30 April 2014

nbachefsquad | 30. April, 2014    @nbachefkoch






Playoffs, Baby! Die echte Saison ist endlich unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action auf einmal würde es kaum Sinn machen, traditionell zu berichten und das Chaos-Element dieser Wochen zu vernachlässigen. Kein Grund zur Sorge: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Joey Crawford in Crunchtime und versorgt euch täglich mit den feinsten Petitsbouches zur NBA-Postseason.


Seb Dumitru: Man stelle sich vor, die Los Angeles Clippers hätten in den Playoffs 2014 exorbitante Probleme, einen Golden State Warrior namens DeAndre Jordan von den Brettern fernzuhalten, wo er Angst und Schrecken verbreitet und das Glas sauberer putzt als Sidolin Anti-Beschlag. Völlig utopisch? Falsch gedacht. DeAndre Jordan war eigentlich schon ein Warrior. Die nordkalifornische Franchise hatte den jungen Center im Dezember 2011 unter Vertrag genommen, ihm gut 11 Mio. $ pro Jahr bis 2015 zugesagt. Da die Clippers damals aber nach wie vor die Rechte an ihrem Restricted Free Agent hielten und keinen adäquaten Ersatz auf der Fünf aufbieten konnten, glichen sie das "offer sheet" der Warriors ab. DeAndre blieb in Los Angeles, statt nach Oakland umzuziehen. In den Folgejahren blitzten seine Athletik und natürliche Begabung, eine Zone abzuriegeln, immer mal wieder kurzzeitig durch, aber wenn ein schlechter Coach eines am Besten kann, dann die Keime seines eigenen Personals zu ersticken. Jordan spielte nur sporadisch und verbrachte vierte Viertel angekettet in Vinnys Hundehütte. Mehrmals stand das Clippers-Management kurz davor, ihn zu traden.

„What a difference a coach makes!“ Doc Rivers' Vertrauen in DeAndre Jordan als Schlüsselspieler wirft schon in Jahr eins der Zusammenarbeit in Los Angeles gigantische Dividende ab: die Clippers haben sich nicht zuletzt dank Jordans Fortschritt als eines der besten Teams der Liga festbetoniert. Der ehemalige Zweitrundenpick spielte unter Rivers so viel wie noch nie zuvor in der regulären Saison und führte die Liga im Rebounding und bei der Trefferquote aus dem Feld an – ein Meilenstein, den nur ein anderer NBA-Spieler in den vergangenen 40 Jahren erreicht hat.

Auch in diesen Playoffs ist sein Einfluss deutlich spürbar. Spiel fünf gegen die Warriors war eine Demonstration Jordan'scher Urgewalt: 25 Punkte, 18 Rebounds (davon 6 offensiv) und 4 Blocks - jeder einzelne wie ein dickes Ausrufezeichen. Ausrufezeichen nach den vielen Fragezeichen, die Jordan in Spiel vier hinterlassen hatte, als er in der Oracle Arena, seiner Beinahe-Arbeitsstätte, nur 6 Rebounds und null Punkte zustande brachte an einem für ihn, die Clippers, die NBA und die weltweite Basketball-Diaspora rabenschwarzen Abend. Das da gestern, das war der echte DeAndre Jordan: gigantisch, sprunggewaltig, unüberwindbar. Und gerade dabei, sich unter Rivers als einer der dominantesten Fünfer der Liga zu etablieren. Golden State hat absolut niemanden, der ihm physisch Paroli bieten kann. Ohne den verletzten Andrew Bogut die Flight Brothers Griffin und Jordan gleichzeitig zu neutralisieren, ist für die Warriors unmöglich. Nicht zuletzt dieser Faktor ist es, der diese Serie entscheidet - oder es schon längst getan hat.



