23 April 2014

nbachefsquad | 23. April, 2014    @nbachefkoch






Playoffs, Baby! Die echte Saison ist endlich unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action auf einmal würde es kaum Sinn machen, traditionell zu berichten und das Chaos-Element dieser Wochen zu vernachlässigen. Kein Grund zur Sorge: die nbachefsquad ist zur Stelle wie DeMar DeRozan in Crunchtime und versorgt euch täglich mit den feinsten Petitsbouches zur NBA-Postseason.



Anno Haak: Prolog ---
Gibt es die Beerdigung Part II oder feiert Indy Wiederauferstehung? Wohin auch immer der gute Geist aus dem Locker Room im Field House entschwunden ist, oder wo immer ihn Danny Granger auch hingebracht hat (jep, den Gaul reite ich, bis er nur noch drei Beine hat), Paul George & co. scheinen ihn auch im zweiten Teil nicht wieder zu finden. Sie sind um positive Körpersprache bemüht, aggressiv (sechs der ersten neun Punkte im bemalten Bereich). Aber schnell war es den Gelb-Blauen auch in Game 2 eher wie ein ewiger Karfreitag im Gemüt. Atlanta macht „Atlanta-Sachen“, Dribble, Drive, Kickout, Bang! Und führt Mitte des zweiten Viertels schon wieder mit elf. David West macht „David West Playoffs 2014“-Sachen und sitzt schnell mit zwei Fouls. Die Pacers waren einen guten Bankspieler von den Finals 2013 entfernt? Jetzt sind sie einen schlechten Bankspieler vom 0-2 weg. Das Fieldhouse ist still. Jesus am Karsamstag“-still.

Hauptteil: Jesu' Haar ---
Dann fährt Leben in die sterblichen Überreste von Luis Scola. Von Wests Foul Trouble „begünstigt“ kommt er früh, hält defensiv die Hände in Antics Gesicht und verwandelt vorne drei Jumper am Stück. Der Ball scheint so klein wie das Plastik-Gerät, das ein Kind auf den Platz rollen lässt. Der Argentinier mit der Frisur des Heilands und C. J. Watson erzielen 22 der 46 Pacers-Punkte bis zur Pause. Wie Maria Magdalena Jesus nach Golgota geleiten sie die Nummer eins des Ostens durch das Tal der Tränen und zu einem (nur) einstelligen Halbzeitrückstand. Dann kommt das dritte Viertel. Was die Pacers jetzt mit den Hawks machen? Ihr Auftritt, Mr. Stephenson! Adjustments werden in Indianapolis wohl doch nicht für Werbebanner gehalten. Ihr wollt uns schlagen? Dann muss das der Dreier schießende, mazedonische Center machen. Hibbert darf sich auf seine Kernkompetenz "Ringschutz" konzentrieren, während West und der Rest Richtung Antic und der anderen Schützen ausschwärmt.

"You live by the three, you die by the three." Zeit zu sterben. Der ATLien startet mit 9-17 Dreiern bis Minute 14. Dann werden Downtown 11 (!) Backsteine ensuite geschmiedet. Hat jemand „Nets in Toronto“ gesagt? George darf Teague übernehmen und führt sein Team. Jetzt ist er wieder der Borderline-MVP aus Saisonhälfte eins (am Ende 27 Pts bei 9-16 FG, 10 Reb, 6 Ast). Seine Intensität steckt an. Die anderen folgen wie Jünger. Roy Hibbert lacht, ja wirklich. Das Fieldhouse wird laut. „Der Mob auf Jesus‘ Kreuzgang“-laut. Als die Uhr im dritten Viertel Richtung null kriecht, reißt George mit einem Dreier aus acht Metern die Dornenkrone vom Kopf. Wenig später ein Jumper zum 96-69. Ein 38-Punkte-Turnaround ist perfekt. Der Rest ist ein Verwaltungsakt ohne Rechtsbehelfsbelehrung. Vogel fällt sogar die Nummer von Copeland wieder ein. Dennis „Schruuder“ legt den Pacers noch seine ersten fünf Playoffpunkte ins Nest. Für die einen ist es Garbage, für die anderen der bestbesuchte Layup-Circle der Welt.

