05 April 2014

Axel Babst | 4. April, 2014   






Da waren's nur noch Vier! Der verrückte März bot unzählige Dramen, Überraschungen und zerplatzte Milliardärsträume, aber der März ist vorbei. Es ist April, und übrig geblieben sind noch vier Mannschaften, die sich an diesem Wochenende (Samstag und Montag) in Arlington/Texas um die Krone im College-Basketball der Männer streiten werden. Florida trifft auf UConn, Wisconsin duelliert sich mit Kentucky. Das Final Four 2014 klopft an die Tür!

Florida Gators (#1)

Starting 5
PG - Scottie Wilbekin
Niemand unter den verbleibenden Final Four Teilnehmern schwankt stärker zwischen Genie und Wahnsinn als Wilbekin. In der einen Sequenz feuert er einen Dreier aus acht Metern nach dem anderen. Im nächsten Moment trifft er bei jeder Situation die richtige Entscheidung und spielt all seine Routine aus. Tendenziell ist er immer dazu in der Lage, ein Spiel im Alleingang zu entscheiden und in der Crunchtime Höchstleistungen zu vollbringen.

SG - Michael Frazier
Frazier ist der beste Schütze der Starting Five und sorgt damit für das nötige Spacing. Vor allem in der Transition und Secondary Offense muss die Verteidigung schnell bereit sein, ihn aufzunehmen. Häufig schleicht er sich beim Pick & Roll zwischen PG und C im Rücken seines Verteidigers davon und kann anschließend vollkommen unbehelligt abdrücken.

SF - Casey Prather
Der athletische Flügelspieler ist der Prototyp eines Slashers. Mit seinem kräftigen Körper und seiner Furchtlosigkeit in Ringnähe bringt er die Big Men des Kontrahenten schnell in Foulprobleme und hilft dadurch seinem Team. In der Verteidigung erfüllt er manchmal auch die Spezialaufgaben und kann dabei viele Ballverluste forcieren. Gerade für die Presse der Gators ist er ein wichtiges Puzzleteil.

PF - Will Yeguete
Als Glue Guy seines Teams zeichnet sich Yeguete durch die Bewältigung einer Vielzahl schwieriger Aufgaben aus. In der Presse ist er häufig derjenige, der als erstes zum Trappen angestürmt kommt. Allerdings schafft er es, sollte die Presse geknackt werden, immer rechtzeitig bei seinem Gegenspieler zu sein, bevor dieser Schaden anrichten kann. Auch in der one-on-one Defense gehört Yeguete zu den besseren Verteidigern seines Teams. Offensiv verwertet er meistens nur Durchstecker oder Putbacks. Wenn sein Team aber einen Schub benötigt, ist er auch da immer wieder zur Stelle und kann sogar mal einen unerwarteten Dreier einstreuen.

C - Patric Young
Young ist der emotional Leader seines Teams und zeigt sich diese Saison auch offensiv stark verbessert. Allerdings muss er von seinen Teammitgliedern möglichst früh im Spiel miteinbezogen werden. Besonders das Pick & Roll mit Kasey Hill in der Transition Offense klappt häufig prima. In der Defense arbeitet keiner härter als der Senior, der nach jedem Loseball nach dem Ball hechtet und auch dabei nicht eine Sekunde zögert oder sich über die Konsequenzen, wie z.B. seiner körperlichen Unversehrtheit, Gedanken macht.

Die Bank
PF - Dorian Finney-Smith
Der Transfer von der Virginia Tech ist als Sixth Man purer Luxus und würde wahrscheinlich bei 95% der anderen NCAA Teams starten. Er ist der beste Rebounder seines Teams, was sich nicht nur anhand der Zahlen festmachen lässt, sondern auch wenn man darauf achtet, wie geschickt er sich für den Rebound positioniert und Boxouts nutzt, um sich einen Vorteil zu erarbeiten. Zudem nimmt er im Angriff eine wichtige Funktion als Stretch Four ein. Er kann aber auch zum Korb ziehen und dort hochprozentig abschließen. Sein Wurf ist jedoch etwas „streaky“, sodass man bereits nach den ersten Würfen sagen kann, ob es ein gutes Spiel im Angriff für ihn wird oder nicht.