Tiago Pereira: Da die Aufstellung Greens in Spiel 4 maßgeblich zum Erfolg der Warriors beitrug, startet der Power Forward erneut für die Warriors an Stelle von Jermaine O’Neal. Während die Warriors kleiner als Mini-Me daher kommen, bleibt Coach Doc Rivers bei seiner bewährten großen ersten Fünf. Wirklich lange darf Green jedoch nicht auf dem Hardwood bleiben, denn schon nach 3 Minuten ist der Forward in Foulproblemen. Eine bekannte Farce für Coach Jackson, denn in keinem Spiel befand sich nicht mindestens ein Starter verfrüht auf der Bank. Ohne Green bricht die Verteidigung der Dubs ein. Die Clippers werfen ihre Transition-Offense an und überrennen die Hausherren. Während Griffin zum ersten Mal in der Serie auf Probleme stößt (1-8 FG), spielt Jordan mit den Warriors 'Mouse in the House.' Zwölf Minuten und zwei Showläufe der Clippers später liegen die Dubs schon mit 11 Punkten hinten.

Zwar können Paul und Griffin vorerst nicht an die guten Leistungen anknüpfen und treffen nur 6 ihrer 22 Wurfversuche in Halbzeit eins. Ohne ihre zwei All Stars ist es aber DeAndre Jordan, der das „We are one“ Motto der Clippers personifiziert und im Alleingang Richtung W drängt. Das obligatorische Double Double zur Hälfte ist nur ein Teil der herausragenden Leistung Jordans. Neben bockstarker Arbeit an beiden Enden setzt Jordan mit dem Buzzer Beater zum 55-50 den passenden Schlusspunkt unter Halbzeit eins.



In einer Art und Weise wie es nur Stephen Curry kann, schießt der Point Guard seine Warriors nach der Pause zurück in Führung, als sein Dreier im zwei-gegen-eins aus vollem Sprint nicht einmal den Ring streichelte. Wären da nur nicht die acht Turnovers der wandelnden Dreiermaschine gewesen, wer weiss, was für Golden State drin gewesen wäre an diesem Abend. Obwohl die Dubs nur fünf Ballverluste abseits ihres Spielmachers verursachen, bestrafen die Clippers jeden einzelnen. Zu allem Übel findet dann auch noch Currys Pendant auf Seiten der Clippers ins Spiel: Chris Paul steuert mit seinen 10 Punkten im dritten Viertel die Clippers endgültig wieder auf die Siegerstraße. Als der Vorsprung der Clippers mehr und mehr wächst, gehen Mark Jackson und die Dubs zur "Hack-a-Jordan" Taktik über. Einziges Problem: der Center behält an diesem Abend sein goldenes Händchen bei. 6-8 Freiwürfen finden die Innenseite des Nylons. Egal wie hässlich: Wer trifft, hat Recht! DJ hob sich sein bestes Playoffspiel für den perfekten Zeitpunkt auf. Beflügelt von den Treffern ihres Centers gaben die Gäste das Spiel nicht mehr aus der Hand und sicherten sich für Spiel sechs den entscheidenden Matchball. Aus den nächsten beiden Partien muss nur ein Sieg her. Vor den Augen der Welt antworteten die Clippers auf die Rassismusvorfälle der vergangenen Tagen mit einer fantastischen Teamleistung. "We Are One." Noch sind die Würfel nicht gefallen, doch der Daumen zeigt in Richtung Conference Semis für die eigentlich schon totgeweihten Clippers.



sch_rom: "Es ist vorbei. Es war Zeit. Es war unvermeidbar. Wenn sich Pferde ein Bein brechen, bleibt dir oft nichts übrig, als sie von der Qual zu erlösen. Nun, wenn sich Bullen den Meniskus reißen, ist es leider sehr ähnlich. Der Bulle schafft es noch, eine beachtliche Distanz hinter sich zu bringen. Und selbst, wenn er bereits im Sterben liegt, sieht er bedrohlich genug aus, dem einen oder anderen Angst zu machen. Doch man muss sich irgendwann eingestehen, dass es nicht mehr reicht. Da hilft auch kein Zauber. Und die Zauberer aus Washington sind das talentiertere Team, ohne Diskussion. Es wäre unfair, beispielsweise einem jungen Spieler wie John Wall sein wohlverdientes bisschen Rampenlicht zu vergönnen, und an dieser Stelle soll auch allen (vorausgesetzt es gibt sie) Fans der Washington Wizards zu Runde 2 gratuliert werden. Keine Missgunst aus meiner Ecke.

