01 März 2014

Tiago Pereira | 1. März, 2014    @24Sekunden






Wir schreiben die Saison 2013/14, es ist die vierte Amtsperiode des DeMarcus Cousins im Reich der Könige von Sacramento. Viele Neuerungen bahnten sich schon vor Saisonbeginn für den Jungkönig an: da war zu einem sein auslaufendes Arbeitspapier, welches um vier Jahre verlängert werden sollte. 62 Millionen US Dollar lassen sich die Kings Cousins Verbleib bis 2018 kosten. Dies ist bei weitem nicht wenig Geld für einen 23-Jährigen, dennoch wurden die Goldtruhen der Kings nicht sinnlos geplündert. Es ist eine Investition in die Zukunft und das Vertrauen darin, dass Cousins der Verantwortung gewachsen ist, sich und seine Könige auf das nächste Level zu führen. Während die Regentszeit des Königs zumindest gesichert war, stand die Residenz der Kings und ihrer Könige im Sommer mehrere Male auf der Kippe. Anaheim und Seattle liebkosten stark mit der Idee, die Kings in ihre Stadt zu holen, doch am Ende hielten die Verantwortlichen der Kings, dank der Unterstützung ihrer Fans, Bürgermeister Kevin Johnson und Neu-Investor Vivek Ranadivé, an Kaliforniens Hauptstadt fest. Die Kings konnten sowohl ihren Jungstar als auch ihr Königreich behalten, und alle waren bereit für eine neue Saison Sacramento Kings Basketball!

Trotz der Euphorie, die die Stadt durchlief, nachdem klar war, dass sie ihr geliebtes Basketballteam behalten durfte, konnten die Sacramento Kings nicht für den erhofften Glanz sorgen. Magere 20 Siege konnten die Könige nach zwei Dritteln der Saison vorweisen, und wieder wird es ein Jahr für die Lotterie werden. Dennoch ist die Stimmung in Sac-Town weniger schlimm als erwartet, denn trotz der schlechten Teambilanz spielt sich ein König besonders in die Herzen der leidgeplagten Fanseele.

Center DeMarcus Cousins scheint die Kritik der letzten Jahre deutlich wahrgenommen zu haben und zeigt in dieser Saison seine mit Abstand besten Leistungen in der NBA. Nicht nur auf dem Stat Sheet am Ende des Abends, sondern auch abseits von Punkten, Dunks und Rebounds: Wer den Jungstar aus Alabama auf dem Feld sieht, erkennt den mentalen Wandel. Einsatz, Leidenschaft und Wille haben scheinbar in Cousins' Oberstübchen Einzug gefunden. Anstatt ständig mit den Unparteiischen zu diskutieren und sich ein Technisches Foul nach dem anderen einzufangen, hält Cousins seine Gefühlslage (meistens) im Griff und tut das, was er am besten kann: Basketball spielen.

Von einem Zen-Meister-Dasein ist DMC noch einige Leben entfernt, jedoch fokussieren sich Cousins Gefühlsextasen meist nach verwandelten Würfen und nicht mehr nach jedem Foul, das gegen ihn gepfiffen wurde. Die neue Reife des DeMarcus Cousins spiegelt sich aber nicht in den goldenen Momenten der Saison wieder, sondern an den vielen schwarzen Tagen, wenn Sacramento mit 20+ Punkten aus der eigenen Halle geschossen wird. In diesen Momenten zeigt Cousins, dass er die Rolle als Teamleader angenommen hat und bereit ist, für seine Mitspieler zu kämpfen. Statt sich frustriert den Pfiffen der eigenen Fans und seinem Schicksal als Verlierer zu ergeben ist sein Blick stets nach vorne gerichtet. Jeder Punkt, jeder Stopp in der Defensive spornt ihn und seine Kings an. Es ist dieser Wille, diese Leidenschaft, die Cousins so oft abgesprochen wurde. Der wohl talentierteste Big Man der Liga scheint diese Saison nun auch Basketball mit seinem Kopf zu spielen, wodurch sich die Frage erlaubt: Wer kann einen motivierten und engagierten DeMarcus Cousin aufhalten?

Auf diese Frage lässt sich eine leichte Antwort finde: keiner! Offensiv ist der Center der Kings von keinem Gegenspieler zu stoppen, zu gut und versiert ist sein Waffenarsenal. Besonders gegen die Bel Étage der NBA-Center spielt Cousins groß auf. Nur Dwight Howard schaffte es in dieser Saison, im Eins-gegen-Eins mehr Rebounds und Punkte zu holen als Cousins.