Epilog: „Wahrlich, ich sage Euch, noch heute werdet Ihr mit mir im Basketball-Paradies sein!“ ---
…sagt Larry Bird wohl nicht. Es bleiben Pacers-Baustellen. Die größte ist die Offensive von Hibbert .Prädikat in Spiel zwei: „teilgenommen“. Roy Hibbert ist nicht Indianas A-Waffe im Angriff. Aber mit Quoten wie gestern (1/7 FG, örks) schadet er mehr als er nutzt. Was auch an Vogel lag. Der Center kam nicht gut ins Spiel. Also versuchte der Coach vor allem im zweiten Viertel, Hibbert im Lowpost zu finden. Das war eher ein Gehirnfurz. Und zwar einer, der mit Ansage stinkt wie ein echter Fard nach drei Dönern. Man muss schon hochkonzentrierte synthetische Drogen nehmen, um Hibbert auf der mentalen Höhe seines Schaffens mit Hakeem zu verwechseln. Wenn er – wie im Moment – körpersprachlich an DeMarcus Cousins erinnert, ist Hibberts Einbindung über Post touches gut gemeint. Aber gut gemeint und gut gemacht…Ihr kennt das. Trotzdem: PG ist wieder PG, Watson ist fit und Scola lebt noch. Für’s erste ist das Grab leer, die Pacers erwacht. Fortsetzung folgt. Die Osterzeit hat ja gerade erst begonnen…



Pascal Gietler: Vor den Playoffs war bereits klar, dass die Brooklyn Nets enorm mit den Rebounds zu kämpfen haben werden. In Spiel Zwei konnten die Nets zwar genauso viele Second-Chance Punkte wie die Raptors scoren (16), aber ansonsten war der Kampf an den Brettern eine klare Angelegenheit.

Bereits in Spiel Eins war nach wenigen Spielminuten deutlich, dass der Litauer Jonas Valančiūnas gegen die Nets eine aufgeblähte Stat-Line haben wird und bisher ist Valančiūnas (16,0 PPG und 16,0 RPG) ein großes Problem für Brooklyn. Was können die Nets machen, um die Big Men der Raptors (nicht nur Valančiūnas, sondern auch Patrick Patterson und Amir Johnson) unter den Brettern etwas unter Kontrolle zu bekommen? Die Statistik verrät uns, dass es vielleicht helfen würde, die Minuten-Begrenzung von Kevin Garnett etwas zu erhöhen.

Bisher spielt „The Big Ticket“ nur 20 Minuten pro Spiel. Bei vielen Nets-Fans sorgt diese Tatsache für Unverständnis, da Coach Jason Kidd bereits in der Regular Season die Minuten von Kevin Garnett enorm limitiert hat. Ohne Garnett auf dem Parkett stehen die Nets um einiges schlechter da. Die Raptors scoren 114 Punkte, wenn „KG“ auf der Bank sitzt. Offensiv produzieren die Nets ohne ihren Smallball-Center lediglich 99 Punkte im selben Zeitraum. An den Brettern zerstört Toronto die Nets ohne Garnett und pflückt sich 60 Rebounds, während Brooklyn lediglich 39 Rebounds holen konnte. Nun ist Garnett sicherlich nicht derjenige, der die Reboundstatistik zugunsten der Nets schönen kann, aber in seinen 39 Minuten auf dem Feld konnten die Raptors „nur“ 37 Boards abgreifen und Brooklyn schaffte es dann immerhin, 28 Rebounds zu pflücken.

In bestimmten Situationen muss Jason Kidd einfach darauf achten, nicht zu vorsichtig mit Garnetts Minuten umzugehen. „KG“ bringt trotz seines hohen Alters noch eine Menge Qualität mit, und jeder Offensivrebound der Raptors wird von den Fans im Air Canada Center frenetisch gefeiert. So etwas kann in einem potenziellen Spiel 7 den entscheidenden Ausschlag zugunsten der Raptors geben!



Leo G.: Es war ein simpler Tweet von DeMar DeRozan, welcher nach dem Playoff-Sieg gegen die Brooklyn Nets im Raptors-Twitter Universum vielfach Beachtung fand. Das bemerkenswerte daran: Verfasst wurde er nicht etwa nach der 30-Punkte Bounce-Back Fabelperformance in Game 2, sondern vor fast vier Jahren, als klar war, dass der Superstar der Raptors es satt hatte, für ein Verlierer-Team zu spielen – und lieber mit James und Wade auf Titeljagd ging. Der fast schon prophetische Tweet konnte aus damaliger Perspektive nur belächelt werden. Wie sollte ein eindimensionaler, überforderter Scoring-Guard ohne Defense, Ballhandling und Wurf jemals das Gesicht der Franchise werden? 

