26 April 2014

nbachefsquad | 26. April, 2014    @nbachefkoch






Playoffs, Baby! Die echte Saison ist endlich unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action auf einmal würde es kaum Sinn machen, traditionell zu berichten und das Chaos-Element dieser Wochen zu vernachlässigen. Kein Grund zur Sorge: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Troy Daniels in Crunchtime und versorgt euch täglich mit den feinsten Petitsbouches zur NBA-Postseason.


Pascal Gietler: Vor nicht allzu langer Zeit war die Frage nach dem zweitbesten Point Guard für viele Experten ein absoluter „No-Brainer“! Die Antwort? Deron Williams von den Utah Jazz. In seiner besten Zeit legte Williams in Salt Lake City mehr als 20 Punkte auf und 10 Assists pro Spiel waren auch keine Seltenheit. Als physisch starker Point Guard mit einem guten Wurf und einem sehr explosiven Drive in die Zone sorgte 'D-Will' für Kopfschmerzen bei seinen Gegenspielern. Diese Zeiten schienen vorbei zu sein, doch gestern (und auch in bestimmten Phasen von Game One) zeigte sich mal wieder der „alte“ Deron Williams.

Williams‘ Regular Season war erneut geprägt von Verletzungen und auch mit einer guten Portion Kritik hatte er zu kämpfen. Als Franchise Player und Inhaber eines Maximalvertrages hat er bisher die meisten Anhänger der Nets enttäuscht, doch in den diesjährigen Playoffs zeigt er, wie wichtig er für das Team sein kann. „D-Will“ startete auch gestern wieder neben Shaun Livingston, der von Haus aus ebenfalls Point Guard ist. Diese Tatsache ermöglicht es Williams, etwas mehr off-the-ball zu spielen und prompt sollte er aus dieser Situation Profit schlagen können. Mit zwei versenkten Dreiern im ersten Viertel brachte er Brooklyn auf Kurs und was noch wichtiger war: Spätestens ab diesem Zeitpunkt hat er „es“ gefühlt.

Williams penetrierte, packte Killer-Crossover aus und führte Brooklyn mit seinen 22 Punkten und 8 Assists auf die Siegerstraße. Gerade von seinen 8 Assists sollte sein Backcourt-Kollege Joe Johnson (29 Punkte) profitieren. Zwar verwarf er in den letzten 47 Sekunden des Spiels gleich drei Freiwürfe und machte die Partie noch mal unnötig spannend, aber Williams hat uns gestern wieder in seine Zeitmaschine 2008 gesetzt und gezeigt, wozu ein selbstbewusster, fitter D-Will immer noch in der Lage ist.




Wolfgang Stöckl: Die Raptors bleiben auch im 13. Auswärtsspiel in den Playoffs ohne Sieg. Am Ende war es knapp. Nachdem die Nets im vierten Viertel einen 15-Punkte Vorsprung verdaddelt hatten und ungewohnt nervenschwach agierten, fragte man sich schon langsam, wer denn nun hier das Veteranenteam ist. Spiel 3 lehrte uns: nur weil man schon mindestens acht Jahre in der Liga spielt, heißt das nicht, dass man nicht nervös wird, wenn der Gegner im Schlussviertel immer näher kommt. 

Zuvor hatte wieder einmal der in dieser Serie überragende Joe Johnson die Nets (scheinbar) sicher in Führung gebracht. Johnson spielt bisher wie der Max-Player, der er nie war. 24 Punkte pro Spiel bei einer sensationellen Wurfquote von 60% sprechen Bände. "Iso-Joe," früher fast nur als Schimpfwort gebraucht für einfallslosen One-on-one-Basketball, der oft in Hero-Ball und Volume-Shooting mit schlechten Quoten endet, ist nun ein Qualitätssiegel für hocheffizientes Ausnutzen von Missmatches im Post. 

Bei den Raptors nichts Neues: weiterhin sind DeMar DeRozan und Kyle Lowry die Spieler, die den Ton angeben. Aus dem Feld hat DeRozan zwar immer noch seine Probleme, aber seine Fähigkeit, Fouls zu ziehen und an die Linie zu gehen, ist für die Nets schmerzhaft. Lowry war auch in Spiel 3 wie immer superbissig, wenngleich nicht dominant. Die Raptors konnten auch in Spiel 3 ihre Turnover-Probleme nicht abstellen. Dafür finden die Nets unter den Brettern weiterhin kein Mittel gegen die Kanadier - unterm Strich gleicht sich beides bisher aus. 

