16 April 2014

Seb Dumitru | 16. April, 2014    @nbachefkoch






One mo'! Der letzte Spieltag beschließt am heutigen Mittwoch die Action in der 68. regulären NBA-Saison und bestellt das Feld für die seit Monaten herbei gesehnten Playoffs. Nach einem elend ausgedehnten Vorgeplänkel geht es ab Samstag endlich ans Eingemachte - allein, es stehen erst zwei der insgesamt acht Vorrundenpaarungen bereits heute fest. Außer Indiana vs. Atlanta und Houston vs. Portland sind alle anderen Serienansetzungen noch in flux. Wer am Ende wo landet und wer gegen wen spielt, das werden sieben der insgesamt 15 Duelle am heutigen Abend determinieren müssen, in denen noch neun Mannschaften um ein Ende buhlen, dass sie und ihre treuesten Anhänger glücklich machen wird.


Oklahoma City Thunder vs. Los Angeles Clippers

Die Thunder haben diese Geschichte am Ende spannender gestaltet, als sie es hätten tun müssen: Back-to-Back Niederlagen gegen Indiana und New Orleans haben die Tür einen Spalt weit offen gelassen für die Los Angeles Clippers, die mit einem Sieg in Portland und einer gleichzeitigen Niederlage OKCs heute noch vorbei ziehen und den Laden auf Platz zwei abschliessen können.

Der Clippers-Motor feuert zur Zeit aus allen Zylindern, Docs Team hat nur zwei Partien in den letzten drei Wochen verloren. Allerdings werden die Kalifornier ohne Chris Paul, Blake Griffin (der sich gestern sein 16. Technisches Foul einffing und gesperrt ist) und J.J. Redick nach Oregon trampen, wo die Trail Blazers die siebtbeste Heimbilanz der Liga erspielt haben und sich standesgemäß von ihren Fans verabschieden wollen. Oklahoma City empfängt derweil in Bestbesetzung die peinlichen Detroit Pistons und dürfte mit einem der enttäuschendsten Teams dieser Saison keine allzu großen Probleme bekommen - zumal der Northwest Division Champ ja sogar noch die Rekord-Heimbilanz aus der letzten Saison (34 Siege) egalisieren kann.

Memphis Grizzlies vs. Dallas Mavericks

Aus dem wochenlangen "Reise nach Jerusalem" Spiel zwischen Dallas, Memphis und Phoenix ist nach dem Sieg der Grizzlies in Arizona vor zwei Tagen nur noch ein Zweikampf übrig geblieben - ein Zweikampf um Platz 7 im Westen und das Privileg, den San Antonio Spurs in Runde eins aus dem Weg gehen zu dürfen. Weder die Mavericks noch die Grizzlies sind scharf auf die Spurs, denn seit der Saison 2011/12 haben beide Mannschaften gegen den Krösus der Southwest-Division kaum Land gesehen. Inklusive Playoffs stehen die Mavs gegen Popovich & co. in den letzten drei Jahren bei 2-10, Memphis sogar bei 2-14.

Im Duell Offense gegen Defense wird viel auch von der mentalen Beschaffenheit in den entscheidenden Situationen abhängen. Beide Teams strotzen vor Selbstbewusstsein nach jeweils fünf Siegen aus den letzten sechs Partien. Beide Teams sind gespickt mit Veteranen und spielen rechtzeitig zu den Playoffs ihren besten Basketball der Saison.

In den vergangenen Jahren dominierte meist Memphis dank seiner physischen Spielweise. Heuer aber sind die Mavs in direkten Duellen bisher ungeschlagen - wobei zwei der drei Siege vor dem Jahreswechsel zustande kamen, als Memphis ohne Marc Gasol noch einen völlig anderen Basketball spielte und nicht mit dem Team heute zu vergleichen ist.

Die Grizzlies sind im heimischen 'Grindhouse' seit 13 Partien ungeschlagen und verteidigen mittlerweile wieder auf Top-3 Niveau. Ihre letzte Niederlage in eigener Halle liegt schon eine Weile zurück. Am 5. Februar gingen die Bären letztmals ohne W vom Parkett. Der Gegner damals? Die Dallas Mavericks.