PG - Kasey Hill
Der Top 10 Recruit glänzt als hervorragender Spielgestalter, der für sein Alter schon viele richtige Entscheidungen trifft und selten in Panik verfällt. Er lässt das Spiel auf sich zukommen und forciert dabei keine Würfe. Seine Spezialität ist der Bodenpass im Pick & Roll, den er sehr zielsicher an seinen Mitspieler bringt. Trotzdem hat er durch seinen Wurf eine absolute Schwachstelle, die ihn in seinen Möglichkeiten beim Scoring deutlich hemmt, da seine Verteidiger sehr weit absinken und dadurch den Weg zum Korb verbarrikadieren.

PF/C - Chris Walker
Obwohl er das Herbst Semester verpasste, spielte er sich schnell in die Rotation und sorgt mit seiner Athletik für eine neue Dimension in der Gators Defense. Als Radiergummi in der Zone kann er bei der Presse viele Fehler bereinigen und räumt alles ab, was nach dem erfolgreichen Überspielen der Presse kühn genug ist, den Zug zum Korb zu wagen. In der Offense beschränkt er sich noch auf Alley-oop-Anspiele und Tip-Dunks, die seinem Team aber nochmal einen Motivationsschub geben können.

SG/SF - Devon Walker
Bekommt meistens Kurzeinsätze, in denen er den Druck und die Intensität der Defense aufrechterhalten soll. Auf der anderen Seite des Spielfelds wird er vorrangig als Spot up Shooter eingesetzt.

Der Coach
Billy Donovan
Donovan ist für mich der beste Coach im Teilnehmerfeld. Er hat es geschafft eine Football-Schule in eine basketballverrückte Uni zu verwandeln. Dieses Jahr hat er sein Team trotz vieler Querelen (Wilbekin war für einige Spiele suspendiert, Walker aufgrund akademischer Verfehlungen nur ein Semester spielberechtigt, diverse kleinere Verletzungen etc.) ins Final Four geführt. Sein Team ist außerdem auch nicht das talentierteste der Final Four Teilnehmer. Trotzdem verlor seine Mannschaft lediglich zwei Mal und gilt als Favorit auf den Titelgewinn. Kaum ein Team agiert so variabel in der Verteidigung und kann so schnell zwischen Verteidigungsformen wechseln. Die Presse ist ungemein effektiv und führt zu vielen leichten Punkten. Auch in der Secondary Offense ist das Team gut organsiert und versucht zielorientiert zu handeln. Deshalb muss der Gegner in solchen Situationen höllisch aufpassen und jeder kleine Fehler wird direkt bestraft.


UConn Huskies (#7)

Starting 5
PG - Shabazz Napier
Ist im Tournament zu einem zweiten Kemba Walker mutiert. Allerdings nur was die Führungsqualitäten angeht. Denn spielerisch unterscheiden sich Walker und Napier doch einigermaßen deutlich. Napier besitzt einen tödlichen Distanzwurf, den er ansatzlos abdrücken kann. Das macht ihn in Kombination mit seiner Schnelligkeit und seinem Spielverständnis zum Albtraum für jeden Verteidiger. In dieser Saison spielt Napier auch sehr viel teamdienlicher, wovon insbesondere Niels Giffey profitiert. Für meinen Geschmack verlässt er sich phasenweise aber zu sehr auf seinen Wurf. Er sollte noch öfter zum Korb ziehen und dort noch häufiger Fouls schinden, denn diese Kunst beherrscht er wie kein zweiter.

