigen Worte, dankte der Organisation, den Fans und den Spieler, ohne die der Gewinn der Trophäe nicht möglich gewesen wäre. Doch kein Wort besaß die übliche Aussagekraft, es waren Phrasen und hohle Aussagen, die die Medien hören wollten.

Innerlich bereitete sich der Coach bereits auf die kommende Rede an seine Spieler vor, welche unvergessen bleiben sollte. Nach der Pressekonferenz ging Riley zu seinen Spielern, es folgte die Explosion in der Umkleidekabine. Jeder Spieler bis auf Magic bekam sein Fett weg: Byron (Scott) spiele weder Defensive noch Offensive, James (Worthy), der immerhin 23 Punkte im Schnitt auflegte, erzwinge zu viele seiner Würfe und Mychals (Thompson) Spiel gleiche dem einer alten Dame. Nichts blieb unausgesprochen, kein Fehler blieb unentdeckt und Rileys Brandrede schien kein Ende zu nehmen. Der Effekt ließ nicht lange auf sich warten, auf die Explosion des Trainers folgte die Implosion seiner Spieler. Wenige Tage später verloren die Lakers Spiel 5 mit 106-103 und schieden aus den Playoffs aus. Es war das letzte Spiel für Riley als Trainer der Lakers und das Ende der Showtime Offensive.

Von Los Angeles nach New York
In Tinseltown wurde der Abgang Rileys von Spielern und der Fangemeinde mit gemischten Gefühlen gesehen. Auch wenn die letzten Jahre unter Riles einem Straflager glichen, der Erfolg war unbestritten - Meisterschaften heiligen eben die Mittel. Nachdem Riley eine kurze Auszeit vom Stress des Trainer-Daseins genommen hatte, verschlug es den Meistermacher zurück in seine Heimat - nach New York City. Riley brachte die Meisterschaftsringe und den Erfolg mit in den Big Apple, doch die teuren Anzüge, das strahlende Lächeln, alles was sein 'Hollywood Alter Ego' ausmachte, ließ Riley im Golden State zurück. Übrig blieb der aggressive, stolze, defensiv orientierte, Mittelklasse New Yorker. Im Big Apple angekommen erschuf Riley ein Team nach seinem Stile, welches völlig konträr zu den Show Time Lakers war.

Riley etablierte während seines Engagements als Trainer der New York Knicks (1991-95) eine Mentalität und eine Identität in seinen New York Spielern, die die Knicks zum gefürchtetsten Teams der Ostküste machte. Kampf, Herz und Verteidigung waren die Schlüssel, welche New York auf die Siegerstraße zurück bringen sollte. Entweder spielte man für Coach Riley oder gegen ihn, es gab keine Spielerfreundschaften außerhalb des eigenen Locker Rooms, denn der Feind stand Abend für Abend auf der anderen Seite des Feldes. Um in der hart umkämpften 90er Jahre Eastern Conference zu überleben, schuf Riley ein universales Feindbild. College-Teamkamerad, der beste Freund seit Kindertagen, Fans, sogar der eigene Bruder wurde zum Hassobjekt, wenn sie nicht Teil von Coach Rileys Team waren. Wer sich dem Team und diesem Credo nicht unter ordnen konnte, fand seinen Platz auf der Bank wieder oder wurde entlassen.

Riley war ein Kämpfer, Beißer und emotionaler Typ. Diese Eigenschaften sollten auch seine Spieler verkörpern. Frenetisch kämpfte und litt Riles mit seinem Team an der Seitenlinie, und die Spieler litten und kämpften für ihren Trainer. Das Resultat war faszinierend: aus den Knicks wurde ein Defensiv-Bollwerk, in dem jeder Spieler mit an einem Strang zog. Das Spielermaterial, das Riley in New York zur Verfügung stand, konnte nicht mit dem Niveau seiner Laker-Teams mithalten, an eine New York Show Time Offensive war deswegen nicht im Ansatz zu denken. Doch angeführt von Patrick Ewing und Charles Oakley überkamen die Knicks ihre individuellen Nachteile und erkämpften sich jeden Sieg. Teambasketball und ein blindes Vertrauen ineinander machte die Knicks Defensive zur besten des Landes. Rileys Lakers waren bei ihren Gegnern gefürchtet für ihre spielerische Dominanz, aber alle Fanlager, auch die des Gegners, liebten den Tempobasketball aus Hollywood. Die Knicks hingegen wurden von Fans und Spielern gleichermaßen gehasst wie gefürchtet.

