28 April 2014

nbachefsquad | 28. April, 2014    @nbachefkoch






Playoffs, Baby! Die echte Saison ist endlich unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action auf einmal würde es kaum Sinn machen, traditionell zu berichten und das Chaos-Element dieser Wochen zu vernachlässigen. Kein Grund zur Sorge: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Vince Carter in Crunchtime und versorgt euch täglich mit den feinsten Petitsbouches zur NBA-Postseason.


Anno Haak: Die beste Zeit des Jahres. Da kann man schon mal einen JR Smith’schen Selbstreflexionsausfall erleiden. 3…2…1…los. Corpus iuris Paceris revisited. Was hatte ich gesagt?

DU SOLLST GUT STARTEN!... Die Pacers kommen aus der Kabine, als wollten sie das Falkennest in Stöckchen reißen, bevor Roy Hibbert „self confidence“ ausgesprochen hat. Dreier George, Dreier Stephenson, Floater Hill. 8-0 Indiana. 2:40 nach dem Tippoff führen die Pacers höher als im ganzen Spiel drei. Regel: check.

DU SOLLST DAS HANDTUCH SCHWENKEN!... Stoisch wie Charlie Harper, wenn er der nächtlichen Eroberung am Morgen danach ein Taxi ruft, hatte die zweite acht der eigenen Beerdigung in Spiel 3 zugesehen. In Spiel 4 bleibt alles anders. Es wird das Trockenutensil geschwenkt, es wird gebumpt, es wird gelacht. Als der Benchmob im Vierten das Comeback der Fünf auf dem Feld ausgelassen feiert, mahnt Lance Stephenson (!) zur Ruhe. Checkt die Matrix. Aber erst: Regel, check.


DU SOLLST DEINE OFFENSE EHREN!... 48% aus dem Feld, 39% von Downtown. Und das war kein Zufall. Zugegeben, beim Crunchtime-Dreier von George ist die Hand des Verteidigers im Gesicht wie bei einem durchschnittlichen Turner-Stephenson-Meeting. Und dass David West von der Dreierlinie netzt (25% Karriere-Quote) ist ungefähr so wahrscheinlich wie der Sportsmanship Award für Donald Sterling. Aber, die 59% Assist-Quote lügt nicht. Geht doch. Regel: check.

DU SOLLST KLEIN SPIELEN!... Net-Rating 21,7 in den Playoffs. Beste Frontcourt-Two-Man-Lineup, die die Pacers haben: Scola/West. Ende der Durchsage. Hat jemand „kleine Sample Size“ gesagt? Richtig, aber wessen Fehler ist das? Wenn Vogel es nach diesem vierten Quarter in Spiel vier nicht verstanden hat, ist er reif für den Vinny-Del-Negro-Gedächtnis-Preis. Auch hier wieder, Regel: check.


Der Rest vom Fest ist Paul! Millsap! 29 Punkte bei 10/18 FG, dazu 7 Rebounds und 2 Assists. Was müssen sie am Salzsee gute Forwards haben. Hätte Budenholzer ihn nicht nach frühen vier Fouls große Teile der zweiten Halbzeit sitzen lassen müssen, vielleicht hätten die Pacers sich an alle Regeln gehalten und stünden trotzdem am Abgrund. Was nur beweist, wie unwichtig mein Take der Pacers-Taktik ist. Also JR-Smith-Modus aus. Aber Spiel 5 kommt bestimmt. Und es ist immer noch die beste Zeit des Jahres…

PS: DU SOLLST DIE REVIEW-REGEL ÄNDERN!... Lieber, verehrter, gebenedeiter Adam Silver, beenden Sie diesen Irrsinn! Gegen die letzten drei Minuten ist Kautschuk zart wie Butter. Wenn ich Leute drei Stunden lang schreien hören will, gehe ich in die Oper. Ein Basketballspiel dauert 48 Minuten.




