21 April 2014

nbachefsquad | 21. April, 2014    @nbachefkoch


Playoffs, Baby! Die echte Saison ist endlich unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action auf einmal würde es kaum Sinn machen, traditionell zu berichten und das Chaos-Element dieser Wochen zu vernachlässigen. Kein Grund zur Sorge: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Damian Lillard in Crunchtime und versorgt euch täglich mit den feinsten Petitsbouches zur NBA-Postseason.

Rest in Pieces

Seb Dumitru: Kann endlich jemand im Hospital-Zimmer des ehemals alle in seinen Bann ziehenden, heute nur noch vor sich hinwegetierenden Championship-Contenders Indiana P. den Stecker der künstlichen Beatmungsmaschine ziehen? Die Hoffnung stirbt zuletzt, schon klar. Die Hoffnung, nochmals zurück zu kommen, wieder aufzublühen, alles wieder wie früher zu haben.

Irgendwo verständlich, diese Denke. Menschlich. Immerhin hatte Indiana P. ja trotz aller Probleme alle Ziele noch erreicht. War irgendwie doch noch Erster geworden, hatte Homecourt und die vermeintlich leichteste Erstrunden-Aufgabe vor sich. Den Sparringspartner des Ostens als Gegner, die halbtoten Zombies aus der scheintoten Philips Arena Gruft. Und wenn man sich zum wichtigsten Zeitpunkt im Leben nicht aufraffen und selbst aus dem Morast ziehen könnte, während die Zombies anrücken, wann dann?

In Indianas Fall nie, wie's aussieht. Statt auf's Fieldhouse-Parkett hinaus zu stürmen und den Hawks den Schnabel zu verbeulen, verfiel Indiana P. in altbekannte Verhaltensmuster: psychisch labil, mit sich selbst hadernd, vorne mit weniger Dynamik als ein 2,18 Meter großer, einbetonierter Stahlträger. Hibbert fand nicht statt, die Defensive fand nicht statt, Head Coach Vogel fand nicht statt - und Atlanta übernahm die Kontrolle. Fünf Hawks lungerten permanent an der Dreierlinie herum (11-30 von Downtown), Jeff Teague (28 Punkte) wirkte bei all dem Freiraum in der Pacers-Zone wie Tony Parker auf Speed. Mehrere Atlanta-Spieler stellten neue Playoff-Karrierebestwerte auf - gegen die vermeintlich beste Defensive der Liga.

Hier liegt der Pacer im Pfeffer begraben: Coach Vogel scheint nicht gewillt, die eigene Identität ein Stück weit verbiegen zu wollen, um wenigstens die offensichtlichen Matchup-Vorteile Atlantas adäquat zu neutralisieren. Der Glaube, mit den Errungenschaften der Vergangenheit positiv ins Heute eingreifen zu können, ist größer als die Erkenntnis, dass die Hawks mit Antic in der Lineup gegen Indiana ungeschlagen sind (3-0). Dass George als Teague-Verteidiger besser geeignet ist als Hill. Dass Watson als Playmaker besser geeignet ist als Hill. Dass Copeland als Stretch-Vierer vermutlich mehr Impact auf diese Serie haben kann als Hibbert an der Dreierlinie. Oder dass die Hawks als erst zweites Team in der 16-Team-Playoffs-Ära eine Serie gewinnen könnten, obwohl sie weniger als 50% ihrer regulären Partien gewannen.

Aber Vogel weigert sich. Und die Pacers verweigern ihm die Arbeit. Die an Acht gesetzten Hawks sind kein Underdog mehr in dieser Serie. Und die an Eins gesetzten Pacers sind kein Favorit mehr - weder in dieser Runde, noch in irgend einer danach folgenden, falls dieses "Team" eine solche überhaupt je wieder erreichen sollte. Rest in Pieces, Indiana P., Championship-Contender... Wir kannten uns kaum.


Anno Haak: Gefühle spielen keine Rolle. Nicht im Basketball. Und schon gar nicht in der NBA. Und schon zweimal gar nicht in den NBA Playoffs. Und doch sage ich es hier öffentlich: ich hatte kein gutes Gefühl für die Pacers. Ich meine nicht einen Fanboy, der Angst hatte. Ich meine einen Beobachter, der traurig war ob des Niedergangs eines Teams für Liebhaber, für Basketballpuristen. Ja ich hab‘s gesagt.