Spätestens am 23.04.2014 gibt es keinen Zweifel mehr darüber, dass insbesondere die Entwicklung von DeRozan stellvertretend für den Umschwung der gesamten Raptors Franchise steht, welche nicht mehr als die Versager-Truppe aus Kanada wahrgenommen wird, sondern durch ihren einzigartigen Spirit nun selbst Jimmy Goldstein in die Arena lockt – zum ersten Mal überhaupt. Dabei war es ein steiniger Weg für den ehemaligen USC-Athlet, welcher als dienstältester Raptor sämtliche Tiefen der letzten Jahre miterlebte und, ginge es nach Medien und Fans, schon mehrfach getradet werden sollte. 

Doch ist es in erster Linie nicht seine sportliche Entwicklung, die so beeindruckend ist, sondern vor allem der Reifeprozess innerhalb der letzten 12 Monate. Von der überforderten ersten Scoring-Option vor dem Gay-Trade zu einem fähigen, aber nicht passgenauen Zuarbeiter während der Gay-Monate, hin zum absoluten Aushängeschild der Franchise und ersten All-Star seit eben jenem Superstar, der 2010 nicht nur sportlich, sondern auch im Locker-Room ein großes Vakuum hinterließ. 

Die Playoffs gleichen hierbei einem Spiegelbild seiner Saison. Immer wenn er Rückschläge zu verkraften hatte, ging er gestärkt aus diesen hervor. Seine unterirdische Wurfperformance aus Game 1 (3-13 FG), in welchem er von Livingston und Johnson auf brutalste Art und Weise vorgeführt wurde, ist bereits vier  Tage später ausradiert. Der erste Playoff-Sieg seit sechs Jahren trägt vor allem den Namen von DeRozan, welcher in der entscheidenden Phase des Spiels die Kontrolle übernahm. 


Dabei sah es Mitte des vierten Viertels nicht gerade nach einem Happy-End aus. Mit noch sieben zu spielenden Minuten bekam er sein fünftes Foul angehängt und musste auf der Bank Platz nehmen. Während eines Timeouts blieb er gar völlig alleine auf der Bank sitzen. Neben ihm saß zu allem Überfluss noch der kommende kanadische Superstar, den viele nach dem Gay-Trade im Dezember noch als Plan A von Ujiri ansahen. „I had to refocus“, sagte DeRozan nach dem Spiel, angesprochen auf seine einsamen Sekunden auf der Bank. 

Und als er wieder spielen durfte, riss er das Spiel mit zwei herausragenden Jumpern an sich und machte mit seiner Nervenstärke an der Freiwurflinie den Konfetti-Regen in der Arena klar. Die 17 Punkte bei acht Minuten Spielzeit im Schlussabschnitt, die eiskalten Adern an der Linie (6-6 in den letzten 20 Sekunden) und vor allem die Art und Weise, wie er die Bälle forderte und das Spiel an sich riss, erinnerten dabei in Teilen an sein Idol, dem er während seiner Jugend in Los Angeles immer zujubelte: Kobe Bryant.



Andreas Dieterle
1. (Viertel) – Exposition
Spiel zwei, Szenerie United Center. Auftritt: Washington Wizards und Chicago Bulls. Die Wizards beginnen famos. Überrennen die Bulls förmlich. Zauberlehrling Wall nimmt mit seinen gefährlichen Drives und seinen Pässen hinaus auf die Shooter früh das Heft in die Hand. Der Ball läuft fantastisch durch die eigenen Reihen. Auch Bradley Beal zeigt sich verbessert. Nachdem man Spiel eins schon aus Chicago entführt hat, läuft in Spiel 2 alles nach Plan....

2. (Viertel) – Steigende Handlung mit erregendem Moment 
Aber Chicago schlägt zurück. D.J. Augustin kommt von der Bank und hilft den Bulls zurück in die Erfolgsspur. Ist er der Held für die Bullen? Die Wizards können die Aufholjagd eindämpfen und bleiben zur Halbzeit vorne.

3. (Viertel) –  Höhepunkt und Peripetie
Das Spiel schaukelt sich hoch. Es entbrennt der Kampf der Systeme. Die Wizards mit ihrem schnellen Spiel auf der einen, die Bulls mit ihrem langsamen, harten Verteidigungs-Stil auf der anderen Seite. Die Bulls scheinen nun die Oberhand zu gewinnen und gehen in Führung. Bradley Beal und John Wall haben Probleme.



4. (Viertel) – Fallende Handlung mit retardierendem Moment
Chicago scheint alles unter Kontrolle zu haben, es riecht nach Ausgleich. Doch die Wizards mit Hauptdarsteller Beal kommen mit einer Energieleistung und Defense zurück ins Spiel und retten sich mit einem 6-0 Run in den letzten vier Minuten noch irgendwie in die Overtime. Wahnsinn!