SG - Ryan Boatright
Ich bezweifele, dass es im Teilnehmerfeld einen weiteren Spieler gibt, der ansatzweise so tief in die defensive Grundstellung gehen kann und dabei so schnell in der lateralen Bewegung ist, wie Boatright. Dazu besticht er mit einer immensen Sprungkraft und einer ebenfalls eindrucksvollen Schnelligkeit. Er nutzt diese guten Grundlagen, um in der Defense eine bissige Klette zu sein und mit schnellen Fingern, seinem Gegenspieler mehrfach pro Spiel den Ball aus den Händen zu stibitzen. Offensiv muss er aber weiter an seinem Entscheidungsverhalten arbeiten. Sein Wurf ist sehr „streaky“ und kann an guten Tagen verantwortlich für einen Sieg sein. An schlechten Tagen kennt er seine Grenzen aber nicht und ballert einfach weiter, auch wenn nichts fällt. Das muss er dringend abstellen.

SF - Niels Giffey
Der deutsche Nationalspieler ist der Glue Guy seines Teams und macht immer die kleinen Dinge, die das Team von ihm gerade benötigt. Seine Wurfauswahl ist makellos, nur eine ähnlich hohe Trefferquote wie im Laufe der Saison wäre noch das i-Tüpfelchen. In der Verteidigung bekommt er häufig die undankbarsten Aufgaben zugeteilt, löst diese aber im Großen und Ganzen bravourös.

PF - DeAndre Daniels
Am vergangenen Wochenende zeigte er mit Abstand die besten Leistungen, die ich in seinen bisherigen drei Jahren von ihm gesehen habe. Dass er dazu in der Lage ist, konnte er zwar immer wieder andeuten, doch ihm schien die entsprechende Mentalität zu fehlen. Er wirkte eher lethargisch und unsicher. Wenn er aber so aufdreht wie letzte Woche und sein gesamtes Paket (Dreier, Postgame, Drive und sogar Defense) zum Besten gibt, sollten sich die Gegenspieler warm anziehen.

C - Philip Nolan
Seine Rolle besteht vordergründig darin, Blöcke für Napier und Boatright zu stellen, um ihnen leichte Würfe zu ermöglichen. In vielen Fällen rollt er anschließend nicht einmal ab, weil er genau weiß, dass er den Ball nicht bekommen wird. Wenn er es doch tut, dann meistens, um zum Rebound zu gehen. Dabei ist er offensiv eigentlich sehr talentiert und verfügt über einen guten Grundstock an Bewegungsabläufen, sowie einen guten Touch. Im letzten Spiel wurde er sogar mal ins Pick & Roll eingebunden.

Die Bank
C - Amida Brimah
Ist zwar noch sehr roh und ungestüm, kann aber bereits jetzt wichtige Impulse von der Bank bringen, da er aufgrund seiner Größe und Athletik ein sehr guter Shotblocker ist. Zudem hat er sich auch während der Saison sehr stark im Angriff verbessert. Dennoch sind sein Spielverständnis und seine technische Fertigkeiten bis dato sehr begrenzt.

SG/SF - Lasan Kromah
Der Transfer ist neben Niels Giffey ein Ruhepol im Spiel der Huskies. Wegen seiner Erfahrung trifft er viele gute Entscheidungen und erfüllt seine Rolle sehr gut. Im Gegensatz zu Giffey zieht er häufiger zum Korb und kann dort abschließen oder zieht Fouls. Dafür ist sein Distanzwurf etwas schwächer. Kromah hatte eine sehr starke Saisonphase. Auschlaggebende dafür waren seine guten Qualitäten im Fastbreak und dass seine Mitspieler ihn dort gesucht und gefunden haben.

SG - Terrence Samuel
Der Freshman zeigt bisher ein überraschend starkes Tournament und ist ein Hauptgrund, warum UConn im Final Four ist, auch wenn das im ersten Moment vielleicht seltsam klingen mag. Doch nur dank seiner Leistungssteigerung ist es Kevin Ollie möglich, ihn länger auf dem Feld zu lassen und Napier und Boatright dadurch wichtige Verschnaufpausen zu ermöglichen. Während der Saison überdrehte Samuel aber gerne mal in der Offense, er muss nun aufpassen, dass sein gesteigertes Selbstbewusstsein nicht in die falschen Bahnen kanalisiert wird.

