22 April 2014

nbachefsquad | 22. April, 2014    @nbachefkoch






Playoffs, Baby! Die echte Saison ist endlich unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action auf einmal würde es kaum Sinn machen, traditionell zu berichten und das Chaos-Element dieser Wochen zu vernachlässigen. Kein Grund zur Sorge: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Kendrick Perkins in Crunchtime und versorgt euch täglich mit den feinsten Petitsbouches zur NBA-Postseason.



Seb Dumitru: Habt ihr jemals mit einem Grizzly-Bären gekämpft? Ich schon. Das Problem mit diesen Viechern ist, dass sie einen ganzen Abend lang einstecken können, und trotzdem niemals kaputt zu kriegen sind. Wissenschaftler wissen nicht, ob das an ihren knapp 2,5 Metern Länge liegt, ihren 500 Kilogramm oder dem ausgeprägten Fettgewebe unter dem dickborstigen Fell, aber die Nehmerqualitäten dieser Biester sind außergewöhnlich.

Wer mir nicht glaubt, der muss sich nur mal die gestrige Szenerie in Oklahoma City vergegenwärtigen, wo die Thunder über 53 Spielminuten und gefühlte fünf Stunden Echtzeit so ziemlich alles in die Waagschale schmissen, was sie zur Disposition hatten. Westbrook und Durant erzielten zusammen 65 Punkte, Serge 'Dikembe' Ibaka-Mutombo lieferte ein Double-Double mit 5 Blocks ab, und Kendrick Perkins stieg mit dem vielleicht ersten Feldkorbtreffer seiner Karriere zu jenem Crunchtime-Superhelden auf, den wir alle ja irgendwie schon all die Jahre über in ihm vermutet hatten.


Memphis lag zwar immer in Front, aber die Thunder kamen immer wieder heran. Westbrook traf einen absurden Dreier kurz vor Schluss, Perk neutralisierte den Grizzlies-Post, Sefolosha klaute Ballhandlern einfach Spaldings aus der Hand, und dann machte Kevin Durant Kevin Durant Dinge, die im Prinzip gar nicht gehen - es sei denn, man ist Kevin Durant.





All das reichte Oklahoma City trotzdem nicht. Der Grizzly steckte einen harten Punch nach dem anderen weg, als wären's sanfte Streicheleinheiten, und ließ sich keinen einzigen Zentimeter von der Stelle bewegen. Mike Conley brillierte mit dem zweiten Double-Double im zweiten Spiel und einer 6 zu 1 Assist/Turnover Rate. Mike Miller traf drei Dreier, während Beno Udrih dreist Jamal Crawford kopierte (14 Punkte in 14 Minuten). Tony Allen war überall - eine einzige, gigantische, bekrallte Bärenpranke in Passwegen, Drives zum Korb und jedem Jumpshot, den die Thunder versuchten. Und als der Ursus sein Gegenüber dann endlich wieder im Overtime-Würgegriff hatte, brachte Zach Randolph den entscheidenden Genickbrecher an.

So ist das mit diesen Bären. Sie bremsen dich aus (nur 16 Fastbreak-Punkte für OKC), zerren dich in den Infight (56 Zonen-Punkte für Memphis) und geben dir das oberflächliche Gefühl, dass du da drinnen überleben, ja sogar triumphieren könntest. Aber das einzige, was es mit dir macht, ist dich aufzureiben. Es raubt dir alle Energie, und ganz am Ende, wenn du nicht mehr kannst, spielt nur noch der Grizzly. Mit dir.

Ich weiss, wovon ich spreche. Ich bin jünger, athletischer und viel dynamischer. Ich fliege normalerweise nur so durch die Gegend. Aber so ein Bär ist immer darauf vorbereitet. Und dreht den Spieß einfach um. Nehmt euch meine Worte und schmerzhaften Erfahrungen bitte zu Herzen. Lasst euch nicht ködern und auf gar keinen Fall auf ein langsames Tete-a-Tete mit diesen Monstern ein. Wenn ihr einen Grizzly jemals erblicken solltet, dann rennt. Rennt gefälligst um euer Leben und macht, dass ihr da irgendwie weg kommt! Eure Eingeweide werden's euch danken.







Hauke Büssing: Bankraub [ˈbaŋkra͜up] - Der Überfall auf ein Geldinstitut mit dem Ziel, Wertgegenstände zu erbeuten, zusammengesetzt aus den Wörtern "Bank" und "Raub."

Bank: Ein 40-Punkte-Sieg ist stets mehr als nur einer Gegebenheit geschuldet. NBA-Playoff-Teams lassen sich nicht einfach so den Hintern versohlen, nur weil ein Spieler heiß läuft. Viele Faktoren spielen eine Rolle: Blake Griffins hypereffiziente Performance war atemberaubend, Chris Paul orchestrierte wieder einmal wie ein Miniatur-Meisterdirigent und DeAndre Jordan dominierte in der Verteidigung und – dass ich das jemals schreiben würde – war an der Freiwurflinie so verlässlich wie die Steuern und der Tod.

Der entscheidende Unterschied ist in diesem Spiel jedoch Los Angeles‘ Bankspielern zuzuschreiben. Crawford, Collison & co. lieferten 21 Punkte in den ersten 16 Minuten sowie 58 Zähler über die gesamte Partie und rissen im zweiten Viertel das Geschehen an sich. Insbesondere Granger, Türkoglu und Glen „Giant, Huge Baby“ Davis – allesamt nicht via Trade, sondern über den freien Markt zu den Clippers gekommen – sorgten heute für die entscheidende Richtung. Die Bank war heute Nacht in Los Angeles extra lange geöffnet, und die Reservisten zeigten, dass die Clippers in der aktuellen Saison qualitativ mit einer Tiefe aufwarten können, die sie in den vergangenen Jahren schlichtweg nicht hatten.

Raub: Zum anderen ist Doc Rivers Adjustierung insbesondere in der defensiven Abteilung ein großes Lob zuzusprechen. Kombinierten sich die Warriors während der ersten Partie noch kunterbunt und munter durch die Zone, erhöhte Los Angeles im zweiten Spiel den Druck auf den Ballführenden, ging aggressiver in die Passwege und provozierte so insgesamt sage und schreibe 26 Ballverluste bei Golden State. Dank ihrer energisch-streitlustigen Verteidigung kidnappten die Clips den Sieg bereits in der Anfangsphase und liefen mit ihm davon wie eine Handvoll braungebrannter Ganoven mit der goldenen Beute.




• Indiana Pacers - Atlanta Hawks, Gm. 2 (Stand: 0-1)
• Toronto Raptors - Brooklyn Nets, Gm. 2 (Stand: 0-1)
• Chicago Bulls - Washington Wizards, Gm. 2 (Stand: 0-1)