Wolfgang Stöckl: Ganz ehrlich, die Hawks nerven. Qualifizieren sich mit einer Bilanz, mit der man eigentlich keinen Playoff-Basketball spielen dürfen sollte. Wie in der Saison ist auch in den Playoffs die Halle nie richtig voll, Stimmung gibt's immer nur woanders. Der Hallensprecher klingt bei Dreiern der Hawks, als hätte man ihm die Weichteile abgeschnürt. Am meisten genervt von den Hawks dürften aber die Pacers sein. Die quälen sich geradezu durch diese Serie gegen ein mittelmäßiges Hawks-Team, das im Prinzip aus einem passablen Point Guard, einem All-Star Power Forward und beliebig vielen weiteren Spielern an der Dreierlinie besteht. Das macht der Defensive der Pacers Probleme, weil die Jungs, die bei Indiana eigentlich die Zone bewachen sollen, (Hibbert, West und Mahinmi, alle drei mit Top-Defensivwerten in der regulären Saison) sich von dort entfernen müssen, um die gegnerischen Dreier-Schützen zu decken. Die Hawks treffen in dieser Serie bisher 39% aus dem Feld und 35,5% von der Dreier-Linie. Gemessen an der Anzahl der Dreier, die die Hawks nehmen (31 pro Spiel), relativiert sich die niedrige FG-Quote, aber insgesamt ist das immer noch nicht sonderlich beeindruckend. So richtig dramatisch ist die Situation also defensiv auch wieder nicht für Indiana, aber ein gewisses Unwohlsein ist bei den Gelb-Blauen schon immer zu spüren, wenn ihre Defensive so weit auseinander gezogen wird.

Die Probleme der Pacers liegen auch in der Offensive. Diese ist uninspiriert und schlecht organisiert, wie schon seit Jahren - die Pacers haben hier noch nie Bäume ausgerissen. Wenn man den Pacers im Angriff zusieht, erkennt man nie, was genau der Plan oder der Spielzug sein soll. Die Akteure stehen sich immer wieder gegenseitig auf den Füßen. Vorhandene Mismatches werden oft bis meistens nicht ausgenutzt. Die Hawks spielen oft mit Teague, Korver und Carroll gegen Hill, Stephenson und George. Diese Lineup müsste Indiana viel häufiger attackieren, im Zweifelsfalle immer Korver. Das Fehlen eines echten Point Guards macht sich dann bei Indiana immer wieder bemerkbar. Oft landet der Ball bei David West im High Post, der dann die Bälle verteilt oder selbst von dort das Spiel macht. West ist gut, aber die Ballsicherheit eines Spielmachers hat er eben doch nicht. So enden die Angriffe der Pacers dann eben oft mit einem schlechten Wurf.

Da sie auch kaum in der Lage sind, einen Fast-Break zu laufen oder konstant an die Freiwurflinie zu gehen (4 Versuche pro Spiel weniger als Atlanta plus schwache Quote mit 71,8%), tun sich die Pacers sehr schwer, mal einen richtigen Run hinzulegen, selbst wenn die Hawks massive Durchhänger haben. So etwas zehrt natürlich an den angespannten Nerven des wenig selbstbewussten Nummer eins Seeds. Am Samstag haben die Pacers wenigstens den überlebenswichtigen Ausgleich geschafft, die Führungspersönlichkeiten Paul George und David West sorgten mit ihren Dreiern für die Entscheidung, machten es allerdings auch wieder spannend, als beide an der Freiwurflinie wackelten. Auch daran konnte man erkennen, wie instabil die Situation bei den Pacers ist. Dazu noch Querelen innerhalb der Mannschaft, da helfen nur Siege. Die fallen aber derzeit immer noch nicht leicht. Es darf sich also weiter gequält werden - zur Not auch durch sieben Spiele. Es scheint, als kannten diese Pacers keinen anderen Weg.