Doch es gibt etwas, das mir Sorgen macht. Es ist inzwischen das zweite Jahr in Folge, in dem man irgendwo im Niemandsland der Liga herum cruist, irgendwo zwischen den Teams, die sich auf die Draft Lottery freuen und denen, die ein ernstes Wort in den Playoffs mitreden möchten. Wo sind wir? Wir sind im Nirgendwo. Die Bulls gewinnen ihre Regular Season Games mit Playoff-Intensität und haben anschließend in den tatsächlichen Playoffs keinen höheren Gang, in den sie schalten könnten. Man muss sich die Regular Season der Bulls ansehen und denken, „besser wird’s nicht mehr.“ Wohin soll das führen? Wir waren Fans des toughesten Teams im Osten. Nach Niederlagen haben wir gewütet, Fernbedienungen wurden an die Wand geworfen und selbst der ein oder andere Starbucksbecher wurde umgeschmissen. Wir sind uns fremd geworden. Irgendwo zwischen Derrick Rose Verletzungen, der Erkenntnis, dass unser Besitzer ein Geizhals ist und fehlender Konkurrenzfähigkeit haben wir vergessen, wer wir eigentlich sind. Wir haben uns ans Verlieren gewöhnt, denn „es wäre ja sowieso nichts geworden.“

Doch nicht mit mir. Schande über mein Haupt, wenn ich so etwas zulasse. Denn dieser Tag ist der Moment, an dem wir sagen: „Nein, das wird nicht wieder passieren!“ Wir werden keinen längst verblassten Erinnerungen der letzten Jahre hinterher sehnen. Wir wollen uns nicht daran gewöhnen, nicht gut genug zu sein. Wir wollen uns nicht gewöhnen, jedes Jahr erneut mit Pech gestraft zu werden. Und wir wollen nicht mehr auf unseren Messias der Rosen warten, der kommt und uns im Alleingang wieder zur Spitze der Nahrungskette führt. Und wir wollen kein Team, das zusammengestellt wurde, weil es die Kosten gerade so zugelassen haben. Um an die Spitze zurück zukommen, müssen Veränderungen her, muss Offensive her, muss Umdenken her. Der Satz „Wir haben genug um zu gewinnen.“ muss aus den Köpfen verschwinden.

Und deshalb, Anhänger der Bulls aus aller Welt, lasset uns erheben aus dem Morast der Trostlosigkeit, während der Kompost der Mittelmäßigkeit von unseren geschundenen Knien abfällt und die gesprungene Kruste des Geizes an unseren Körpern hinab rieselt. Und während der Staub der Enttäuschung aus unseren Lungen entflieht, lasset uns alle geschlossen, mit voller Kraft und Entschlossenheit verkünden: Carlos Boozer. Wir wollen dich nie wieder in einem Chicago Bulls Jersey sehen!"
[... während stehender Ovationen grimmig gucken und winken]


sch_rom: Was viele nicht wissen, ist, dass ich mit dem Dalai Lama inzwischen quasi per du bin. Und nachdem die Chicago Bulls 0-2 in Rückstand gerieten, wollte ich spirituellen Rat bei ihm suchen.