Unter Rileys Führung fanden sich die Knicks nie außerhalb der Top-2 in den Defensiv Rankings. Der Kampfgeist der Knicks wurde belohnt, als sie in Jordans erstem Sabbatjahr [1994] in die NBA Finals einzogen. Es war die erste Finalteilnahme der Knicks seit ihrem Titeljahr 1973. In Rileys achter Finalserie als Trainer trafen die Knicks auf die Houston Rockets. Die Serie ging über die volle sieben-Spiele-Distanz und es entbrannte eine heiß umkämpfte Schlacht um die Larry O’Brien Trophäe, aus welcher die Rockets als Sieger hervor gingen. Obwohl New York ein Sieg zum Titel fehlte, war die Stimmung in Manhattan euphorisch, denn die Fans hatten wieder ein Team, welches ihren Wünschen und Erfolgsansprüchen gerecht wurde.

Gleichzeitig fieberten alle in New York auf eine ähnliche Erfolgsserie hin, wie sie die Show Time Lakers ein Jahrzehnt zuvor erspielt hatten, doch Coach Riley hatte andere Pläne im Sinn. Nachdem der Einzug in die Finalserie 1995 missglückte entschied sich Riley, zum Ostküsten-Rivalen in Florida zu wechseln, anstatt das letzte Vertragsjahr in New York zu bestreiten. Riley brach mit dem Wechsel zu den Miami Heat allen Knickerbocker das Herz, doch hinterließ er der Stadt und ihren Fans ein perfekt eingestimmtes Team, sowie in Jeff van Gundy seinen talentierten Assistenten als neuen Head Coach.

New York-Miami Rivalität
Während jeder New Yorker mit Schaum vor dem Mund auf das erste Spiel gegen den ehemaligen Coach wartete, bereitete Riley sein neues Team in Miami auf die bevorstehende Saison vor. Das Wetter in Florida glich zwar eher dem in Los Angeles, doch animierte dies Riley nicht, seine Miami Vice Truppe zu Showtime 2.0 umzuformieren. Wie schon in New York war das Mantra Defensive und Kampf. Auch die Heat ordneten sich Riles Credo unter, wodurch ein weiteres defensives Powerhouse an der Küste Floridas wuchs. Wie es das Schicksal so wollte, genügten die Aufeinandertreffen der Heat und Knicks in der regulären Saison nicht, denn in Riles zweiten Playoffs als Heat-Trainer traf er auf sein ehemaliges Team aus New York. Feuer muss mit Feuer bekämpft werden und Riley wusste, dass sein einstiges Knicks Team, getrieben von der Gier nach Rache, nicht kampflos untergehen werde. Noch bevor die beiden Mannschaften aufeinander trafen, herrschte pure Feindseligkeit in beiden Spielerlagern. Dieses Playoff-Duell 1997 war der Beginn eines vierjährigen Krieges, dessen Blutspur sich vom Madison Square Garden bis hin zum South Beach ziehen sollte.

Eine echte Rivalität entstand. Keine Serie wurde in weniger als sieben Spielen entschieden, und jedes Jahr wurden Spieler und Trainer an die Grenzen ihrer nervlichen Belastung gebracht. Die folgenden drei Jahre schied Miami immer gegen die New York Knicks aus den Playoffs aus. Zwar waren es die Spieler, welche den Kampf auf dem Spielfeld austrugen, doch ohne Coach Riley gäbe es die New York – Miami Rivalität, wie man sie auch heute noch kennt, überhaupt nicht. Einen Titel konnte zwar keine der beiden Franchisen vor der Milleniumswende erringen, doch die Schlachten der beiden Teams bleiben unvergessen und befeuern auch heute noch eine der letzten verbliebenen Rivalitäten in der NBA.

