22 März 2014

Daniel Schlechtriem, Philipp Rück, Hauke Büssing, Johannes Hübner | 22. März, 2014   






1. Der Höhenflug der Trail Blazers war nur bedingt durch den einfachen Spielplan. Nun müssen sie sogar noch um die Playoffs bangen.


Daniel Schlechtriem, With the 14th Pick: Wenn man bei einem Heimspiel gegen die Bucks eine Overtime zum Sieg braucht, weiß man, dass die Lage nicht rosig ist. Portland hat alle wichtigen Begegnungen der letzten Wochen verloren und der restliche Spielplan ist kein leichter. Sie müssen sich also nach unten orientieren und ihren fünften Platz verteidigen, auf den Golden State ordentlich Druck macht und den Curry in der Tat noch erballern könnte. Dass die Blazers jedoch völlig aus den Fugen geraten und die fünfeinhalb Spiele Vorsprung auf Platz neun und Phoenix noch herschenken ist allerdings schwer vorzustellen.

Philipp Rück, Brotherly Love: Nein und nein. Der Höhenflug mag vorerst vorbei sein, ist aber nicht dem Spielplan geschuldet, sondern Verletzungsproblemen und dem Verschleiß der Starter. Die Bank ist keine so große Entlastung wie noch vor Beginn der Saison angenommen, wodurch die famose Starting Five eine enorm hohe Last trägt. Die Effizienz im Angriff litt im Saisonverlauf zunehmend darunter. Seit dem All-Star Break ist das Offensivrating gefallen und die TO-Ratio gestiegen - Kleinigkeiten, die in einer brutalen Western Conference über Siege entscheiden. Dennoch haben die Blazers offensiv eine zu hohe Qualität, um noch von den ebenfalls schwächelnden Suns überholt zu werden. Selbst Memphis und Dallas müssten sich noch enorm strecken, um Portland bilanztechnisch zu erreichen. Ich tippe auf den sechsten Seed für das Team aus Oregon.

Hauke Büssing, Ballwerk Orange: Keinesfalls. Portland ist zwar (noch) kein Titelkandidat, gehört jedoch klar zur oberen zweiten Riege im Westen. Für echten Erfolg braucht man mehr als nur einen Superstar. Mit Aldridge und Lillard sind die Blazers eines von fünf West-Teams, die zwei im Kader haben.

Johannes Hübner, Yay Area: Die Playoffs sind Rip City sicher und der Spielplan war nicht der Hauptgrund für den Höhenflug. Die Blazers agierten am längsten mit einer gesunden und unveränderten Starting Five. Erst im 54. Saisonspiel müsste Terry Stotts seine Startformation ändern. Diese erste Fünf gehört zudem zu den besten der gesamten Association. Dann verletzte sich unter anderem LaMarcus Aldridge (ebenso Joel Freeland) und das kann die leicht verbesserte Bank nicht auffangen.

Seb Dumitru: Einfacher Spielplan? Die Trail Blazers haben bisher das viertschwerste Schedule aller NBA-Teams abgerissen, seit Anfang Februar sogar das drittschwerste. Das Problem heisst LaMarcus Aldridge, der nach seiner Leistenverletzung nicht mehr der selbe Spieler ist wie noch zu Beginn. Gegner wissen das und fokussieren sich nun vermehrt auf die Dreierschützen, die in diesem Monat nur noch 34% von Downtown treffen - Saisontiefswert. Das erklärt die 14-15 Bilanz nach 31-9 Start, inklusive 0-12 gegen die anderen Playoff-Teams der Western Conference. 


2.  Chicago ist selbst ohne Deng ein mehr als ernstzunehmender Herausforderer für Indiana und Miami auf dem Weg in die Conference Finals.