Diese starken Leistungen sind keine Eintagsfliegen im Spielkalender der Kings, sondern konstante Darbietungen, welche Cousins schon die gesamte Saison über zeigt. Scheinbar befand sich 'Big Cuz' diesen Sommer öfter in der Trainingshalle als im Nachtclub, anders lassen sich Karrierehöchstwerte bei den Punkten, Rebounds, Assists, Steals und Blocks nicht erklären.


Besonders an seiner Punktausbeute hat Cousins gearbeitet. Standen 2012/13 noch 17 Punkte im Boxscore neben der Nummer 15 bei Sacramento, lesen sich dort diese Saison 22 Punkte! Böse Zungen werden jetzt behaupten, dass Cousins zum Alleinunterhalter in Sacramento geworden ist nach dem Abgang von Tyreke Evans. Es stimmt, dass Cousins sein Team auch bei den genommen Würfen (16,4 FGA) anführt. Hinzu kommt, dass nur Point Guard Isaiah Thomas (15,3 FGA) und Neuankömmling Rudy Gay (15,4) neben Cousins mehr als 10 Würfe pro Spiel nehmen. 32% aller Kings-Angriffe enden in einem Wurfversuch (FGA/FTA) oder Turnover von DMC. Ist Cousins Leistungssprung seiner Balldominanz geschuldet oder hat sich die Leistung des Centers tatsächlich enorm verbessert?


Der Blick in die Statistik zeigt: Cousin hat wirklich an sich gearbeitet! Trotz der gesteigerten Wurfmenge hat sich seine Trefferquote nicht verschlechtert, im Gegenteil: sie hat sich deutlich verbessert. Obendrein geht Boogie stolze 9 mal pro Spiel an die Freiwurflinie. Nur Dwight Howard und Kevin Durant werfen mehr Freiwürfe pro Partie als der Center der Kings. Dabei stellt sich die Frage: Was macht der Center anders als im Vorjahr?

Cousins offensive Spielzüge teilen sich in vier Großgruppen auf: Post Up, Roll Man im Pick & Roll, Spot Up und Isolation. Aus diesen vier Angriffsarten nimmt Cousins zwei Drittel seiner Würfe, in diesem sowie im Vorjahr. Meist agiert Cousins aus dem Post Up heraus, da sich ihm dort die meisten Angriffsmöglichkeiten bieten. Posted Cousins seinen Gegenspieler auf, ermöglicht ihm sein für einen Big Man grandioses Ballhandling, via Spin Move oder per Drive zum Korb zu ziehen und hochprozentig zu verwandeln (Driving Layup Trefferquote: 80%). Seine flinken Füße und das sichere Dribbling führen dazu, dass Cousins enorm viele Fouls bei seinen Drives zieht. Cousins hat erkannt, dass er öfter seine Gegner aufposten muss, um an einfache Punkte zu gelangen. Während 2012 nur jeder vierte seiner Wurfversuche aus dem Post Up kam, sind es diese Saison schon 31,2% - also fast ein Drittel. Operiert Cousins aus dem Post Up heraus, erzielt er 0,87 Punkte pro Versuch, bei einer Trefferquote von 42,6%.

Um Cousins Leistung einen Richtwert zu geben, schauen wir uns die Effektivität von Dwight Howard aus dem Post Up an. Der All Star Center der Rockets bezieht 52% seiner Würfe aus dem Aufposten und erzielt 0,76 Punkte bei einer Trefferquote von 46%. Damit ist Cousins rein statistisch ein effektiverer Post Scorer als der beste Center der Liga. Auch die All Star Center Roy Hibbert (0,84 Punkte) und Joakim Noah (0,73 Punkte) kommen nicht an die Effektivität von Cousins heran.

Der Center hat somit seine Stärke erkannt und greift öfter auf diese zurück. Aber allein an seinen Stärken zu arbeiten genügt nicht, um 5 Punkte mehr pro Spiel zu erzielen. Cousins reduzierte nebenbei auch die Anzahl schwieriger Spot Up Würfe (11,2% --> 8,8%) und Würfe aus der Isolation (15% --> 8%). Anstatt seine Schwächen aber komplett beiseite zu legen, nutz Cousins seine Isolationen einfach effektiver, um zu punkten. Sowohl die Trefferquote bei den Isolations (40,3% --> 48,3%), als auch bei den Spot Ups (36,2% --> 37,8%) haben sich im Vergleich zur Vorsaison gesteigert. Zwar wird mit zunehmender Distanz der Sprungwurf immer unsicherer, aber dennoch ist Cousins' Jumper eine wertvolle Waffe, der nur der Feinschliff fehlt. Investiert er im Sommer mehr Zeit und Training in seinen Sprungwurf, kann er die Defensive noch stärker bestrafen, wenn er nicht eng genug verteidigt wird.