Und wisst Ihr, wer mein Lieblings-Asset in Indy war? Nicht Hibbert, der beste Rim-Protector im ersten Saison-Drittel, der geborene DPOY. Nicht Paul George, der MVP-Conversation-Liebling zu Weihnachten. Nicht Lance Stephenson, der logische MIP bis zum All-Star-Break. Danny! Granger!

Ich glaube nicht an die Stories, die jetzt erzählt werden. Dass George nie der Spieler geworden wäre, der er ist, ohne seinen „besten Freund“ im Team. Oder dass DG unverzichtbar war im Locker Room. Und doch: Granger zu verschiffen war der Kardinalfehler. Ich hasse Leute, die sagen: ich wusste es. Und ich sage es doch: ICH. WUSSTE. ES.

Ich bin kein Stats-Gott. Ich bin kein smart-NBA-NewAge-Guy. Aber ich habe einen siebten, achten, was weiß ich, wievielten Sinn. Wenn sich ein Trade falsch anfühlt, dann ist er falsch. Der Turner-Trade war falsch. Grottenfalsch. Sonics 1994-falsch. Indiana geht. In Runde 1. Ich war mir sicher.

Jetzt weiß ich es. Ich hab‘s gesehen. Am Samstag. Wer den Boxscore liest, hat nichts verstanden. Wer das Spiel gesehen hat, weiß mehr. Ich wusste es besser, aber ich dachte, die Nummer eins spielt in marine blau und die Nummer acht in gelb. Wie die Katze mit dem Wollknäuel spielte ATL mit den Pacers. 7:57 im dritten Viertel zu spielen. "...Antic and West get into it." Double Technical. 12 Sekunden später steht es 60-58 für Atlanta. Dann machen sich die Hawks zu den Heat und die Pacers zu den Bobcats. Sechs Minuten später steht es 80-62. Für die Hawks. Die Pacers haben keinen vierten Gang. Nie, nie habe ich das Gefühl, die Nummer eins des Ostens kommt auch nur in die Nähe eines Sieges. Das Gefühl trügt nicht. Das Endergebnis schmeichelt den Pacers. Ein Abend zum Erinnern. Ich bin traurig. Traurig, dass man so ein großartiges Team mit einem sportlich unbedeutenden Move so aus der Bahn werfen kann. Wer Roy Hibbert am Samstag gesehen hat, hat das Ende gesehen. Das Ende eines Traums. Das Ende des romantischen Rebuild. Ich fühle es. Auch wenn es keine Rolle spielt in der NBA.