Eine Antwort kam nie. War sein Tweet eine Mahnung an die Bulls? Sollten wir uns Sorgen um unser Team machen? Enthält er einen Tippfehler, da des Dalai Lamas Smartphone aus „playoffs“ das Wort „planet“ machte? Es gibt nur eine rationale Erklärung: Er wollte antworten, hat auf meinem Profil jedoch erkannt, dass ich ein Anhänger der Chicago Bulls bin. Er hat das Ende bereits kommen sehen. In seiner allweltlichen Weisheit hat er längst gesehen, wozu wir anderen zu blind waren, er musste es wissen. Und wozu soll er einen Mann treten, der bereits am Boden liegt? Ich war besser dran, wenn mich die harte Faust der ultimativen Fatalität nicht treffen würde. Und damit kann ich es auch offiziell bestätigen: der Dalai Lama verfolgt die NBA Playoffs.


Jan Wiesinger: Man sagt, angeschossene oder in die Ecke gedrängte Tiere seien besonders gefährlich. Auch beim Menschen und speziell beim Sportler lässt sich ein ähnliches Phänomen beobachten. Durch das Zusammenspiel einer komplexen Hormonausschüttung und des viel zitierten Mutes der Verzweiflung gelingt es manchen Sportlern immer wieder, die allerletzten Reserven ihres Körpers zu mobilisieren, weit über die eigenen Grenzen hinaus zu gehen und den Ausgang des Matches für sich zu entscheiden. Seien es angezählte Boxer, Mannschaften in Unterzahl, humpelnde Tennisspieler oder grippegeschwächte Basketballer: Legendenbildung geht oft Hand in Hand mit etwaigen Handicaps oder Aufholjagden und der dadurch geminderten Erwartungshaltung, welche sich ins Gedächtnis der Fans einbrennen wie die Sonne in die Glatzen britischer Magaluf-Touristen.

Im fünften Spiel der Wizards-Bulls-Serie schien das Potenzial für einen solchen Remember-Moment kurz aufzuflackern: Taj Gibson war nach dem Versuch eines Defensiv-Rebounds am eigenen Korb mit seinem Knöchel umgeknickt und krümmte sich schmerzverzerrt auf dem Court. Gibsons Verletzung mit 7:51 auf der Uhr im vierten Viertel war ein Moment für eine Heldensaga. Der passabel aufspielende Kirk Hinrich verwandelte den unmittelbar nächsten Dreier, die Bulls waren auf drei Punkte dran und die heimischen Fans verspürten ein Gefühl von Zuversicht und Hoffnung. Eine “Alle-für-Taj”- oder “Jetzt-erst-Recht”-Mentalität schien geboren. Der ein oder andere mag sich kurz an das letztjährige NCAA-Tournament zurück erinnert haben, als die Louisville Cardinals den Sieg für ihren schwer verletzten Teamkollegen Kevin Ware holten. Tagträume, Flashlights blitzen auf, die Bulls holen die Serie noch 4-3, danach Durchmarsch bis in die Finals, Atlanta, Miami, wgal wer da kommt. Derrick Rose und der eingegipste Taj Gibson liegen sich vor Freude weinend in den Armen, während Joakim Noah die Trophy in den Himmel hält. 

Gesegnet sei der, der diesen Tagtraum in 20 Sekunden produzieren kann. Jäh reisst ein offener Wall-Dreier die Bulls-Fans zurück aus der Matrix in die Realität. Die Wizards ziehen bis zum Spielende keinesfalls deutlich davon, das Auftreten der Bullen ist jedoch schlichtweg unglücklich und teilweise slapstickartig. Marcin Gortat gelingen mit weniger als zwei Minuten auf der Uhr und nur drei Punkten Vorsprung für die Wizards knapp dreißig Offensiv-Rebounds in einem Angriff; Maybiner Rodney Hilario greift mit weniger als 20 Sekunden auf der Uhr auch noch ein paar nach verpassten Wizards-Freiwürfen. Die Bulls sollten sich in Zukunft in der Spielvorbereitung vielleicht mal ein Beispiel am nbachef nehmen: Lineweise vergab man leichtfertig vielversprechende Layups. Mal im Ernst: Mit einer offensiven Ausbeute von 69 Punkten (Nur 28 in Hälfte zwei!) gewinnt man vielleicht mal ein 40-minütiges FIBA-Spiel, aber sicher keines in der NBA. Offense wins games, der zweite Teil des Satzes ist hinfällig. Bleiben dürfte die Erkenntnis, dass mit den Wizards die derzeit eindeutig bessere Mannschaft siegreich aus dieser Serie hervorgeht. Im schwachen Osten mit einem potenziellen Gegner aus Atlanta oder Indiana ist das Team aus Washington schon beinahe Favorit für eine Eastern Conference Finals Teilnahme.