Das Skillset des DeMarcus Cousins lässt sich in der Offensive um einen weiteren Punkt erweitern: seine Passfähigkeit. Während manch ein Guard Probleme hat, einen einfachen diagonalen Pass an den Mann zu bringen, bedient Cousins seine Mitspieler auf jede erdenkliche Weise. Oft sind seine gewagten Cross-court- und Bodenpässe nicht immer zur Zufriedenheit von Coach Mike Malone, doch kaum ein anderes Team hat einen Center mit derart guten Passfähigkeiten in den eigenen Reihen.
Allem Anschein nach hat Cousins nicht nur mental an sich gearbeitet, sondern auch an seinen Basketballfähigkeiten. Was hält uns also davon ab Cousins in die Konversation um den besten Center der Liga aufzunehmen?

Scheinbar ist es das altbekannte Lied: "Der beste Spieler ist nur so gut wie sein Team!" Ein Lied das Kevin Love seit Jahren zu hören bekommt. Selbiges gilt nun auch für Cousins. Wie kann ein Spieler der beste seiner Zunft sein, wenn sein Team außerhalb der Playoff Plätze rangiert? Die allgemeine Ansicht ist: ein Topspieler muss sein Team besser machen, bzw. sein Team muss ohne ihn signifikant schlechter sein. Obwohl Cousins das Hauptaugenmerk der Sacramento-Offensive ist, verringert sich die Effektivität dieser nur minimal, wenn Cousins auf der Bank sitzt. Wie kann eine mittelmäßige Offensive (Platz 15) ohne ihren besten Spieler nicht schlechter werden? Dies ist ein Kritikpunkt, der Cousins in der Tat schlecht zu Gesicht steht. Cousins Abstinenz auf dem Spielfeld ist zumindest in der Defensive deutlich erkennbar. Ohne Cousins auf dem Feld verteidigen die Kings schlechter als die Philadelphia 76ers (107,3 DefRtg, 30. Platz). Mit ihrem besten Spieler auf dem Feld zählen die Könige „nur“ noch zum schlechten Mittelmaß in der Verteidigung.


Teammisserfolg und die bekannten Eskapaden sind die wahren Gründe dafür, dass DeMarcus Cousins auch dieses Jahr nicht in den erlesenen Kreis der All Stars aufgenommen wurde. DMC ist erst der dritte Spieler mit einem PER über 25, dem dieses "Kunststück" gelang. Ein schlechter Charakter und Disziplinlosigkeit werden von NBA-Coaches nicht toleriert, auch wenn diese persönlichen Ausrutscher der Vergangenheit angehören - größtenteils. Cousins muss sich erst den Respekt innerhalb der Liga verdienen, um einen Anspruch auf die Centerkrone stellen zu können. Denn eins ist klar: Cousins ist noch lange nicht am Ende seines Potentials angekommen. Mit 23 Lenzen stehen dem Center noch alle Türen offen.

Dabei sollte Cousins mit einem Auge nach Washington, D.C. schielen, zu seinem Wildcats-Kollegen John Wall. Wie an Cousins haftete auch an Wall der Ruf des Misserfolges, die schlechte Teambilanz schmälerte seine individuellen Leistungen enorm. Diese Saison scheint sich die öffentliche Wahrnehmung von Wall geändert zu haben, weil er und seine Wizards zu den besten Teams im Osten zählen. Kaum stehen die Wizards in den oberen Tabellenrängen, erhielt auch ihr Starspieler seine erste Einladung zum All Star Game. Die gleichen Hoffnungen darf sich auch DeMarcus Cousins machen, sollten die Kings im hart umkämpften Westen bald eine Rolle um die Playoff Plätze spielen. Das wichtigste ist jedoch, dass Sacramentos Fans seit dieser Saison die Gewissheit besitzen, dass ihr bester Spieler sich nicht mehr über sein Potential Gedanken machen muss, sondern über die Leistungen für das Team - sein Team. Er wird weiter kämpfen müssen, um sich und seinen Kings den Respekt und die Anerkennung zu verschaffen, die sie verdient haben, um eines Tages wieder die wahren Könige des Westens zu sein.