Der Coach
Kevin Ollie
Er treibt seine Spieler ständig an und steht unter Dauerstrom. Innerhalb kürzester Zeit hat er UConn wieder attraktiv für neue Spieler gemacht und mit einigen intelligenten Neuerrungenschaften das Team gezielt verstärkt. Auch die Entwicklung über die Saison und gerade in den vergangenen vier Wochen ist aller Ehren wert. Seine Offense ist strukturiert und auf die Stärken seiner Spieler ausgerichtet. Er wandelt seine Spielzüge auch gelegentlich ab und passt sie dadurch dem nächsten Gegner spezifisch an, um dessen Schwachstellen in einem bestimmten Bereich der Defense auszunutzen. In der Defense schafft er es sehr gut, seine Spieler zu höchster Intensität zu motivieren und sie an der Ehre zu packen. Allerdings muss man auch im Hinterkopf behalten, dass dies das erste Tournament für Ollie ist und er sich noch nie in dieser Situation befunden hat. Da er auch nicht das talentierteste Team der vier Qualifikanten hat, sollte man keine Wunderdinge von ihm erwarten.

Florida vs. Connecticut

Vorteile Florida
- Effektive Presse
- Körperliche Überlegenheit
- Sind ausgeglichener und tiefer besetzt
- Sind runderneuert im Vergleich zum ersten Aufeinandertreffen
- Haben seit Anfang Dezember kein Spiel mehr verloren

Vorteile UConn
- Haben klaren go to guy
- Verfügen über Final Four Erfahrung
- Können jederzeit heißlaufen
- Leistungsträger sind in Topform

Key Matchup
Scottie Wilbekin vs. Shabazz Napier
Mit ihren teilweise sehr wilden Würfen können die beiden Guards das Spiel zugunsten ihres Teams kippen. Die Frage ist nun, wer am Ende den längeren Atem hat. Außerdem ist natürlich der Frage, welcher der beiden am ausgewogensten zwischen eigenem Abschluss und dem Auge für den besser postierten Mitspieler findet. Beide dürfen sich nicht auf ein Shootout einlassen, da der Großteil ihrer Mitspieler auf ihre Vorlagen angewiesen ist und sonst keine Gefahr ausstrahlt. Sollte es zu einem persönlichen Duell kommen, sehe ich zwar Napier leicht im Vorteil, doch dieser Unterschied wird so marginal sein, dass die Nichteinbindung der Mitspieler wesentlich schwerer wiegen würde. Dann wäre Florida im Vorteil, da sie noch weitere Spieler in ihren Reihen haben, die für Mitspieler Würfe kreieren können. Napier hat also mehr Verantwortung zu schultern.

Indikator
Die Ballverluste werden darüber entscheiden, wer dieses Spiel gewinnt. Wenn Napier und Boatright den Druck bewältigen können und nicht allzu oft den Ball verlieren, haben sie Chancen, ihre Mannschaft ins Finale zu führen. Sollte aber der Druck zu groß sein, kann Florida viele leichte Punkte erzielen. Aber auch die Champs aus 2006 &2007 dürfen nicht zu oft den Ball vertendeln, denn auch ihre Offense muss effektiv sein, wenn sie ins Finale einziehen wollen.

Prognose
Das erste Meeting der beiden Teams Anfang Dezember, als Florida das letzte Mal verlor, darf man meiner Meinung nach nicht als Vorlage heranziehen. Florida war damals ein ganz anderes Team als es jetzt ist. Wilbekin verletzte sich und konnte in der Schlussphase nicht mitwirken, Walker war nicht spielberechtigt, Kasey Hill verletzt und Finney-Smith fand gerade erst ins Team. Dieses Mal treten die Krokos in Bestbesetzung an und werden Napier und Boatright über das Spielfeld hetzen. In den bisherigen Spielen sahen sich die beiden nicht einer solchen Verfolgungsjagd ausgesetzt. Das letzte Mal als dies der Fall war, setzte es eine 81-48 Klatsche gegen Louisville.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Napier und insbesondere Boatright diesem Druck über 40 Minuten gewachsen sind. Zumindest werden sie dann in der Schlussphase nicht mehr genug Kraft haben, um Wunderdinge zu vollbringen, wie z.B. gegen Michigan State oder auch beim ersten Aufeinandertreffen. Florida muss das ganze Spiel über druckvoll verteidigen und im Idealfall die Würfe treffen. Zudem wäre es entscheidend, sich vor der Halbzeit etwas absetzen zu können. Ich kann mir außerdem vorstellen, dass Donovan den größeren Prather auf Napier ansetzen wird, um dessen Kreise einzuschränken. Ich tippe insgesamt auf einen Sieg der Gators.