Hauke Büssing: Was für eine erste Runde. Während die Heat bereits am South Beach Protein-Drinks schlürfen und ihre Konkurrenz in aller Seelenruhe von Zuhause aus beobachten, ackern alle anderen Teams mit Ausnahme der Wizards noch am Weiterkommen. Selten war der Playoff-Einstieg so gut – und so spannend. Von den 36 bislang absolvierten Partien gingen sage und schreibe acht in die Overtime, also fast ein Viertel. Skurril: Mit Ausnahme einer einzigen Begegnung wurden alle Verlängerungen zwischen Houston und Portland respektive Oklahoma und Memphis ausgetragen.

In vier der fünf Spiele zwischen den Thunder und den Grizzlies stand es nach 48 Minuten unentschieden. Was jedoch noch viel erstaunlicher ist: Die eigene Halle scheint in dieser Serie – und auch generell in der NBA – momentan eher ein Klotz am Bein zu sein. Randolph, Gasol und Co. gewannen heute Nacht verdient in der Donnerhöhle des Löwen, das dritte Mal, dass das Heim-Team den Kürzeren ziehen muss. Insgesamt gingen nach jetzigem Stand 22 aller 36 Playoff-Begegnungen an die Auswärtsmannschaft. Die Bemühungen der regulären Spielzeit erscheinen jetzt paradox: Da arbeiten die Pacers und die Heat die gesamte Saison auf den Vorteil des eigenen Parketts hin, nur um später das Konzept um die Ohren gehauen zu bekommen.

Erwähnung finden muss in diesem Rahmen jedoch auch und vor allem die Defensivleistung der Bären, insbesondere die von Tony Allen, der nach einer Handgelenksverletzung völlig genesen in die Playoffs gestartet ist und Kevin Durant momentan besser verteidigt als jeder andere in der Liga. Der Grindfather deckt seinen Gegenspieler exzellent ab, macht die Pass-Wege zu und weigert sich schlichtweg und in aller Sturheit, an Blockstellern kleben zu bleiben. Wer schon einmal gegen solche Typen auf dem Freiplatz gezockt hat, weiß, dass das nerven kann. Insbesondere, wenn man siebenmal gegen sie antreten muss.

Die Thunder haben jedoch einen Hoffnungsschimmer: Das nächste Spiel ist in Memphis. Auswärtsvorteil also. Und die Chance, diese hervorragende Serie noch einmal spannend zu machen.




Anno Haak: „Let them play“ ist zum geflügelten Wort geworden und das machen sie. Zumindest bei #MEMvsOKC Part V. Wohltuend ist die Linie der Schiedsrichter. Physischer Basketball mit relativ viel Rhythmus ist die Folge. Dann kommt das vierte Viertel und Joseph Crawford bekommt den Zeremonienmeisterflash. Zwischen zwei Freiwürfen stiehlt er Durant den Ball wie ein Verteidiger und läuft mit Operettengeste zu der NASA-Schaltzentrale, die wir früher Anschreibetisch nannten. Der zweite Durant-FT küsst das Eisen.„Joey Crawford splits a pair!“

Nach dieser Schlacht über die Männer in grau zu reden tut weh. Fast so weh wie ein Durant-Wurf gegen Tony Allen. Und doch muss es sein. Crawford verdunkelt mit seinem lächerlichen Auftritt nicht nur die eigene Leistung, sondern auch ein historisches Spiel. Das erste, das als viertes hintereinander die Buchstaben „OT“ in der letzten Spalte trägt.