Stat-Bulletten

• Houston stand in der ersten Hälfte gar nicht an der Freiwurflinie, obwohl kein Team in der NBA mehr Freiwürfe zieht. Dies widerfuhr zuletzt den Mavericks in der ersten Playoffrunde im April 2011. Gegen wen? ... die Blazers. Mit 40 Freiwürfen in der zweiten Hälfte gelang es den Rockets dennoch, ihren Saisonschnitt von 31,1 deutlich zu überbieten. 'Hack-a-Howard' (siehe weiter unten) trug dazu seinen Teil bei.
• Die Monster-Statlines von LaMarcus Aldridge und Dwight Howard waren nicht sonderlich überraschend, wenn man sich den Punkte/Rebound-Output beider Spieler in den Aufeinandertreffen dieser Saison anschaut:
LMA: 28/12, 27/20, 31/25, 21/5
DH: 17/12, 24/12, 32/17, 29/13
Wir können also auf mehr hoffen.
• Aldridge und Lopez verteidigten zusammengenommen 39 Versuche am Ring, wovon lediglich 16 ihr Ziel fanden. Zum Vergleich: die besten Spieler verteidigen knapp 10 Würfe am Ring pro Spiel und halten den Gegner unter 45% Feldwurfquote. Lopez gehörte schon in der Saison zu den besten Ringbeschützern nach dieser Statistik. Dieses Bollwerk ist ein Muss, um gegen die Offensive Houstons bestehen zu können, die neben Dreiern sehr häufig am Ring abschließt.
• Miami hat in der "Big-Three-Ära" noch nie gegen die Bobcats verloren. Dieses Mal brauchten die Stars allerdings Hilfe von der Bank. Die Plus/Minus-Könige waren in Spiel eins Andersen (+28), Jones (+18), Allen (+15) und Cole (+11).
• Diskutiert wurde vor und während des Spiels San Antonio vs. Dallas das schlechte Defensiv-Rating der Paarung Ellis/Calderon gegen die Spurs (120.4). In der regulären Saison spielte kein Spielerpaar der Mavs mehr Minuten gegen die Spurs. Carlisle hat reagiert und setzte Devis Harris (32 Minuten) deutlich mehr ein als Calderon (16 Minuten). Beide Paarungen waren auch in diesem Spiel nicht erfolgreich, aber dieses Mal lag der Grund eher in der Offensive, wo Ellis mit 4-14 aus dem Feld unter seinen Möglichkeiten blieb.
• Die Raptors holten mehr Rebounds, spielten mehr Assists, trafen mehr Freiwürfe und doppelt so viele Dreier wie die Nets. Dass es dennoch nicht für den Sieg gereicht hat, lag an den Turnovers. 19 für die Raptors gegenüber 9 für die Nets. Valanciunas hat mit 17 Punkten, 18 Rebounds und 2 Blocks zwar sehr gute Zahlen in seinem ersten Playoffspiel aufgelegt, aber 6 Turnovers und der schlechteste Plus-Minus-Wert im Spiel (-17) relativieren seine Leistung dann doch.
• Blake Griffin spielte aufgrund von Foulproblemen nur 19 Minuten. Das war erst das vierte Spiel in Griffins Karriere mit weniger als 20 Minuten Einsatzzeit. Am 29.03. diesen Jahres verletzte er sich am Rücken und musste raus. Die anderen beiden Spiele? Beides hart umkämpfte Playoff-Duelle gegen die Grizzlies im letzten Jahr.
• Das Spiel gegen die Hawks war Hibberts 14. Spiel in Folge, in dem er keine 50% aus dem Feld geworfen hat. Das letzte Double Double legte Roy Hibbert am 21.03. gegen die Bulls auf. Er muss offensiv was drauf packen, wenn die Pacers in den Playoffs was gewinnen wollen. Hibberts Vorzeigefähigkeit ist Rim Protection. Er verteidigte in der Saison 9.8 gegnerische Versuche am Ring pro Spiel und hielt seinen Gegner dabei bei sehr guten 41.4%. Gegen Atlanta verteidigte Hibbert nur einen Wurf am Ring im ganzen Spiel. Millsap und Antic sind beides Big Men, die sich viel jenseits der
Dreierlinie aufhalten und somit Hibbert davon abhalten, die Drives in die Zone zu stören. 13 Drives von Teague führten zu insgesamt 19 Hawks Punkten, fast doppelt so viel wie Teagues Drives in der Saison hervorbrachten (10,8 Team-Punkte bei 9,9 Drives).
• Die Wizards trafen 7 von 9 Würfen am Ring, die von Joakim Noah verteidigt wurden. Vom neuen Defensive Player of the Year erwartet man bessere Werte.
• Noah spielte mit 77 Pässen die viertmeisten am ersten Playoff-Spieltag. Mit Josh McRoberts und Marc Gasol tauchen noch zwei weiteren Big Men in den Top 10 auf.

Bulls***

sch_rom: Woooow, Erdbebenwarnung in Chicago, die Offense kollabiert! Ich habe mir ja schon gedacht, dass Nene in der Zone wüten wird, aber niemand konnte erwarten, dass Andre Miller im 4th Quarter gegen D.J. Augustin aussieht wie Hakeem Olajuwon. Ernsthaft, D.J.? Wenn er dazu auch noch einen Tag erwischt, an dem er nur ein Viertel seiner Würfe trifft, können die Bulls ja auch gleich Third String Point Guard Mike James aufstellen. Besonders schlimm war, dass D.J. während der Durststrecke am Ende offene Würfe nicht genommen hat, weil offensichtlich das Selbstvertrauen komplett weggeblasen war. Das gleiche konnte man auch bei Jimmy Butler beobachten. Hat denn keiner von euch als Kind geträumt, in den Playoffs der go to guy seines Teams zu sein? Sind denn alle Cohones nach San Antonio abgewandert? Schämt euch!

Man kann Thibodeau sicher ankreiden, dass er in solchen Situationen wie gestern im Vierten darauf besteht, Carlos Boozer auf der Bank zu lassen. Er ist sicherlich so konstant wie halb abgelaufene Margarine, aber Taj Gibson wird die Bulls definitiv nicht mit Einzelaktionen entlasten können. Wenn nur die Offense das Problem wäre...

