19 März 2014

Sebastian Starke | 19. März, 2014    @dersportsfreund






Im ersten Teil unserer NCAA March Madness Vorschau hatten wir den Fokus auf die Favoriten, Überraschungen, Enttäuschungen und potentiellen Cinderella-Storys im Turnier gerichtet und ein bisschen in die Glaskugel geblickt. Im zweiten Teil nehmen wir heute die Top-Stars unter die Lupe - und die fünf Deutschen im Feld der letzten 64.


Wer sind die Stars im NCAA-Turnier?

Doug McDermott (Creighton)
Big East Player of the Year, All-American, fünfter Platz auf der ewigen NCAA-Scorer-Liste und wahrscheinlicher Gewinner der Naismith-Trophy des besten College-Spieler - das ist Doug McDermott. Der Forward der Creighton Bluejays ist der beste Scorer der NCAA I und eine verlässliche Maschine in der Offensive. Er verfügt über einen sicheren Distanzwurf und ein Arsenal an Moves in Korbnähe. Kurz gesagt: McDermott ist von seinen Gegenspielern in der Regel nicht aufzuhalten. Dies äußert sich in einem Schnitt von fast 27 Punkten pro Spiel.

Mit seinen offensiven Fähigkeiten führte er Creighton wieder souverän ins NCAA-Turnier, auch wenn man sich in der Big East Championship den Providence Friars geschlagen geben musste. McDermott ist zwar sicher nicht der athletischste Spieler und auch defensiv nicht der hellste Stern am Basketball-Firmament, aber aufgrund seines tödlichen Wurfs und Clutch-Gens ein sicherer First-Round-Pick. Im Turnier glaube ich an einen Vorstoß der Bluejays bis in Sweet Sixteen, McDermotts Fähigkeiten sei Dank.

Andrew Wiggins (Kansas)
Zu Beginn der Saison galt Andrew Wiggins von den Kansas Jayhawks als der sichere First Pick. Im Verlauf der Saison konnte der Freshman-Star den Ansprüchen der Fans und Experten nicht immer gerecht werden, weshalb er in den Mock Drafts seinen ersten Platz abgeben musste. Spätestens jedoch mit seinen Galavorstellungen gegen West Virginia (41 Punkte) und Oklahoma State (30) brachte Wiggins seine Kritiker zum Schweigen. Auf dem College muss der Überathlet nur einen Bruchteil seiner Fähigkeiten zeigen: Er ist im Roster der Jayhawks für das Scoring verantwortlich. Diese Rolle füllt er mit Bravour aus.

Wiggins verfügt über eine außergewöhnliche Athletik, Körperbeherrschung, ein Arsenal an Hesitation-Moves sowie mittlerweile über einen sauberen Jumpshot. Seine Stärke ist aufgrund seiner Schnelligkeit der Zug zum Korb - eine Waffe, die er immer wieder einsetzt, um auch an der Freiwurflinie zu punkten. Auch in der Defense ist Wiggins mit seinen langen Armen, seiner lateralen Geschwindigkeit und seiner Athletik eine Macht. Somit ist Wiggins auch auf NBA-Ebene ein No-Brainer. In diesen NCAAs wird er seine Jayhawks bis ins Elite Eight führen.

Jabari Parker (Duke)
Jabari Parker wurde vor der Saison als der nächste Grant Hill angekündigt. Seine Vielseitigkeit erinnerte an den legendären Small-Forward der Duke Blue Devils - dementsprechend groß waren die Erwartungen und die Vorfreude der 'Cameron Crazies.' Im November 2013 erinnerte der physisch starke Parker dann aber eher an Carmelo Anthony: Mit 23 Punkten pro Spiel war er der mit Abstand produktivste Freshman der NCAA. Parkers Stärken sind seine offensive Vielseitigkeit und sein starkes Rebounding.