Wisconsin Badgers (#2)

Starting 5
PG - Traevon Jackson
Der Linkshänder und Sohn vom ehemaligen NBA Spieler Jim Jackson ist einer der wichtigsten Spieler für sein Team, da er als einziger wirklicher Aufbauspieler sein Team strukturiert auf dem Feld. Zudem ist er der einzige Spieler im Backcourt, der sich konstant seinen eigenen Wurf kreieren kann und auch mit Schwung zum Korb zieht. Dort kann er mit beiden Händen variabel abschließen. Sein Wurf könnte etwas konstanter sein, ist aber dennoch eine ernstzunehmende Waffe. Er erinnert ein wenig an eine Light-Version von Mike Conley Jr. von den Memphis Grizzlies.

SG - Ben Brust
Ben Brust ist in erster Linie ein „streaky Shooter“, der an einem guten Tag gerne auch 5-6 Dreier aus allen erdenklichen Lagen trifft. Zusätzlich ist er der Inbegriff des Durchschnittsspielers in Bo Ryan Offensivsystem, der Swing Offense. Mit seinem hohen Spielverständnis und seiner Erfahrung mit dieser Offense, läuft er viele gute Cuts, die meistens zu einfachen Punkten führen. Zudem ist er ein sehr robuster Verteidiger und versteht es dabei ausgezeichnet seinen Gegenspieler unter Druck zu setzen, ohne ein Foul dabei zu gehen.

SF - Josh Gasser
Nachdem er die vergangene Saison aufgrund eines Kreuzbandrisses aussetzen musste, zeigt er sich diese Saison noch ein Stück motivierter als vor seiner Verletzung. Er dürfte der beste Verteidiger der Badgers sein und zieht mit seiner Toughness und Erfahrung seine Mitspieler mit. Offensiv profitiert er von der teamorientierten Offense und kann dort seine Qualitäten als hochprozentiger Schütze einbringen, um für noch besseres Spacing zu sorgen.

PF - Sam Dekker
Er deutete letzte Saison immer wieder sein Potential an und konnte von der Bank neue Impulse geben. In dieser Saison gelang ihm aber der Durchbruch. Aufgrund seiner Athletik und Körperkontrolle hat er kaum Probleme in Ringnähe nach einem starken Drive zu finishen. Auch sein Wurf fällt konstanter und stellt eine ernstzunehmende Bedrohung für den gegnerischen Korb dar. Allerdings muss er noch an seinem Ballhandling feilen und auch bei Postups muss er noch besser mit Kontakt umgehen. In der Verteidigung fehlt ihm manchmal die Masse im Post.

C - Frank Kaminsky
Schulterte sein Team gegen Arizona und konnte dort sein gesamtes Paket zeigen. Besitzt ein unglaublich großes Arsenal an Bewegungen, Täuschungen und Abschlüssen im Postup, durch die er in Kombination mit seiner guten Fußarbeit dort kaum zu verteidigen ist. Außerdem profitiert er davon in jungen Jahren ein Aufbau gewesen zu sein und verfügt dadurch über einen guten Wurf, sowie außergewöhnlich gutes Ballgefühl für seine Größe. Defensiv offenbart er im 1-1 zwar hin und wieder Schwächen, ist aber ein guter Teamverteidiger und räumt gerne mal den einen oder anderen Korblegerversuch von der Weakside kommend ab.

Die Bank
PF/C - Nigel Hayes
Der Freshman des Jahres der Big Ten beeindruckt mit seiner frechen und aggressiven, aber dennoch recht kontrollierten Spielweise, die für einen Spieler seines Alters einigermaßen ungewöhnlich ist. Er bringt Instant Scoring von der Bank und zieht jede Menge Fouls. In der Verteidigung ist er meistens ein deutliches Maß kleiner als sein direkter Kontrahent, was er mit Power und Einsatz auszugleichen versucht.