Hinzu kommt aber, dass Nene, wie in der Preview befürchtet, in der Zone wüten kann, wie er lustig ist. Sollte er sich eigentlich nicht erst von seiner Knie-OP erholen? War das ganze ein raffinierter Schachzug der Washingtoner Teamärzte? Wollten sie uns einlullen? Psychologische Kriegsführung?? Zumindest haben unsere Guards den Wizards-Backcourt im Griff gehabt (bis auf den allmächtigen Prof. Clutch. Andre Miller, natürlich).

Dass die Offense im vierten Viertel einbricht, zieht sich leider wie ein roter Faden durch die gesamte Saison und Bulls-Fans müssen sich wohl oder übel damit abfinden. Diesem Team fehlt eine ordentliche Prise Nate Robinson. Sollte keiner den Mut finden, in den entscheidenden Situationen offensiv Verantwortung zu übernehmen, ist die Reise vielleicht schon in der ersten Runde vorbei. Dann kann den Bulls tatsächlich nur noch eines helfen:


Texas Mis-step

Philipp Rück: Spiel 1 der Serie San Antonio gegen Dallas war eines der spannenderen und besseren des ersten Playoff-Spieltags. Der Grund dafür saß meiner Erachtens auf der Trainerbank, wo zwei der fünf besten NBA-Coaches aufeinander trafen. Dieses Spiel bot uns viele Überraschungen. Man vermutete, dass die Spurs aus der schwächsten Playoff-Defense des Landes Hackfleisch machen würde. Man erwartete, dass die zweiteffizienteste Offense aus Big D Gegenwehr leisten würde. Und? Nichts davon geschah.

Im Gegenteil: Das Spiel fühlt sich an, als ob es die Mavs verloren und nicht dass die Spurs gewonnen hätten. Dallas war dreieinhalb Viertel lang die bessere Mannschaft mit dem besseren Plan. Beeindruckend war, wie Carlisle seine Defensive an diesem Tag eingestellt hatte. Die Mavs doppelten fast nie und kamen so nicht in die missliche Lage, dass ihnen reihenweise offene Dreier um die Ohren flogen. Das gegen die Spurs tödliche „helping-one-pass-away“ wurde vermieden. Ebenfalls ein auffälliger Schachzug war es, dass bei fast allen Pick & Rolls mit Parker als Ballhandler direkt geswitcht wurde. Dallas versuchte gar nicht erst, den ursprünglichen Verteidiger wieder zurück zu schicken, aus Angst, Parker würde diese kurzen Zeitspannen nutzen, um direkt in die Nahtstellen auf die nun kurz freien Mitspieler zu passen. Die Folge davon waren eklatante Mismatches für Parker, der so reihenweise zum Korb gehen konnte (und auch erfolgreich abschloss).

Carlisles Nachricht war klar: „Wenn ihr uns schlagen wollt, dann muss das Tony machen.“ Dallas verteidigte die Dreierlinie sehr, sehr eng und die „europäischen“ Passstafetten der Spurs blieben aus. Die Mavs projizierten, dass Parker diese enorme Punktelast nicht über die volle Zeit durchhalten könne (Parker ist eben kein Full-Time-Scorer wie Durant, LeBron etc.). Die defensive Intensität und Leidenschaft, die Dallas an den Tag legte, war Playoff-Verteidigung. Marion, Ellis und Co. machten Duncan und Leonard die wenigen Post-Ups sehr, sehr schwierig.

Insgesamt ging die Taktik sehr gut auf. Trotz eigener bescheidener Offensiv-Bemühungen war das Spiel bis zum Ende hin eng. Leider machte Dallas in den letzten 15 Minuten einen Fehler: Duncans Post-Ups gelangen immer öfter. Dass weder Nowitzki noch Dalembert oder Wright ihn direkt am Korb verteidigen können, war zu erwarten. Aber sie verhinderten es – im Gegensatz zu den ersten beiden Vierteln davor – nicht mehr, dass er tief im Low-Post den Ball erhielt. Bekommt Timmy den Ball weiter weg vom Korb, merkt man ihm sein Alter eben doch an. So wurde er in Halbzeit eins oft zu schwierigeren Jumpern gezwungen. Vor allem in vierten Abschnitt aber nahm er dann aber tief im Post Position und konnte so stoisch und chirurgisch seine Hookshots und Layups anbringen. Eventuell gewinnbringende Gegenmaßnahmen (wie z.B. das 'fronten' der Verteidigung) blieben aus.