Daniel Schlechtriem: Bei allem Respekt vor Thibodeau und seinen Haudegen – der momentane Lauf ist nur ein ebensolcher. Indiana und Miami schwächeln zwar zur Zeit, werden aber zur Stelle sein, wenn's ernst wird. Und dann sind die Defizite der Bulls in der Offensive einfach zu groß – oder denkt jemand ernsthaft, dass D.J. Augustin gegen die Defensiven der Pacers oder Heat annähernd 20 Punkte im Schnitt auflegt? Die Semis sind drin, dort können sie die Genannten vielleicht ein bisschen ärgern und entnerven, mehr aber auch nicht.

Philipp RückSo sehr mich Joakim Noah mit seinem All-around-Game und seinem Einsatz begeistert, so faszinierend Thibodeaus Coaching-Leistungen Jahr für Jahr sind: ein Einzug ins Conference Finale ist sehr unwahrscheinlich. Bei aller defensiven Brillanz darf man über die völlig inkompetente Offensive nicht den Mantel des Schweigens legen. Nur die zwei Kellerkinder Boston und Philadelphia erzielen weniger Punkte auf 100 Ballbesitze. Das kann gegen die beste Defense der Liga (Pacers) und die (zumindest in den Playoffs) erstklassige Verteidigung der Heat nicht reichen. Man kann nicht alles und jeden mit Defensive und Hustle erledigen.

Hauke Büssing: Ich liebe Chicago. Ich liebe Joakim Noah, ich liebe Coach Thibs, und ich liebe es, dass die Bulls so manisch-besessen sind, dass sie gar nicht anders können, als durchweg im sechsten Gang zu spielen. Doch obwohl sie ganz sicher nicht gegen die gehörnten Verrückten spielen möchten, sind die Pacers und Heat doch eine Klasse besser.

Johannes Hübner: FAKT. Ernstzunehmender Herausforderer auf jeden Fall, für die Überraschung wird es wohl nicht reichen. Die Bulls sind aber das mit Abstand unangenehmste Team für die beiden Favoriten. Tom Thibodeau (übrigens Coach des Jahres, mit Jeff Hornacek) wird seine Truppen in der Defense mustergültig formieren, es wird 48 Minuten gefightet und auch die Offensive kommt, unter anderem durch viele Noah-Hand-offs, langsam zum Leben. In den Playoffs wird die fehlende Offensiv-Power trotzdem das Zünglein an der Waage.

Seb Dumitru: Ernst nehmen sollte man die Bulls und Tom Thibodeau immer. Die Defensive des designierten Coach of the Year ist Abend für Abend auf der Höhe und verlangt selbst Mannschaften wie Miami und Indiana immer alles ab. In den letzten drei Jahren hat Chicago damit 6-6 reguläre Partien gegen die Heat gewonnen. Schaffen sie nächste Woche in eigener Halle die Revanche für die gestrige Niederlage bei den Pacers, schrauben sie die Bilanz seit 2011 gegen den Central Division Rivalen auf 5-6. All das zeigt: die Bulls sind definitiv in der selben Liga wie Miami/Indiana. Einziges Manko: der Angriff ist der zweitschlechteste weit und breit. In den Playoffs ist das pures Gift.


3.  Die Bobcats sind ein heißer Kandidat für einen Erstrunden-Upset und die Conference Semis.


Daniel Schlechtriem: Vorausgesetzt sie erkämpfen sich Platz sechs oder besser und das Matchup passt, warum nicht? In diesem Osten ist vieles denkbar: Toronto, Chicago, Brooklyn, Washington – allesamt spielen sie keine schlechte Saison, aber eben auch keine konstante. Big Al hingegen liefert die Saison seines Lebens ab, der Backcourt ist mit Neal und Ridnour stark verbessert. So öde die Begegnungen #1 – #8 und #2 – #7 auch sein werden, alles dazwischen wird vielleicht nicht hochklassig, dafür aber hochinteressant.