Mr. Bobcat: Zu Beginn lief ja noch alles nach Plan: Der einbeinige Pirat machte mit den Heat in der Offensive, was er wollte und die Bobcats-D war auch ok. Dann ging's schnell bergab. Diese Mannschaft ist einfach zu grün hinter den Ohren und wieder einmal während einer Schwächephase im zweiten Viertel total in sich zusammengebrochen. Ein humpelnder Big Al kann es nicht alleine richten. Hinzu kommt, dass du mit einem Shooting Guard wie Gerald Henderson in der Starting Five keinen Blumentopf gewinnst. Wenn der von draußen abdrückt, ist fast immer Backstein-Alarm. Allgemein gesehen sind die Bobcats-Guards der Flop der Serie. Gerade Gary Neal hat enttäuscht. Neal sah in der regulären Saison noch so gut aus, in den Playoffs präsentiert er sich katastrophal. Im nächsten Jahr müssen dringend fähige Shooter verpflichtet werden. Ich glaube trotzdem noch an einen Achtungserfolg der Cats. Dazu müssen aber mal die Guards treffen, und es muss mehr von der zweiten Einheit kommen. Ich bin aber weiterhin zuversichtlich.

Edit: Al Jeffersons Status für Spiel vier am Montag ist "fragwürdig." Ich bin aber weiterhin...








Sebastian Hansen: Wenn Kevin Durant und Russell Westbrook in einem Spiel zusammen genommen nur 30 Punkte erzielen (!) und die Oklahoma City Thunder trotzdem gewinnen, dann handelt es sich bei diesem Sieg um etwas besonderes. Und tatsächlich war diese Nacht durchaus historisch. Zum einen, weil es erst das zweite Mal in der Geschichte der NBA war, dass es in einer Playoffserie drei Spiele hintereinander gab, die erst in der Overtime entschieden wurden. Zum anderen machte Reggie Jackson das Spiel seines Lebens und war allein dafür verantwortlich, dass OKC es überhaupt nochmal in die Verlängerung schaffte. Nachdem Memphis erst einen 14-Punkte-Rückstand aufgeholt und dann sogar einen fünf-Punkte-Vorsprung herausgespielt hatte, war es Jackson, der erst einen Stepback-Dreier und dann einen Midrange-Wurf traf und so das Spiel ausglich. Auch in der Verlängerung punktete Jackson munter weiter, am Ende stand der 92-89 Sieg zum 2-2 Ausgleich für Oklahoma City.

Ein weiterer Siegesgrund neben Jacksons Karriereabend war die deutlich bessere Freiwurfquote der Thunder. Memphis traf nur 56%, OKC dagegen fantastische 90%. Dadurch liegt der Heimvorteil nun wieder im mittleren Westen der USA, und Spiel Fünf wird für beide Teams ein entscheidendes sein. Gerade von Kevin Durant und Russell Westbrook sollte dann eine bessere Leistung kommen als in Spiel Vier. Denn nicht immer kann man davon ausgehen, dass einer der Rollenspieler für die beiden Superstars in die Bresche springt. Memphis muss beides verhindern. Wenn Tony Allen Durant weiterhin so brilliant verteidigt wie bisher und Westbrook auch ständig in der großartigen Team-Defense der Grizzlies hängen bleibt, besteht eine realistische Chance auf einen erneuten Wechsel des Heimvorteils, denn Memphis ist in dieser Serie mindestens ebenbürtig. Es wird in jedem Fall der nächste heiße Fight werden und wer weiß: vielleicht gibt es auch dieses Mal einen Sieger erst im Nachsitzen. Es wäre nichts Außergewöhnliches in der ausgeglichensten Serie dieser Playoffs.


Tiago Pereira: Das Spektrum der Pre-Game Rituale ist breiter gefächert als ein Pfauenschweif. Ein Artenreichtum an Pulverbädern, Motivationsreden oder Liebkosungen des Spielgerätes erstreckt sich durch die Spielerlandschaft der NBA. Hinter jeder Gewohnheit befindet sich eine tiefere Bedeutung, eine Bedeutung, die nicht gleich auf den ersten Blick erkannt wird, oder gar nur von dem praktizierenden Spieler verstanden werden soll. Manchmal jedoch ist die Intention unüberschaubar offensichtlich und trifft den Zuschauer wie eine Faust ins Auge!