All dies wäre zu verschmerzen gewesen, wenn Dallas vorne das gespielt hätte, was sie auszeichnet. Aber: die Pferdchen nahmen viel zu viel lange Zweier mit viel Zeit auf der Schussuhr. Ja, du bist gemeint, Monta Ellis:

Natürlich sind das die Würfe, die Pop dir anbietet. Aber dieses Angebot musst du nicht 48 Minuten lang annehmen. Von einer Mannschaft, die normalerweise pro Possession 1,09 Punkte erzielt, kann man durchaus erwarten, dass sie da Anpassungen vornimmt; oder zumindest mehr verfügbare Zeit nutzt, um einen besseren Wurf zu erarbeiten.

Dallas führte 7:45 min vor dem Ende mit zehn Punkten Vorsprung. Es schien alles dafür bereit, dass der bis dato kaum in Erscheinung getretene Nowitzki offensiv übernehmen könnte. Aber nichts geschah. Dirk verlegte einen Wurf nach dem anderen. Hätte mir vor der Serie jemand gesagt, Ellis und Nowitzki kosten Dallas ein Spiel, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Ja, Dirk wurde selbstverständlich gut verteidigt. Aber er ist nicht umsonst der beste Jumpshooter der Liga, dessen schlechteste Quote aus der Midrange-Zone 46% (sic!) ist. Dirk hat nichts getroffen, nicht mal kinderleichte Leger. Das Urteil ist eindeutig: die Mavs haben Spiel eins wegen Nowitzki und Ellis verloren.

Oldie but Goldie

Tiago Pereira: Vater Zeit ist unbesiegt, doch ein Krieger widersetzte sich diesem ungeschriebenem Gesetz. Scheinbar tunkten die Warriors vor dem ersten Playoffspiel Center Jermaine O’Neal in den Gatorade Jungbrunnen, denn der Oldtimer sicherte den Jungspunden aus Oakland den ersten Sieg in der Erstrundenserie gegen die LA Clippers. An einem gebrauchten Abend für die Splash Brothers (13-36 FG und nur 36 Punkte) war es der Playoff-Veteran, der den Dubs den nötigen Schub gab, um in der zweiten Hälfte zu entkommen.

Nachdem O’Neal die meiste Zeit der ersten Hälfte auf der Bank verbrachte und zusehen musste wie das Experiment "David Lee als Center" kläglich scheiterte, bekam der Bruder des Diesels seinen Shining Moment. O'Neal traf alle Würfe (6-7 FG zweite Halbzeit) und erzielte dabei 12 seiner 13 Punkte im zweiten Spielabschnitt.

Es waren seine routinierten Jumphooks, die Golden State in einem Spiel ohne Rhythmus die nötige Konstanz verschafften. Wie am Schnürchen lief das Bällchen im Angriff der Dubs mit O’Neal auf dem Feld, doch auch am anderen Ende des Parketts demonstrierte der Center seine Präsenz. 14 Jahre Playofferfahrung zahlten sich aus, denn O’Neal bereitete Blake Griffin (6 Fouls in 19 Minuten) derartige Kopfzerbrechen, dass das Spiel des Überfliegers Startverbot bekam. Die ganze Bay Area hofft, dass Jermaine “Back to the Future“ O’Neal die Warriors auch weiterhin Richtung Western Conference Finals mittragen kann.

Hack-a-Houston

Hauke Büssing: Die offensiv bislang beste Begegnung der noch jungen Playoffs 2014 hatte viel zu bieten. Houston und Portland machten Spaß: LaMarcus Aldridge legte mit 46 Punkten und 18 Rebounds einen Blazers-Rekord auf und war rundum und durchweg 'LaMazing'. Damian Lillard beweis mit 31 Zählern und zwei spielentscheidenden Dreiern, dass man seinen Nachnamen auch auf der großen Bühne nicht ohne das Wort ill buchstabieren kann. Und Patrick Beverly zeigte wieder einmal in aller Deutlichkeit, warum er in der NBA den Ruf eines tobsüchtigen, zähnefletschenden Kettenhundes genießt.