Lange scheint dieser Rekord weit weg. Die lange Schiri-Leine komplementiert naturgemäß Memphis mehr als OKC. Zudem zwingt Grindhouse M dank eigener Trefferquote von 55 % aus dem Feld in der ersten Halbzeit die Thunder regelmäßig ins Setplay. Mitte des dritten Viertels führen die Grizzlies mit 20. Transition fällt heute aus. Dafür beweisen Durant und Co. mit der anschließenden Aufholjagd vor allem, dass sie defensiv komplett unterschätzt werden (ligaweit Nummer 6 beim DefRtg). Aber eben auch, warum auch 2014 kein Banner unter die Decke gezogen werden wird. So schön die vielen Stopps sind, so fahrlässig werfen sie sie vorne auf den Ring. Schnelle, unkontrollierte Abschlüsse, soweit das Auge reicht. Und in der ersten Reihe mit dabei: RW0, KDTrey5 und Scott W. Brooks.

Ja, Westbrook ist ein Top-10-Spieler. Nein, sie wären ohne ihn nicht besser dran (hallo Ritter der asoziale Medien-Apokalypse). Ja, ich habe von dem Triple Double gehört. Ja, es ist „in“, auf Westbrooks Volumen-Gewerfe rumzureiten. Der Steal gegen Conley wäre ein Moment für die Ewigkeit gewesen, hätten die Thunder das Spiel gewonnen. Ein Throwbackmoment übrigens.
Und nur auf 10-31 FG zu zeigen, ist mir auch zu einfach. Aber es macht auch keinen Sinn, Westbrook in Watte zu packen, nur weil viele meinen, dass es sie zum Basketballguru macht, „Russell“ und „Schussauswahl“ unfallfrei nacheinander aussprechen zu können. Man kann natürlich 13 Pullup-Jumper pro Spiel nehmen. Aber wenn man dabei unterirdische 28 eFG% produziert, dann…nun ja, kann man es auch lassen. Ihr wollt Vergleichswerte: Curry 62 %, DeMar DeRozan 38 % und James Harden 35 % (uh, der tut auf so vielen Ebenen weh). Wurfauswahl ist auch ein Qualitätskriterium. Allerdings auch eine Frage der Alternative. Womit wir beim Coach wären.

Ich weiß nicht, ob ein Quervergleich zwischen dem „Half man, half Ray Allen“-Spielzug und dem eher medioker einfallsreichen Screen für Durant drei Sekunden vor Schluss der OT zulässig ist. Was ich weiß, ist: wenn Brooks‘ Antwort auf die Frage, warum Butler Jeremy Lamb vorgezogen werde, ernsthaft war: „Wir brauchen Veteranen da draußen!“, dann muss sich nicht nur Uwe Seeler um die Thunder Sorgen machen. Und wenn 100 Sekunden vor der Sirene mit einem Rückstand von einem Punkt ein Spielzug mit dem Ausgang „Dreier für diesen Veteranen“ (Brick übrigens) gelaufen wird, während der designierte MVP auf der Weakside rumlungert und nicht mal in die Nähe eines Touches kommt…nun ja. „Let him play!“ möchte man rufen.

Apropos MVP: Kevin Durant don’t ball. 42/38/50 statt 50/40/90, dazu sechs Turnover bei zwei Assists? Vielleicht ist er noch nicht reif für die Roy-Hibbert-Selbsthilfegruppe, aber er scheint nachts vor den Spielen ein Gespenst zu sehen, das wie Tony Allen aussieht. Oder wie Joey Crawford. Und das war vor dem herzzerreißenden Nicht-Tipp-In von Ibaka. Ein Trauerfall nach vier Verlängerungen, der den Thunder mental das Genick brechen könnte.