5. (Overtime) – Katastrophe oder Lösung
Das Drama bleibt auch im fünften Akt spannend. Wer gewinnt: Wizards oder Bulls? 1-1 oder 2-0? Katastrophe oder Lösung? Es riecht nach Upset. Zwei Sekunden vor dem Ende, Chicago liegt mit zwei Punkten hinten. Kirk Hinrich geht an die Linie und vergibt den ersten Freiwurf. Den zweiten wirft er, gezwungenermaßen, auch daneben. Die Bulls kommen nicht mehr an den Ball. Beal lächelt. Hinrich senkt den Kopf. Tragödie und Komödie, so eng beieinander.

Die Wizards gehen aus diesem Drama als Sieger hervor. Doch wer die Chicago Bulls bereits abschreibt, findet sich, schneller als er denkt, in einem Drama über sieben Akte wieder.



sch_rom: Dieses Spiel war ein Deja-Vu. Forschungen zufolge kann das Gehirn bei einem Deja-Vu zwischen der im gegebenen Moment passierenden Situation keine Verbindung zur einer Erinnerung herstellen und gaukelt sich dennoch selbst vor, dass einem diese Situation sehr vertraut vorkommt.

So ist es mit Game 2 der Wizards-Bulls-Serie, wenn man Game 1 gesehen hat. Game 2 war zwar bis zum Schluss knapper als der Knappe von Sir Charles Barkley und ging in die Overtime... doch irgendwie habe ich das alles schon mal gesehen, im ersten Spiel. Die Bulls hatten wieder eine zweistellige Führung im Vierten erspielt (87-77) und haben wieder vergessen, dass das orangene, runde Ding durch das orangene, runde Ding mit dem Loch in der Mitte und den lustigen Fransen darunter muss. Die letzten 7 Minuten und 17 Sekunden des Vierten und die erste Hälfte der Overtime haben die Bulls ein (1, one, uno) Field Goal bewerkstelligt. Das waren insgesamt 11 Minuten und 30 Sekunden, in denen nur ein Blindgänger sein Ziel in den Korb hätte finden müssen, und die Bulls säßen mit einer 1-1 Serie zwar immer noch mit dem Karren im Dreck, doch es schiene nicht ganz so unmöglich, aus diesem Schlamassel noch heil herauszufinden.

So steht es aber 0-2. Es gab bislang erst drei Teams in der Geschichte, die eine Serie nach zwei verlorenen Heimspielen noch drehen konnten. Und ein Bulls-Team ist nicht dabei. Tom Thibodeau hat sich im Endspurt erneut geweigert, Offensivspieler aufzustellen (Dunleavy, Boozer), weil er sich offensichtlich nicht traut, neben dem defensivschwachen D.J. Augustin einer weitere Labilität auf der Defensivseite aufzustellen. Zugegeben, D.J. hat die Bulls nach einem schwachen Start im Spiel gehalten, war jedoch am Ende nicht mehr in der Verfassung, entscheidende Aktionen zu provozieren. Vor allem, als in der kritischen Phase Ariza auf ihn angesetzt war, konnte Augustin nichts gegen dessen Länge ausrichten. So verzweifelt sind wir schon in Chicago: Trevor F**king Ariza stoppt unseren go to guy.


Vor einiger Zeit ist mir beim Beobachten der letztjährigen Clutch-Statistiken aufgefallen, dass Kevin Martin ligaweit zu den Besten gehörte. "Martin?", werden sich jetzt einige fragen. Das habe ich zumindest getan. K-Mart, damals noch bei den Thunder, hatte zwei unangefochtene Alphatiere im Team, was Clutch-Situationen angeht, nämlich Kevin Durant und Russell Westbrook. Und Martins Stats waren nicht nur ein wenig besser, sie waren wirklich erstaunlich viel besser, signifikant genug, dass ich ihm hier einen Absatz widme. Wäre es nicht klug gewesen, wenn Martin die letzten Würfe nehmen würde? Beim Belichten von Spielmaterial der OKC Thunder wird einem allerdings sehr schnell klar, wieso dieser Umstand existiert. In der Crunchtime werfen gegnerische Teams jeden Mann inklusive Bank auf Kevin Durant, was übrig bleibt, steht bei Westbrook. Und Martin? Der steht verlassen an der Dreierlinie herum und arbeitet am Verarbeiten von Minderwertigkeitskomplexen, da ihn anscheinend niemand verteidigen will. Und ein guter Shooter trifft seine offene Würfe, egal, ob mit 10 Sekunden auf der Game-Clock oder mitten im Spiel. Dieser Umstand sollte zeigen, dass das geliebte Superstar-Isolationsgehabe und "Heroball" die falschen Mittel sind, um Spiele in der Crunchtime zu entscheiden. Spieler, die offen sind, müssen werfen, und nicht der vom Team auserwählte Scorer, der in dieser Situation logischerweise getrappt und gedoppelt wird.