Der letzte Streich und der Beginn der Big Three
Nach dem Ende der NYC/Miami Fehde coachte Riley seine Heat noch bis 2003. Nach einer enttäuschenden Saison mit nur 36 Siegen und dem Verlust zweier seiner besten Spieler (Tim Hardaway und Anthony Mason) entschied Riley, sich zurück zu ziehen. Er legte die Doppelposition als Trainer und Manager nieder und widmete sich dem Erbau eines Meisterteams abseits der Coachingzone. Das Zepter übergab er an seinen Assistenten Stan van Gundy und übernahm exklusiv die Position des Managers. Eine seiner ersten Amtshandlungen als Vollzeitmanager war es, einen jungen Guard namens Dwayne Wade aus Marquette zu draften, welcher schon in seiner Rookiesaison zeigte, dass er für Großes bestimmt war.

Auch als Manager bewies Riley seine Fähigkeit, die Egos und Wünsche der Stars zu erkennen und diese zu seinen Gunsten zu nutzen. Nachdem die Lakers in den Finals 2004 überraschend den Detroit Pistons unterlagen, entbrannte ein heftiger Streit zwischen den beiden Superstars Shaquille O’Neal und Kobe Bryant. Das Management der Lakers stand vor der Entscheidung, welcher Star die Zukunft der Franchise sein und wen man ziehen lassen sollte. Riley erleichterte die Entscheidung seines ehemaligen Mitspielers und Teammangers Mitch Kupchak, indem er den Lakers ein Spielerpaket aus Lamar Odom, Caron Butler, Brian Grant und einem Erstrundenpick für O’Neal schnürte. Die Lakers nahmen dankend an, Shaq sollte in Miami zu Dwayne Wades Meisterkumpane werden.

Im ersten Jahr dieser Zusammenarbeit gelang dem neuen Heat-Duo der Einzug in die Eastern Conference Finals (3-4 gegen Detroit verloren). Nach einem enttäuschenden Start in die Saison 2005/06 entschied Riley, die Angelegenheit wieder in die eigenen Hände zu nehmen, indem er van Gundy feuerte und sich ein letztes Mal an die Seitenlinie stellte. Zweifel kamen auf, ob Riles auf seine alten Tage das Ruder herum reißen könnte. Zwar waren die gegelten Haare nun grau statt schwarz, doch der Meistertrainer wusste immer noch seine Spieler best möglich zu coachen. Unter Riley gelang es den Miami Heat (44-38), die Saison als Gewinner der Southeast Division zu beenden. In der Finalserie des Ostens trafen die Heat auf ihre Nemesis aus Detroit. Nach sechs Spielen erkämpften sich die Heat das Ticket zur ersten Finalserie ihrer Franchise-Geschichte. Wie auch in die reguläre Saison, starteten die Heat mehr schlecht als recht in die Finalserie, als die ersten beiden Partien gegen die Dallas Mavericks verloren gingen.

„June 20th, Miami Heat, World Champion!“ Dies waren die einzigen Worte, die Riley seinem Team auf dem Weg gab für das dritte Spiel der Finalserie 2006. Er machte seinen Spielern klar, dass der Druck mit jedem Spiel steigen würde und dass sie diesem Druck standhalten müssen. Zweifel hegte er nicht an ihnen und der Glaube lebte weiter, dass die Straßen Miamis mit einer Meisterschaftsparade gefüllt werden. Die Statistiken waren nicht freundlich gegenüber Teams, welche in einer Finalserie 0-2 hinten lagen, doch Riley und seine Heat waren keine Freunde der Zahlen. Die Heat vollführten dank eines überragenden Wade das seltene Kunststück, besiegten die Mavs vier Mal in Folge und bescherten Pat Riley seine fünfte Meisterschaft als Trainer.

Der Mann hinter den Big Three
Nach 22 Jahren beendete Coach Riley seine Trainerkarriere 2008, diesmal endgültig. Erneut nahm er als Manager seiner Franchise hinter dem Schreibtisch Platz. Seinen Nachfolger wählte Riley selbst und entschied sich für Erik Spoelstra. Dieser war seit 15 Jahren Teil der Heat-Organisation und arbeitete sich vom Video-Koordinator bis zum Cheftrainer hoch. Riles war sich sicher, dass sein Protegé Spoelstra trotz seines jungen Alters bereit war, die Heat zum Erfolg zu führen. Während Spoelstra seine erste Brise als Headcoach genoss, arbeitete Riles an dem größten Coup seiner Karriere. Sein Ziel war es, drei Superstars in Südflorida zu vereinen und eine neue Dynastie zu begründen.