Brooklyn Nets vs. Washington Wizards vs. Charlotte Bobcats

Im Osten ist die Konstellation bis auf Indiana (#1), Miami (#2) und Atlanta (#8) noch völlig offen. Brooklyn muss nach Cleveland und kann gegen die Cavaliers aus eigener Kraft Platz fünf klar machen - aber wollen die Nets das überhaupt? Allzu viel sollte man in die potentiellen strategischen Planungen der Nets nicht hinein interpretieren, denn auch der Kampf um die Plätze 3/4 ist noch nicht entschieden. Somit darf man auch nicht davon ausgehen, dass das Team von Jason Kidd dem Rematch mit den Chicago Bulls unbedingt aus dem Weg gehen will, denn die könnten ja immer noch Dritter werden und auch auf Brooklyn warten, wenn die verlieren und noch auf Rang 6 abfallen sollten. Übrigens: Kidd favorisierte mit seinen Rotationen zuletzt ganz klar die volle Regeneration seiner Protagonisten zu Ungunsten der eigenen W/L Bilanz. Die Nets gaben drei ihrer letzten vier Partien ab.

Wenn Brooklyn verliert, kann Washington noch auf die Fünf klettern. Dazu müssen die Wizards lediglich das Team, das man einst als Boston Celtics kannte, vom Garden-Parkett fegen, was angesichts der Krankenakte und "Projekt: Grüner Tank" in Massachusetts kein allzu großes Problem darstellen sollte. Eine Niederlage darf sich Washington aber auf gar keinen Fall leisten, denn in dem Fall droht der Supergau in Form eines First Round Dates mit dem Mannsweib Miami Heat.

Sollten die Wizards nämlich verlieren und Charlotte in Chicago als Sieger vom Platz gehen, könnten die Bobcats sogar noch auf Platz sechs klettern. Es wäre die höchste Ansetzung der Bobcats-Playoff-Geschichte, die zugegebenermaßen nicht allzu umfangreich ist. Dennoch: die Rotluchse haben sechs von sieben für sich entschieden und reisen voller Selbstvertrauen nach Chicago. Dass sie gegen die Bulls aber seit Dezember 2012 nicht mehr gewonnen haben, ist nicht einmal das größte Problem. Das größte Problem? Die Bulls scharren immer noch mit den Hufen und haben Platz drei im Visier.

Toronto Raptors vs. Chicago Bulls

Wie dringend Chicago, das acht von neun gewonnen hat und rechtzeitig zur Postseason in Top-Form zu sein scheint, Platz drei erringen will, darüber darf gut und gerne spekuliert werden. Der Drittplatzierte bekommt es bekanntlich schon in Runde zwei mit den Miami Heat zu tun - aber mit denen wird man sich früher oder später ohnehin schon auseinander setzen müssen. Da Tom Thibodeau & co. ja ohnehin nichts anderes kennen als "volle Kraft voraus", werden sie also alles daran setzen, die Festung 'Madison' zu verteidigen und ihren Teil dazu beizutragen, noch an Toronto vorbei zu ziehen.

Die werden zum Finale von den New York Knicks empfangen. Gerüchte, dass Raptors-GM Masai Ujiri von James Dolan zum trauten Drei-Mann-Plausch mit Andrea Bargnani in die größte MSG-VIP-Box eingeladen wurde, konnten bisher nicht bestätigt werden. Ohne Carmelo Anthony, der sich wochenlang mit einem Riss im Schultergelenk herum quälte, dafür aber mit Cole Aldrich, werden sich die 'Bockers von den Heerscharen ihrer begeisterten Fans verabschieden wollen. Die Raptors aber wissen, wie man im MSG gewinnt (drei von fünf dort gewonnen) und werden alles daran setzen, die beste Saison der Franchise-Geschichte mit einem Sieg Nummer 49 zu krönen.