An die Kette gelegt hatten auch die Rockets ihre Gegner kurz vor Schluss eigentlich bereits. Bei nicht einmal vier Minuten verbleibender Spielzeit war Houstons Führung zweistellig, die Partie schien gelaufen. Lillard und Aldrige brachten Portland zurück ins Spiel, retteten ihr Team in die Verlängerung, griffen die Texaner an den Hörnern. Die Blazers gewannen wegen ihrer Stars. Doch das Momentum gewannen sie dank 'Hack-a-Howard'.

Denn die Richtung der Partie ändert sich erst, als Cheftrainer Terry Stotts zu vermeintlich unfairen Methoden greift und seine Mannen auf Dwight Howard loslässt. Der Center wird absichtlich gefoult und an die Linie gestellt, immerhin trifft er in dieser Saison dort nur 54,7 Prozent. Howard blamiert sich zumindest nicht bis auf die Knochen, verwandelt neun von siebzehn Versuchen im Spiel und vier von acht in der entscheidenden Phase. Schwung verleihen den Blazers jedoch vor allem seine vier Fehlwürfe in Folge innerhalb einer halben Minute.

Die seltsamen Trockenphasen des Muskelmannes geben den Gästen neues Leben, dem Spiel seine entscheidende Wende und beweisen: Es kommt bei den Freiwürfen nicht auf die Technik an, nicht auf den Schwung, nicht auf die Art, nicht auf das Ritual. An der Linie zählt neben dem Motto „Üben, üben, üben!“ vor allem eins: Selbstbewusstsein. Und die Größe, sich nicht für einen vergangenen Fehlwurf zu schämen. Zwei Dinge, die Howard momentan fehlen.

Know your role

Onur Alagöz: Was man beim starbesetzten Ensemble Cast der Miami Heat oft leichtfertig außer Acht lässt, ist der Einfluss, den die Rollenspieler in den großen Momenten haben.
Völlig unerwartet, aber genau zum rechten Zeitpunkt sorgte der ehemals so wichtige Scharfschütze James Jones für 12 Punkte in 14 Minuten. Die anfangs trägen Heat hatten diesen Anstoß dringend nötig: Die Bobcats hielten sich lange Zeit auf Augenhöhe. Letztlich entschied auch die Throwback Performance von Dwyane Wade souverän das Spiel für die amtierenden Meister.


Der 32-jährige Shooting Guard bewies einmal mehr, dass sein Spiel die ganz große Bühne ist. Die während der regulären Saison fehlende athletische Explosivität konnte „Flash“ in voller Wucht anbringen, verteidigte stark und traf effiziente 10 von 16 für 23 Punkte. Auch Big Man Chris Andersen steuerte seinen Teil zum Sieg bei und zeigte den Statistiknarren, dass beim Basketball auch der Einsatz und das Herz eine essenzielle Rolle spielen: Die Energie, die Birdman ins Spiel brachte, suchte ihresgleichen. Deflections, Rebounds, Tip-Ins: 'Bird' sendete das volle Programm.

Zum Verlust kam auch noch die Verletzung bei den Bobcats: Die offensive Lebensversicherung der 'Cats, Al Jefferson, zog sich eine Schädigung am Fuß zu und war in Folge nicht mehr der Alte. Kemba Walker konnte zwar gegen Ende noch ein paar Nadelstiche setzen, aber da war das Spiel irgendwie schon aus der Hand. 
Für Charlotte bleibt zu hoffen, dass 'Big Al' bis Game 2 wieder einigermaßen fit wird, sonst waren für den geneigten Bobcats-Fan solche Highlights wie die von McBob schon das Höchste der Gefühle.




"That's why I'm here"

Pascal Gietler: Ein normaler Spieler, der in 33 Minuten Spielzeit magere 6 Punkte zu Stande bringt, lediglich zwei seiner neun Wurfversuche trifft und beim Frühstück seinen Namen in der Tageszeitung unter einer respektlosen Überschrift findet, würde wahrscheinlich auf der Bank schmollen und einfach nur hoffen, dass das improvisierte Horn des Air Canada Centers ein letztes mal trötet. Paul Pierce ist aber kein normaler Spieler. Paul Pierce ist „The Truth“ und geboren für die Crunch-Time in den Playoffs.