Ob in der Transition, als Spot-Up-Shooter, aus dem Dribbling oder mit dem Rücken zum Korb - Parker hat das Potential, aus jeder Situation zu scoren. Er ist zwar nicht so explosiv wie Wiggins, verfügt aber über sehr gute Bewegungen und einen hohen Basketball-IQ, was er zu seinem Vorteil zu nutzen weiß. Ein Schwachpunkt Parkers ist sicher lichseine Defense, mit der er auf NBA-Ebene Probleme gegen starke Gegenspieler bekommen wird. Offensiv ist er aber ganz klar überreif für die NBA und der vermutlich beste Scorer in der starken Freshman-Riege. Im Turnier geht es für ihn und Duke bis ins Elite Eight.

Julius Randle (Kentucky)
Biest - Das würde als Beschreibung für Freshman-Forward Julius Randle von den Kentucky Wildcats eigentlich schon genügen. Kein zweiter Spieler im Draft ist körperlich so NBA-ready. Randle verfügt über eine unwiderstehliche Mischung aus Größe, Stärke und Schnelligkeit, die es ihm erlaubt unter dem Korb zu punkten oder vom Perimeter den Korb zu attackieren. Randle kann aufgrund seiner physischen Überlegenheit auch in großer Bedrängnis und gegen mehrere Gegenspieler hochprozentig am Korb abschließen. Randle ist außerdem ein exzellenter Rebounder, er verfügt neben seiner Stärke über einen hervorragenden Instinkt für Abpraller und ist mit seiner Physis sehr gut darin, seine Gegenspieler auszublocken.

Skepsis macht sich unter den NBA-GMs höchstens wegen seiner unterdurchschnittlichen Größe für einen Power Forwards und seiner eher geringen Spannweite breit. Hier muss sich zeigen, wie er sich auf das NBA-Level, wo er physisch nicht immer überlegen sein wird, einstellen kann. Im Gesamtpaket ist Julius Randle ein sicherer Top-5-Pick, der seine Wildcats bis in die Round of 32 führen wird.

Marcus Smart (OSU)
Marcus Smart war nach einer überragenden Freshman-Season für die Oklahoma State Cowboys der sichere Nummer-Eins-Pick im Draft 2013. Smart entschied sich, zur Freude aller Anhänger des College-Basketballs, jedoch für eine Rückkehr an seine Uni. Seine Mission sei noch nicht abgeschlossen, er wolle mit seinem Team hoch hinaus, so begründete der Youngster im letzten Jahr seine Entscheidung. Seine Sophomore-Season entpuppte sich dann aber als Berg-und-Tal-Fahrt, die nicht nur den überragenden Basketballer und Leader seines Teams, sondern auch den Menschen Marcus Smart zeigten: Nachdem die Cowboys Ende Januar/Anfang Februar vier Spiele hintereinander verloren, lieferte sich Smart mit einem Fan des Gegners ein Wortgefecht und schubste diesen sogar. Schnell war die Rede vom frustrierten 'Headcase', der mit der veränderten Situation, in der es nicht so einfach wie erhofft lief, nicht zurecht kommt.

Nach seiner Rückkehr ins Team (drei Spiele Sperre) ging es jedoch zurück auf die Gewinnerstraße und OSU konnte das Ticket für's NCAA-Turnier lösen. Neben seinen unbestreitbaren basketballerischen Fähigkeiten - Smart ist ein körperlich überlegener Point-Guard, der hochprozentig am Korb abschließen kann und ein guter Passer ist - stehen nun die Zweifel an seinen Fähigkeiten als Leader. Diese gilt es im NCAA-Turnier gegen die Gonzaga Bulldogs abzuschütteln - was Smart gelingen wird.

Russ Smith (Louisville)
'Russdiculous', wie Russ Smith, Point Guard der Louisville Cardinals, gerne genannt wird, macht seinem Spitznamen immer wieder alle Ehre: Smith ist ein purer Scorer, der zu den schnellsten Spielern der NCAA gehört und das Tempo auf dem Feld pusht. 'Tough as nails' möchte man über Smith sagen, der das ganze Spiel über Fahrkarten schießen kann und am Ende des Spiels doch den Gamewinner trifft. Seine Stärken sind seine Mentalität, seine Defense und seine Schnelligkeit. Auf NCAA-Level gibt es kaum jemanden, der ihm in diesen Belangen das Wasser reichen kann.