Vor dem Aufwärmen zum vierten Playoffspiel versammelten sich die Spieler der LA Clippers am Mittelkreis. Arm in Arm, Seite an Seite, mit gesengten Köpfen Richtung Boden, als ständen sie um ein Grab herum. Gemeinsam warfen die Clipper Spieler ihre Wurftrikots, mit dem Logo der Franchise auf den Boden, in das imaginäre Grab und entblößten ihren Trauerflor. Schwarze Armbänder, Socken und Stirnbändern wurden zu Symbole der Trauer. Doch es war nicht nur die Farbe Schwarz, welche zum Vorschein kommt. Ein rotes T-Shirt, falsch herum getragen mit dem Etikett am Hals baumelnd. Was wie ein modischer Fauxpas aussah, war ein stiller Protest der Spieler gegen Donald Sterling. Das Logo der Clippers blieb unerkenntlich, denn an diesem Abend wollte kein Clipper das Symbol seines Arbeitgebers auf der Brust tragen.


Der Besitzer der anderen Franchise aus L.A. erzürnte die Gemüter aller NBA-Spieler, Fans und Organisatoren, als er in einem Tonbandmitschnitt seinen Hass gegenüber farbigen Spieler eine landesweite Bühne gab. Sterling ist kein unbeschriebenes Blatt und hat schon mehrfach für Schlagzeilen gesorgt, indem er Latinos oder Schwarze rassistisch beleidigt oder diskriminiert hat. Doch die Hirnrissigen und gleichermaßen verstörenden Aussagen Sterlings gegenüber seiner mexikanischen Freundin erschüttern jetzt ganz Amerika, die ganze Welt. Wer mit der Terminologie „Shitstorm“ nicht vertraut ist, der möge einfach in Google die Suchbegriffe „Donald Sterling“ und „racist“ eingeben. Adam Silver, Magic Johnson, Michael Jordan, LeBron James, selbst der Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, sie alle äusserten sich und fanden keine Entschuldigung für Sterlings Aussagen. Die Öffentlichkeit, die Spielergesellschaft der NBA und die Medien fordern den Rücktritt Sterlings. Auch seine Mitarbeiter wollen den Exzentriker gehen sehen.

Bis aber eine Entscheidung bezüglich Sterlings Bestrafung gefallen sein wird, muss zuerst noch Basketball gespielt werden. Der Protest der Clippers zeigte, wie klein und unwichtig Basketball sein kann, wenn Rassismus die Bühne betritt. Wie einst Freddy Mercury sagte „The show must go on!“. Chris Paul und Doc Rivers haben ihrem Team klar gemacht, dass sie nicht für Donald Sterling verlieren müssen, sondern für einander gewinnen werden. "Das Denken der Gedanken ist ein denkenloses Denken, also denke nicht, gedacht zu haben." Kurz und knapp, die Clippers mussten sich auf Basketball konzentrieren. Aber umso mehr sie versuchten, das Drama zu verdrängen, umso prägnanter wurde es in ihren Köpfen. Es war deutlich zu erkennen, dass die Clippers nicht auf dem Hardwood in Oakland waren. Achtlose Turnover, halbherzige Pässe und kein Gift im Spiel: die Clippers waren einfach nicht sie selbst. Es war Golden State vorbehalten, die Nägel in den Sarg zu schlagen.

Mit Draymond Green in der Starting Lineup statt Jermaine O’Neal begannen die Dubs mit ihrer offensivsten Fünf. Die Smallball Taktik von Mark Jackson ging auf, denn die Warriors rannten im ersten Viertel die Clippers aus der heimischen Oracle Arena. Besonders die Splash Brothers füllten ihre Becher mit Zielwasser und trafen, was das Zeug hielt. Stephen Curry ließ einen Dreier nach dem anderen regnen, als würde er versuchen, Rassismus von der Dreierlinie aus zu beenden. Fünf Dreier in Folge ohne Fehlversuch, Franchise-Rekord für die meisten Dreier in einem Viertel. Jeff van Gundy hatte im Lexikon nachgeschaut und fand Curry unter der Definition „ridiculous“ - absolut lächerlich. Genauso so spielte der Warriors-Guard auch - lächerlich gut. Das Leben in Oakland war so einfach wie noch nie in dieser Postseason. Für L.A. hingegen trat die Leichenstarre ein. 39 Punkte kassierten die Männer von Doc Rivers im ersten Viertel, ein Ende war noch lange nicht in Sicht. Es schien so, als kämpften die Clippers mehr gegen sich selbst als gegen die Warriors. Zur Halbzeit war der Drops gelutscht, als die Warriors mit einer 18 Punkte Führung in die Kabine marschierten.