Erwähnenswert auch die herausragende Leistung von Patrick Patterson, der einfach nur jeden Jumper einnetzt. Er und Vasquez sind die Zwei-Mann-Bank der Raptors, dieses abgezockte Tag-Team hat die so hoch gehandelte Bankrotation der Nets bisher in Stücke zerfetzt und einen großen Anteil daran, dass die Raptors in allen drei Spielen eine Chance auf den Sieg hatten. Für die Dinos gilt es jetzt, aus dem moralischen Sieg in Spiel 3 einen zählbaren in Spiel 4 zu machen und mit einem 2-2 nach Kanada zurückzukehren. 

Ein kurzes Wort noch zu den Refs: 74 Freiwürfe und über 60 Fouls, muss das sein? Gerade am Ende des Spiels ein paar sehr fragwürdige Pfiffe auf beiden Seiten. "LET ‘EM PLAY!!!" Trotzdem sollten die Raptors es nicht zur Gewohnheit werden lassen, sich nach jedem verlorenen Spiel über aus ihrer Sicht falsch gegebene Pfiffe zu beschweren. Diese „Uns will keiner in Runde 2 sehen, weil wir aus Kanada sind“-Jammerei ist etwas peinlich und auch schade für eine sonst sehr sympathische Truppe. Findet im Übrigen auch Kevin Garnett!



Andreas Dieterle: Es gibt solche Abende. Da läuft einfach alles. Man kann so gut wie nicht daneben werfen. Mike Dunleavy hatte so einen Abend. In einem engen Spiel 3 zwischen den Chicago Bulls und den Washington Wizards markierte der 3. Pick des 2002er Drafts schockierende 35 Punkte und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die Chicago Bulls noch im Rennen um die nächste Runde sind.
Dunleavy stürmte, wie einst Jesus Shuttlesworth in seinen besten Zeiten, um Blöcke und verwandelte seine Würfe von Downtown (8-10 Dreier) mit traumwandlerischer Sicherheit.

Egal ob per Drive, aus dem Catch & Shoot, Tip-Ins, Four-Point-Play - alles war dabei, alles ging rein an diesem Abend für Shuttlesworth Junior. Er gab den Bulls, was diese eigentlich immer dringend gebrauchen könne: Offense! Mike Dunleavy lief richtig heiß und war nicht aufzuhalten. Und auch wenn es in der Schlussphase andere Bulls waren, die den knappen 100-97 Sieg nach Hause brachten (Butlers mit einem Dreier und ein paar Freiwürfen, Augustin mit seinen Frewürfen): Dunleavy war nicht nur der Mann des Spiels, er rettete den Bulls ihre fast schon verlorene Saison.

Nene erwischte einen gebrauchten Abend (5-15 FG, 5 Turnovers), war am Ende der Partie dementsprechend frustriert und wurde nach einer Rangelei mit Jimmy Butler (Exklusiv-Bilder siehe unten) sogar des Feldes verwiesen. Ebenso war die Bank der Wizards (nur 10 Punkte) eigentlich nicht existent.

Spiel 4 findet am Sonntagabend um 19 Uhr zur deutschen Primetime statt. Absoluter Anschau-Befehl! Chicago wird wieder einen Spieler brauchen, der heiß läuft und Scoring plus Offense liefert. Ob das wieder Mike Dunleay sein wird? Keine Ahnung. Bei diesem Bulls-Team könnte sich wohl sogar Joakim Noah in Mister Shuttlesworth verwandeln.


Exklusive Naheinstellung des nbachefsquad-Kamerateams vom Nene-Butler-Gerangel:




sch_rom: Auszüge aus dem Militär-Forschungsbericht vom LMA-12: „Seit knapp einer Woche testen wir LMA-12s Widerstandskraft gegen Raketen. Der erste Versuch war phänomenal. Der Prototyp hat beim Test herausragende 46 Punkte erzielt. In der Mitteldistanz wurde zunächst der Typ TJ-6 verwendet, der sich allerdings aufgrund der zu kurzen Bauweise und des erst zweijährigen Produktalters, was den Ingenieuren noch keine Möglichkeit gab, einige Bugs in der Software auszubessern, als ineffektiv erwies. Der Prototyp widerstand der Attacke problemlos. Anschließend wurde der erfahrenere und längere Typ D-12 eingesetzt und auch die türkische Langstreckenrakete der Marke „Aseek-and-destroy“. Beides war ergebnislos. Der Prototyp konnte sogar selbst zwei Treffer aus langer Distanz verzeichnen. LMA-12 erschien unzerstörbar.

Wir haben nicht erwartet, die Testergebnisse zu wiederholen, doch der zweite Test war dem ersten sehr ähnlich. Dieses Mal erzielte LMA-12 sehr gute 43 Punkte. Nachdem sich TJ-6 erneut als nicht brauchbar erwies, wurde eine größere Anzahl der türkischen Vertreter verwendet - auch das wieder ohne Erfolg. Der Prototyp war unbeeindruckt.