Philipp Rück: Natürlich. Gesetzt den Fall, wir haben das Jahr 2018 und die Achse Walker-MKG-Big Al hat sich zum besten Trio der Liga entwickelt. Aber in diesem Jahr ist das ausgeschlossen. Gegen Miami und Indiana müssten sie sogar einen Sweep befürchten. Und selbst wenn sie sich noch auf Platz 5 oder 6 hochspielen, sind die Raptors (mein Geheimfavorit) und Bulls die besseren Mannschaften und klar zu favorisieren. Diese These ist zu verneinen. Die Kätzchen haben kaum Postseason-Erfahrung und solche Teams gewinnen dort nicht. Der Einzug in die Playoffs ist trotzdem ein beachtlicher Erfolg, ebenso wie der kapitale Umschwung in der Defense von der Schießbude der Liga zu einem Top 6-Team.

Hauke Büssing: Nur wenn MJ noch einmal die Schuhe schnürt. Ich höre bereits jetzt leise den Space-Jam-Soundtrack anlaufen. Im Osten, dem man anscheinend das Talent abgesaugt und in einen Basketball gesteckt hat, ist von Platz 3-8 jedoch alles möglich. Also: Warum nicht?

Johannes Hübner: Die Bobcats werden auf Platz sieben oder acht landen. Daher kein Upset. Ende. Doch, noch eine Sache: Al Jefferson hätte All Star sein müssen.

Seb Dumitru: Um das zu erreichen, müssten sich die momentan siebtplatzierten Luchshornissen noch mindestens einen Platz nach oben powern, um aus dem Pacers/Heat Bracket zu schleichen. Gegen die würden sie eine Best-of-Seven Serie nämlich in Drei verlieren (reguläre Bilanz gegen Miami 0-4, gegen Indiana 1-2). Der Abstand auf Platz sechs beträgt jetzt 3 Siege, bei 13 verbleibenden Partien. Acht davon sind gegen Philly, Orlando, Boston, Cleveland und Washington - direkte Konkurrenten für Rang sechs.


4Die Spurs haben 10 in Folge gewonnen und gehen wieder mal als bestes Team über die Ziellinie der Regular Season.


Daniel Schlechtriem: Irgendwann müssen die doch zu alt sein – dachte man 2010. Jetzt haben wir 2014, Pops Rentertruppe pflügt immer noch still und heimlich durch die Liga und wird mit 60+ Siegen in die Postseason gehen. Obwohl OKC den direkten Vergleich klar gewonnen hat, lassen sich diese Spurs den ersten Platz nicht mehr nehmen. Vielleicht ja 2020.

Philipp Rück: Die Bilanz gegen HOU, IND, LAC, MIA, OKC beträgt 5-11. Alle anderen Gegner schießen die Spurs quasi aus der Halle. Das Team gewinnt zwar viel, hat aber gegen die Contender bislang einige Defizite gezeigt. Genau dies sollte einem für die Postseason Grund zur Sorge geben. In dieser Saison habe ich nicht das Gefühl, dass es in den Playoffs gegen die Thunder, Clippers, Rockets oder Warriors aufgrund der sichtbaren Probleme in den bisherigen Duellen reicht. Angesichts der Dominanz gegen die schwächeren Teams sieht es für San Antonio hinsichtlich Heimvorteils bis zu den möglichen Finals dennoch extrem gut aus. Sowohl Platz 1 im Westen als auch ligaweit halte ich für sehr wahrscheinlich.

Hauke Büssing: Psssst! Über die Spurs spricht man doch nicht. Zumindest nicht vor den Finals.

Johannes Hübner: Gregg Popovich hält trotz aller Verletzungen mit seinem System-Basketball das Schiff auf Kurs und kaum sind alle Spieler wieder an Bord, gewinnen die Spurs zehn Mal in Folge und haben die beste Bilanz der NBA. Wenn Popovich nicht anfängt die alten Knochen seiner Spieler zu schonen, werden es die Spurs schaffen als erster über die Ziellinie zu „sprinten“. Wer „Pop“ kennt, weiß dass der letzte Satz eigentlich unnötig war… So haben die Pacers und Thunder die Chance auf die beste Bilanz.