Letztlich bleibt Smith jedoch ein Combo-Guard im Körper eines Point-Guards. Er hat zwar sein Ballhandling und seine Court-Vision verbessern können, ist aber immer noch mehr Shooting Guard als Floor-General. Auf dieser Position wird er es im Hinblick auf eine NBA-Karriere sehr schwer haben, da seine Gegenspieler in der Regel körperlich wesentlich stärker sind als er. Seine Defense und Mentalität jedoch sind NBA-reif. Dies wird Smith in einem Run der Louisville Cardinals ins Final Four einmal mehr unter Beweis stellen.

Joel Embiid (Kansas)
In dieser mit Stars gepickten Draft-Class ragt Joel Embiid wortwörtlich noch einmal heraus. Stichwort: Upside. Der Seven-Footer aus Kamerun, der über eine hervorragende Fußarbeit, eine unglaubliche Spannweite, Rebound-Instinkte und eine starke Defense verfügt, erinnert viele Experten und Fans an Hakeem Olajuwon. Ein Vergleich, der natürlich hohe Erwartungen schürt, aber auch Embiids riesiges Potential anzeigt.

Embiid legte für die Kansas Jayhawks jedoch keine überragenden Zahlen auf (11,2 PPG & 8,1 RPG). Offensiv ist also noch eine Menge Luft nach oben. Defensiv veränderte Embiid aber allein mit seiner Präsenz bereits die Offense ihrer Gegner. Kein Wunder, dass die Jayhawks ohne ihren Center ein völlig anderes Team sind. Umso ärgerlicher für Coach Bill Self, dass Embiid im Big 12 Turnier sowie am ersten Wochenende des NCAA-Turniers aufgrund einer Stressfraktur im Rücken ausfallen wird. Das bedeutet zwar nicht, dass die Jayhawks Gefahr liefen, frühzeitig auszuscheiden, aber nur mit ihrem Center Joel Embiid ist Kansas ein Team, dass auch am Ende zu den besten der NCAA gehört.


Wer sind die deutschen Spieler im Turnier?

Wenn am Donnerstag die zweite Runde des NCAA-Turniers beginnt, greifen auch fünf deutsche Spieler ins Geschehen der March Madness ein. Mit dabei sind Javon Baumann für die Saint Joseph's Hawks, Luka Kamber für die Louisiana-Lafayette Ragin' Cajuns, Gavin Schilling für die Michigan State Spartans sowie Niels Giffey und Leon Tolksdorf für die Connecticut Huskies.

Leider habe ich weder Kamber noch Baumann spielen sehen, ihre Zahlen verraten jedoch, dass sie keine großen Rollen in ihren Teams spielen. Daher verzichte ich an dieser Stelle auf eine detaillierte Vorstellung. Selbiges gilt für Leon Tolksdorf, der von Kevin Ollie bei den UConn Huskies in dieser Saison nur in der Garbage Time mit Spielzeit bedacht wurde. Gavin Schilling, als Spieler bei den Michigan State Spartans sowie Niels Giffey von den UConn Huskies sind daher die interessantesten deutschen Spieler im diesjährigen NCAA-Turnier.

Niels Giffey (UConn)
Kaum einen Spieler habe ich in den vergangenen drei Spielzeiten so intensiv beobachtet wie den deutschen A-Nationalspieler Niels Giffey. Die Entwicklung, die er während dieser Zeit durchgemacht hat, ist so beeindruckend wie erfreulich. Zwischen 2012, als Giffey von Jim Calhoun, Coaching-Legende der UConn Huskies, gerne mal über komplette Auszeiten zusammengestaucht wurde, und 2014, wo Giffey einer der besten Distanzschützen der NCAA I und einer der wichtigsten Spieler der Huskies ist, scheinen heute Welten zu liegen.