Der letzte Versuch eines Clipper Comebacks im dritten Viertel wurde im Keim der Foulprobleme Chris Pauls erstickt. Neben den schwachen Clippers waren es vor allem die Stars aus Oakland, die diesen Kantersieg herbei führten. Igoudala zeigte endlich sein volles Arsenal und füllte jede Kategorie im Box Score aus, als sei es ein Kindermalbuch (22 Punkte, 9 Assists, 4 Rebounds). Dazu fühlten die Splash Brüder sich an diesem Abend zum Werfen geboren und trafen genauso viele Dreier wie der gesamte Clipper Kader zusammen genommen (10 Makes). Der Start-Ziel schenkte den Fans in der Bay ein drittes Playoffspiel. Die Warriors nehmen das Gefühl mit, sich für das 40-Punkte-Massaker revanchiert zu haben, die Clippers kehren mit einem Sieg im Gepäck zurück nach Los Angeles. Coach Rivers muss nun ein paar Seelen streicheln und seine Männer auf das anstehende Spiel 5 vorbereiten. Spielerisch ist das Team intakt, dass wird Doc seinen Männern eintrichtern. Die mentale Komponente, die gilt es nun, wieder hinzubiegen. Gefühlt stehen die Clippers mit einem Bein im Grab. Begraben sind sie aber noch lange nicht.



Andreas Dieterle: Nene wurde nach seinem Head-to-Head Fight mit Jimmy Butler für das vierte Spiel gesperrt, was für einigen Gesprächsstoff sorgte.
 Der Besitzer der Wizards, Ted Leonsis, zeigte sich solidarisch.
 Auf dem Court fehlte Nene allerdings nicht. Die Wizards erwischten einen 14-0 Sahne-Start und ließen den Bulls nie wirklich eine Chance. Im letzten Viertel kamen die Gäste dank Taj Gibson (32 Punkte) zwar noch einmal heran, aber es war zu spät.

 Angeführt von einem überragenden Trevor Ariza (30 Punkte, 8 Rebounds) spielten sich die Wizards in einen Rausch und waren nicht aufzuhalten. Beal und Wall spielten eine klasse Partie. Vor allem in der Defense. Beal stellte Mike Dunleay zu, der gar nichts zu Stande brachte (nur 6 Punkte), Wall stand immer wieder geschickt in den Passwegen.

 Insgesamt war dieses Mal der Schlüssel zum Sieg für die Wizards ihre Defense. „Free Nene“ - Sprechgesänge hallten durch das Verizon Center als das Spiel entschieden. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch können die Wizards mit einen Sieg in Chicago bereits alles klar machen und in die zweite Runde einziehen. Das gelang ihnen zuletzt im Jahr 2005.


Hauke Büssing: Um in der NBA echte Erfolge feiern zu können, gibt es eine Faustformel. Sie ist simpler als der Plot von Rambo III und doch schwierig zu befolgen: Man braucht zwei Superstars - und einen Marionettenkünstler. Lasst mich erklären: Die Heat haben LeBron, Wade und Präsident Pat Riley. Die Spurs haben Tim, Tony und Papa Popovich. Die Lakers hatten Kobe, Pau/Shaq und Zen-Meister Phil Jackson. Die Bulls: Jordan, Pippen und – erneut –  Jackson. Boston hatte Pierce, Garnett und den Geist von Red Auerbach. Dallas hatte Dirk, Dirks verletztes Ego von 2006 und Rick Carlisle, ein nebenbei bemerkt genialer Trainer. Und zur Abrundung: Teams wie die Detroit Pistons von 2004 sind so selten wie ein Arschgeweih an einem Literaturprofessor und bestätigen die Regel.