Die Brooklyn Nets konnten das defensive Chaos und die Ineffizienz der Toronto Raptors am offensiven Ende nie wirklich ausnutzen, um dem Spiel den berühmten Deckel aufzusetzen. Immer wieder kamen die Raptors zurück, lagen zwischenzeitlich sogar mal in Front. Nach 19 (!) verworfenen Dreiern in Folge beendete Paul Pierce die lange, lange Durststrecke der Nets mit seinem Dreier drei Minuten vor Schluss.

Zuvor hatte Pierce in seinem 137. Playoff-Spiel zuletzt zu Beginn des zweiten Viertels einen Korb erzielt, doch nach dem erfolgreichen Dreier zeigte Pierce mit einem Eurostep, einem netten Midrange-Jumper nach Inboundpass und einem Fadeaway-Jumper sein volles, unnachahmliches Offensiv-Repertoire. Das Duell Pierce vs. Johnson/Patterson galt schon vor Spiel eins als 'Key Match-Up' und mit seinen neun Punkten in der Crunch-Time entschied Pierce die erste Runde eindeutig für sich! 




Ein Sieg, zwei Stories

Sebastian Hansen: Wenn man dieses erste Spiel der Serie Oklahoma City gegen Memphis mit einem Fakt beschreiben müsste, dann wäre das wohl der völlige Gegensatz zwischen der ersten Halbzeit und dem dritten Viertel. In den ersten 24 Minuten dominierten die Thunder das Spiel nach Belieben. Offensiv fielen die Würfe besonders bei den beiden Superstars Kevin Durant (17 Punkte) und Russell Westbrook (16), defensiv wurde die schon normalerweise schlechte Offensive der Grizzlies völlig aufgerieben.

Memphis nahm fast nur lange Zweier und traf davon keinen einzigen (!). Der erste Korb überhaupt, der außerhalb der Zone erzielt wurde? War der Dreier von James Johnson mit der Halbzeitsirene. Die Verteidigung der Thunder war von Intensität, starken Closeouts auf die Midrange-Würfe und sehr vielen Blocks geprägt. Zeitweise hatte Memphis genauso viele Blocks Against wie erfolgreiche Field Goals.

Natürlich war es auch etwas Pech, dass bei den Bären nichts fiel, aber der Großteil der verworfenen Versuche beruhte auf starker Verteidigung. Auf der anderen Seite des Feldes war bei OKC extrem viel Tempo im Spiel. Vor allem nach den langen Rebounds, aber auch nach Blocks wurden Durant und Westbrook immer wieder in Fastbreaks geschickt, um so die gefürchtete Halbfeld-Defense der Grizzlies zu umgehen. Das funktionierte dank der guten eigenen Verteidigung auch hervorragend, die 22-Punkte-Führung zur Halbzeit war somit völlig verdient.

Im dritten Viertel hatte sich das Blatt dann komplett gewandelt. Besonders Zach Randolph, aber auch Tony Allen waren jetzt hervorragend im Spiel und trafen ihre Würfe. Das hatte zur Folge, dass bei OKC Tempo und Rhythmus verloren gingen. Nun konnte das „Grit-and-Grind“ greifen und in diesen Minuten waren es vor allem die bisher guten Durant (abgemeldet von Tony Allen) und Westbrook (abgemeldet von sich selbst), die sich negativ hervortaten. Besonders Westbrook überdrehte völlig und bekam folgerichtig eine lange Pause bis weit ins vierte Viertel verordnet. Von der Bank musste er zusehen, wie die ehemals komfortable Führung zusammenschmolz wie das sprichwörtliche Stück Butter in der Sommersonne. Memphis gewann den dritten Abschnitt 31-13, die Thunder retten gerade noch eine 4-Punkte-Führung in die entscheidenden 12 Minuten.

Dort passierten spielentscheidende Dinge: Nachdem Dave Joerger zuvor die Lineup Conley-Lee-Allen-Randolph-Gasol 14 Minuten am Stück eingesetzt hatte, musste er Randolph nach dessen fünften Foul aus dem Spiel nehmen. Und Caron Butler zeigte einen spektakulären Dunk, der sowohl Mannschaft als auch Fans mitriss und zu Höchstleistungen antrieb. Danach verließ die Grizzlies aufgrund des zuvor gezeigten Kraftakts die Kondition. Der zurückgebrachte Westbrook sowie natürlich Kevin Durant übernahmen das Spiel und brachten den letztlich lockeren 100-86 Sieg nach Hause.