Seit seinem starken Auftritt in der Nationalmannschaft bei der EM 2013 merkt man Giffey in jeder Phase des Spiels sein gewachsenes Selbstvertrauen an. Offensiv wie defensiv tritt Giffey mit einem ganz neuen Selbstverständnis auf und trifft kluge Entscheidungen auf dem Parkett. Keine Spur mehr vom Zitterhändchen am Perimeter oder dem (fast) garantierten Ballverlust beim Drive zum Korb, wie noch 2012/13. In dieser Hinsicht kann sich Giffeys künftiger Arbeitgeber, der Gerüchten zufolge ALBA Berlin sein wird, bei Bundestrainer Frank Menz bedanken.

Giffeys Zahlen in der NCAA I sind beeindruckend: Seine 8,5 Punkte pro Spiel erzielt er mit einer Wurfquote von über 57%, vom Perimter trifft er fantastische 52%. Offene Würfe aus dem Pick & Roll oder Drive and Kick bekam Giffey auch in der vergangenen Saison - jetzt trifft er sie aber auch. Neben seiner Treffsicherheit ist seine Vielseitigkeit unglaublich wichtig für Coach Kevin Ollie. Giffey spielt bei den Huskies auf der 3 und der 4 und kann Gegenspieler von der 2 bis 4 verteidigen. Er verfügt über einen hohen Basketball-IQ, bringt Intensität ins Spiel und füllt seine Rolle als Leader vorbildlich aus.

Der perfekte Glue-Guy also für die Huskies, der weit mehr kann, als reiner 3-and-D-Spieler zu sein. Manch ein Huskie-Fan sieht Giffey in dieser Rolle sogar in der NBA. Wahrscheinlicher ist, dass wir Giffey in der nächsten Saison in der BBL zu sehen bekommen. Seine Saison und seine College-Karriere werden vermutlich am nächsten Wochenende enden, wenn die Huskies - wenn es zu keinem Upset kommt - gegen die Villanova Wildcats antreten müssen. Die Huskies und Coach Kevin Ollie werden ihn vermissen.

Gavin Schilling (Michigan State)
Freshman Gavin Schilling konnte bei den Michigan State Spartans von ihrem enormen Verletzungspech profitieren. Sowohl Center Adreian Payne und Matt Costello als auch Power Forward Branden Dawson fielen im Saisonverlauf immer wieder verletzungsbedingt aus, weshalb Minuten für Gavin Schilling heraus sprangen. Und das nicht nur in der Garbage Time. In seinen durchschnittlich fünf Minuten pro Spiel produzierte Schilling zwar keine besonders beeindruckenden Zahlen, konnte jedoch sein enormes Talent andeuten.

Der deutsche Jugend-Nationalspieler passt mit seiner jetzt schon starken Reboundarbeit hervorragend in das Programm der Spartans, die seit jeher für harte und aggressive Arbeit am Brett stehen. Schilling musste jedoch auch immer wieder Lehrgeld zahlen, wenn er von den Refs mit mehreren Foul-Pfiffen pro Minute bedacht wurde oder wenn ihm bei versuchten Dribblings in der Zone der Ball gestohlen wurde.

Schilling ist ein Freshman mit Talent - genau das hat er in der abgelaufenen Saison gezeigt. Im Turnierverlauf wird Schilling wohl keine Rolle für die Spartans spielen - es sei denn, Payne, Dawson und Costello haben massive Foul-Probleme. Für die Zukunft der Spartans ist Schilling aber ein wichtiger Baustein: In seinen Statements lobte Coach Tom Izzo ihn immer wieder für seine guten Screens, sein Rebounding und seine Athletik. Kommen noch Erfahrung und Cleverness hinzu, sieht es rosig aus für Schilling in East Lansing.