Warum die Raptors gestern Nacht in Brooklyn ausgeglichen haben? Zwei Superstars und ein Marionettenkünstler! Zugegeben, wir sprechen hier in einem mikroskopisch kleinen Rahmen, doch DeMar DeRozan ist mit 28,0 Punkten in den vergangenen drei Partien auf dem Weg zur ganz großen Nummer in der NBA. Als die Nets den Flügel-Flieger in der zweiten Halbzeit aus dem Spiel nahmen, übernahm die zweite Geige. Kyle Lowry streute den New Yorkern 22 Zähler ein und verzeichnete ein plus/minus von +14, besser als jeder andere Akteur auf dem Feld.

Der kleine Marionettenkünstler: General Manager Masaj Ujiri, der bereits in Denver eine einzigartig-erfolgreiche Mannschaft zusammenstellte und nun im Angesicht einer Saison, die eigentlich tief im Panzer des Tankings hätte verbracht werden sollen, mit einigen windigen Deals ein konkurrenzfähiges Playoff-Team auf die Beine gestellt hat. Während die Basketballwelt auf die Blazers, Rockets, Clippers, Warriors, Thunder, Grizzlies, Spurs und Mavs schaut, verpasst sie im vermeintlich hässlichen Osten eine großartige Serie. Jugendliche Kanadier gegen gestandene Großstädter: Zwei Mannschaften, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Toronto gegen Brooklyn: Raptoren gegen Dinos. Und das Duell der Zukunft gegen die Vergangenheit.



Hauke Büssing: Vor zwei Tagen schrieb ich über Spiel 3 der Rockets-Blazers-Serie: "Verrückt? Eigentlich nicht. Denn diese Partie lief in ihrem Kern genauso, wie die gesamte Serie laufen sollte, oder vielmehr, wie sie hätte laufen sollen: Ein Duell auf Augenhöhe, in dem Houston die Nase dank individueller Überlegenheit knapp vorne hat. Eine enge Angelegenheit, die die Rockets letztlich jedoch nach Hause schaukeln sollten."

Nun, nach vier Spielen Wahnsinn, die drei Verlängerungen mit sich brachten und mit hauchdünnen Unterschieden von jeweils nur zwei, sieben, fünf und drei Pünktchen entschieden wurden, bestätigt sich dieser Eindruck – und irgendwie auch nicht. Irre: Beide Teams hatten vor dem All-Star-Break und am Ende der Saison dieselbe Bilanz. Das Duell Vierter gegen Fünfter ist eigentlich ein Aufeinandertreffen zweier exakt Gleichplatzierter. Trotzdem steht es 3-1, Houston hat einen Triebwerksschaden. Warum ist das Ergebnis so deutlich?

Rockets-Manager Daryl Morey sprach heute via Twitter von einem vierfachen Münz-Wurf, bei dem der Glücklichere eben lachend, der Pechvogel weinend die Halle verlässt. Doch so funktioniert Basketball nicht. In der Regel gewinnt die Mannschaft mit dem besten Spieler die engen Angelegenheiten. Und während Harden und Howard ihre Counterparts Aldridge und Lillard auscanceln, übernehmen die X-Faktoren heimlich die Serie.

Chandler Parsons sagte vor Beginn der ersten Partie, er sei im Duell Houston-Portland der beste Small Forward. Wir haben eine schlechte und eine gute Neuigkeit für den 25-Jährigen. Die schlechte: Nein, er ist nicht der beste Dreier der Serie. Die gute: Er ist der nichtsdestotrotz der hübscheste Profi auf seiner Position. Nicolas Batum und Wesley Matthews laufen dem Freizeitmodel momentan zwar nicht auf dem Cat-Walk, jedoch auf dem Parkett deutlich den Rang ab. Miau! In den Playoffs machen Kleinigkeiten oft den Unterschied. Portland hat auch im Detail seine Helden gefunden. Das Glück ist mit den Tüchtigen. Und wer in die zweite Runde kommen will, muss nicht attraktiv sein.