Seb Dumitru: Mal schauen... Die meisten Siege (52), die beste W/L Quote (77%), die zweitbeste Offense/Defense Kombi (6./4.), die beste Punktedifferenz (+7.6), das beste Net Rating (+9), die höchste Assist-Rate (19.1%), die zweitbeste eFG% (53.9), die mit Abstand besten Team-Trefferquoten in der Crunchtime (49% FG, 45% Dreier) - und das alles, obwohl mit Parker, Ginobili, Leonard und Splitter vier der fünf wichtigsten Spieler mindestens 10 Partien verpasst haben... Yep, sieht für mich ganz nach dem bestem Team dieser Saison aus.


5. Phil Jacksons Ankunft beflügelt die Phantasien in New York - die Knicks powern mit einem beispiellosen Run tatsächlich noch in die Playoffs.


Daniel Schlechtriem: Dass dieser namhafte Zugang noch mal für Auftrieb sorgen wird ist unbestritten, aber selbst als Coach könnte der Zen Master ein derart vom Kurs abgekommenes Schiff nicht mehr retten. Die Playoffs sind für Melo & Co. außer Reichweite, wen wollen sie denn noch einholen? Atlanta hat sich gefangen, Charlotte und Washington wirken gefestigt. Fünfeinhalb Spiele Rückstand sind so spät in der Saison eine zu große Hypothek, zumal die letzten sieben Spiele der New Yorker allesamt gegen Teams gehen, die tatsächlich an der Postseason teilnehmen werden. Die Knicks hingegen sind bei den Playoffs ebenso wie beim Draft nur Zuschauer, relevant werden sie frühestens wieder im Sommer 2015.

Philipp Rück: Die Knicks waren auch schon vor der Unterschrift des Zen-Masters im Aufschwung. Alleine im März stehen sie bei 7-2 Siegen mit einem fantastischen Offensivrating von 113,8 (Platz 2). Die aktuelle Form ist also keine Folge einer „Beflügelung“. Dennoch ist ein Erreichen der Playoffs ein äußerst schwieriges Unterfangen. Grund dafür ist der zu große Rückstand bei noch zu wenig ausstehenden Spielen (4 Spiele auf Atlanta bei noch 14 Partien). Ginge die Saison noch ein klein wenig länger, sähe das anders aus. So aber müssen sich Carmelo, JR und Co. die Postseason vom Burger King aus ansehen.

Hauke Büssing: Phil Jacksons Ankunft beflügelt vor allem erst einmal Phil Jackons Geldbörse. 60 Millionen Dollar für fünf Jahre Weisheit vom Basketball-Guru? Mein Gott! In dieser Saison wird der Zen-Meister nichts mehr bringen. Jackson ist ein Basketball-Genie, kein Wunderheiler.

Johannes Hübner: Die Phantasien sind sowas von beflügelt, aber diesem Team wird es nicht mehr helfen. Ich würde mir Playoffs im Garden wünschen (wie jedes Jahr), doch der Run scheint ein wenig zu spät zu kommen und die Hawks haben ebenfalls fünf Mal in Serie gewonnen. Phil Jackson wird seinen Einfluss haben und die Knicks beflügeln, doch diese Saison noch nicht.

Seb Dumitru: Wann sind die Phantasien in New York denn mal nicht beflügelt? Ob James Dolan mit diesem Power Move die Trajektorie seiner 'Bockers tatsächlich nachhaltig verändert hat, ist ein Thema für eine andere Lineup. Die entscheidende Frage, trotz monströsem 8-0 Knicks Lauf nach 0-7 Dürre und realistischer Chance, die Streak gegen Cleveland, die Lakers und Sacramento weiter auszuweiten, ist doch die: traut ihr diesem Kader zu, den April ebenso heiß zu bespielen wie den März? Die letzten sieben Knicks-Gegner der Saison heißen Washington, Brooklyn (2x), Toronto (2x), Chicago und Miami...