SG/PG - Bronson Koenig
Koenig bringt den Ball sehr solide nach vorne und verschafft den Startern im Backcourt wichtige Verschnaufpausen. An guten Tagen kann er neben seiner guten Defense auch gelegentlich Akzente im Angriff setzen. Wenn dies der Fall ist, dann zumeist in Form von Dreipunktewürfen.

PF/SF - Duje Dukan
Für den auf die Verteidigung fokussierten Dukan reicht es meistens nur zu Kurzeinsätzen, um den Startern Dekker und Gasser Pausen zu verschaffen. Offensiv ist er trotz der guten Teamoffense normalerweise kein Faktor, dafür erledigt er seine Aufgaben in der Verteidigung sehr pflichtbewusst.

Der Coach
Bo Ryan
Für den erfahrenen Bo Ryan ist es die erste Final Four Teilnahme. Damit betritt er genau so Neuland, wie seine Spieler. Ryan hat sein Team extrem gut im Griff, was auch mit seinem sehr autoritären Führungsstil zusammenhängt. Sein Team verursacht sehr wenige Ballverluste, was z.T. auf die langsame Spielweise und die geduldige Teamoffense zurückzuführen ist, mit Sicherheit aber auch damit verknüpft ist, dass die Spieler wissen, dass sie bei einem Ballverlust sofort ausgewechselt werden. Bei Ryan gibt es keine Einzelkämpfer und der Teamgedanke steht im Vordergrund. Mit den Unparteiischen steht der 66-Jährige gerne mal auf Kriegsfuß und nutzt das Technische Foul gerne mal als taktisches Mittel, um seine Mannschaft aus einer Tiefschlafphase aufzurütteln.


Kentucky Wildcats (#8)

Starting 5
PG - Andrew Harrison
Zu Beginn der Saison und eigentlich bis zum SEC Tournament konnte Andrew Harrison die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Häufig schien es so, als käme er mit dem Coaching Stil Caliparis nicht gut klar, weil er es schlicht nicht gewohnt zu sein schien, von seinem Trainer harsche Kritik bei jedem toten Ball einstecken zu müssen. Meistens konnte man in den ersten Minuten bereits vorhersehen, was für einen Tag Harrison erwischt hatte. Doch seit dem Finalspiel gegen Florida wirkt Harrison wesentlich sicherer und souveräner. Er nutzt seine extrem starke Physis für einen Aufbau, um seine Gegenspieler zu „overpowern“. Wenn er gefoult wird, bestraft er den Gegner mit seiner guten Freiwurfquote. Zudem ermöglicht er seinen Mitspielern Freiräume, die diese meistens zu verwerten müssen. Auch das präzise Alley-oop-Anspiel befindet sich in seinem Repertoire.

SG - Aaron Harrison
Er gilt als der bessere Schütze der Harrison Twins. Zwar deutete er das während der Saison bei Gelegenheit auch mal an, doch ihm fehlte definitiv die Konstanz in seinen Leistungen. Umso größer dürfte daher die Erleichterung bei Calipari gewesen sein, als Harrison gegen Louisville und Michigan so viele entscheidende Würfe erzielen konnte. Das muss er nun bestätigen. Wünschenswert wäre es aus Sicht der „Blue Nation“, wenn er direkt vom Sprungball weg sofort die notwendige Aggressivität an den Tag legen könnte. Er tendiert gerne mal dazu, für große Teile eines Spiels unterzutauchen.

SF - James Young
Dank seines guten Wurfes kann Kentucky überhaupt nur verhindern, dass die Gegner nicht mit fünf Spielern in der Zone stehen. War einer der konstantesten und daher auch wichtigsten Spieler in der Saison und hält sein Team häufig im Spiel. Wenn man ihm  erlaubt, über seine linke Hand zu gehen, ist er auch sehr effektiv beim Zug zum Korb und kann in der Zone dank gutem Touch auch schwierige Würfe versenken. In der Verteidigung ist er allerdings manchmal zu unaufmerksam und gönnt sich Pausen.