Was war nun eigentlich das Problem von Joey C.? „Die Zahl der Teamfouls auf dem Videowürfel“, ist die Antwort. Keine Pointe. Und Ihr dachtet, eine ausfallende Schussuhr in Kanada wäre der Gipfel der verfehlten Technisierung.

PS: Es war Mike Miller Vintage Nacht. 5-8 Dreier, 55% aus dem Feld, 21 Punkte... und die kompletten 30 Minuten zwei Schuhe an.


Tobi Mannhart: Roy Hibbert spielt schlecht. Das hat wohl jeder mittlerweile mitbekommen. Diese Playoffs sind eine Frechheit für einen All-Star mit seinem Salär. Er ist der Hauptgrund, warum die Hawks als 8th Seed 3-2 in Führung gegangen sind. Von vielen wird vermutet, dass Pero Antics Rolle als Stretch-Fünfer und damit als direkter Gegenspieler von Hibbert entscheidenden Einfluss auf die Serie hat. Glaubt man den Zahlen, ist das ausgemachter Blödsinn. Roy Hibbert wirft 31,3% aus dem Feld, erzielt 4,8 Punkte pro Spiel und holt im Schnitt 3,4 Rebounds. Sucht man in diesen Playoffs nach Spielern mit gleichen oder sogar schlechteren Werten, so findet man genau 30 Kandidaten. Nur vier dieser Kandidaten spielen mehr als 20 Minuten pro Spiel. Und nur zwei davon sind Big Men: Roy Hibbert und Pero Antic. Mit anderen Worten: beide Big Men sind extrem schlecht. Also kann es nicht sein, dass Antic Hibbert so große Probleme bereitet. Wem der Blick auf's Spiel nicht ausreicht: auch die Advanced Stats zeigen, wie schlecht beide Big Men agieren (Quelle: http://bkref.com/tiny/Ao6Da, Stand 29.04.2014):



Man sieht: Antic ist keine wirkliche Gefahr und die allgemeine Meinung in den Medien, dass er einen Großteil von Hibberts Einfluss wegnimmt, kann so nicht stimmen. Antic trifft unterirdisch, sogar noch schlechter als Hibbert, der für seine schlechte Offensive (zurecht) nur noch Häme bekommt. Das sieht man auch an den grottenschlechten Offensiv-Ratings der beiden. Auch die Reboundzahlen sind eine Frechheit. Um einen Vergleich zu ermöglichen: Combo-Guard Lance Stephenson bringt mit einer TRB% von 14,4 in etwa den doppelt so hohen Wert unter den Brettern wie die beiden Center, die 2,10m und 2,18m groß sind.

Was ist eigentlich das Problem der Pacers? Ich kann drei Probleme ausmachen, die mit einem Ereignis starteten: Dem Granger–Turner Trade. Mit ihm schein die gesamte Chemie verloren gegangen zu sein, als der Mentor der jungen Pacers nach Philadelphia getradet wurde.
Mit Evan Turner wurde im Prinzip ein zweiter Lance Stephenson (wenn auch nicht so effektiv im Spiel) geholt. Ein einziger Umkleideraum verträgt aber nur eine gewisse Gesamtmenge Ego, und diese wurde in Indiana eindeutig überschritten. Folgerichtig entstand Problem Nummer drei: Streit. Turners und Stephensons Handgreiflichkeiten direkt vor den Playoffs waren wohl der Nagel in den Sarg der Titelträume in Indiana.