Das größte Kunststück gelang Riley im Sommer 2010, als er MVP LeBron James und All-Star Forward Chris Bosh nach Miami holte. Riles war es, der LeBron überzeugen konnte, sein Team zu verlassen und zusammen mit Wade auf Ringjagd zu gehen. Anstatt James Honig um den Mund zu schmieren, nutzte Riles einen simplen Trick, um James' vollste Aufmerksamkeit zu erringen. Während des Treffens mit LeBron stellte Riley einen Beutel auf den Tisch mit den Worten: „Zieh einen an!“

In dem Beutel befanden sich Rileys sieben Meisterschaftsringe in Gold, Silber und Platin. Noch nie in seinem Leben war LeBron einem Meisterschaftsring derartig nahe gekommen. Die damals größte Furcht des MVPs war es, seine Karriere ohne Meisterschaft zu beenden und damit dem selbst auferlegten Titel „The Chosen One“ niemals gerecht zu werden. Riley wusste dies und versprach James das, was er so sehnlichst begehrte: Titel. James entschied sich, seine NBA Karriere in die Hände des Mannes zu legen, der schon so vielen Spielern zum ersehnten Titel verholfen hatte. Die drei Superbuddys Wade, James und Bosh gewannen mit den Miami Heat ihre erste von zwei Meisterschaften in Folge.

Nicht nur James konnte Riley von seinem Konzept überzeugen, auch Ray Allen verfiel dem Angebot des Super-Managers. Der Shooting Guard setzte sich in der Sommerpause 2012 mit Riley zusammen und philosophierte über den Sinn des orangenen Kürbisses. Nach diesem Gespräch war Noch-Celtic Allen klar: der Weg zum Titel führt nicht durch die Heat, sondern mit ihnen dort hin. Allen schlug das deutlich besser dotierte Angebot der Celtics aus und unterschrieb seinen neuen Kontrakt in Miami. Erneut wurde Rileys Meisterschaftsversprechen wahr, als Miami auch 2013 als Sieger aus der Finalserie ging.

Die Saat ist gesät
Auch wenn der Meistertrainer heute nicht mehr an der Seitenlinie steht, sein Einfluss auf die Spieler und der Erfolg seiner Mannschaft bleibt ungebrochen groß. Riles sucht sich seine Begleiter und Spieler genauestens aus, denn nicht jeder kann Teil seines illustren Heat-Familienkreises werden. Doch wer einmal in diesem Bund ist, bleibt dort ein Leben lang.

Der Erfolg von Pat Riley ist nicht nur an Meisterschaften abzulesen, denn auch als Lehrer hat der Coach seinen Beitrag zum Spiel geleistet. Mit Kurt Rambis, Byron Scott und Doc Rivers sind gleich drei ehemalige Spieler dem Ruf ihres Trainers gefolgt und fanden sich seither an der NBA-Seitenlinie als Head Coach wieder. Auch Magic Johnson versuchte sich als Coach, während Patrick Ewing heute ein angesehener Assistenztrainer ist.

Nicht nur ehemalige Spieler zogen Lehren aus Riles Coaching, auch Assistenztrainern gelang der Sprung zum Cheftrainer. Beide van Gundy Brüder und Miamis aktueller Headcoach Spoelstra gingen durch Rileys Trainerschmiede. Wenn Coach Riley seine Stimme erhebt, hören alle zu, denn egal ob als Trainer, Manager oder Spieler: Riley zählt zu den größten, hellsten Köpfen, die der Basketball je gesehen hat. Riley gelang es, den Sport mit seinen Worten zu beeinflussen wie kein Zweiter. Ihm verdanken wir historische Spiele und Spieler verdanken ihm ihre Historie. NBA-Basketball ohne Pat Riley ist kaum vorstellbar. Viele hoffen, dass die Lebensgeschichte von Patrick James Riley noch nicht im Schlusskapitel angekommen ist.