PF - Julius Randle
Unterstrich mit seinen exzellenten Leistungen im Tournament bis zu diesem Zeitpunkt, dass er NBA-ready ist. Verfügt über eine wahnsinnige Physis und ist eine Reboundmaschine. Er erinnert in dieser Hinsicht immer wieder an Zach Randolph. In der Offensive hat er sich sichtbar weiterentwickelt, denn er versteht mittlerweile besser, wann er den Korb attackieren sollte, und wann es klüger wäre den Ball gegen ein Doppeln oder sogar Trippeln rauszupassen. Außerdem zeigt er auch in der Teamdefense ein verbessertes Spielverständnis und man kann nun vermehrt beobachten, dass er von der Weakside kommend seinen Mitspielern Hilfen gibt.

C - Dakari Johnson
Auch der fünfte Freshman im Bunde zeigte sich zuletzt stark verbessert. Er ist der klassische Brettcenter, der sich im Postup mit seiner Masse und einer guten Fußarbeit durchsetzen kann. In der Verteidigung ist er sehr anfällig für Fouls, was zum einen auf mangelnde Erfahrung, zum anderen aber mit Sicherheit auch der Tatsache geschuldet ist, dass ihm die nötige Schnelligkeit fehlt, um z.B. das Pick & Roll zu verteidigen.

Die Bank
PF/SF - Alex Poythress
Wenn der Sophomore zusammen mit Julius Randle auf dem Spielfeld steht, hat der Probleme immense Probleme, den Defensiv Rebound zu kontrollieren. Allerdings hat er sich diese Saison im Vergleich zum Vorjahr kaum weiterentwickelt. Er beschränkt sich ausschließlich darauf, nach Rebounds sein Team mit Putbacks zu unterstützen. Generell wird er von Coach Cal dieses Jahr verstärkt als Verwerter eingesetzt. An einem guten Tag kann er damit aber Spiele entscheiden, denn kaum ein College Spieler geht konsequenter beim Abschluss zu Werke.

PF/C - Marcus Lee
Kam wie Kai aus der Kiste im Spiel gegen Michigan, obwohl er durchaus bereits ein paar solide Spiele absolviert hat, in denen er neue Energie auf das Feld bringen konnte. Genau das erwartet Calipari von seinem Freshman. Dieser zeichnet sich vorrangig durch seine herausragende Athletik und seinen Touch aus. Hat aber Probleme konstant gegen Körperkontakt standzuhalten. In der Defense verlässt er aber Finten seines Gegenspielers zu schnell den Boden.

PG/SG - Dominique Hawkins
Ein weiterer talentierter Freshman, der für Entlastung im Backcourt sorgen kann. Seine Hauptaufgabe besteht darin, Druck auf den Aufbauspieler der Gegenseite auszuüben. In der Offense spielt Kentucky allerdings nur zu viert, wenn er auf dem Feld ist, da er keinerlei Gefahr ausstrahlt.

PG/SG - Jarrod Polson
Der Senior ist der einzige Routinier, der regelmäßig Spielzeit erhält. Er bringt den Ball solide nach vorne und verfügt zudem über einen guten Distanzwurf. Je nach Gegner geht seine Spielzeit an Hawkins oder andersherum.

C - Willie Cauley-Stein
Hinter seinem Einsatz steht ein dickes Fragezeichen. Das wäre mit Sicherheit ein herber Verlust für die Wildcats, denn damit müssten sie auf ihren einzigen Rimprotector verzichten, was eine Schwächung für die Defense darstellt. Allerdings verfällt er noch zu häufig in eine lethargische Körpersprache, was dazu führen kann, dass er sein Team etwas bremst.