Nun, die Bulls scheinen diese Theorie halbwegs zu widerlegen. Bei ihnen maßt sich niemand an, der Held zu sein, der Spiele mit seiner Clutchperformance entscheidet. Und dennoch gelingt Chicago in den letzten Minuten im gegnerischen Halfcourt praktisch nichts. Das ist gar nicht so unlogisch. Die Defense hat hier niemanden, auf den sie besonders Acht geben muss. Keine Durants oder Westbrooks, ja nicht mal ein Derrick Rose stehen auf dem Parkett. Und daher ist alles, was sie tun muss, die Passwege zu den Mitspielern zuzustellen, und dem Ballführenden rutscht bereits das Herz in die Hose, "Pacers-end-of-the-season-like."

Daher habe ich eine neue Theorie. Vielleicht braucht man einen go to guy, um dann keinen mehr zu brauchen. Wie auch immer: Die Bulls haben definitiv keinen. Deshalb sieht es für sie auch nach einem First Round Exit aus.





Onur Alagöz: Schnelle Frage. Welche Spieler haben den schönsten Jumpshot?  Üblicherweise werden hier Steph Curry, Ray Allen oder Dirk Nowitzki genannt. Was viele aber vergessen: Wizards Shooting Guard Bradley Beal hat einen Sprungwurf, der den obigen in Nichts nachsteht. Gestern Nacht hatte die sonst so erdrückende und durchdachte Defensive der Bulls keine Antwort auf den blutjungen Beal. Pullups, Spotups, Drives in die Zone, Dreier, Freiwürfe, alles dabei. Ebenfalls im Paket: Eine mittelschwere Katastrophe für die Bulls.

Als sein Backcourt-Partner John Wall in der zweiten Halbzeit ein wenig untertauchte (0-5 in der zweiten Halbzeit plus Overtime), riss Beal vor allem im vierten Viertel mit 11 Punkten das Zepter an sich und forcierte die Verlängerung. Mit seinen 26 Punkten insgesamt war er führender Scorer des Spiels, seine sieben Rebounds waren nur die Kirsche auf dem Eisbecher.

Als ein besonderer Faktor in dieser Serie scheint sich der lange Brasilianer Nene herauszukristallisieren. Auch der neue Defensive Player of the year, Joakim Noah, konnte den Wizards-Center nicht daran hindern, sechs seiner 17 Punkte in der Overtime zu erzielen. In den ersten beiden Partien brachte Nene bisher 20,5 Punkte für sein Team bei einer Quote von 63,3% zustande.

Immer wieder traf Nene aus der Mitteldistanz und zog somit Noah vom Korb weg, was jede Menge Räume freimachte. Nicht zuletzt ist aber auch Trevor Ariza erwähnenswert, der ein bisschen was von allem beitrug und vor allem defensiv ordentlich die Kette anlegte. 8 Punkte, 8 Rebounds, 7 Assists und nur zwei Fouls bei sehr starker Perimeterdefense waren mindestens genauso wichtig wie das permanente Attackieren der beiden Youngster aus dem Backcourt.

Randy Wittman überzeugt bisher von der Seitenlinie. Die Wizards haben einen ganz stringent ausgeführten Gameplan, ihr Spiel ist vielseitig auslegbar und flexibel. Wird einer der drei Fokuspunkte der Offensive – Wall, Beal und Nene – kalt, wird das Spiel umgestellt auf die beiden anderen. Einzig die 57% von der Freiwurflinie im gestrigen Spiel könnten im Laufe der Serie noch ein Problem darstellen. Schon während der Saison waren die Zauberer mit nur 73,1% von der Linie ligaweit nur auf dem 25. Rang. Sollten die Spiele eng werden, können und werden Freiwürfe entscheidend sein - gerade in den Playoffs.


• Miami Heat - Charlotte Hornets, Gm. 2 (Stand: 1-0)
• San Antonio Spurs - Dallas Mavericks, Gm. 2 (Stand: 1-0)
• Houston Rockets - Portland Trail Blazers, Gm. 2 (Stand: 0-1)