Der dritte Versuch verlief anders. Wir begannen nun mit der türkischen Rakete und einer härteren Schlagzahl. Die Raketen bedrängten LMA-12 dieses Mal unentwegt und ließen ihn nie festen Stand einnehmen, indem sie ihn stets von seinen bevorzugten Zonen in die Distanz schoben. Ihm wurde selten Gelegenheit gegeben, die Raketen mit der Front zu erwarten, er wurde gezwungen, die Angriffe mit der Rückseite abzulenken, was ihm selbst das Erzielen erfolgreicher Treffer erschwerte, wodurch Test Nummer drei mit ineffizienten 23 Punkten endete. Dieses Ergebnis ist zwar nicht enttäuschend, wir haben uns allerdings logischerweise mehr erhofft. LMA-12 zeigt menschliche Züge. Vielleicht müssen wir akzeptieren, dass wir uns nicht ausschließlich auf den Prototypen verlassen dürfen. Auf Unterstützung des weiteren Arsenals können wir im Kampfeinsatz nicht verzichten. Im Moment ist unsere Zuversicht angeschlagen, doch sind wir uns sicher, dass das nächste herausragende Testergebnis nur auf uns wartet.“


sch_rom: Wer keine Ahnung hatte, wer dieser Troy Daniels ist, dem werde ich keinen Vorwurf machen... wir sind im selben Team. Daniels kommt aus dem D-League Team der Rockets, den Rio Grande Valley Vipers, die in der abgelaufenen Season mehr Dreier geworfen haben als der Rest der Liga (!). Und mit einem dieser Dreier hat er die Hoffnungen der Blazers in der Overtime begraben. Beeindruckend war, dass er keine halbe Sekunde gezögert hat, als er den Ball bekam. Es gibt Schlimmeres, als eiskalte Rookies im Team zu haben. 75 Minuten hat er während der gesamten Regular Season gespielt. Das reichte ihm als Playoff-Simulation offensichtlich vollkommen aus. 



Hauke Büssing: Wow. Einfach nur wow. Während im guten, alten Deutschland heute Morgen die Sonne aufging, ging den meisten Basketballfans auf der ganzen Welt das Herz auf – und den Rockets ein Licht. Im dritten, äußerst spektakulären und durchweg fesselnden Spiel der bislang mit Abstand besten Erstrundenserie rang Houston die Trail Blazers in der Verlängerung nieder, gewann am Ende verdient mit fünf Punkten und sicherte sich vorerst das eigene Überleben. Denn kein Team in der Geschichte der NBA kam je von einem 0-3-Rückstand zurück.

Doch um eins klarzustellen: Dies war weder eine sonderlich überragende Partie der Rockets noch ein schwacher Auftritt von Portland. Beide Teams lieferten amtlich ab, rockten wie AC/DC und brannten wie meine Zunge nach einem Eimer Suicide Chicken Wings.

Harden präsentierte sich mit 37 Punkten, aber auch 22 Fehlwürfen aus dem Feld gut, sicherlich nicht atemberaubend, Howard war mit 24 Zählern und 14 Rebounds solide. Auf der anderen Seite verzeichneten sowohl Lillard, Batum als auch Aldridge allesamt mehr als 22 Punkte, die Blazers agierten sowohl individuell als auch im Mannschaftsgefüge beachtlich. Letztlich entschieden wurde das Geschehen von dem Dreier eines 22-jährigen Rookies namens Troy Daniels, der in der Saison insgesamt lediglich 75 Minuten auf dem Parkett stand und den vor diesem Spiel selbst die hartgesottensten NBA-Fans vermutlich nicht auf dem Deckel hatten.

Das ist doch alles verrückt, oder? Eigentlich nicht. Denn diese Partie lief in ihrem Kern genauso, wie die gesamte Serie laufen sollte, oder vielmehr, wie sie hätte laufen sollen: Ein Duell auf Augenhöhe, in dem Houston die Nase dank individueller Überlegenheit knapp vorne hat. Eine enge Angelegenheit, die die Rockets letztlich jedoch nach Hause schaukeln sollten.

Die beiden LaMonster-Spiele von LaMarcus Aldridge machten dieser Prognose einen Strich durch die Rechnung. Das heißt jedoch nicht, dass sie nicht wahr ist. Gewinnen die Texaner das nächste Aufeinandertreffen in Portland, ist alles beim Alten. Und wir Fans bekommen noch ein paar mehr Spiele von diesem Kaliber zu sehen. Dafür würde ich sogar noch einen Eimer Suicide Chicken Wings essen. Mit Sambal Oelek als Dip.