Der Coach
John Calipari
Zwar ist das Team nicht so souverän durch die Saison marschiert wie vor zwei Jahren, dafür ist das Team aber noch jünger und besonders auf der Schlüsselposition im Aufbau noch unerfahrener. Umso erstaunlicher ist daher die Entwicklung der vergangenen Saisonwochen. Einige Spieler präsentieren sich wie ausgewechselt und blühen regelrecht auf. Daran dürfte Coach Cal einen deutlichen Anteil haben, denn er wird einfach nicht müde, dieselben Dinge immer wieder und wieder solange zu korrigieren, bis sie perfekt umgesetzt werden. Außerdem kennt er seine Schützlinge sehr gut und weiß um ihre Vorlieben. Er versteht es sehr gut, Randle & co. in aussichtsreiche Positionen zu bringen und ihnen das freie Spiel, wie sie es mögen, zu ermöglichen. Außerdem reagiert er gut auf das Spielgeschehen, da er sehr gezielt Auszeiten nimmt und exakte Einweisungen zu den Spielzügen im Angriff gibt. Einziger Kritikpunkt ist bisher aus meiner Sicht, dass Kentucky den Start zu oft verpennt hat und nicht von Anfang an den Kampf annimmt.

Wisconsin vs. Kentucky

Vorteile Wisconsin
- Sind das deutlich erfahrene Team, auch wenn das Final Four auch für sie Neuland ist
- Ausgeglichener besetzt und dadurch schwer auszurechnen
- Leisten sich weniger Fehler an beiden Enden des Feldes
- Sie haben die besseren Schützen

Vorteile Kentucky
- Sie sind deutlich athletischer
- Sie sind wesentlich größer
- Zeigen bisher auch in engen Spielen keine Nerven
- Haben viele Waffen, um die Innenspieler Wisconsins in Foulprobleme zu stürzen
- Coach Cal ist deutlich erfahrener auf diesem Terrain

Key Matchup
Trae Jackson vs. Andrew Harrison
Was wird sich durchsetzen? Erfahrung und Spielintelligenz oder Talent und physische Überlegenheit? Ich denke, hier ist besonders das Entscheidungsverhalten von Jackson entscheidend, denn er darf nicht zu sehr auf lange Würfe spekulieren, sondern muss aggressiv den Weg zum Korb suchen. Bei Harrison wird die Frage sein, ob er die Pfiffe der Referees bekommt oder seine Mitspieler seine Fehlversuche nutzen können.

Indikator
Die Foulverteilung
Wisconsin ist in der gesamten NCAA eines der diszipliniertesten Teams in der Verteidigung. Sie kommen häufig ohne Fouls aus und erzwingen trotzdem schwierige Würfe. Kentucky lebt quasi an der Freiwurflinie und zieht aufgrund der physischen Überlegenheit kompromisslos zum Korb. Dadurch sind sie oftmals nur durch Fouls zu stoppen. Speziell Andrew Harrison und Julius Randle stellen in dieser Hinsicht eine extreme Gefahr dar.

Prognose
In diesem Halbfinale treffen zwei Mannschaften mit sehr konträren Spielstilen aufeinander, sodass man im Vorhinein nur schwer festlegen kann, wer das Spiel nach seinen Vorstellungen gestalten und damit das Spiel wahrscheinlich für sich entscheiden wird. Eigentlich sehe ich Wisconsin leicht im Vorteil, weil sie schwerer auszurechnen sind und durch ihre Erfahrung, Toughness und mit Bo Ryan als Trainerfuchs die Waffen der Wildcats besser ausschalten können. Wenn aber die Würfe nicht fallen und die Schiedsrichter sich auf eine kleinliche Linie einstellen, könnte Wisconsin Probleme bekommen. Trotzdem haben die Badgers beim Sieg über Arizona bewiesen, dass sie zumindest gegen athletische Mannschaften siegen können. Bei Kentucky kommt jedoch noch die physische Überlegenheit, was Körpergröße und –masse angeht, hinzu. Wenn die Harrison-Twins weiter starke Leistungen abliefern, Randle nicht überdreht und die Big Men das offensive Brett attackieren, sehe ich die Wildcats im Vorteil. Da ich mich aber festlegen muss, setze ich dennoch auf die Erfahrung und den Teambasketball der Badgers.