Die Pacers müssen jetzt hoffen und zittern, damit sie Spiel sechs in Atlanta noch gewinnen und irgendwie doch noch in die zweite Runde einziehen. Die Aggressivität der beiden Guards sollte endlich Auswirkungen auf das Spiel der Pacers haben. Ansonsten sehe ich schwarz. Und: man mag es kaum glauben, aber sollten sich die Pacers frühzeitig verabschieden, dann trägt die Hauptschuld an der Misere der Initiator des Trades, President of Basketball Operations – Larry Bird. Die Hawks–Pacers Serie könnte in die Geschichte eingehen als die erste Playoffserie, die durch ‘Larry Legend’ verloren wurde. Und das mehr als zwei Jahrzehnte, nachdem er in Rente gegangen ist.



Anno Haak: Trivia time. Wer ist das? Ein Power Forward als Anführer, ein MVP-Kandidat auf der Drei, ein offensiv unproduktiver Center und ein Perimeter-Spieler, der Dreier verwandelt wie andere Leute Freiwürfe. Man spielt in der ersten Runde gegen die an acht gesetzten Atlanta Hawks, quält sich sieben Spiele und wird am Ende Meister? Your Ind…Nein. Die Boston Celtics 2008. Gibt es noch Hoffnung für die Nummer eins des Ostens? Also dann: der Tragödie fünfter Teil.

In Viertel eins macht Budenholzer Popovich-Sachen, die Hawks suchen Antic mehrfach im Post. Hibbert macht Hibbert-Vintage-Sachen und räumt ihn ab. Indiana sieht aus wie Indiana, verteidigt gut, erzwingt (*hust*) fünf Turnover. Die Hawks brauchen gefühlt 25,2 Sekunden für jeden Angriff. Läuft für die Pacers. Dann schägt der Viertel-Buzzer David Wests Dreier. Der Anfang vom Ende.

In Viertel zwei kommt Mike Scott, a.k.a. der Troy Daniels des Ostens, von der Bank. Vier Dreier ensuite später (einer mit Brett) sind die Indiana Pacers fertig. Zwei Minuten vor dem Pausen-Gatorade wissen die Hawks, wie es ist, wenn man ein Publikum involviert. Das Fieldhouse buht. Untergangsstimmung. Ruhe sanft, Contender Indiana, wir kannten uns kaum. Kleiner Stat-Salat-Teller zu Halbzeit eins: Bench-Scoring 34-2, Dreierquote Atlanta: 66%. Scott bricht mehr Franchise-Playoffrekorde als Luis Scola Minuten spielt.



Mit sieben Minuten im dritten Viertel beginnt die Garbage time. Woher ich das weiß? Chris Copeland kommt ins Spiel. Atlanta führt mit 30 (kein Tippfehler). Als die zweite Halbzeit beim Zugucken körperlich zu schmerzen anfängt, rafft sich Indiana nochmal auf, kommt sogar bis auf neun ran. Dann steckt Stephenson einen offenen Layup zwischen Brett und Ring (kein Tippfehler). Ein Parkplatz-Dreier von Korver macht den Deckel drauf. Das Beste an Spiel fünf für die Pacers ist, dass es vorbei ist.

Was fehlt noch? Ach ja, meine zwei Serienklassiker. Nummer eins: Roy Hibbert. Sagen wir es mit G. Gekko: „Wenn Roy Hibbert ein Bestattungsinstitut aufmacht, würde niemand mehr sterben!“ 12 Minuten, 4 Fouls und eine Basketballbrille. Null Punkte, null Rebounds (nein, wieder kein Tippfehler). Und irgendwo da draußen im Space (Jam) ist ein Monstar der Defensivanker irgendeines Teams vom Mars. Und wo wir gerade dabei sind, Nummer zwei: ET. Evan Turner. 4:29 Minuten. Ein Wurf (nichts als Ring) und ein +/- von minus-14. Und irgendwo da draußen am Pazifik wirft Danny Granger Shooting Shirts in den Mittelkreis…

PS: Boston gewann Spiel fünf mit 25. Damals, 2008. Hängt die Hoffnung für Indiana also schon mal an die Beatmungsmaschinen.